IC-718 TX Erweiterung

Die. 18.Nov.14, Lagos/Portugal, Tag 171, 1.714 sm von HH

Für die nicht Amateurfunker…. In der Regel können Amateurfunkgeräte nur auf den für den Amateurfunk zugelassenen Frequenzen senden. Um nun aber auf allen Frequenzen sendefähig zu sein (z.B., wenn das Schiff brennt und sinkt und ein Ansprechpartner gerade nicht auf einer der zugelassenen Frequenzen verfügbar ist), war es mein Wunsch, unser neues Funkgerät durchgängig sendefähig zu machen. Alles, was dazu notwendig ist, ist das Entfernen einer winzigen Diode aus dem Gerät. Das Teil ist keine 2mm groß und somit kostete es mich schon einiges an Überwindung, das Projekt anzugehen.

Zunächst musste mein alter Lötkolben, der eigentlich wohl eher für Tiffany Arbeiten gedacht war, auf das notwendige Maß gebracht werden. Die Spitze habe ich daher einfach abgefeilt und dann mit Hilfe des Akkuschraubers und einer Feile in Form gebracht.

alte Lötkolbenspitze

alte Lötkolbenspitze

sauber und spitz

sauber und spitz

Entsprechendes musste auch mit der Billig Pinzette geschehen, die ich einfach so spitz wie möglich runter geschliffen habe.

Öffnen des Geräts:

  • Boden und Deckel abschrauben
  • Seitlich sind dann auf jeder Seite 2 verzinkte Schrauben zu sehen. Die oberste entfernen und die untere lösen.
  • Dann lässt sich das Bedienpanel nach vorne klappen. Mir empfahl man, das geöffnete Gerät auf ein 5-6cm dickes Buch zu legen.
  • Die Diode (D54) vorsichtig mit der Pinzette greifen und leicht nach oben ziehen. Lötstelle kurz mit dem Lötkolben erhitzen und schon löst sie sich. Diese Arbeit habe ich zusammen mit meiner Funkfreundin DL1SWI (besser bekannt als Bine) gemacht. Sie hat die Pinzette gehalten wodurch ich zwei Hände für den Lötkolben hatte (…zur Verringerung der Amplitude an der Lötkolbenspitze….)
  • Lösen der zweiten Lötstelle entsprechend der ersten


Fazit Die Bauteile sind wirklich winzig, aber mit etwas Vorsicht und guter Vorbereitung gelingt es auch absoluten Lötanalphabeten, die Diode zu entfernen (…war zumindest bei uns so). D53 habe ich nicht entfernt, da nicht so recht klar ist, wofür das Teil ist und D55 (für die Frequenzerweiterung) durfte auch bleiben.

Ich habe eine Reihe von Internetseiten gesehen, bei denen die Entfernung aller drei Dioden beschrieben stand, aber D54 allein tut es auch. Ob mein IC-718 nun einem IC-78 entspricht ist nicht 100%ig geklärt. Wenn jemand etwas genaues dazu weiß, dann würde ich mich über einen Eintrag in den Kommentaren freuen.

…..ich übernehme natürlich keine Garantie, wenn jemand aufgrund meiner Beschreibung nicht das gewünschte Ergebnis erzielt.

Erste Erfahrungen mit der KW Alu-Folien Erde

Sa. 15.Nov.14, Lagos/Portugal, Tag 168, 1.714 sm von HH

Wie berichtet, habe ich ca. 2,5qm unterhalb der Wasserlinie in Achterschiff mit Haushaltsalufolie (manche würden Butterbrotpapier sagen) ausgelegt. Ich habe die Folien dabei ca. 10cm überlappen lassen und dann mit Steinband verklebt. Die Widerstandmessung zwischen den einzelnen Abschnitten und auch über alle Flächen ergab praktisch keinen messbaren Wert.

Die FSK/PSK hatte ich diesmal so eingestellt, dass bei halber Leistung (ca. 50W) die ALC gerade noch angesprochen hat (FSK 130, PSK 170).

Die ersten Versuche via Pactor mit Stationen in der Schweiz und in Halifax verliefen deutlich besser als vorher. Meine max. angezeigte Download Geschwindigkeit lag bei ca. 2700 Byte pro Minute und im Upload waren es auch noch über 2000. Ich gestehe allerdings, dass der Regelfall eher bei 800-1000Byte/min liegt….und manchmal auch nur 250 zu erreichen waren. Für kurze Mails ist das kein Problem, jedoch wird es ein wenig langwierig, wenn Grib Files oder gar Bilder durch den Äther geschickt werden sollen.

Ich habe noch keine Erfahrung, wie lange diese Folienkonstruktion hält und wie lange die Verbindungen zwischen den Folien nahezu widerstandsfrei erhalten bleiben. Allerdings ist jetzt schon klar, dass Reparaturen extrem schnell und preiswert durchzuführen sind.

Sevilla, Tag 2

Do., 13.Nov.14, Sevilla/Spanien Tag 166, 1.714 sm von HH

So prima, wie sich das Wetter gestern zum Guten wendet, so ist es heute gegen uns. Der Himmel ist grau und passt zu unserer Stimmung. Denn wir haben eine denkwürdige Nacht hinter uns. Dadurch, dass wir nur das Fenster zum Innengang haben und sich dies gar nicht öffnen lässt, ist nach zwei Stunden Nachtruhe der Sauerstoff im Zimmer komplett verbraucht…

Dies führt unter normalen Umständen schon zu verstopften Nasen und Erstickungs-Tod. Nun haben wir beide eine ganz leichte Erkältung mit nach Sevilla getragen, nichts Dolles, aber in dieser Nacht verhindert sie praktisch jeden Schlaf. Wenn einer grade eingeschlummert ist, fängt der andere an zu wühlen, schnaufen oder trocken zu husten. :evil:

Wenn an so einer Nacht überhaupt etwas Positives zu finden ist, dann nur, dass wir die ersten beim Frühstück sind und um 9:00 Uhr schon wieder durch die Gassen schlendern. So früh hat man so einen Touristenort noch für sich alleine und das hebt dann auch die Stimmung wieder. Die schlechte Nacht hat uns ungewollt die Entscheidung abgenommen: wir verlängern nicht um eine weitere Übernachtung, wir wollen ein Bett, was schaukelt!

Um die pompöse Kathedrale weihnachtet es schon sehr. Es sind relativ schmucklose Buden aufgebaut, die alle die gleichen Artikel verkaufen: Krippen! Krippen mit Esel, Krippen ohne Esel, aber mit 3 Königen, Christkind auf Esel, Esel am Spieß ;-) , schukarton-groß oder im Format eines Kleinwagen, und zum noch-selber-bemalen und, und, und…

 

Am frühen Nachmittag regnet es dann für zwei Stunden, dafür sind wir gut gerüstet mit Regenjacken und wettern den Hauptregen prima mit einer erneuten Tapas-Rast ab. Wieder sind die Dinger gut gelungen, nicht ganz so fancy wie gestern, aber sehr lecker.

Uns bleibt an Tag 2 genug Zeit die wichtigsten „must-see“ abzuarbeiten und haben als Fazit: Sevilla ist wunderbar!!!

 

 

Sevilla, Tag 1

Mi., 12.Nov.14, Sevilla/Spanien Tag 165, 1.714 sm von HH

Wie gesagt, ist unser Hotel überraschend hübsch und für 55,00 EUR die Nacht ein Schnapper. Es befindet sich in einer ehemaligen Sakristei, hat umlaufende, überdachte Gänge zum Atrium, nur leider geht unser Zimmerfenster zum Gang. Dies sollte noch zu Problemen führen…

Sevilla ist spanisch, so spanisch wie man sich eine Stadt nur vorstellen kann, sozusagen das stadtgewordene Spanien. Schwarz lackierte Balkone und Fenstergitter vor verzierten Fassaden, die in kräftigen rot bis gelb Tönen gestrichen sind. Die drittgrößte Kirche der Welt, ein riesiges, gotisches Gesamtkunstwerk. Dann eine sehr verwinkelte Altstadt, extrem gut in Schuss, keine Leerstände der oberen Etagen, kein Verfall wie in Portugal.

Schwere, zum Teil mit Metall beschlage, Holztüren stehen offen und lassen einen Blick in die gekachelten, liebevoll mit Töpfen dekorierten „Hausflure“ zu. Orangenbäume stehen voll behangen mit bald reifen Früchten als Straßenbäume links und rechts des Weges und lachen einem Nordeuropäer frech ins Gesicht.

Die Altstadt wird von einem Labyrinth enger Straßen beherrscht, schmale Gasse enden an einer 5er Kreuzung, Wege gabeln sich, machen unerwartet Biegungen und teilen sich wieder, so dass uns die Orientierung schwer fällt. Als wir merken, dass die olle Touristenkarte nicht nach Nord ausgerichtet ist, wird es etwas besser, aber es bleibt eine schwierige Stadt.

Etwas außerhalb dieses Gewusels steht die Plaza de Espana, ein Platz mit 200 Meter Durchmesser, der anlässlich der Iberoamerikanische Ausstellung 1926 errichtet wurde. Das Gebäude ist versehen mit vielen Keramiken und Marmor und war mehrfach Schauplatz in diversen Spielfilmen, so z.B. Laurence von Arabien (liebe Grüße an Andreas) und Star Wars.


In Sevilla, dem Geburtsort der Tapas, dürfen diese natürlich auch auf unserem Speiseplan nicht fehlen. Mit den ersten 4 haben wir großes Glück: Kleine Kunstwerke, die haben zwar nichts damit zu tun, wie Tapas ursprünglich mal gemeint waren, sind aber köstlich. Der Tapa auf dem Foto ist im Speckmantel gebratener Ziegenkäse mit Cranberry-Chutney, eine Art süßes Sauerkraut und dazu warmes Pistazienbrot mit einem Hauch Anis. Bravo – für 2,75!

So in spanische Stimmung gebracht, fehlt uns nur noch ein Flamenco, ebenfalls in Sevilla geboren. Zufällig kommen wir beim Bummeln durch die Gassen am Flamenco-Museum (dem ersten und einzigen auf der Welt) vorbei. In der Erwartung, dass in einem Museum kein Touri-Nepp gezeigt wird, fragen wir spontan, ob noch zwei Plätze für die, bereits in 20 Minuten beginnende, Vorstellung zu haben sind. Eigentlich ist bereits ausverkauft, aber Achim muss charmant auf das Mädel am Tresen wirken, denn plötzlich, wie von Zauberhand, wir sind schon am Ausgang, sind doch noch zwei Plätze frei.

Die Vorstellung findet auf einem Tablao, einer sehr flachen Bühne statt, um die ganz nah einfach Stühle herum gestellt werden. Hier im Museum ist der Raum recht klein, so dass es vielleicht 60-70 Sitzgelegenheiten gibt. Da freie Platzwahl ist, finden Achim und ich uns auf einmal auf Spitzen-Plätzen nur 2 Meter vom Tablao entfernt wieder. Nicht schlecht dafür, dass wir die Letzten waren. :oops:

Die Vorstellung dauert eine Stunde und besteht aus einem Sänger, einem Gitarristen, aus Tänzer und Tänzerin. Also, Freunde der Musik, zu Hause würden wir uns wohl keinen Flamenco auflegen, dazu ist der Gesang dann doch auf Dauer zu anklagend und weinerlich. Aber in Sevilla macht das Spaß. Der Paartanz gefällt uns am besten, die Dynamik, Kraft und Emotion, die vermittelt werden, macht Gänsehaut. Ein Solo vom Gitarristen, hinterläßt den Eindruck, dass er 1000 Töne die Minute seinem Instrument entlocken kann. Unglaublich virtuos und wenn man so nah dabei sitzt, wird einem schwindelig, wenn man dem Herren auf die Finger schaut.

Der Haupt-Akt ist aber eigentlich der männliche Solotanz. In Deutschland würde es sicherlich etwas albern wirken, wenn ein schlanker, gut aussehender Mann im schwarzen, engen Anzug inkl. Weste und knallroten (!) Stepp-Schuhen auf die Bühne kommt. Aber er tanzt jeden Anflug von Tuntigkeit einfach mit stolzen Gesten, erhobenen Hauptes weg (dies spiegelt nur meine Meinung wieder, Anm.d.Red.)

Wir sind trotzdem beide begeistert und freuen uns, dass wir so viel Glück hatten noch eine Vorstellung zu erwischen. Zwischen 18 und 22 EUR kostet übrigens so eine Show ohne Verzehr.

Nach dem Flamenco steht uns der Sinn nach weiteren Tapas :-)

Diesmal liegen wir aber leider mit der Wahl des Lokals nicht so gut. Die Häppchen sind zwar okay, aber nicht mehr. Zumindest ist es um 20:30 Uhr so mild, dass wir noch draußen genießen können.

Fahrt nach Sevilla

Mi., 12.Nov.14, Sevilla/Spanien Tag 165, 1.714 sm von HH

Unsere Fahrt beginnt leicht regnerisch bei milden 18 Grad morgens um 6:30 Uhr. Der Bus ist recht komfortabel, hat WIFI und außer uns fahren nur noch knapp 15 weitere Passagiere mit. In Portugal führt die Strecke an der Küste entlang (allerdings ohne Meerblick) und wir fahren die wichtigsten Orte an der Algarve ab.

Die Landschaft ist geprägt von sanften Hügelketten, mal landwirtschaftlich ungenutzt mit niedrigem Buschwerk bewachsen, mal Olivenhaine oder, seltener, kleine Orangen-Plantagen. Dazwischen, malerisch hingetupft, kleine Dörfer oder einzelne Fincas. Diese sind in weiß oder pastell gestrichen und haben diese unnachahmlichen, wunderschönen, roten Ziegeldächer, die es nur in Südeuropa gibt.

Die Straßen sind, EU-Gelder sei dank, super in Schuss und sehr auffällig ist, dass auch auf den Überlandstraßen kein Müll im Straßengraben liegt (und das ohne Dosen- und Flaschenpfand) liegt! Spontan nach Überschreiten der Spanischen Grenze wird es dann flacher und es nehmen weitläufige Schirm-Pinien-Wälder und der Sonnenschein zu :-)

Auch die Landwirtschaft zeigt ein komplett anderes Bild. Was in Portugal als verträumte Öko-Bauernhöfe rüber kommt, ist hier die unsägliche Folien-ich-kann-zwei-Ernten-im-Jahr Groß-Agrar-Industrie. Dafür stehen, als schnödes Straßen-Begleitgrün, auf dem Mittelstreifen der Autobahn drei Meter hohe Oleander-Büsche in voller zweiter Blüte…

Um 13:00 Uhr sind wir pünktlich da und können in unser, überraschend schönes, Hotel einchecken. Bei 24 Grad und strahlendem Sonnenschein beginnen wir mit der Erforschung von Sevilla.