Wann wollt ihr durch den Kanal?

Do., 02.Nov.17, Kolumbien/Santa Marta, Tag 1251, 11.850 sm von HH

Das ist Thema Nummer eins hier in der Marina.
Gespräche drehen sich nur noch um die ca. 70 km breite Wasser-Strecke zwischen Atlantik und Pazifik. „Wann wollt ihr durch den Kanal?“, kein Segler-Treffen ohne diese Frage.
„Mit Agenten oder ohne?“ „Habt ihr schon Leinenhandler?“
Die Fragen drehen sich im Kreis.

Wir möchten noch in diesem Jahr durch. So unser Plan.
Dafür müssen wir allerdings erst mal nach Panama. Und das ist der kleine Haken.
Die Strecke ist ein häufig windarmes Loch und wir haben nicht viel Lust, die 330 sm zu motoren. Somit sitzen wir in der Marina und warten auf unseren Wind.

In den letzten vier Monaten sind wir fast festgewachsen an unserem Steg.
Es musste einer ins Wasser und Propeller, Welle und Rumpf vom Bewuchs zu befreien. Eine eklige Angelegenheit in Santa Marta. Wenn es regnet, spült eine Menge Dreck in die Marina. Die gesamte Überflutung der Straßen von Santa Marta ergießen sich in den Hafen.
Ich erwarte eigentlich immer, dass ein toter Hund vorbei getrieben kommt.

Achim mag nicht wirklich in die Brühe steigen. Für 100 USD bekommt man zwei Jungs, die den Job übernehmen. Auch fies. Selber mag man es nicht tun, aber andere machen lassen. :shock: Eine Regenpause von einigen Tagen lässt das Wasser ganz passabel aussehen, also geht Achim selber. Zwei leere Tauchflaschen später ist er fertig. Ohne diese Maßnahme wären wir nicht einen Zentimeter voran gekommen. Der Propeller war ein Riff!

Unsere Dicht- und Lackierarbeiten sind abgeschlossen. Ein Ölwechsel ist vollbracht, der Impeller gewechselt und das Rigg ist gecheckt. Wir haben einige Dinge neu organisiert, umgeschichtet, genäht und verändert. Neben den großen Projekten sind viele Kleinigkeiten von uns abgearbeitet worden.

Ich habe eingekocht und das Schiff mit Köstlichkeiten und Notwendigkeiten, wie Shampoo, Zahnbürsten und Klopapier beladen. In Panama soll es zwar auch noch alles geben, aber hier kennen wir uns aus und haben die Zeit, da der Wind auf sich warten lässt.

Du weißt, dass Du auf einem Segelboot und in den Tropen lebst, wenn WD40 Dein bester Freund ist. Nieten in den Schuhen, Reißverschlüsse am Rucksack und die Wirbel an den Gitarren. Es gibt nichts, was nicht oxidiert.
Sogar unsere schöne Nähmaschine war am Aufblühen. :cry:

Die Marina füllt sich. Vor ein paar Wochen lagen wir hier noch alleine mit zwei Handvoll Schiffen. Jetzt kommen täglich neue Segler. Die meisten haben das gleiche Ziel wie wir: „Wann wollt ihr noch mal durch den Kanal?“

In Panama haben wir noch einen Termin, um Atanga aus dem Wasser zu nehmen. Nur zum Antifouling streichen, mehr steht nicht auf dem Programm.
In Santa Marta gibt es zwar auch einen Kran, aber den Yard können wir nicht empfehlen. Es fehlen die Erfahrungen mit Segelschiffen und wir haben viele Geschichten über Pannen anderer Segler gehört.

Am Dienstag , Mittwoch könnte es den richtigen Wind für uns geben. Auf, auf, in Richtung Kanal.

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