Archiv der Kategorie: Gesellschafts-Inseln

Mal wieder Papeete

Mo.,02. Aug.2021, Franz.Polynesien/Tahiti/Papeete, Tag 2619, 22.204 sm von HH

Die Überfahrt war erste Sahne. Dabei fing es am Vorabend mit leichtem Magengrummeln an. Im wahrsten Wortsinn. Schuld waren die Hähnchenkeulen, die es zum Abendbrot gab. Achim war richtig schlecht, mir nur ein bisschen. Somit gehen die extra für die Überfahrt mit gebratenen Keulen über die Kante. Die Schiffshalter freuen sich.

Morgens geht es uns aber wieder gut. Aufbruch. Die Wettervorhersage stimmt mit der Realität überein. Vier Windstärken von schräg hinten. Mäßige Dünung. Atanga liegt leicht auf der Seite, nichts wackelt, nichts klappert. Geruhsamer Schlaf bereits in der ersten Nacht. Champagner-Segeln wie es neuerdings genannt wird. Zwischen fünf und sieben Knoten gleiten wir voran. Segeln kann ja sooo schön sein. Nur die Versorgung ist ohne die Hühnerkeulen etwas dünn. Das Versorgungsschiff wollte auch nicht mehr vor unserer Abfahrt kommen und ein paar ersehnte Gurken oder Tomaten bringen. Wir wühlen uns durch weniger beliebte Reste im Vorratsschrank. Mal sehen, was noch zu Krautsalat und Kartoffelsalat passen könnte. Vielleicht sind wir auch deshalb so schnell. Atanga ist zum Leichtgewicht geworden.

Unser Wetterfenster-Glück hält knapp 48 Stunden, dann bricht der Wind – wie vorher gesagt, man höre und staune – zusammen. Aber da sind wir längst nah an Tahiti.  Die letzten dreißig Meilen motoren wir direkt bis zur Marina. Und unser Glück hält an. Wir finden tatsächlich einen freien Platz. Das freut mich für Achim. Für ihn ist es alleine in der Marina zu wohnen angenehmer als am Anker zu hängen. Direkt gegenüber liegt die JajaPami, alte Sundowner-Mitstreiter :mrgreen: Hier weiß ich ihn gut aufgehoben.
Und Morgen wird erst mal ordentlich eingekauft. Im Wunderland Tahiti.

Das erste Morgenlicht nach einer sternenklaren Nacht – wundervolle Momente

 

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Müll

Mi.,28. Jul.2021, Franz.Polynesien/Tuamotu/Fakarava/Rotoava, Tag 2614, 21.949 sm von HH

Unser Müll – angesammelt in knapp fünf Wochen

 

Diese Menge Müll haben wir in knapp fünf Wochen erzeugt. Und dass, obwohl vielfach die Umverpackungen direkt nach dem Einkauf entsorgt worden sind. Reis und andere Schüttgüter bewahren wir in Plastikflaschen auf. Wir vermeiden Müll, wo es geht, aber viele Lebensmittel bekommt man ohne dreifach Verpackung ja gar nicht gekauft. Viel von unserem Müll-Volumen stammt von Konservendosen und Gläsern, halbwegs guter Müll, aber es ist erschreckend viel.
Es blutet das Herz den Müll auf einer Insel wie Fakarava zu entsorgen. Möchte man doch lieber täglich den Strand vom Müll befreien. Aber das Sammeln ist frustrierend. Nach jedem Sturm liegt wieder alles voll.

Auf den kleinen Inseln gibt es keine vernünftige Müllentsorgung. Etwas abgelegen vom Ort, in einer Sackgasse oder im Wald findet man sie unweigerlich, wenn man über die Inseln wandert. Der Müll wird auf einen Haufen gekippt und lieblos angezündet. Der Plastikmüll brennt nicht heiß genug ab. Schwelbrände sorgen für maximalen Ausstoß von schädlichen Gasen. Über die angekohlten Reste wird Schotter oder Erde gekippt. Aber besser als alles ins Meer zu kippen.

Schwelbrand auf der Kippe auf Fakarava

hier Hao

Müllkippe auf Gambier

Große Müllkippe auf Bora Bora mit viel mehr Menschen – Folien sollen das Einsickern von Giften verhindern

So weit wir gesehen haben, gibt es auf fast allen Inseln Behälter zum Sammeln von Uhren- und Taschenlampen-Batterien. Die Boxen sind meistens randvoll. Autobatterien dienen häufig als Gewicht für Planen oder Pavillons. Oder sie stehen irgendwo dutzendweise hinter einem Schuppen einer kleinen Werkstatt. Das Anliefern von Neuware klappt reibungslos, die Rückführung ist ausbaufähig.
Es werden auch Dosen und Glas gesammelt – auf Tahiti, Gambier, Hao und Fakarava. Das Prinzip der Mülltrennung hat sich aber noch nicht komplett herum gesprochen. Zwischen Dosen liegen Glasflaschen und Plastik oder die Sammelbehälter stehen leer. Da in Deutschland auch nach vierzig Jahren Mülltrennung Container noch immer falsch befüllt werden, ist es sicher auch in Französisch Polynesien noch ein langer steiniger Weg. Dabei sind die Polynesier sehr ordentlich. Überall wird geharkt und gefegt. Auch außerhalb des eigenen Grundstückes wird für Ordnung gesorgt. Überall stehen Mülltonnen, die benutzt werden.

Auf Gambier wurde der Bevölkerung letztes Jahr eine Schredder-Maschine für Glas und Metall präsentiert. Eine groß aufgebautsche Aktion anlässlich der Feierlichkeiten zum französischen National-Feiertag. Hoffentlich hält die Maschine länger als der Vorgänger. Die alte Pressmaschine für Metall scheint nach einiger Zeit kaputt gegangen zu sein, wie anklagende Haufen von Metalldosen beweisen. Ob die gepressten Ballen jemals mit dem Versorgungsschiff zum Recycling gebracht werden? Bsld dürften sie komplett eingewachsen sein.

Mühsam gesammelte Dosen und Flaschen warten auf ihre Pressung – vergeblich – die Maschine ist schon lange kaputt

Gepresse Dosen – stehen jetzt im Wald und sind kurz davor überwuchert zu werden – daneben ein Schrott-Bagger

Präsentation von einer neuen Dosenquetsche und Glas-Schredder-Maschine auf Gambier

Kaputte Autos, Bagger und Baummaschinen bleiben stehen, wo sie kaputt gehen und gammeln am Straßenrand oder im Wald vor sich hin. Hier scheint kein Abtransport durch ein Schiff zu erfolgen. Schrottkarren stehen überall verteilt, auf allen Inseln. Uns erscheinen es noch zu wenig Autos zu sein. Gut möglich, dass die ein oder andere Karre auch am Außenriff landet. Aber das ist Spekulation. Auf Hao wurden allerdings nach Abbau der miltärischen Anlagen für die Atombombenversuche, Schrott und kontaminiertes Material am Riff versenkt.

Baumaschinen-Friedhof auf Moorea direkt an der Hauptstraße

Schrottautos in der Insel-Idylle von Tahaa

Müll – die Geißel der ganzen Welt. Wie sollen wir dem nur Herr werden? Man mag nicht darüber nachdenken und jedes Auffischen einer treibenden Wasserflasche kommt mir zunehmend albern und überflüssig vor. Aber Aufgeben ist auch keine Option. Also weiter sammeln und vermeiden.

Plastik-Müll am Außenriff – Hao

Das traurige Außenriff. Jeder Kringel auf dem Foto ist Plastikmüll – gut zu erkennen auf dem hochauflösendem Foto. Dazwischen liegt auch noch Makro- und Mikromüll. Wir werden alle an unserem Plastik ersticken.

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Die Hochzeit der Barsche und Haie satt

Do.,24. Jun 2021, Franz.Polynesien/Tuamotu/Fakarava/Hirifa, Tag 2582, 21.949 sm von HH

Hundert Barsche, tausend Barsche. Zweitausend Barsche. Dazwischen rollt ein endloser Schwarm Füsiliere wie eine Welle über das Riff. Noch mehr Barsche. So weit das Auge reicht. Das reicht bis zur Riffkante. Dort patrouillieren die Haie. Der Blick geht zurück zu den Barschen. Wir tauchen mitten durch. Die Tiere sind träge, müde vielleicht, sie lassen sich berühren. Ein Barsch schwimmt mich sogar an. Viele liegen auf dem Grund. Die anderen schwimmen knapp über dem Riffdach. Der Schwarm lässt sich teilen wie das rote Meer – mit nur einer Handbewegung. Es sind unfassbar viele Fische. Dann kommen drei kapitale Barrakudas vorbei. Die Barsche versperren die Sicht. Es folgt ein Trupp Adlerrochen. Ein großer Thunfisch. Wieder der Füsilier-Schwarm – oder ist es ein anderer? – begleitet von einer Wolke kleiner Barrakudas.  Und noch mehr Barsche. Ein Meer voller Barsche.

Camouflage-Barsche satt

Leider ist unsere Go-Pro schon seit über einem Jahr kaputt. Unsere Filme und Bilder sind so schlecht (siehe oben), dass ich hier lieber auf einen kurzen Film verlinke von anderen Tauchern. Danke Silvain Camps, so hat es bei uns auch ausgesehen.

Der Camouflage- oder Tarn-Grouper ist ein unscheinbarer Fisch. Grau-braun gemustert, mit dunklen Flecken. Perfekt getarnt vor dem Riff. Er wird maximal achtzig Zentimeter lang, unsere Barsche haben wohl eine mittlere Länge von vierzig bis fünfzig Zentimetern. Einmal im Jahr treffen sie sich am Südpass von Fakarava zur Massenvermehrung. Zwei, drei Nächte lang übergeben die Weibchen ihre Eier der Strömung, die Männchen ihren Samen dazu. 15.000 bis 25.000 Fische sollen es sein. Überwiegend findet die Eiabgabe und Befruchtung nachts statt, so dass wir dies nicht zu sehen bekommen. Auf einen Nachttauchgang verzichten wir großzügig. Die Haie, die von dem gedeckten Grouper-Tisch angelockt werden, jagen ebenfalls nachts. Da kann es schon mal ruppig zugehen. Von Angriffen auf Menschen habe ich nichts gelesen, aber eine Taucherflosse bekommt schon mal einen Hai-Biss ab.

Üblicherweise erfolgt das Grouper-Treffen zum Vollmond im Juli. Da dieses Jahr der Junimond so spät stattfindet, sind wir zur richtigen Zeit am richtigen Ort. Wir sind natürlich nicht die einzigen, die davon gehört haben. Der Ankerplatz direkt am Pass ist voll. Uns ist er zu voll, zumal der Grund nicht als besonders sicher gilt. Er ist tief und soll überwiegend aus Korallenschotter bestehen. Wir entscheiden uns im zehn Kilometer entfernten Hirifa zu bleiben. Der Anker liegt perfekt im Sand auf sieben Meter. Die Kette schwebt über vereinzelt versprengten Korallen-Mini-Köpfen.

In Hirifa gibt es nichts. Keinen Strom, keine Straße, keinen Laden. Aber es gibt Internet. Unglaublich im Grunde. Auf den kleinen Inselchen direkt am Pass haben sich Tauchbasen, ein oder zwei Lodges und ein Restaurant angesiedelt. Und für diese Geschäfte hat man einen Handy-Mast errichtet.
Mit dem Abschluss unseres Handy-Vertrages  wurde ein kleiner Router mitgeliefert. Kleiner als eine Zigarettenschachtel. Wenn wir den halb den Mast hochziehen, haben wir in Hirifa tatsächlich Empfang. Guten sogar: 4G!  Somit nehme ich Kontakt zu einer der Tauchbasen auf. Die besten Tage, um die Hochzeit der Barsche zu sehen, seien der 22. bis 24. Juni, bekomme ich als Information. Am 24.ten hätten sie noch zwei Plätze für uns frei, Abholung direkt von Atanga, Preis 63 Euro pro Tauchgang. Ich reserviere.

Um 8:00 Uhr morgens werden wir abgeholt. Getaucht wird nach Strömung am Pass, nicht nach Uhrzeit. Das Tauchboot ist ein recht komfortables Schlauchboot mit zwei kräftigen Außenbordern und Überdachung. Nach zwanzig Minuten sind wir am Pass. In zwei Gruppen, mit fünf Minuten Abstand springen wir ins Wasser. Wir sind zu fünft: die Crew der Salpare und unser Tauchguide. Ich nenne das Luxustauchen.

Wir springen am Ende vom Pass, direkt am Außenriff. Die Sicht ist gut, aber nicht sensationell. Es ist das Ende der auslaufenden Strömung. Noch während des Tauchganges kippt die Strömung, so dass wir leicht in den Pass einlaufend rein gespült werden. Es könnte nicht besser passen. Nach dem Tauchgang gibt es eine Pause mit heißem Tee und Keksen. Nico, unser Guide, stellt die Frage in die Runde: „Wollt ihr beim zweiten Tauchgang noch mal die Barsche sehen oder die Haie?“ Einstimmigkeit – die Haie!

An der Nordseite des Passes heißt ein Tauchspot ‚Wall of Sharks‘. Der ist sogar in unserer Navigations-Software mit diesem Namen verzeichnet. Vorsicht ist geboten bei Tauchspots mit hochtrabenden Namen. Hier nicht. Es ist einfach nur sen-sa-ti-o-nell! Haie satt. Es sind Hunderte. Ohne Übertreibung. Überwiegend Graue Riffhaie. Diese Hai-Art wird knapp zwei Meter lang. Die sind schon recht haiig, wie Achim immer sagt. Bullige Körper, nicht so schlank, wie ein Schwarzspitzen-Riffhai. Zwischen den Grauen schwimmen einige Silberspitzen-Haie. Die werden bis zu drei Meter lang und sind noch haiiger.
Die Masse der Haie verschlägt uns den Atmen. Die Haie stehen in der Strömung und lassen sich das Wasser zum Atmen durch die Kiemen strömen. Es ist eine Wand aus Haien. Hinter einem kleinen Überhang auf 28 Meter finden wir Schutz vor der Strömung und brauchen nur zu warten. Die Haie kommen näher. Fast zum Greifen. Schwimmen sie auf gleicher Höhe wie wir, kann man ihnen in die Kiemen schauen. Schwimmen sie über uns, kann man ihnen an den ‚Klasper‘ schauen. Das ist aber unanständig, weil dieses die zum ‚Penis‘ umgewandelte Bauchflosse ist. Niemals zuvor haben wir so viele Haie so nah gesehen. Gut, wen man weiß, dass der Graue Riffhai einen Katzenbuckel macht, wenn er sich bedroht fühlt. :mrgreen:
Auffällig ist, wie dick die Tiere sind. Vollgefressen mit Barschen wahrscheinlich. Oder vielleicht schwanger. Irgendwo müssen die ganzen Haie ja herkommen.

Haie satt

Das gleiche gilt für die ‚Wall of Sharks‘. Unser Foto ist leider unterirdisch schlecht. ;-)
Danke GlobalDiveMedia für den tollen Film, so hat es bei uns auch ausgesehen.

 

Es gab ein französisches Tauchteam, das einen 24-Stunden-Tauchgang zur Hochzeit der Barsche unternommen hat. Sie sind beim Zählen der Haie auf über 700 Tiere gekommen. Zu normalen Zeiten sollen es zwischen zwei- und vierhundert Haien sein, die sich dauerhaft im Südpass von Fakarava aufhalten.
Übrigens haben uns andere Taucher erzählt, dass bereits am nächsten Tag kein einziger der Barsche mehr zu sehen war. Etliche wurden gefressen und die Überlebenden sind zu ihren Spalten und Höhlen am Riff zurück gekehrt. Für Vermehrung dürften sie ausreichend gesorgt haben.

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Die Schönheiten von Fakarava

Mi.,16. Jun 2021, Franz.Polynesien/Tuamotu/Fakarava/Rotoava Tag 2574, 21.919 sm von HH


Schon seit Tagen wollen wir am Südpass von Fakarava sein, allerdings spielt das Wetter nicht recht mit. Viele Regenschauer und dunkle Wolken ziehen über das Atoll. Wir möchten auf unserem Weg Sonnenschein haben – so einige Korallenköpfe lauern auf der Strecke und die Karte ist nicht besonders gut kartographiert. Also warten wir in Rotoava auf Besserung. Viele Sensationen gibt eine Insel in den Tuamotu nicht her, aber wir werden fündig. Die Schönheit liegt im Detail versteckt. Am Nachmittag, wenn die winterliche Sonne schon tief steht, werden die versteckten Schätze von Fakarava in Szene gesetzt.

Der Fahrradreifen ist inzwischen geflickt, trotzdem ziehen wir zu Fuß los. Zuerst am Außenriff entlang – Fakarava hat sogar einen Sandstrand aus Korallenschotter vorzuweisen. Bislang kannten wir nur Außenriffe mit unbegehbaren Riffplatten. Nach vier Kilometern erreichen wir eine Art Maya-Pyramide. Ein außer Dienst gestellter Leuchtturm aus dem Jahre 1957, längst ersetzt durch einen modernen Beton-Turm. Die alte Pyramide wurde noch aus Korallen gebaut. Der Bau wurde damals von einer Frau koordiniert, die ein Team leitete, was Erfahrung im Bau mit Kalk (Korallenpulver) hatte. Heute gibt es Bestrebungen den 14 Meter hohen Turm abzureißen, weil er sich zu nah am Flughafen befindet.

Strand am Außenriff

Der Strand besteht aus grobem Korallenschutt

Strecke zum Leuchtturm

Wie eine Maya-Pyramide ;-) taucht der Turm vor uns auf

Erst 1820 wurde Fakarava von einem russischen Seefahrer für Europa entdeckt, der es Wittgenstein nannte. Bereits 1849 wurden die Einwohner vom verrückten Priester Laval evangelisiert. Lavals wahnsinnige Kirchen-Bauwut forderte auf den Gambier Inseln nur wenige Jahre später viele hunderte Todesopfer. Ein alter Friedhof stammt noch aus dieser ersten Besiedlungszeit. Viele Gräber sind zerfallen und die Grabsteine aus Korallen verwittert. Aber wir konnten Geburtsjahrgänge um 1860 entziffern.

Der alte Friedhof windzerzaust und halb überwuchert

Nur ein paar hundert Meter weiter steht der moderne Friedhof. Der erscheint uns recht leer für tausend Einwohner, aber vielleicht wird nicht jeder auf dem Friedhof beigesetzt. Auf den westlichen Gesellschaftsinseln, wie Huahine, haben wir gar keinen Sammelfriedhof gefunden, da stehen die Gräber der Familienangehörigen im Vorgarten. Zufällig entdecken wir auch in Fakarava eine mächtige Gruft aus dem Jahr 1927 – eingebettet zwischen Wohnhaus und Schuppen.

Der moderne aktive Friedhof von Fakarava

Gruft aus dem Jahr 1927 zwischen den Wohnhäusern

Die schlichten Kreuze auf den Gräbern sind mit Muschelketten geschmückt, den sogenannten Lei. Die Polynesier hängen über alles, was ihnen wichtig oder heilig ist, einen Lei. Der kann aus Blüten, Muscheln oder Blättern bestehen. Auf dem Friedhof sind es Ketten aus den verschiedensten Muschelarten. Hübsch zusammen gestellt. Wo allerdings diese Unmengen an Muscheln herkommen, ist uns unklar. Am Strand liegen sie jedenfalls nicht. Dort findet man kaum ein Exemplar.

Muschel-Lei über jedem Kreuz auf dem Friedhof

Ketten über Ketten

in jeder Art und Weise zusammengestellt

Muschelkettenverkaufs-Stand am Straßenrand – wo kommen die Muscheln her?

In der Kirche von Fakarava – über alles wir ein Lei gehängt

Lei über einem Jesus-Bildnis in der Kirche

 

Und dann steht mal wieder unser Hochzeitstag an, an einem Mittwoch. Ich möchte dieses Jahr zum Jubiläum nicht wieder selber kochen müssen, wie letztes Jahr im Lockdown auf Gambier. In Rotoava finden wir ein paar nette Restaurants. Hoffnungsvoll schauen wir auf die Öffnungszeiten. Aber nein, wir haben Pech, wegen der geringen Anzahl an Gästen auf der Insel öffnen die Restaurants nur am Wochenende. Es gibt noch ein Lokal fünf Kilometer außerhalb mit Abhol-Service, aber wir wissen nicht, ob sie uns auch unter der Woche holen. Da bleibt nur die Pizzeria übrig. Hurra. Allerdings hat diese keine Sitzgelegenheit, es gibt nur einen Abhol-Service. Da die Pizza kalt ist, bevor wir mit dem Dinghy an Bord zurück sind, suchen wir uns ein lauschiges Plätzchen unter einem Baum. Mückenspray dabei – check. Zwei Dosen Bier eingepackt – check. So romantisch kann eine Jubiläumsfeier sein, auch wenn es stockdunkel ist, bevor die Pizza endlich fertig ist.

Mach mir das Wendler-Herz – Moment – das müssen wir noch üben :mrgreen: Alles Liebe zum Hochzeitstag

Nette Restaurants in Rotoava – alle nur am Wochenende geöffnet

Unser Pizza-Platz bevor es dunkel ist

Warten im Stockdunklen auf die Pizza

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Die gelbe Flagge

Fr.,28. Mai 2021, Franz.Polynesien/Tahiti/Papeete, Tag 2554, 21.559 sm von HH

Auch Pestflagge genannt, hatte früher die Bedeutung: ‚Seuchengefahr, Schiff nicht betreten“. Sie wurde von vor Anker liegenden Schiffen gehisst, wenn eine ansteckende Krankheit an Bord ausgebrochen war. Die Besatzungen solcher Schiffe wurden unter Quarantäne gestellt. Die Bedeutung der Flagge hat sich gewandelt, heutzutage wird sie gehisst beim Erstkontakt in einem neuen Land. Die Flagge zeigt an, dass an Bord eines ankommenden Schiffes alles in Ordnung ist und das Schiff um Einklarierung im Land bittet.

Achim und ich waren versucht für zwei Wochen in der Marina die gelbe Flagge zu hissen: Seuchengefahr! Ich kann mich kaum erinnern, wann wir beide eine so böse Erkältung hatten. Das ist bestimmt zehn Jahre her. An Bord sind wir bislang mit kleinen Schnupfen davon gekommen. Der Chef hat Halsschmerzen, die an das ‚Schlucken von Rasierklingen‘ erinnern. Ich habe einem Husten direkt aus der Hölle. Beide Fieber, verstopfte Nase, Appetitlosigkeit, das volle Programm.

Der Skipper ist zuerst krank – bei 28 Grad unter der Wolldecke und mit Socken an den Füßen

Achim fing als erster an. Er lag schon als sterbender Schwan auf dem Sofa, da habe ich mich noch fünf Tage in Sicherheit gewähnt. Eine leichte Laufnase, sonst nichts. Aber auf einem miko-kleinen Boot kann man der Ansteckung nicht entgehen. Schnell war ich noch am Pfingstsamstag in der Apotheke, um mir Nasenspray zu besorgen. Was für eine Enttäuschung, ich halte irgendwelche nicht helfende Kräutertropfen in den Händen. Das gute Zeug bekommt man nur gegen ein Rezept. Weiß denn der Apotheker nicht, dass ich ein Nasentropfen-Junkie bin? Es folgten zwei Nächte ohne Schlaf und Atmung. Ich wünsche mir zu Weihnachten ein Sauerstoffzelt.

Am Dienstag ist Achim dann mein Held. Er kommt mit den begehrten Drogen aus der Apotheke zurück. Warum der Apotheker an ihn die verschreibungspflichtigen Nasentropfen rausgerückt, wissen die Götter. Vielleicht hat er den gequälten Zug um seine Augen gesehen und hatte Mitleid. Ich bin seitdem happy und kann wieder atmen. Mein Husten löst sich auch prima. Achim hat auch gleich noch illegalen Hustensaft mitbekommen. Viva La Papeete!

Jetzt geht es langsam aufwärts. Achim ist schon wieder gut zu Wege, ich bräuchte eigentlich noch zwei Tage Sofapflege, aber da ist ein Wetterfenster zu sehen. Dies verspricht seltenen Südwind – vielleicht sogar mit Westkomponente drin. Da wir fast genau nach Osten segeln wollen (schon seit drei Wochen — Augen roll), müssen wir einfach diese Gelegenheit nutzen. Das bekommen wir so schnell nicht wieder. Also werden die Backen zusammen genkniffen und auf geht’s. Bin ja schließlich kein Weichei. Am Sonntag ist Abfahrt.

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