Kategoriearchiv: An Land

Sark

Die Bucht in der wir an einer Boje festgemacht haben ist traumhaft schön. Im Zweidrittel-Kreis von Felsen eingerahmt gut geschützt vor Wind.
Da auf Sark auch ein Tidenhub von mindestens 7 Metern existiert, entstehen bei Flut zwei Durchbrüche in der vermeintlich schützenden Felswand, die nicht nur ungehindert das Wasser durchlassen, nein, durch den Düseneffekt wird die Strömung noch verstärkt. Man sieht das Elend förmlich auf sich zu strömen.
Zwei Stunden vor und nach Hochwasser ist die Bucht eigentlich unbewohnbar. Das Schiff schaukelt von einer zur anderen Seite als ob man bei 5 Windstärken auf hoher See führe…
Bleiben 8 wunderschöne Ententeich-liege-Stunden übrig bis zur nächsten Flut.

Sark ist autofrei, nur Trecker sind erlaubt, beherbergt 600 Einwohner und wird landwirtschaftlich sogar für Weinanbau genutzt. Die Küstenlinie ist wunderschön mit steilen, grünen Hängen, die bis zum Strand runter reichen.
Da das Ostwind-Fenster sich um einen Tag verschiebt, bleiben wir zwei Nächte statt der geplanten einen Nacht.
Das schenkt uns einen weiteren Wandertag und 2 x 4 Stunden übelstes Geschaukel.

Guernsey

Es gibt gut 65.000 Einwohner auf Guernsey und jeder davon muss mindestens ein Auto haben mit dem er wahrscheinlich 200 km am Tag auf dieser nur 15 x 8 km großen Insel hin- und herfährt; nur so ist das extreme Verkehrsaufkommen hier zu erklären.

Fahrradfahren macht keinen Spaß, denn die Straßen sind eng und es wird auf der falschen Seite gefahren. Das ist besonders vor Kreiseln eine nicht zu lösende Herausforderung. Sämtliche Automatismen sind futsch und es hilft nur am Kreisel anzuhalten, zu beobachten, zu verstehen und todesmutig hineinzufahren.
Die Fahrräder sind nach dem ersten Ausflug dann an Bord geblieben….
Es gibt hier aber ein ganz cooles Bussystem, verschiedene Linien fahren im Kreis um die Insel oder kreuzen das Innere und man zahlt pro Streckenabschnitt 1 Pfund. Man steigt unterwegs aus, schaut sich das an, was man möchte und steigt in den nächsten Bus wieder ein und zahlt wieder 1 Pfund.
Diese Art der Fortbewegung hat uns heute super schöne Ausblicke auf versteckte Strände an der Südseite beschert. Die Wanderwege sind beschriftet und angenehm zu laufen, man kann auf langen Treppen die Steilküste hinabsteigen und wird mit der gleichen Anzahl Stufen wieder aufwärts belohnt.
Die Kanalinsel genießen in der EU noch immer einen Steuer-Sonderstatus und hier auf Guernsey scheint man viele Steuern zu sparen:
Wenn es auf Alderney schon teuer war Grund und Boden zu erwerben, so ist es hier schlicht unbezahlbar.
Bei 500.000 Pfund fangen Immobilien an und bei weit über 1,3 Mio. Pfund hört es nicht auf.
Es stehen große, teure, gern deutsche Autos vor der Tür, die dann für den extremen Autoverkehr sorgen…
Es ist schön hier, ohne Frage, uns aber zu voll und wir würden dem ruhigen Alderney den Vortritt geben.
Der Stadthafen von St. Peters Port ist klein und gemütlich und mit seiner Tiden-Barriere sehr beeindruckend. Wir können ins gar nicht satt sehen an dem Spektakel.
Wenn das Wasser nach der Ebbe zurück kommt und über die Barriere in das Hafenbecken strömt, dann kommt das so schnell und gewaltig, dass sich an der Mauer richtige Stromschnellen bilden und es für 15 Minuten rauscht als ob ein Wasserfall um die Ecke wäre.
Wir haben hier drei super nette, schöne Abende mit Hanne & Willi verbracht, die uns seit Cherbourg begleiten, aber wegen des Schwells fluchtartig Alderney verlassen hatten, haben gemeinsam Fußball geguckt, sind gemeinsam Weltmeister geworden, im Cockpit auf ihrer Heverstrom gesessen, haben gelacht und Pläne geschmiedet.
Wir haben hier das erste mal die bittere Pille der Fahrtensegler schlucken müssen, dass Abschied von liebgewonnenen Menschen zum Reisen dazu gehört.
Wir wünschen Euch beiden eine traumhafte 2. Hälfte Eures Sommertörns und wenn ihr doch Eure Atlantikrunde antretet, dann lasst es uns wissen. Danke für die schönen Stunden – und Dir Hanne, danke für den schönen Freundschaftsring!
Achim und ich fahren heute die nur 6 sm weiter nach Sark, wollen dort aber nur eine Nacht bleiben, denn es soll sich ein Ostwind-Fenster auftun, welches uns die 120 sm nach Brest bringen soll.

 

Alderney,

schönes Alderney, sag ich. Ich hatte große Erwartung an die Kanalinseln und habe mich sehr auf diese gefreut. Und meine Erwartung werden übertroffen.

Die Küste hat mal traumhafte Sandstrände in perfekter Sichelform und mal schroffe, abweisende Felsenabschnitte.
Das innere ist grün und fruchtbar, es gibt, vor allem an den Hängen zum Wasser hin riesige Flächen, die von ca. 80 cm hohem Farn bewachsen sind. Auf dem „Hochplateau“ wächst Heide, Stechginster, blühendes Wollgras, Grasnelken und viele weitere Wiesenblumen und Gräser, die im Augenblick um die Wette eifern, wer am schönsten blüht.
Zum Teil erinnert einen der Bewuchs an dänische Inseln, wüchsen dazwischen nicht mediterrane Pflanzen wie die Mittagsblumen. Wenn man sich die Insel erwandert, ist man praktisch den ganzen Tag alleine und trifft kaum auf andere Menschen.
Es gibt hier eine große Kolonie der Tölpel, die wir schon auf Helgoland gesehen haben und manchmal auch Papageitaucher.
Alderney ist recht klein (3 km x 5 km) und besiedelt mit 1.900 Einwohnern.
Der kleine Ort St. Anna kommt englisch rüber, ist sehr gepflegt und überall hängen die berühmten hanging baskets.
Anders als in Dänemark ist Alderney nicht dabei auszubluten.
Während in Dänemark die Dörfer auf solch kleinen Inseln halb leer stehen, nur noch alte Leute dort wohnen und man Häuser mit 5.000 qm Grund für ’nen Appel und ’n Ei bekommt, ist St. Anna offensichtlich boom town.
Häuser fangen bei 250.000 Pfund (!) an und gehen weit höher als 500.000 Pfund.
Es gibt eine super Infrastruktur, mit Schlachter, Krämer, dem gut sortiertem örtlichem Obi und eine gut besuchte Schule.
Dazu dieses milde Klima von Frühjahr bis Herbst und praktisch nie Frost oder Schneefall. Toll!
Wir können Alderney als Urlaubsziel sehr empfehlen.

Das einzige, was uns nicht gefallen hat, war der fürchterliche Schwell im Hafen.
Es rollen ungesicherte Gurken vom Tisch, im Schrank kippen Tassen um und die ganze Nacht wird man hin- und hergetrudelt.
Besonders unangenehm, wenn man auf dem Bauch oder Rücken liegt, das untere Drittel des Körpers bleibt auf den Lacken liegen und die oberen zwei Drittel bewegen sich von rechts nach links.
Um sechs wacht man gerädert auf und es hilft nur noch sich gegenseitig abzustützen und zu verkeilen. Skipper sagt, der Wind läßt nach und die nächste Nacht wird besser….

Morgen geht es nach Guernsey weiter – die haben eine Marina :-)

Dieppe – zweite Dorfrunde

Dieppe ist auch noch auf den zweiten Blick sehr hübsch.

Auf dem Friedhof ist uns der Blumenschmuck aufgefallen:
Statt Schnittblumen, Blumentöpfen und Plastik-Gestrüpp werden die Gräber hier mit Keramikblumen dekoriert. Fast auf jedem Grab findet man, zum Teil in beträchtlichen Mengen, diese „Blumengebinde“.

Am Steinstrand (wirklich komplett ohne Sand) findet man vor der Promenade ganze Reihen von Badehäusern.
Diese gehören offensichtlich einzelnen Familien, die diese dann häuslich einrichten: Klappstühle, Liegen, sämtlicher Strandbedarf von Luftmatratze, Windfänger und Bällen bis hin zu Lenkdrachen, dann Geschirr, Vorräte für 14 Tage und zum Teil sogar einen Gaskocher befinden sich in diesen Butzen.
Die Familie sitzt vor den Hütten auf ausgelegten Holzbohlen – überwiegend braun, fast schwarz gebrannte, in die Jahre und Pfunde gekommene Familienoberhäupter und die gertenschlanke Jugend liegt auf Handtüchern davor auf dem Steinstrand.
La vie en rose.

Normandie

Alabaster-KüsteVon Boulogne nach Dieppe sind es 50 sm für die wir genau 12 Stunden benötigt haben. Am Wind und an der Performance von Atanga hat es nicht gelegen, aber hier kommt einem, gefühlt bei Ebbe und Flut, ein Strom mit 2,5 Knoten entgegen. Die Nordwindlage hält an, also hatten wir wieder achterlichen Wind bei anfänglich 3 später 4 Windstärken, Dauersonnenschein, nur der Wind ist sehr frisch. Entlang an der hübschen Kreidefelsen-Küste (in Frankreich heißt so etwas natürlich Alabaster-Küste ;-) hatten wir eine angenehme Fahrt. Zum Sonnenuntergang waren wir dann endlich angekommen – ein netter Stadthafen in einer hübschen Kleinstadt empfängt uns. Heute haben wir unsere erste „Dorfrunde“ unternommen. Es ist alles ein wenig abgeblättert, angeknabbert, rott und abgestoßen und angegammelt, macht dadurch aber seinen morbiden Charme aus. Häuser sind bezahlbar, wie beim örtlichen Makler ersichtlich, aber der beigefügte Energie-Pass treibt einem die Tränen in die Augen und jeder Fenster- und Isolierfirma die $-Zeichen in die Augen. Voraussichtlich bleiben wir bis Freitag… Einfahrt in den Hafen gestern