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Mahia – eine Perle in der Hawke’s Bay

5.-6.Nov.22, Neuseeland/Mahia, Tag 3082-83, 24.688 sm von HH

Nach zwei Tagen haben wir von Opotiki genug. Wir haben die Wahl an den östlichen Punkt Neuseelands zu fahren oder diesen Zipfel inländisch abzukürzen. 180 Kilometer Küste, dünn besiedelt, gegen 75 Kilometer Bergketten, gar nicht besiedelt.
Wir nehmen die Abkürzung – eine optisch gute Wahl. Eine Stunde lang kurbeln wir durch eine bewaldete enge Schlucht. Ab und zu ist ein Blick auf den Fluss möglich, der sich zwischen den Bergen entlang schlängelt. Dann wird die unberührte Landschaft zu Weideland. Abgeholzte grüne Hügel so weit das Auge reicht. Das mag ökologisch nicht wertvoll sein, aber unserem Auge schmeichelt diese Kulturlandschaft.

Typisch auf den Weiden sind riesige, abgestorbene Bäume – als Solitär stehen gelassen

Dann, nach dem Weideland folgt eine Ebene. Die ersten Weinfelder erscheinen. Die Sonne brennt in Neuseeland so stark, dass Weinstöcke nicht an Hängen stehen müssen.
  1. Unser Endpunkt des Tages soll Mahia sein. Eine kleine Halbinsel am östlichen Ende der Hawke’s Bay. Der Ort hat nur einen Emma-Laden und knapp 1.000 Einwohner. Was für ein Kontrast zu Opotiki. Hier stehen die wohlhabenden Häuser gut in Schuss in adretten Gärten. Der Campingplatz ist der bisher teuerste (55 NZD), bietet dafür aber auch dafür zum Ausgleich kein W-Lan. ;-)  Nur eine schmale Straße trennt unser Zelt vom kilometerlangen Strand. Nachts auf der Luftmatratze hört man die Brandung donnern. Wundervoll.

Wohlstand und gepflegte Häuser – was für ein Kontrast zu Opotiki

Blitzsaubere Küche auf dem Campingplatz in Mahia

Hinter jeder Klippe erscheint ein neuer Strand. Unbenutzt und naturbelassen. Angeschwemmtes Treibholz stapelt sich Kubikmeter an Kubikmeter. Mit Quads werden Border Collies und andere nicht tot zukriegende Hütehunde ausgepowert.

Die Strände in Mahia sind mit Holz übersät – absolut kein Müll dazwischen

Auch echte Baumriesen darunter

Treibholz in allen Größen

Fischen ist das Hauptinteresse der Anwohner. Jeden Morgen kommen Trecker und schieben kleine Boote durch die Brandung ins Wasser. Jeder zweite Haushalt besitzt so einen Trecker. Wer keinen hat, wird Mitglied im örtlichen Fischer-Verein und darf den Vereins-Trecker benutzen.
Beim Strandlauf fällt uns ein riesiger Boots-Trailer mit eigenem Fahrwerk auf, der leer am Ufer steht. Gerade als wir eine der Klippen erklettern (schnauf – 125 Meter steil bergauf), kommt das dazu gehörige Fischerboot nach Hause. Der Trailer fährt bestimmt 200 Meter aufs Meer hinaus. Bis zur zur letzten Sandbarre. Dort wartet bereits das Fischerboot. Langsam fährt der Fischer in sein Gestell und wird direkt bis zur Haustür gebracht. Unglaublich, was in Neuseeland bezüglich Fischen alles möglich ist.

Auf die Klippe kann man klettern

Mit dem Trecker wir das Fischerboot ins Wasser gelassen

Selbstfahrender Trailer – der fährt bis zur Sandbarre und holt dort

seinen Fischer-Kollegen ab

Rückwärts geht es an den Strand zurück

Die Entladung erfolgt auf einem Hof direkt per Rampe

Auch eine Art und Weise

Von der Klippe aus kann man schon in die nächste Bucht schauen

Hinter dem winzigen Örtchen geht es hügelig weiter – ein Feldweg führt von der Küste weg . Mal bewaldet, wieder aufgeforstet mit Eukalyptus, Kiefern, mexikanischen Zypressen oder Fichten. Mal Weidelandschaft. Meistens sehen wir Schafe, jetzt mit ihren süßen Lämmern. Die Schafe sind überraschend scheu. Annäherung unmöglich, ihre Fluchtdistanz beträgt mindestens dreißig Metern. Wie fängt man die jemals ein? Zu gerne würde ich mal sehen, wie die Schafe von den Hütte-Hunden zusammen getrieben werden.

Vom Strand führt ein Weg in die Felder

Die Lämmer sind schon etwas länger geboren – aber noch immer zuckersüß

Der Blick zurück auf unsere Klippe – schnauf

Schafwirtschaft ist total rückläufig in Neuseeland. Der Höchst-Bestand von 70 (?) Millonen Schafen (die Angaben schwanken … ) in Neuseeland ist  in den Jahren  zusammengeschrumpft auf einen Rest von ca. 25 Millionen Tiere. Rindvieh bringt inzwischen besseres Geld. Methan pupsen sie beide und Nitrar können Rinder ebenfalls. Aber Schafe gehören zum Neuseeland-Klischee einfach dazu.

Noch ein weiterer Tag in Maihi würde uns gefallen. Merkwürdigerweise habe ich beim Route planen den Ort nirgendwo erwähnt gefunden – weder in Reiseberichten noch in Blog-Tipps. Nur zufällig haben wir hier einen Aufenthalt geplant, um die Fahrstrecke zum nächsten Ziel zu verkürzen.
Aber diesmal „müssen“ wir weiter – für den nächsten Stopp haben wir eine Hütte vorreserviert – es geht zurück in die Berge auf 600 Meter.

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Erst etwas Pech und dann auch noch ein Crash

3.-4.Nov.22, Neuseeland/Opotiki, Tag 3080-81, 24.688 sm von HH
Nach den Bergen liegt unser nächster Stopp wieder am Meer. Opotiki, ein kleiner Ort, keine zehntausend Einwohner.
Der Campingplatz ist ruhig gelegen, am Ortsrand und direkt am Dünenwanderweg. Es ist der preiswerteste Platz bisher, nur 30,00 NZ Dollar, statt 51,00 wie die Luxusbude in Rotorua. Eigentlich sollte uns das stutzig machen.
Unser Zelt bauen wir neben einer Pferdekoppel auf, soweit, so idyllisch. Die sanitären Anlagen sind alt und abgerockt, aber sauber und okay. Die Gemeinschaftsküche ist grausam, hier möchten wir bestimmt nichts kochen. Klar als Touristen zu erkennende Camper sehen wir keine, aber fast alle Cabins sind belegt. Komisch.

Netter Campingplatz – bis man die Küche sieht

Achtung, das Foto kann verstörende Inhalte enthalten :mrgreen:

Unappetitlicher Kühlschrank auf dem Campingplatz

Wir bummeln durch den Ort. Auch der hat schon bessere Tage gesehen. Die Auslagen in den Geschäften stammen aus dem vorigen Jahrhundert, die Tische in einer Fish&Chips Bude sind abgeblättert, Schilder sind beschädigt. Alles sieht abgewohnt aus. Dann fängt es auch noch zu regnen an. So ein Pech.

In Opotiki ist alles etwas abgeblättert . selbst das Willkommenschild

Gemischtwarenladen – mit dem ausdrücklichen Hinweis – die Teepötte sind nicht verkäuflich

Notgedrungen setzen wir uns in den Aufenthaltsraum vom Campingplatz. Die Atmosphäre erinnert den Gemeinschaftsraum in einer Nervenanstalt, wie sie in Filmen gerne dargestellt wird.
Eine ältere Frau setzt ein 50-Teile Kinderpuzzle zusammen – eine gesamte Stunde lang. Zunächst summt sie auch noch lauthals zur dudelnden Musik. Ein Typ mittleren Alters wärmt sich Reis in der Mikrowelle auf und ißt diesen dann mit den Fingern direkt aus der Plastikdose.
Ein anderer Mann dagegen kocht sich aufwendig ein Essen mit Huhn und grünem Spargel. Eine ältliche krumme Frau wohnt in einem Einmannzelt und setzt auch dort ihre Maske nicht ab. Die Herrschaften kennen sich augenscheinlich – sie wechseln allerdings kein Wort miteinander. Ein alterer Mann sitzt schnachend vor dem Fernseher.

Küche und Aufenthaltsraum – die Comics helfen nicht – das ist kein lustiger Ort

Wir kommen ins Plaudern mit einer Frau. Sie sei grade Rentnerin geworden, kommt aus Auckland und macht hier Zwischenstation bevor sie zu Ihrer Farm fährt. Sie klagt über die steigenden Preise, keiner könne sich mehr etwas leisten und es gäbe so viele Odachlose, weil Mieten unbezahlbar geworden seien. Der Staat zahlt Motels viel Geld, damit die Obdachlosen von der Straße kommen. Andere wohnen auf Campingplätzen. Unser Platz scheint so ein Sammelort für gestrandete Seelen zu sein.

Am nächsten Morgen scheint die Sonne und wir fahren 25 Kilomter zu einem interessanten Wanderweg. Ein Loop, der an einer historischen Brücke beginnen soll. Hier hat sich der Waioeka River tief ins enge Tal eingeschnitten.

Waioeka

Der Waioeka endet in Opotiki

Auf dem Parkplatz die Ernüchterung: etliche Schilder warnen hier vor Autoaufbrüchen. Der Platz ist sprichwörtlich tapeziert mit den Hinweisen. Da meint es jemand ernst.
Hm, das gefällt uns nicht, unser Wagen steht rappel voll zum Schlachten alleine auf dem Platz. Wir packen „alles“ von Wert in den Rucksack und laufen trotzdem ein Stück bergab zu Brücke. Dort noch ein Schild: Brücke gesperrt.
Wir glauben zwar, dass die Brücke hält (und wenn nicht, fällt man ja nur ins Wasser), aber die Warnung vor den Autoeinbrüchen, alles kommt zusammen, wir entscheiden uns, wieder umzudrehen. Aber vorher noch mal die Drohne fliegen lassen, die Landschaft ist sensationell. Au ja!

Wir bauen alles zusammen. Maschine start. Die Drohne soll von meiner Hand aus abheben. Nein, ein Kompass-Fehler verhindert den Start. „Das liegt bestimmt an den dicken Drahtseilen der Brücke“, befindet Achim. „Geh noch etwas zurück.“ Viel Platz ist nicht, dann kommen schon Bäume. „So, jetzt geht es. Fehlermeldung ist weg. Fertig?“
Die Drohne hebt ab. Aber statt vorwärts, von mir weg, taumelt sie rückwärts. Direkt auf mich zu. Ich ducke mich. Drohne taumelt mal vor, mal zurück. Ich gebe Hackengas den Weg bergauf.
Achim kurbelt an der Fernbbedienung. Ohne Erfolg. Dann ist Ruhe, die Drohne bleibt im Baum hängen und landet direkt im Matsch. Au weh.
Oben auf dem Parkplatz kann ich sie sauber machen. Die Rotoren haben nichts abbekommen, also noch ein Versuch, diesmal vom Parkplatz aus.

Drohnenreinigung – danach fliegt sie wieder tadellos

Gesperrte Brücke Tauranga

Der Tag ist nicht der beste in unserer Laufbahn. Findet aber noch einen guten Abschluss am Dünenwanderweg in Opotiki.

Der Dünenwanderweg entschädigt etwas für die gesperrte Brücke

Strand in Opotiki

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Rotorua – ein heißes Pflaster

31.Okt.-3.Nov.22, Neuseeland/Rotorua, Tag 3075-79, 24.688 sm von HH

In Rotorua stinkt es. Bereits bei der Anfahrt die vorwurfsvolle Frage im Auto: „Warst du das?“ Achim leugnet überzeugend: „Das kommt von draußen!“ Und dann fällt es uns wieder ein, dass wir gelesen haben, es stinkt in Rotorua. Und zwar nicht zu knapp. Fieser faule Eier Schwefelgeruch hängt über dem Ort.
Neuseeland liegt auf dem Ring of Fire. Es schiebt sich die Pazifische Platte unter die Australische und sorgt dadurch für hohe vulkanische Aktivität. Statt der üblichen mittleren 35 Kilometer misst die Erdkruste hier nur 15 Kilometer. Und in Rotorua und Umgebung ist sie besonders dünn. Das kann man nicht nur riechen, sondern auch sehen. Überall dampft es aus der Erde. Mitten in der Stadt gibt es eingezäunte Wasserbassins in denen kochendes Wasser aus der Erde brodelt. Ein Geysir sprüht meterhohe Fontänen – nur fünfhundert Meter vom Wohngebiet entfernt. Ein ständiger Nebel wabbert über den Wald.

Am Stadtrand spuckt dauerhaft ein Geysir – besonders stark nach Regenfällen – hatten wir ja gestern genug ;-)

Geysir quasi mitten in der Stadt

Altes Kur- und Bäderhaus – charmante Ecken in Rotorua

Das kostenlose Schauspiel in der Stadt kann noch getoppt werden. Mehrere kostenpflichtige Parks mit geothermalen Aktivitäten stehen zur Wahl. Wir entscheiden uns für Waimangu (25 Euro pro Person). In einem anderen Park wird jeden Tag um genau 10:15 Uhr Seife in einen Geysir geschüttet, damit er ausbricht. Das ist nicht so unser Ding.
Waimangu entpuppt sich als zauberhaft. Ein vier Kilometer langer Weg führt gemächlich bergab. Vorbei an babyblauen Seen, bunten Bächen und zischenden Mini-Fontänen. Mit viel ‚ah‘ und ‚oh‘ biegen wir um jede Kurve. Eine Märchen-Wunder-Welt mit Gestank. Immer wieder zieht uns der üble Geruch über die Nasen.

Rechts und links vom Weg spuckt und brodelt es aus Löchern in der Kruste

Dieser himmlische See stinkt wie die Hölle

Bunt, aber unwirtlich

Algen und Bakterien sorgen für die Farben

Die Temperaturen der verschiedenen Kraterseen betragen zwischen 35 und 50 Grad. Der PH-Wert liegt bei 3,5. Ein paar Algen und Bakterien konnten sich an diese uncoolen Umstände anpassen und sind verantwortlich für das Farbenspiel aus gelb, grün und ocker in allen Schattierungen. Wir sind echt begeistert.
Am Ende der Wanderung besteht die Möglichkeit mit dem Bus zurück zum Start zu fahren oder man läuft zurück. Für Fotos ist das Geblubber der Tümpel nicht so gut geeignet, ich hoffe, dass meine Filme gut gelungen sind.

nur zwei Kilometer hinter den brodelnden Kratern eine andere Welt: hier sieht Neuseeland so aus, wie man es erwartet – grüne Hügel, gespickt mit Schafen

Aber Rotorua hat noch mehr zu bieten. 1901 brachten Nutzholz-Wirtschafter Kalifornische Redwoods (Sequoia sepmvervirens) nach Neuseeland. Auf 5600 Hektar wurde ein Wald aus Küsten-Mammutbäumen gepflanzt. Der Bedarf an Nutzholz wuchs zu dieser Zeit rasant und man wollte sehen, wie die Redwoods mit ähnlichen klimatischen Bedingungen wie in Kalifornien klar kommen.
In den letzten 120 Jahren sind die Bäume bis auf 70 Meter gewachsen und sollen in Neuseeland dreißig Prozent schneller wachsen als in ihrer Heimat. Bis zur Ernte – bei ungefähr 115 Metern – steht Rotorua jetzt ein wunderbarer Wald zur Verfügung. 160 Kilometer Mountain-Bike Strecke wurden angelegt und Wanderer haben die Wahl von vier verschiedenen Stecken. Wir machen zwei und sind schon wieder begeistert.
Der Teil mit den Redwoods ist erstaunlich – tolle Bäume

Dicke und noch schlanke Redwoods bilden einen coolen Nadelwald

Grenzüberschreitender Baumtransport verträgt sich mit einheimischen Baumfarn

Trotz super Touristen-Spot treffen wir kaum jemanden unterwegs

Rotorua ist eine sehr touristische Stadt. Dreißig Millionen Besucher kommen angeblich jährlich hierher. Noch sind die aber nicht da. ;-) Wieder macht sich die Vorsaison angenehm bemerkbar. Auf dem Campingplatz können wir abends nach Herzenslust kochen und grillen. Ein Beet mit Schnittlauch und anderen Kräutern entdecke ich auch noch. Der Regen ist verschwunden und mit ihm die niedrigen Temperaturen in der Nacht, allerbestes Wetter jetzt in Rotorua. Aus geplanten vier Nächten werden sechs in Rotorua, eine mehr, weil der eine Tag komplett verregnet war und einen, weil Rotorua einfach so himmlisch duftet.

Blue Lake bei Sonne – schon gleich viel besser

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Stress-Test für Zelt und Campinggemeinschaft

29./30.Okt.22, Neuseeland/Rotorua/Lake Tikitapu, Tag 3073-74, 24.688 sm von HH

Es prasselt aufs Zeltdach. Es klingt, als ob jemand kleine Kieselsteine nach unserem kleinen Zelt wirft. Morgens um 7:00 Uhr, die Blase drückt. Und nun? Irgendwann geht es nicht mehr, wir müssen raus. Schlauerweise liegen die Regenjacken im Auto. Der Schirm auch. Es geht doch nichts über gute Planung. Dabei hat der Wetterbericht es schon gestern Abend gewusst, dass heute die Welt unter gehen wird.
Schnell schnappen wir uns unsere Zahnbürste, Regenjacken und Frühstücks-Zeug. Im Dauerlauf retten wir uns in den Gemeinschaftsraum neben der Küche. Dort ist es trocken und dank Gas-Heizpilz auch noch warm. Unser zweiter Campingplatz ist der pure Luxus. Und wir haben alles für uns alleine. Es gibt drei Küchen-Grill-Bereiche auf dem riesigen Campingplatz, aber im Bereich der Plätze ohne Stromanschluss herrsch Leere. Das einzige weitere Zelt wird gerade bei strömendem Regen abgebaut.
Irgendetwas unternehmen zu wollen, ist zwecklos. Über Mittag fallen 30 mm Regen – pro Stunde. Wir flüchten uns von unserem Gemeinschaftsraum in den eine Etage tiefer zu den Wohnmobil-Campern. Dort gibt es die bessern Stühle und Steckdosen zum Laden von Handy und Co. Nur mit Gummihose und Regenjacke schaffen wir die 150 Meter.

In Vollgummizeug plus Regenschirm schafft man es grade so über den Campingplatz – es gießt unglaublich

Camping ist spontan doof. Wir beobachten die Wohnmobil-Besitzer. Neid grün im Gesicht. Aber sooo viel besser als wir haben die es auch nicht. :roll: Auch sie schlagen die Zeit tot. Auch sie warten auf ein Wetterfenster, um auf die Toilette zu gehen. Je nach Größe des Campers in den eigenen vier Wänden oder am Nachbartisch bei uns. Auch sie wissen nicht, wohin sie die nassen Regenklamotten hängen sollen.
Allerdings brauchen sie sich keine Gedanken ums Absaufen machen. Ist unser Zelt wirklich dicht? Regen hat es noch keinen gesehen. Oder liegen wir heute Nacht in nassen Schlafsäcken?
Als die schlimmste Phase vorüber ist, geht Achim nachschauen. Puh! Alles trocken. Die Wasserlachen auf dem Rasen sind bedenklich, aber alles geht gut aus.

Die Wiese steht gefährlich unter Wasser

Um 20:00 Uhr krabbeln wir ins Zelt. Diesen Tag kann man getrost vergessen! Aber das Zelt hat den Stresstest bestanden und die Atanga Campinggemeinschaft denkt gar nicht daran aufzugeben. Morgen schein die Sonne, sagt die Vorhersage. :-)

Am nächsten Morgen dann tatsächlich Sonne – die Regenjacken liegen schon zum Trocknen

Am Vortag ging es schon los – Nieselregen am Blue Lake – aber da konnte man noch spazieren gehen und das Zelt haben wir auch trocken aufgebaut bekommen :-)

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Coromandel

25./28.Okt.22, Neuseeland/Coromandel, Tag 3068-72, 24.688 sm von HH

Unsere Anti-Regentänze haben was genützt – bei strahlendem Sonnenschein laufen wir unseren ersten Campingplatz an. Wir landen in Coromandel, auf einer Halbinsel östlich von Auckland. Ein Ferienwohnungs-Paradies für die Großstadt geplagten Aucklander. Unsere Wahl wählt auf einen Campingplatz im Norden von Coromandel Town – etwas außerhalb gelegen. Nur ein paar verstreute Wohnhäuser stehen im Umfeld. Eine kleine Bucht direkt vor der Haustür in der man bei Ebbe prima wattwandern kann.

Shally Beach – verstreute Inseln und Inselchen am Horizont

Wattwanderung durch unzählige Muschelreste

Da wir noch unsicher sind, wie lange wir bleiben wollen, bezahlen wir unseren Platz erstmal für zwei Nächte. Achim fragt die Dame an der Rezeption, ob es wohl problemlos möglich wäre, um eine weitere Nacht zu verlängern. Die Frau lacht immer noch. Wir auch. Der Campingplatz ist leer. Drei Wohnmobile stehen verstreut herum und eine Cabin scheint belegt zu sein. Absolute Vorsaison.
Wir sind die einzigen mit Zelt. Das gibt uns schon zu denken, aber tapfer schlagen wir die Heringe in den Rasen. Und wir haben aufgerüstet: zusätzlich zu unserem bewährten Drei-Mann-Zelt von der letzten Tour im Hochsommer haben wir uns einen Pavillon gegönnt. Standardmäßig wird der Pavillon mit einem abknöpfbaren Windschutz-Seitenteil geliefert und wir haben uns noch ein zweites Seitenteil extra dazu gekauft.

Shally Beach Campsite – fast leer bis auf ein paar Verrückte

Dann beim Aufbau die Enttäuschung. Der Pavillon hat zwei große Öffnungen und die beiden schließbaren Seiten liegen sich gegenüber. Wer denkt sich denn sowas aus? Wir wollten uns schön winddicht über Eck abschotten und nun dies. Am Abend stellen wir dann fest, dass das Dach trotzdem einen guten Schutz vor herabfallender Kälte bringt. Wir können immerhin bis 20:00 Uhr draußen sitzen. :mrgreen:

Unser Pavillon – mit Windschutz auf gegenüber liegenden Seiten – Nonsens

Dann zieht es an. Schnell ab ins Zelt und in den Schlafsack schlüpfen. Zwei zusätzliche Wolldecken und unsere selbst aufblasenden Isomatten (tolle Teile) sollen uns vor dem Erfrierungstod bewahren. Elf Grad werden vorhergesagt. Achim setzt gleich auf lange Unterwäsche, ich wähle einen normalen Schlafanzug mit T-Shirt-Oberteil. In der Nacht wache ich auf, weil mein Kopfkissen von der Matte gerutscht ist. Achim hat in der Zwischenzeit beide Decken über sich gezogen und ist nicht mehr zu erkennen. Mich wärmt der 80er Jahre, mal für ein Festival gekaufte, Schlafsack grade eben gut genug. Aber in Nacht zwei wechsle ich ebenfalls auf komplett lange Unterwäsche (endlich kommt der High-Tec-Segel-Musto-Funktionskram mal zum Einsatz) da nur noch 10 Grad Nachttemperatur versprochen werden. Wir überleben also die ersten drei kalten Nächte in Coromandel und werden für unsere Tapferkeit tagsüber mit viel Sonne belohnt.

Da wir fast alleine sind – nutzen wir ganz bequem Grill und Küche – erspart uns das gebückte Kochen auf der Erde

Camping-Idylle – mit steigenden Temperaturen steigende Idylle

Wir besuchen auf der Ostseite berühmte Felsformationen, die nur bei Ebbe zu erreichen sind. Bizarre Felsen und ein Bogen wurden vom Meer ausgewaschen und bilden tolle Motive vor türkis Wasser und weißem Strand. Ein hübscher Ort, leider etwas überlaufen, trotz Nebensaison. Die Felsen ohne Handy-Stick vor die Linse zu bekommen, bedarf etwas Geduld.

Hübsche Blicke durch einen Bogen

Ausgewaschene Felsen geben einen tollen Anblick vor weißem Strand

Cathedral Cove in Coromandel

Am nächsten Tag entscheiden wir uns für mehr Abgeschiedenheit und suchen uns einen Wanderweg im Coromandel-Forrest-Park mit schöner Aussicht am Ende. Eine etwas rutschige Strecke, wenig gegangen und vom DOC (Naturschutz-Park-Verwaltung) kaum gewartet, wie umgestürzte Bäume auf dem Weg anzeigen. Das Wetter ist bombastisch. Tolle Sonne, aber nicht zu heiß. Groß-ar-tig!

Wanderung komplett abseits vom Hauptstrom – wir treffen Niemanden

Immer wieder stoßen wir auf ehemalige Stollen – eigentlich überall auf Coromandel

Coromandel Town – hoch im Norden der Halbinsel

Den dritten Tag – wir können es kaum glauben – scheint weiterhin die Sonne. Bereits um 8:00 zum Frühstück steigt die Temperatur auf 20 Grad. Das ist neu, normalerweise dauert das bis mittags. Groß-ar-tig!
Heute fällt die Wahl auf einen etwas bekannteren Track. Einen historischen Goldtrack. Auf Coromandel wurde vor 160 Jahren Gold gefunden. Und zwar Gold in großen Mengen. Eine Mine, die heute noch in Betrieb ist, galt in den 1920er Jahren als eine der erträglichsten der Welt. Überall wurde gebuddelt und gegraben. An der Schlucht Karangahake stehen noch ein paar Überreste aus alten Goldgräber-Tagen. Mit großem industriellen Aufwand an Loren, Schienen, Mechanik und Chemie wurde das Gold aus dem Berg getrieben. Zum ersten Mal in Neuseeland kam hier Zyanid und Quecksilber bei der Goldwäsche zum Einsatz. Das Erz wurde vor der ersten Verarbeitung geröstet, um es leichter weiter verarbeiten zu können. Der Methode fielen alle Bäume im kilometerweiten Umfeld zum Opfer. Umweltschäden in großem Maßstab wurden in der Schlucht angerichtet. Heute ist die Schlucht ein Idyll, welches langsam alle Überreste vom Goldrausch unter sich begräbt. Leider ist die Hälfte des Tracks gesperrt, so dass uns nur die kurze Strecke durch einen ehemaligen Eisenbahntunnel zur Verfügung steht.

Schon fast großindustriell wurde damals nach Gold gebuddelt

Ein paar Überreste der alten Anlagen sind noch vorhanden

Schienen und Loren aus vergangenen Zeiten

Der Wanderweg führt durch einen 600 Meter langen Eisenbahntunnel

Bereits seit fast hundert Jahren wird hier nicht mehr nach Gold gesucht

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