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Die Bombenbastlerin

Di.,4.Sep.18, Ecuador/Bahía de Caráquez, Tag 1557, 13.337 sm von HH

„Wir haben einen positiven Alarm“, sagt der junge Mann an der Sicherheitskontrolle zu mir, „warten Sie bitte hier, die Polizei wird gleich kommen“. Was positiver Alarm bedeutet, will er mir nicht näher erläutern. Ich warte. Dass mein Handgepäck unangenehm auffallen würde, damit habe ich gerechnet. Zwölf Kilo Metall im Rucksack (erlaubt) und weitere sechs Kilo in der Handtasche. :lol:
Gepäck-Optimierung nenne ich das. „Verrückt bist Du“, hat Achim mir gemailt, „mach das lieber nicht.“ Aber ich weiß es besser und möchte so viel wie möglich mit nach Ecuador mitnehmen.

Da soll der Alarm schon mal los gehen: Der Abzieher für die Welle, fünf Anoden (drei für den Propeller, zwei für das Bugstrahlruder), ein Bronzerohr (Wellenlager), Ankerkralle und ein extrem verdächtiges Rohr, was sich Wellendichtung nennt. Daneben fallen die Akkus für unsere Handys und einen Laptop gar nicht mehr auf. Auch die bombenförmige Batterie für unsere Epirb (Rettungsboje falls wir sinken) bleibt unentdeckt.

Vor allem das Rohr erregt Aufmerksamkeit

Vor allem das Rohr erregt Aufmerksamkeit

Die Frau Polizistin, die nach kurzer Warterei erscheint, nimmt mir als erstes meine Bordkarte ab. Nicht, dass ich noch abhaue.
Sie wünscht sich, dass ich Handtasche und Rucksack leere. Alles geht erneut durch die Durchleuchtung. Ein Sprengstoff-Abstrich wird vorgenommen. Ich kann eine Diskussion zwischen Security-Mann und Polizei über meine harmlosen Artikel beobachten. Und gebanntes Starren auf den Monitor. Frau Polizistin wirkt enttäuscht, gerne würde sie schon morgens um 4:00 Uhr eine Verhaftung vornehmen. Hat sie doch schon eine Bombenbastlerin in mir gesehen.
Aber ich bzw. meine Gegenstände sind ungefährlich. Ich bekomme meine Bordkarte zurück, darf alles wieder einpacken und gehen. Puh, Hürde Nummer eins erfolgreich abgearbeitet.

Meine beiden Koffer mit erlaubten 22 und 23 Kilo Inhalt sind bereits auf dem Weg zum Flugzeug.
Ich schleppe mich zum Gate. Den Rucksack bekomme ich nur auf den Rücken geschwungen, wenn er erhöht steht. Bloß nicht das Teil auf der Erde abstellen. Er reißt an den Schultern beim Schlange stehen zum Boarding. Die 18 Kilo habe ich massiv unterschätzt.

Zwischenlandung in Amsterdam. Schiphol ist riesig: von hier ab noch 18 Minuten bis zu meinem Gate. Ich werde verrückt mit dem Gewicht. Ich schwitze. Ein kleiner Karren ist meine Rettung. Leider muss ich den an der Passkontrolle stehen lassen. Dahinter lauert erneut eine Sicherheitskontrolle. Ich schwitze mehr. Aber die holländischen Kollegen sind tiefenentspannt. Ich muss zwar wieder den Rucksack öffnen, aber es folgt keine Staatsaffäre. Unbehelligt komme ich weiter. Hürde Nummero zwei.

Von hier ab noch zehn Minuten zum Gate. Der Schweiß läuft. Meine Schultern brennen. Wieder in der Schlange stehen zum Boarding. Völlig ausgepumpt sinke ich in meinen Platz. Mitte, Mitte. Ein schlechterer Sitzplatz war nicht zu kriegen. Obwohl ich wahrscheinlich der erste Fluggast war, der morgens eingecheckt hat. Schuld war der beknackte Onkel in Hamburg, der mich gezwungen hat, den Automaten zum ’self-check-in‘ zu benutzen. „Der funktioniert leider nicht“, mecker ich ihn an. „Kommen Sie, ich zeige Ihnen wie das geht“. Trottelgesicht.
Bei ihm geht es auch nicht. Auch nicht nach mehrmaligen Versuchen. Mein Pass wird nicht erkannt. Ich triumphiere.
„Haben Sie eine Flugbescheinigung“?
„Ach, Sie meinen das Stück Papier, was man eigentlich gar nicht mehr braucht beim Einchecken? Ja, das habe ich.“ Mit dem Buchungs-Code klappt es dann. Zumindest halbwegs. Er könne mich nur bis Quito durchchecken und mein Gepäck auch. Um meinen Anschlussflug müsse ich mich dann selber kümmern. Watt für ein Trottel. Er drückt mir meine Bordkarten in die Hand. Mit dem schlechten Sitzplatz. So ein Mist.

Rechts von mir sitzt ein freundlicher Asiate. Links bleibt alles frei. Ich frohlocke. Zu früh. Eine fünfköpfige Familie rollt auf meine Sitzreihe zu. Der jüngste Sohn ist zwei und hat einen trotzigen Zug um den Mund. Ich befürchte das schlimmste: ein Arschloch-Kind. Wir haben kurz Blickkontakt. Ich signalisiere dem Kleinen, wer heult, fliegt raus. Mit Erfolg. Die ganzen langen elf Stunden ist er super lieb und ruhig. Papa stellt sich schnell als das größere Problem heraus. Ihm läuft der Schweiß von der Stirn. Drei Kinder nebst halben Hausstand über den Flughafen zu bugsieren, haben ihm alles abverlangt. Dampfend nimmt er zwischen seinem Sohn und mir Platz. Sein Geruch wabbert zu mir rüber. Elf Stunden lang. Und er puhlt sich die gesamte Zeit in den Zähnen. Manchmal wünscht man sich ein quengelndes Kleinkind neben sich.

In Quito wartet der Zoll. Ich rolle todesmutig mit meinen zwei Koffern, dem brisanten Rucksack und meiner Handtasche an. Wieder ist es das Handgepäck, was Aufsehen erregt. Erneut muss ich den Rucksack auspacken. Wofür die Teile sind und was sie kosten, will der freundliche Zöllner wissen. Ich lüge ihm irgendwelche Mondpreise vor. 15 USD für die Anoden. 70 USD für die 300 Euro Wellendichtung. Er hat keinen Plan und offensichtlich Mitleid mit meinen stotterigen spanischen Erklärungen wofür man das mysteriöse Rohr verwendet. Ich kann gehen.
Allerdings wirft seine Kollegin einen Blick auf meinen letzten Proviant-Apfel. Wenn ich den nicht an Ort und Stelle esse, darf er nicht mit. :roll: Ich gebe ihr den Apfel. Und ziehe mit mehreren Mettwürsten, Speck und Schinken im Koffer von dannen. Die gefährlichste Hürde ist geschafft.

Dann ein letztes Mal Sicherheitskontrolle. Natürlich muss ich Handtasche und Rucksack auspacken. Fassungsloses Staunen und Kopfschütteln. „Nein, so geht das nicht“, verstehe ich, „der Rucksack muss aufgegeben werden“. Ich stelle mich doof und verstehe angeblich kein Wort. Das nützt mir nichts, der nette Security-Mann holt einen Kollegen mit Englisch-Kenntnissen.
Die Anoden dürfen nicht mit in die Kabine. Damit könnte ich jemanden erschlagen, demonstriert er indem er dem Kollegen andeutungsweise eine überzieht. Es hilft kein Betteln.
Ich darf in Ruhe alles Zerbrechliche aus dem Rucksack entnehmen und die Jungs sind so nett und begleiten mich durch die Katakomben zum Check-In-Schalter meiner Airline. Das Mädel hat mit einem dritten Gepäckstück ebenfalls kein Problem. Mein Rucksack verschwindet auf dem Laufband.

Total fix und alle sitze ich an meinem Gate und frage mich, ob ich es vielleicht doch übertrieben habe mit der Gepäck-Optimierung. „Säbinn Wälner, please“, höre ich da aus dem Lautsprecher. Huch, meinen die mich? Klingt ja wie mein Name. „Säbinn Wälner, please, come to the Security Desk.“
Dort wartet man schon auf mich. Die Security spricht englisch: „Wir haben ein Problem mit einem ihrer Gepäckstücke. Sie müssen mit mir kommen und wir öffnen gemeinsam ihr Gepäck.“ Ich kann es nicht glauben. Durch Hintertüren und Gänge geht es aufs Rollfeld zu den Gepäckwagen.

Schon von weitem kann ich ihn sehen. Anklagend steht mein ehemaliger Handgepäck-Rucksack auf einem Tisch. Natürlich steht er da. Die Kofferkontrolle kann ja nicht wissen, dass er schon beim Handgepäck durchleuchtet wurde. Zum x-ten Mal zeige ich das Rohr, die Anoden und sonstigen Metallkram vor. Alles okay, der Rucksack darf mit und ich werde zum Gate zurück geführt.
Die letzte Hürde ist geschafft.

In Manta holt mich Achim ab und drei Stunden später sind wir zu Hause. „Ich bin schon ganz gespannt, was Du alles in den Koffern hast“, freut er sich. „Ist schon der Hammer, wie du 63 Kilo hierher bringen konntest. Das war sicherlich nicht so einfach. Erzähl mal, wie ist es gelaufen.“ :mrgreen:

Sonne, wir haben ein Problem

Do.,2.Aug.18, Ecuador/Bahía de Caráquez, Tag 1524, 13.337 sm von HH

Und zwar ein Energie-Problem. Die Dauerwolke über der Küste bringt unser Energie-Konzept ins Stolpern. Vor unserer Rundreise haben wir gehofft, dass sich die Situation entschärfen würde. Aberjeden Tag das gleiche Bild: ein grau verhangener Himmel liegt über Atanga.
Was an Solar-Energie rein kommt, reicht für unseren Bedarf an den meisten Tagen nicht aus. Dabei läuft einer der größten Verbraucher, der Wassermacher, schon gar nicht. Den haben wir Aufgrund der geplanten Rundreisen gleich bei der Ankunft in Bahía stillgelegt. Wind-Energie kommt auch keine rein. Mehr als ein laues Lüftchen fegt nur selten über den Fluss. Somit strapazieren wir über Gebühr die Ladezyklen unserer nagelneuen Batterien. Das halten die so nicht bis Neuseeland aus.

So einen Engpass hatten wir noch gar nicht. Es muss eine Lösung her.

Auf den Nachbarbooten läuft schon regelmäßig der Motor. Das ist für uns keine Option. Die Ausbeute an Energie ist im Leerlauf nicht wirklich toll. Unsere Maschine hat mit 6300 Stunden schon überdurchschnittlich viele Stunden auf der Uhr. Hauptsächlich Stunden, die der Voreigner zur Energiegewinnung angesammelt hat. Alle hundert Stunden will unser Motor einen Ölwechsel. Das macht Arbeit und kostet ja auch Geld.
Und außerdem macht der Motor einen Höllenkrach unter Deck.

Für meine Zeit in Deutschland hat sich Achim eine umfangreiche Arbeitsliste zurecht gelegt. Es sind schon wieder Fugen vom Teakdeck fällig. Dafür braucht er den Mulitmaster, die Flex und den Schwingschleifer. Und Strom.
Bei der jetzigen Sonnen-Situation kann er das vergessen.

Da entdeckt Achim im Supermarkt einen Generator (2KW). Für einen guten Preis von 260 Euro. Wir überlegen ein paar Tage hin und her. Mitnehmen können wir ihn nicht, dafür haben wir keinen Platz. Aber vielleicht können wir ihn gebraucht verkaufen, wenn wir im Dezember Ecuador verlassen müssen? Der Kauf würde die Batterien schonen, die ja auch eine Menge Geld kosten und eine Ersatzbeschaffung wäre auf der Strecke die vor uns liegt sicherlich nicht ganz einfach.

Drei, zwei, eins…meins.

Generator

Generator

Jetzt steht das Teil an Deck. Bei Bedarf werfen wir ihn für eine Stunde an. Das reicht. Als Flüstermaschine darf man das Gerät allerdings nicht bezeichnen. Richtig gute Freunde macht man sich damit nicht auf dem Nachbarschiff. Herzliche Grüße an die Taitonga an dieser Stelle.
Die Alrisha, die Schweden und der Ami sind auf Landreise und die Franzosen sprechen sowieso nicht mit uns. Wer braucht schon Freunde? Wenn wir die Luken schließen, ist es unter Deck ganz gut zu ertragen. :mrgreen:

 

Verrücktes Treffen in Bahía

Di., 03.Jul. 18, Ecuador/Bahía de Caráquez, Tag 1494, 13.337 sm von HH

Achim hat einen Ex-Kollegen Martin. Martins Frau stammt aus Ecuador. Die beiden machen gerade Urlaub im Nachbarort Canoa zusammen mit ihren drei Söhnen. Zusätzlich dabei sind der Vater, Bruder und Schwägerin aus Quito. Also volles Haus. Mit einem Mini-Bus tuckert ‚La Familia‘ zu uns rüber nach Bahía, um die ‚Verrückten‘ in ihrem kleinen Segelboot kennen zu lernen. Als wir in Ecuador angekommen sind, hat Achim Martin gefragt, ob er zufällig dieses Jahr wieder in das Heimatland seiner Frau fahren würde. Tja, und gut drei Wochen später sitzen wir an einem Tisch.
Die Welt ist eben doch nur ein Nest. Martin lädt uns alle zum Mittagessen ein und wir verbringen einen unterhaltsamen Nachmittag im quirligen Dreisprachen-Mix.
Herzlichen Dank an die gesamte ‚Familia‘.

La Familia von Martin (und wir)

La Familia von Martin (und wir)

Aus erster Hand erfahren wir, wo es in Quito das beste Eis gibt und welche Touristenfallen wir meiden sollen. Das kommt gerade recht. Meine Organisation unserer Landreise ist bereits weit fortgeschritten. Die Planung gestaltet sich schwieriger als gedacht. Ecuador ist relativ klein, nur so groß wie Deutschland ohne Bayern und Niedersachsen. Eine Anreise per Flugzeug wie in Mexiko und Kolumbien wird nicht nötig sein.

Die Haupt-Schwierigkeiten bei der Planung bereiten die Berge. Ecuador wird in Nord-Süd-Richtung von zwei Kordilleren der Anden dominiert und bilden eine der spektakulären Attraktionen des Landes. Diese Gebirgsketten nehmen ein Drittel des Landes ein und haben eine mittlere Höhe von über 3.000 Metern. Wer hier nicht auf dem letzten Loch pfeifen will , muss sich akklimatisieren. Ab 2.500 Metern droht die Höhenkrankheit. Durch langsame Steigerung der Höhe kann man dem Entgegen wirken. Aber wo beginnt man eine Tour, wenn alles so verflixt hoch gelegen ist?
Und wie soll die Tour verlaufen, wenn wir nicht in die Ebene zurück wollen?

Wie in Südamerika üblich wird jedes Dorf mehrmals täglich von Bussen angefahren. Allerdings von diversen Busgesellschaften, deren System nur schwer durchschauen ist. Bahía ist nicht gerade der Nabel Ecuadors und alle Wege führen über Quito. Mit der höchstgelegensten Hauptstadt der Welt auf 2.800 Metern wollen wir zur Vermeidung der Höhenkrankheit nicht beginnen.
Ich finde mit ‚Baños‘ einen geeigneten Ort auf 1.800 Metern. Allerdings ist noch unklar, wie wir dort hingelangen können. Widersprüchliche Angaben erhalte ich im Internet und am Busbahnhof.
Montag soll es los gehen. Bleiben noch ein paar Tage Zeit zur Recherche und den Ecuadorianern ihr Geheimnis der Busverbindungen zu entlocken.

Ecuador wird durch die Anden in zwei Hälften geteilt. Schwierig zu überwindende natürliche Hindernisse.

Ecuador wird durch die Anden in zwei Hälften geteilt. Schwierig zu überwindende natürliche Hindernisse.

Klimapumpe Humboldtstrom

So., 24.Juni 18, Ecuador/Bahía de Caráquez, Tag 1485, 13.337 sm von HH

Grau, grau, grau, so zeigt sich jeden Tag der Himmel. Ständig sieht es nach Regen aus, ohne dass ein Tropfen fällt. Mittags kommt mal die Sonne durch für zwei, drei Stunden. Das bedeutet nicht automatisch, dass sich blauer Himmel zeigt. Die Wolkendecke reißt nicht auf, der Himmel bleibt auch in den guten Stunden milchig grau.
Die Temperaturen steigen nicht über 25 Grad. Luft und Wasser sind identisch. Achim, die alte Frostmemme, sitzt mit seinem dicksten Faserpelz im Cockpit. Ich komme noch mit einem langärmligen Shirt aus. Der ‚eiskalte‘ Wind lässt uns schaudern. Nachts kühlt es auf 20 Grad runter, Deckenpflicht. Also bitte, wir sitzen fast auf dem Äquator. Nur im Ort ist es deutlich wärmer, dort können wir uns eine Jacke sparen.

Frostgefühl bei 25 Grad

Frostgefühl bei 25 Grad

Wo sind wir bloß gelandet? Jetzt wo man es weiß, finden sich überall Hinweise. Selbst im Reiseführer lese ich die Warnungen: „An der Küste zeigt sich manchmal über Monate nicht die Sonne.“
Die niedrigen Temperaturen stören nicht, machen sie doch das Leben beim Kochen und Schlafen um einiges leichter. Die fehlende Sonne schlägt etwas aufs Gemüt.

Und wer ist schuld? Der Humboldtstrom. Ist ja nicht so, dass wir es nicht gewusst haben.
– Der Humboldtstrom fließ parallel zur Südamerikanischen Westküste. Check.
– Er ist 7 bis 8 Grad kälter als der offene Ozean auf gleicher Breite. War bekannt.
– Die Luft wird durch die niedrige Wassertemperatur ebenfalls abgekühlt. Logisch.
– Die kühle Luft über dem Meer kann nur wenig Feuchtigkeit aufnehmen. Die für die Tropen typischen Regenfälle bleiben an Land aus. Ja, kannte man, schon von gehört, die trockensten Wüsten der Welt liegen in an der Westküste Südamerikas. Für unser Wohlbefinden eher uninteressant.
– Bedingt durch den Temperaturunterschied der Luftschichten kommt es häufig zu Nebel-und Wolkenbildung an der Küste. Aha, schön drüber weg gelesen, einfach ignoriert, nicht wahrgenommen. Wer lesen kann, ist klar im Vorteil.

Vor zwei Jahren in Französisch Guyana haben wir uns noch den Hintern abgeschwitzt. Nur ein paar Kilometer nördlich des Äquators. Tropische Regengüsse, üppige Natur und feuchte Nächte erfüllten alle Tropen-Klischees. Ein faszinierender Unterschied.
Alexander von Humboldt war übrigens der erste, der einen Zusammenhang zwischen dem kalten Meeresstrom und er Wüstenbildung erkannte. Daher wurde das kalte Wasser aus der Antarktis nach ihm benannt.

Jetzt hängen wir also unter unserer privaten Dauerwolke. Zu ändern ist es nicht. Gene meint, dass es bald besser werden müsste. Im Sommer gäbe es mehr Sonnentage und Sommer beginnt ab Juni.
Die Hoffnung stirbt ja bekanntlich zuletzt.

Dauerwolke über Bahía

Dauerwolke über Bahía

Einklarieren in Ecuador

Di., 12.Juni 18, Ecuador/Bahía de Caráquez, Tag 1472, 13.337 sm von HH

Am Tag nach unserer Ankunft kommen die Offiziellen an Bord: Vier Mann und eine Frau werden mit einem kleinen Kahn zu uns gebracht. Eine wilde Fragerei prasselt auf uns ein. Die Dame von ‚Gesundheit‘ lässt sich unsere Medikamente zeigen und erkundigt sich, wogegen sie sind. Ein Schapp mit Vorratsdosen wird inspiziert und tatsächlich das Haltbarkeitsdatum kontrolliert.
Sie geht allerdings nicht selbständig an Schränke, sondern ist zufrieden mit dem, von mir präparierten, Fach. Dass wir im großen Stil preiswertes Bier und Wein aus Panama ins Land schmuggeln, kümmert keinen.

Gonzo hält ebenfalls den Kopf flach und zeigt sich nicht. Von den drei zugelaufenen Geckos ist er der einzige der noch bei uns ist. Die anderen haben wir vermutlich in der Shelter Bay Marina mit unserer letzten Schlauch-Putz-Aktion von Bord gespült.

Unsere Gelbfieberimpfung kontrolliert die Gesundheits-Tante ebenfalls. Die ist elf Jahre alt und wird von ihr anstandslos akzeptiert. In den letzten Jahren hat sich die Auffassung der WHO wohl herumgesprochen, dass eine Gelbfieberimpfung ein Leben lang hält (und nicht nur zehn Jahre, wie mal angenommen).

Viele Formulare und Fragen später, über unsere Seenot-Rettungs-Signale, unser Notruder, der frisch gewarteten Feuerlöscher und anderer Kleinigkeiten, sind wir fertig und bekommen einen Stempel für drei Monate. Alle sind ausgesprochen höflich und korrekt. Von uns angebotene Cola Dosen werden ‚für später‘ mit von Bord genommen. ;-)

Das Cockpit voll mit Immigration- und Gesundheits-Inspektoren

Das Cockpit voll mit Immigration- und Gesundheits-Inspektoren

Wir sind nicht die einzigen Segler in der Marina: die ‚Kokopelli‘ aus USA und die ‚Alrisha‘ aus Österreich kennen wir bereits. Neu dazu kommt die ‚Taitonga‘ aus Frankfurt.
Somit wird der erste Abend gleich ein buntes Treffen alter und neuer Mitsegler. Allerdings sind fast in Aufbruchsstimmung. In drei Wochen werden wir wohl recht einsam sein, wenn nicht Frischfleisch nachrückt und sich die ‚Alrisha‘ noch auf Landreise in Peru befindet.

Die Alrisha bei unserer Ankunft

Die Alrisha bei unserer Ankunft

Das Mooringfeld mit einer Handvoll Gast-Yachten - Hinter den Segelbooten tauchen die Sandbänke bei Ebbe auf

Das Mooringfeld mit einer Handvoll Gast-Yachten – Hinter den Segelbooten tauchen die Sandbänke bei Ebbe auf