Archiv der Kategorie: Reparaturen/Refit

Reparatur des Überziehers

Di., 5. Mai 15, Teneriffa, Tag 339, 2.477 sm von HH

Wir haben zwei Vorsegel, beide sind Rollsegel.
Das bedeutet, dass die Vorsegel im Hafen nicht unter Deck verschwinden, sondern an ihrer ‚Stange‘ aufgerollt hängen bleiben.

Diese Tuchrollen wären nun permanent dem zerstörerischem UV-Licht ausgesetzt.
Ja, wären, wenn der Segelmacher nicht auf die äußere Kante des kleinen Segels einen Streifen UV-Schutz aufgenäht hätte. Dieser ist häufig farbig abgesetzt, bei uns jedoch weißer Adler auf weißem Grund.

Unser großes Vorsegel wird durch einen 17 Meter langen Überzieher vor der Sonne geschützt.
Dieser Schlauch wird durch einen ebenso langen Reißverschluss geschlossen.
Das heißt, er wurde geschlossen.
Denn dieser Reißverschluss ist kaputt. In Las Palmas waren wir schon beim Segelmacher, ob er den nicht reparieren könne. Leider nein, da der Einfädler, der in den Schlitten kommt, abgebrochen ist. Reparaturen mit Endlos-Reißverschluss sind nur am anderen Ende möglich.

Da unser Überzieher schon etwas betagt ist, wollten wir keine 150 bis 200 EUR mehr für einen neuen Reißverschluss spendieren.
Also haben wir uns überlegt, die Tüte selber zu reparieren.

Dieses soll mit Riegeln auf die Klett genäht wird, erfolgen.
Bei einem Abstand von 1 Meter, sind also zunächst 18 Riegel und auf diese, die borstige Klett-Seite zu nähen. Dann die fertigen Riegel an den Schlauch nähen und auf der gegenüberliegenden Seite 18 Mal ein entsprechendes Soft-Klett-Stück.

Zuerst schneiden wir aber an beiden Seiten die endlosen Meter Reißverschluss heraus.
Nicht, dass die nutzlosen Zähne noch am Überziehermaterial scheuern.
Kine wirklich Scheren und Menschen schonende Tätigkeit!

An die Maschine darf heute der Meister persönlich.
Achim kann mindestens genauso gut mit der Nähmaschine umgehen wie ich.
Er hat nur nicht so viel Geduld für die Feinheiten, sondern er ist der Mann fürs Grobe.
Schönheit ist ihm egal.
Dem entsprechend mäandern sich dann auch die Nähte über den Stoff.
Das macht aber nichts, das sieht in 17 Meter Höhe kein Mensch. Also darf er weiter machen.

 

Ich bin fürs Zuschneiden des benötigten Materials zuständig.
Die Fließbandarbeit klappt gut mit uns beiden. Während es am PC schon mal Diskussionen, barsche Worte oder einen handfesten Streit gibt, können wir solche Arbeiten prima gemeinsam erledigen.

Beim Hochziehen des Überziehers stellen wir dann schnell fest, dass ein Meter Abstand zu optimistisch gedacht war.
Bei 20 Knoten Wind, die in die Tüte blasen, zieht diese sich noch auseinander.
Wir schauen uns das jetzt mal ein paar Tage an, ob unsere Klett-Riegel überhaupt standhalten und wenn ja, müssen wir mit mindestens 20 weiteren Riegeln noch mal nachbessern.

 

Mein Kampf mit der Hydra

Do., 26.Mrz.15, Teneriffa, Tag 299, 2.477 sm von HH

Frau braucht also einen Windrichtungsanzeiger…. :mrgreen:

In den letzten Monaten sind uns zwei Systeme ausgefallen. Zuerst hat uns die Windanzeige verlassen und schließlich hätte unser Topplicht auch als Lichtorgel in einer Disco fungieren können.

Beide Funktionen sind für uns einigermaßen wichtig und sollten auch baldigst wieder funktionieren.

Beim Topplicht war ich mir sicher, dass der Fehler in der Lampe selbst liegen würde und somit habe ich mich zunächst dem schwierigeren Problem gestellt, nämlich dem Nichtfunktionieren unserer Windrichtungsanzeige. Wir haben auf unserem Schiff ein System von B&G (Hydra 330), was zu Zeiten, als unser Schiff gebaut wurde (1989), bestimmt absolut „state oft the art“ war. Die Daten aus den Sensoren auf dem Masttopp, dem Tiefenmesser und der Logge werden alle in eine Zentraleinheit (das Gehirn der Hydra) eingespeist. Von hier aus werden dann die Anzeigeinstrumente mit den notwendigen Daten versorgt. Ich habe mich also zunächst an der Zentraleinheit zu schaffen gemacht und festgestellt, dass eine der drei Spannungen vom Mastsensor, die für die Richtungsanzeige notwendig sind, nicht stimmte.

Leider fehlten mir dann aber Ersatzgeräte, um zu prüfen, ob der Fehler in der Masteinheit oder in der Zentraleinheit liegt. In Las Palmas hatten wir den ersten Techniker an Bord, der sich die Anlage anschaute. Nachdem er ein paar Bilder gemacht hatte und versprochen hatte, sich am nächsten Tag zu melden, wart er allerdings nie wieder gesehen. Ich gehe mal davon aus, das er nur noch STng Kabel zusammenstecken kann und ihn unsere alte Hydra verschreckt hat.

Hier in Santa Cruz sah das alles etwas anders aus. Ein Anruf bei NavTec und am nächsten Tag war ein Techniker an Bord. Kompetent schaute er sich die Verkabelung in der Zentraleinheit an, allerdings ohne einen Fehler feststellen zu können. Also habe ich die Masteinheit vom Masttop geholt und ihm zur Überprüfung mitgegeben. So ganz untätig wollte ich aber nicht bleiben. Ich habe also die Buchse am Mast abgebaut, um mal nach dem Rechten zu sehen. Eigentlich hatte ich erwartet, hier kupferglänzende Kabel vorzufinden, denn immerhin sah der Stecker und die Kabel darin hervorragend aus. Aber was da zum Vorschein kam war schon schrecklich. Korrosion, Schmutz und abgefaulte Kabel. Ich habe also alle Anschlüsse gereinigt, die Kabel neu abisoliert und mit Kabelschuhen versehen und den ganzen Kram wieder zusammengebaut. Erstes Ergebnis war, dass unser Topplicht wieder funktionierte.

Abends bekam ich allerdings die Nachricht vom Techniker, dass unserer Masteinheit ein Defekt hat und die PCB (das ist die Hauptplatine in der Einheit) ausgetauscht werden müsse. Das Schöne an dem sündhaft teuren B&G Systemen ist, dass man sie reparieren kann und dass man selbst nach über 25 Jahren noch Teile bekommt.

Donnerstag kam der Techniker dann wie versprochen (mit nur einer Stunde Verspätung) an Bord und brachte die reparierte Masteinheit wieder. Flink wie ein Wiesel bin ich auf den Mast gestiegen, habe das Teil wieder an seinen angestammten Platz gesetzt und siehe da…..alles funktioniert wieder :-) .

Trotz der nicht ganz unerheblichen Kosten für die Platine des Mastsensensors (450€ inkl. 2 Arbeitsstunden) :shock: sind wir froh, dass wir unsere alte Hydra behalten können. Mal abgesehen von der vielen Arbeit, die es bedeutet hätte ein neues System einzubauen sind wir eigentlich davon überzeugt, dass wir mit unserem System sehr gut bedient sind. … und außerdem lieben wir die alten analogen Anzeigen….und überhaupt ist mir für eine glückliche Frau nichts zu teuer.

Unser Spibaum hat einen Riss

Di., 24.Feb.15, Gran Canaria, Tag 269, 2.421 sm von HH

Eigentlich hatte Peter Smith den Defekt bereits entdeckt, als wir noch in der Doca Alcantara (Lissabon) lagen. An der Aufnahme für den Anschluss des Spibaums an die Mastschiene war deutlich ein Riss zu erkennen. Bis dahin hatten wir dieses Monster noch nie in Gebrauch gehabt, da die Stange nicht nur unheimlich lang, sondern auch sehr schwer und unhandlich ist.

Premiere hatte der Einsatz des Spibaums für uns dann auch erst auf der Fahrt von Lagos (Portugal) nach Playa Blanca (Lanzerote). 5 Tage hat er brav die Genua gehalten während wir vor uns hin „rollten“. Da das alles gut verlaufen war, war die Erinnerung an den Schaden auch erst einmal aus unseren Köpfen verschwunden..….bis vorgestern :oops:

Der Gedanke mit einer Sollbruchstelle irgendwann über den Atlantik zu gehen, missfiel uns so sehr, dass wir denn Baum kurzerhand beim ortsansässigen Segelmacher abgegeben haben. Dort wurde aus Nylon eine neue Aufnahme gefräst und nun sollte unser gutes Stück eigentlich wieder bereit sein, um unser Vorsegel sicher im Wind zu halten.

Arbeitsdienst – Winschenrevision

Mo., 22.Dez.14, Lanzarote/Spanien, Tag 205, 2.293 sm von HH

Bine hatte ja schon berichtet, dass wir uns mal um unsere Winschen kümmern wollten. Nun aber mal von Anfang an. Wir haben 2 Lewmar ST55, 2 ST 53, 2 ST 42 und eine einfache Lewmar 30. Alle Winschen stammen aus den achtziger Jahren und funktionieren einwandfrei.
Das schlechte Gewissen, seit dem Erwerb des Schiffes 2009 nicht mal nachgesehen zu haben, ob die Winschen sich gegebenenfalls nach Zuwendung sehnen, war jedoch die ganze Zeit vorhanden. Aus Unwissenheit und aufgrund mangelnder Erfahrung habe ich mich aber nie getraut die Dinger zu öffnen. In Lagos hatte ich dann aber das Glück, das Thomas von der SY Max gerade dabei war, seine Lewmar Winschen zu warten. Also habe ich ihm zugesehen und konnte feststellen, dass das Öffnen kein Hexenwerk ist, und dass einem nicht sofort Federn und sonstige Teile entgegenkommen.
Zunächst habe ich mich den ST 53 gewidmet. Öffnen und Zerlegen war ein Kinderspiel. Obwohl reichlich Schmutz vorhanden war, liefen die Winschen immer einwandfrei. Auch wenn ein gewisses Maß an Befriedigung nach dem Reinigungen- und neu Einfetten zu verspüren war, so war es etwas enttäuschend, dass genau genommen in der Funktion keine Veränderung zu bemerken war.
Im Anschluss habe ich mir dann die ST 42 vorgenommen. Diese Winsch ist bei uns für das Grossfall zuständig. Der Aufbau war noch einfacher als bei den 53ern. Es waren weniger Walzenlager zu reinigen und auch der Korb musste nicht abgenommen werden.
Nun blieben noch unsere ST55. Diese beiden Winschen sind bei uns für die Genuaschoten zuständig. Voller Optimismus öffnete ich also die Winsch, um dann festzustellen, dass hier alles anders ist als bei den anderen Winschen. Das Getriebe war unter einer Abdeckung verborgen und alle Schrauben verlangten nach zölligen Inbus Schlüsseln. Da ich darauf nicht vorbereitet war, wurde die Winsch erst einmal wieder geschlossen. Am Sonntag Abend schickte ich eine Email an Lewmar, mit der Bitte mir doch eine Explosionszeichnung zu schicken. Diese erhielt ich dann prompt Montag morgen. Hut ab vor solch kundenorientiertem Service.
Nachdem ich mir beim dem örtlichen Yachthöker auch noch das zöllige Werkzeug besorgt hatte, ging es los. Nach ausgiebigem Einsatz von Caramba ließ sich die Winsch abschrauben und aus der Wanne nehmen. Somit konnte alle weiteren Arbeiten in der sicheren Umgebung des Cockpit gemacht werden. Die Wartung wäre allerdings in allen Fällen deutlich einfacher gewesen, wenn bei der letzten Wartung nicht der Versuch unternommen worden wäre, die Winsch im Fett zu ersäufen.
Fazit:
Die kleinen Winschen (ST42, ST53) sind der Hammer bezüglich der Einfachheit der Wartung. Darüber hinaus sind sie wohl fast unverwüstlich und vergeben offensichtlich auch einen gravierenden Wartungsrückstand.
Die ST55 sind ebenfalls Oberklasse. Trotz massiver Vernachlässigung und großen Mengen von Schmutz, taten diese beiden Winschen klaglos ihren Dienst. Die Wartung selbst ist aber deutlich aufwendiger, als bei den kleinen.
Grundsätzlich sollte man nicht der Versuchung erliegen, die Getriebe und Lager im Fett zu ertränken. Das überschüssige Fett fungiert als prima Schmutzsammler und trägt nicht zur Funktion bei.
…die Bilder zeigen die ST55 Wavegrip vor der Reinigung