Archiv der Kategorie: via Email

Tag 6 nach Gambier – Zielaenderung

Fr.,03.Jan.20, Pazifik, Tag 2041, 19.473 sm von HH
Unser Wetterfenster mit noerdlichen Winden ist zu. Nach fuenf Tagen mit koestlichem Wind und koestlichen Bedingungen kommt der Wind nach der Flaute nun wieder aus Sued-Ost. Und das soll fuer Tage so bleiben. Aus 120 Grad – genau daher, wohin wir wollen. Zum Glueck sind wir in der Zwischenzeit soweit nach Osten und in den Sueden vorgedrungen, dass wir mit diesem Wind zufaellig direkt Kurs auf Hao anlegen koennen. Man koennte denken, dass war so geplant. ;-) Ehrlich gesagt, wuerden lieber bis Gambier durchsegeln. Nach einer Pause faengt die Eingewoehnung auf See ja immer wieder von vorne an. Aber wie lautet die Alternative? Bis Gambier sind es noch 500 Meilen. Mit Kreuzschlaegen wuerden daraus mindestens 700 Meilen werden. Nicht gerade wenig. Zudem soll der Sued-Oster in zwei Tagen kraeftiger werden und auf 18 Knoten steigen – hoch am Wind, was sonst. Nein, darauf haben wir keine Lust. Zu weit fuer zu viel Wind. Also geht es in Hao ran. Es hat uns ja gut gefallen dort beim ersten Mal. Dort koennen wir dann gemuetlich auf das naechste Wetterfenster warten. Der Nordwind wird schon zurück kommen.
– gesegelte Tagesmeilen: 91 (schon wieder … )
– gesegelte Meilen gesamt: 520
– verbliebene Meilen: 93 bis Hao
– Kartenkurs: 62 Grad
– gesegelte Kurse: 50 bis 70 Grad (besser geht nicht)

Tag 5 nach Gambier – Flaute mit ungebetenem Gast

Do.,02.Jan.20, Pazifik, Tag 2041, 19.473 sm von HH
Kontinuierlich geht dreht der Wind weiter auf Ost, um dann zu sterben. Wir liegen in der totalen Flaute, die Segel schlagen, wir lassen sie fallen und machen es uns gemuetlich. Eine Duenung ist praktisch nicht vorhanden. Wir hatten schon Ankerplaetze, die rolliger waren. Wache gehen oder nicht, ist die draengendste Frage. Final halten wir ‚Pflicht‘ des Wachegehens dann ein – sinnlos wie ich finde, aber das ist ein anderes Thema).Der Rest ist gut auszuhalten. Den Motor zu starten macht keinen Sinn. Alle Ziele liegen zweihundert Meilen oder mehr entfernt. Und dann die Frage, sollen wir nach Osten oder Suedosten motoren? Nach der Flaute wird kraeftiger Sued-Ost vorhergesagt, somit koennte es sein, dass wir Gambier als Ziel fallen lassen und uns ein Atoll in den Tuamotu suchen. Nach sechzehn Stunden komm der Wind zurueck. Zaghaft erst und noch aus Osten, aber dann dreht er tatsaechlich auf Sued-Ost. Wir wechseln auf den anderen Bug und segeln jetzt mit 40 bis 50 Grad. das ist besser als erwartet.
Durch die Flaute wissen wir jetzt, wohin wir theoretisch in unserer Rettungsinsel sitzend, treiben wuerden: nach Sued-Westen. Unsere Gespraeche ueber eine Rettung nehmen neue Fahrt auf. ;-) Ein Thema mit unendlichem Naehrboden. Ich kann mich nicht erinnern, dass dies schon mal so lebhaft diskutiert wurde an Bord. Dabei sind wir gar nicht beunruhigt oder machen uns Sorgen. In der Rettungsinsel landen gar nicht so viele Segler, die auf See in Not geraten. Die alten Kaehne schwimmen meistens laenger als man denkt.
Und dann noch der ungebetene Gast: Achim hoert waehrend seiner Nachtwache ploetzlich ein Flattern. Etwas huscht an ihm vorbei und landet flappend im Salon. Waehrend er noch ratlos guckt, fliegt ihm das Teil an den Kopf und landet geschwaecht auf dem Sitz neben ihm. Eine mausgrosse Kakerlake! Mein Held des Tages faengt das Ekel-Tier geistesgegenwaertig mit blossen Haenden und zerquetscht wie Conan der Barbar den Feind in seiner Faust. Die naechst gelegenen Inseln sind hundert Meilen entfernt (182 Kilometer). Dass die Biester einen Atomkrieg ueberleben koennen sollen, ist hinlaenglich bekannt, aber dass sie Distanzen dieses Ausmasses ueberwinden koennen, erfuellt mich mit purem Entsetzten.
– gesegelte Tagesmeilen: 37, davon 3 nach Osten gutgemacht
– gesegelte Meilen gesamt: 429
– verbliebene Meilen: 533
– Kartenkurs: 118 Grad
– gesegelte Kurse: 170 Grad
– getriebener Kurs: 190 Grad

Tag 4 nach Gambier – Seglergespraeche

Mi.,01.Jan.20, Pazifik, Tag 2040, 19.436 sm von HH
Zu Beginn des Tages ist es ein wenig ruppiger, aber dann geht der Wind wieder auf Seglers-Koestlichkeit von 14 Knoten zurueck. Im Laufe des Tage schwaecht er weiter ab – auf 9 bis 12 Knoten. Eine Duenung ist kaum mehr vorhanden, wir gleiten aufrecht dem Ziel entgegen. Der Wind hat weiter nach Ost gedreht. Das ist schade, gerne waeren wir noch laenger etwas mehr Hoehe gesegelt. Aber wir koennen noch knapp unseren Zielkurs halten. Die Vorhersage sieht eine Flaute fuer Morgen vorher, so, dass wir uns ueber jede Meile freuen, die wir heute noch gut machen. Viele Alternativen, die wir auf der Strecke erreichen koennen, gibt es nicht. Alles liegt Nord-OEstlich von uns und mindestens zweihundert Meilen entfernt. Die Tuamotu sind schlecht zwischen Gambier und Tahiti angebracht. Wuerde man dieses Gebiet noch einmal entwerfen, so sollte derjenige darauf achten, die Tuamotu weiter nach Westen zu setzen.
Wir schlagen die Zeit mit erbaulichen Gespraechen ueber den Seenotfall tot: Wuerde Atanga hier im Nirgendwo sinken und wir in der Rettungsinsel sitzen, wuerde uns ueberhaupt jemand suchen? Und wenn ja, wann? Achim sendet taeglich unsere Position an den Blog. Aber mal ehrlich, wem faellt das auf, wenn keine Meldung mehr kommt? Meine Berichte wuerden aussetzen. Okay, wuerde auffallen, aber deswegen wuerde ja niemand eine Rettungskette aktivieren. Dafuer kann es tausend bessere Gruende als den Ernstfall geben. Bleibt also nur unsere Epirb (elektronische Rettungs-Boje), dem Lebensretter Nummero eins. Die sendet nach der Aktivierung ein Signal zu ‚Bremen Rescue‘. Die wissen was zu tun ist und setzten (wahrscheinlich :mrgreen: ) eine Rettung-Aktion in Gang. Aber bevor jemand hier ist, das kann dauern. Zuerst ruft Bremen bei der hinterlegten Nummer an und fragt, ob es ueberhaupt sein kann, dass die Inhaber der Epirb in Seenot sein koennen. Die Anzahl an Fehlalarmen ist wohl riesig. Wenn wir Glueck haben, wendet sich Bremen dann an, tja, an wen? Wir haben gegruebelt und hoffen, die Jungs wissen es besser als wir. Eine Gesellschaft zur Rettung Schiffsbruechiger sucht man vergebens. Schifffahrtsrouten gibt es ebenfalls keine. Kommt dann die Marine? Kommt ueberhaupt jemand? Wir wissen es nicht und haben schnell das Thema gewechselt und lieber wieder gelesen.

– gesegelte Tagesmeilen: 100, davon 80 nach Osten gutgemacht
– gesegelte Meilen gesamt: 392
– verbliebene Meilen: 555
– Kartenkurs: 118 Grad
– gesegelte Kurse: 105 bis 115 Grad

Tag 3 nach Gambier – Guten Rutsch

Di.,31.Dez.19, Pazifik, Tag 2039, 19.336 sm von HH
Unser zweites Silvester in Folge auf See. Gleiche Situation wie letztes Jahr: Achim verschläft den ‚Big Bang‘ und ich sitze allein im Cockpit. Letztes Jahr war es unsere letzte Nacht, bevor wir die Osterinsel erreichten. Dieses Jahr liegen noch mindesten acht Tage Segelei vor uns. Wieder eine Party verpasst. Macht nichts. Silvester wird nach meiner Meinung von jeher überbewertet (es sei denn man sitzt im Wald am Lagerfeuer und überfrisst sich mit gegrillten Scampies). :-)
Unser Silvester-Dinner besteht aus Salat und frisch gebackenem Brot mit Heringsfilet aus der Dose in Dill-Sahne-Soße. Ein Deutsches Produkt, gekauft in Kolumbien und noch nicht mal abgelaufen. Da sehnt man sich in den Wald zurück. Der dritte Tag in Folge ohne Geschaukel. Wir bekommen viel Schlaf und sind hoch zufrieden. Segeln kann ja sooo schön sein. Der Wind bleibt schwach mit 12 Knoten. Leider hat er etwas nach Ost nachgegeben, so dass wir unseren reinen Ostkurs aufgeben mussten. Wir sind weiterhin ungerefft hoch am Wind unterwegs und schaffen knapp vier Knoten im Schnitt.
Wir wünschen allen Lesern, der Familie und unseren Freunden einen tollen Start 2020. Viel Glück, Zufriedenheit und immer den richtigen Wind.
– gesegelte Tagesmeilen: 91, davon 75 nach Osten gutgemacht
– gesegelte Meilen gesamt: 292
– verbliebene Meilen: 651
– Kartenkurs: 118 Grad
– gesegelte Kurse: 100 Grad

Tag 2 nach Gambier – Go East!

Mo.,30.Dez.19, Pazifik, Tag 2038, 19.245 sm von HH
Der versprochene Nordwind ist da. Wir koennen einen direkten Ostkurs segeln. Zwar verschenken wir dabei die Suedkomponente, das macht aber nichts, denn jede Meile weiter oestlich ist eine gute Meile. Die sind am schwierigsten zu gewinnen. Der Wind ist schwach. Neun bis vierzehn Knoten Wind – eine schlappe Windstaerke vier. Hin und wieder ueberlaeuft uns eine dicke Wolke (ohne Regen), die schickt uns fuenf Knoten mehr. Wir schweben langsam vor uns hin. Gemuetlich ist es. Nichts wackelt, nichts rappelt – alles steht grade. Es schlaeft sich wie in einer gepanzerten S-Klasse auf frisch geteerter Autobahn. Koestlicher, suesser Schlaf. Das ist gut fuer die Stimmung, die am zweiten Tag schon deutlich besser ist. So langsam kommen die Seebeine zurueck. Nur kulinarisch ist noch Luft nach oben. Da ich aus aberglaeubischen Gruenden (insgesamt hatte ich uns sieben Mal so vorbereiten wollen und jetzt die Faxen dicke :roll: ) nicht vorgekocht habe, muss der Meister der Nudel ran.
– gesegelte Tagesmeilen: 91, davon 91 nach Osten gutgemacht
– gesegelte Meilen gesamt: 201
– verbliebene Meilen: 740
– Kartenkurs: 115 Grad
– gesegelte Kurse: 90 bis 100 Grad