Und wie ist die Versorgungslage?

So., 07.Jul.19, Franz.Polyn./Tuamotu/Insel Hao/d’Otepa, Tag 1862, 17.889 sm von HH

Die Lage wird ernster, ist aber noch immer nicht hoffnungslos. :mrgreen:
Es gibt drei Minimärkte auf Hao. Im Prinzip haben sie alle das gleiche und doch nicht viel: ein paar Konserven wie Erbsen, Bohnen und rote Beete; Reis, Mehl, Milchpulver und einige andere Grundnahrungsmittel; seit fünf Monaten abgelaufene Wraps und in bescheidener Auswahl gefrorenes Fleisch. Aber es gibt richtigen Käse (teuer), vier (warum?) Sorten Butter, fünf Sorten Margarine (noch ein größeres warum?), darunter zwei Sorten mit Olivenöl.
Die Preise sind weiterhin hoch, aber ein bisschen günstiger als in Gambier. Ein Glas Gewürzgurken ist für 7 USD zu haben, eine Minipackung Rosinen kostet 4,50 USD.
Wir haben in der Zwischenzeit das Geheimnis der roten Preisaufkleber entdeckt. Alles mit roten Preisen ist subventionierte Ware: Butter, Waschmittel, Kaffee, getrocknete Bohnen und ab und zu ist auch mal ein Leckerli darunter. Da macht Frankreich die Spendierhosen auf und ein Liter Milch ist fast so günstig wie in Deutschland. Die subventionierten Artikel kosten auf allen Inseln Französisch Polynesiens das gleiche.
Neben Emmentaler und Camembert haben die Franzosen auch das Baguette auf den Inseln eingeführt. Ebenfalls subventioniert. Wer morgens um 6:00 Uhr beim Becker ist, bekommt eine knusprige Stange für 70 Cent.

Obst und Gemüse sind Mangelware. Okay, stimmt nicht ganz. Man kann einen Beutel Brokkoli für 9 USD tiefgefroren bekommen. Neulich habe ich Bananen ergattert (5 USD/Kilo) und grüne Paprika (15 USD/Kilo). Wenn das Versorgungs-Schiff da war, gibt es für kurze Zeit Kartoffeln, Kohl, Zwiebeln und Möhren. Überlagerte Ware, viel zu feucht transportiert, die nach kurzer Zeit verdirbt. Kartoffeln und Zwiebeln müssen einen Tag in der Sonne trocknen. Tomaten und Äpfel kaufe ich schon gar nicht mehr, da hat man keine Freude daran.
Wir haben noch vier Pampelmusen übrig aus Gambier, dann ist auch das zu Ende.

Kochen ist irgendwie schwierig und die Kochexperimente in der Atanga-Küche sind nicht immer ein Hochgenuss: Achtung, Kohl geht nicht gut zu Spaghetti :lol: .
Aber angebratener Speck mit Kartoffeln und einigen Kichererbsen funktioniert wunderbar mit Kokosmilch. Die machen wir selber aus gesammelten Nüssen. Dafür muss man ein gutes Stück mit dem Rad fahren, in unbewohntes Gebiet. Die Einheimischen sammeln vor der Tür selber jede Nuss. Ein wichtiger Bestandteil ihrer Nahrung.

Wichtige Nahrungsquelle – Hybrid-Nuss mit unglaublichem Ertrag

Die gute Nachricht: es gibt kein Ciguatera auf Hao. Alle Fische können gegessen werden. Gerald geht regelmäßig harpunieren und hat uns schon Fisch zum Grillen mitgebracht.
Beim lokalen Fischer gibt es Thunfisch. Frisch gefangen am Pass am Außenriff. Auf meine Frage, was er kosten soll, sagt er 10 USD/Kilo. Das kommt mir etwas teuer vor, der Preis in Gambier beträgt die Hälfte. Aber ich handel nicht, da ich nicht jeden Cent aus den Einheimischen raus quetschen will. Zum Glück mache ich es nicht. Das Stück, was er mir aus dem Fisch schneidet, wiegt über drei Pfund und ich bekomme die gleiche Menge gefroren obendrauf geschenkt. Alles für 10 USD! Ein Festschmaus.

Die Läden leeren sich, wenn das Versorgungs-Schiff lange nicht da gewesen ist. Es gibt dann keine Milch, keinen Käse oder Kartoffeln mehr. Ich muss dann mehr an die eingekochten Vorräte ran. Zusehend werden die Schränke leerer. Sogar die letzte Dose Würstchen aus Deutschland ist gegessen. Abgelaufen 2016. :-) Ich habe es tatsächlich geschafft eine der heiligen Dosen in die Südsee zu retten.

Wir warten jetzt nur noch auf das nächste Schiff zum Nachbunkern. Das soll in ein paar Tagen kommen und dann geht es weiter.

 

 

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