Eine neue Ankerkette

Fr., 02.Aug.19, Franz.Polyn./Tahiti/Phaeton, Tag 1888, 18.355 sm von HH

Auf Hao hatte Achim routinemäßig unsere Ankerkette kontrolliert. Warum macht der Mann so etwas? Einige Glieder zeigen sich verhaltensauffällig: durch Lochfraß. Der in der Literatur beschriebene Verfall einer Edelstahlkette hat jetzt unser schönes Teil erwischt. Es bilden sich Löcher im Edelstahl, die zum Bruch der Glieder führen können. Manchmal kann man diese gefährlichen Löcher nicht erkennen, aber bei uns besteht kein Zweifel.
Die Kette war von Spitzenqualität. Noch angeschafft vom Voreigner von Atanga, aber sie hat deutlich Jahre auf dem Puckel – 15 Jahre, mal viel, mal wenig genutzt. Leider begünstigt warmes Wasser den Verfall von Edelstahl.
Da unser gesamter Haushalt an dieser Kette hängt, soll ein Ersatzkettchen her.

Die meisten Sachen auf Tahiti sind teuer, sehr teuer, daher wählen wir eine verzinkte Kette statt Edelstahl. Achtzig Meter sollen es ein – ungefähr 180 Kilo. Die Ankerkette zu wechseln, während das Schiff am Anker und an der Kette hängt, ist umständlich und schwere Arbeit (Zweitanker ausbringen, Kette in Dinghi, von Dinghy Kette an Bord usw.) Also soll eine neue Kette her, während wir noch an Land stehen. Aber wie kommt die Kette aus Papeete zu uns?
Der wenig freundliche Herr B., der Mann bei dem man auf Tahiti alles (!) für sein Schiff bekommt, ist wenig kooperativ: „Ich liefer nicht nach Pheaton! Ihr müsst schon hierher kommen. Um nach Papeete zu segeln, braucht ihr keine Ankerkette!“ Augen roll. Kunde droht mit tausend Dollar Auftrag für eine ‚Markenkette‘ made in France von Lofran.

Also organisieren wir Marc. Marc ist ein Junge für alles in der Phaeton Bay. Er kümmert sich um leer stehende Schiffe, hat diesen drolligen Wäsche-Service, bei dem die Preise steigen, wenn man viel Wäsche abgibt. Und Marc hat ein Auto. Für 50 USD fährt er mit Achim nach Papeete und ein paar Stunden später sind die beiden mit der Kette wieder zurück. Der Rest ist an Land ein Kinderspiel: Die Ankerwinsch zieht die neue Kette an Deck. Anker umschäkeln. Fertig.
Herr Balzer hat Achim noch mit auf den Weg gegeben: „Wenn ihr viel ankert, sehen wir uns in drei Jahren wieder. Länger hält eine Kette hier nicht!“
Na, Prost Mahlzeit, da sind wir anderes gewohnt.

Da liegt er nun, unser 800 Euro Eisenhaufen

3 Gedanken zu „Eine neue Ankerkette

  1. AKKA

    Huch?!
    Was ist das denn für eine Kette, die nur 3 Jahre halten soll?
    Wir fahren nach unserem Edelstahldebakel 2008 (zerfressen, aber sowas von…) eine Acco Hitest, die wir 2009 in Trinidad gekauft haben. Die wurde nach 2 Jahren in Neuseeland nachgalvanisiert, weil sie kleine Macken hatte – vielleicht bezieht sich der Händler darauf? Gleiches Seegebiet…
    Seitdem sind wir frühlich um die Welt gesegelt, und wir geben sie jetzt gerade samt Anker, also nach 10 Jahren, prophylaktisch zum Galvanisieren – aber „kaputt“ ist sie keinesfalls und auch kein Rosthaufen.

    Anyhow – viel Spaß mit der neuen Kette. Besorgt Euch einen dicken Besenstielals Stauhilfe (falls das so funktioniert wie bei uns. Das war das einzige Manko beim Wechsel von SS auf galvanisiert…)

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  2. Sabine

    Ich hoffe, dass der Herr Verkäufer sich tatsächlich auf Macken bezog, die durch Galvanisierung zu beheben sind. Hier in Franz. Polynesien gibt es die Möglichkeit nicht, nach unserem Wissenstand. Da muss man neu kaufen, was dem Herrn Verkäufer die Dollar-Zeichen in die Augen treibt. ;-)
    Es besteht also noch Hoffnung.

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  3. Akka

    Wir haben das in Whangarei machen lassen – der Lieferant hat sogar einen Teil der Kosten übernommen. Hat gut funktioniert.

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