Visum-Verlängerung mit Hindernissen

Mo., Okt.18, Ecuador/Bahía de Caráquez, Tag 1584, 13.337 sm von HH

Wir sitzen mal wieder im Bus nach Portoviejo. Heute soll mein Visum verlängert werden.
Der Tag fängt fragwürdig an: mit uns im Bus fährt Til Schweiger. Spanisch sprechend. Allerdings grottenschlecht synchronisiert. Während der Nuschelkopp Schweiger die Zähne kaum auseinander bekommt, spricht der Synchronsprecher verständliche Sätze. Mund und Stimme passen nicht zusammen. Warum nur zeigen die im Bus nicht einen ihrer üblichen blutrünstigen C-Movies? Muss es der Schweiger sein?

Noch vor Ende des Films müssen wir raus. Wir trotteln den bekannten Weg zum Immigration Büro. Der zweite Schock des Tages, Eingang und Fenster sind dicht verrammelt. Wir schauen uns hilflos um. Und nun? Aber auf die Südamerikaner ist Verlass. Ein Typ mit einem mobilem Kopierer sieht unsere Ratlosigkeit und zeigt uns den Weg zum neuen Büro, keine hundert Meter weiter. Die Immigration ist frisch in ein neues Gebäude umgezogen.

Dort finden wir unsere Immigration-Schönheit von den letzten beiden Treffen. Sie erkennt uns ebenfalls wieder und begrüßt uns mit den Worten: „No hay internet.“ Es gibt kein Internet! Vielleicht heute Nachmittag. Und nun? Sie schickt uns erst mal zur Bank, damit wir die Gebühren (129 USD) einzahlen können. Sollte das Internet dann noch immer nicht funktionieren, können wir doch einfach Morgen wieder kommen. Sie ist die einzige, die darüber lacht.

Wir fahren mit dem Taxi zur Bank, bezahlen und kehren zur Immigration zurück. Noch immer kein Internet. Der Warteraum vor dem Büro der Schönen ist inzwischen proppevoll. Alle warten auf das Internet. Ich bin für einen Stadtbummel, Achim will bleiben. Seine Strategie: den Druck erhöhen durch Anwesenheit. Er wartet an einer Stelle vor ihrer Glastür, dass sie ihn dauerhaft sehen kann. Ich verstecke mich zwischen den anderen Wartenden.
Nach einer halben Stunde knickt sie ein und übergibt Achim ein Formular, was ich ausfüllen und unterschreiben soll. Als ich es bei ihr abgebe, errechnet sie manuell, dass meine zweimal 90 Tage am 30. Dezember abgelaufen sind. Wir haben also schon mal ein Datum. Ganz ohne Internet.
In zwei Stunden, um 15:00 Uhr, sollen wir wieder kommen, dann läuft ihr System garantiert und ich bekäme meinen Verlängerungs-Wisch. Oder eben doch erst Morgen, wiederholt sie ihren schlechten Scherz. :lol:

Wir fahren mit dem Taxi zu einem großen Supermarkt. Auf Schätzchen-Jagd gehen. Der Supermarkt in Bahía ist leider begrenzt sortiert. Wir werden fündig, beide Rucksäcke sind voll, neunzig Dollar soll ich zahlen. „Deine Kreditkarte funktioniert nicht.“, meckert die Kassiererin. Ich bitte sie, es noch einmal zu versuchen und packe im Geiste schon die Rucksäcke wieder aus. „Haben wir überhaupt noch so viel Bargeld mit“? Auch der zweite Versuch bringt keinen Erfolg. Achim und ich kramen unser Bargeld zusammen. Puh, es reicht.

Bei der Immigration erwartet uns unsere Freundin. Freudestrahlend überreicht sie mir meine Visumsverlängerung. Ein schönes Ende eines wechselhaften Tages.
Heute Morgen kocht ‚Gestern‘ noch einmal hoch: Wir erhalten eine Mail von unserer Bank, dass gestern zweimal für 90 USD eingekauft wurde. Wenn wir das nicht waren, sollen wir uns melden, allerdings müsse dann meine Kreditkarte gesperrt werden. Oh, nein, bitte nicht!
Die Bank kriegt ganz schnell eine Antwort: Im Prinzip sind wir Verursacher dieser Buchung, jedoch…
Unbürokratisch erhalten wir Bescheid, der doppelte Betrag wird gar nicht belastet und meine Kreditkarte bleibt erhalten. So, nun aber bitte Ende mit diesem Tag.

Ein Segel-Video ist online

Di.,25.Sep.18, Ecuador/Bahía de Caráquez, Tag 1578, 13.337 sm von HH

Die Fototapeten-Inseln ‚San Blas auf der Karibikseite von Panama und die nicht minder schönen ‚Las Perlas‘ im Pazifik. Dazu segeln mit Rundnasen-Delphinen und trampenden Tölpeln. Und mit Neptun an Bord, der extra zu unserer Äquatortaufe vorbei gekommen ist.
Viel Spaß.

 

#12 Panama – San Blas und Las Perlas

Karies-Befall

Di.,18.Sep.18, Ecuador/Bahía de Caráquez, Tag 1571, 13.337 sm von HH

Schon in Deutschland durfte ich ja an dieser Stelle lesen, dass bei meiner Rückkehr ‚rosa‘ Arbeiten (schleifen und lackieren) auf mich warten würden. In der Zwischenzeit hatte Achim den gefundenen Schaden am Cockpitaufbau behoben und ‚Rosa‘ soll zur Tat schreiten. Frau Rosa ist allerdings misstrauisch. Warum sollte das Holz nur auf der Backbord-Seite vergammelt sein? Wo doch auf Steuerbord ebenfalls eine winzige Undichtigkeit auf der inneren Seite der Sprayhood festzustellen war? Frau Rosa arbeitet nicht gerne doppelt und drängt Herrn Blau noch mal genau nachzubohren.

Und siehe da: Blau stößt auf einen weiteren großen Karies-Befall. Zunächst nur mittig. Die kariöse Stelle wird ausgebohrt. Der Befall zeigt sich auf der gesamte Länge des oberen Brettes.
Das morsche Holz wird heraus gebohrt und gepuhlt. Als Füllung kommen zuerst Epoxi hinein, dann Glasfasermatte-Schnipsel und Polyester-Harz dazu. Spachtel oben drauf, schleifen, erneut spachteln, wieder schleifen – bis es richtig gut aussieht. Beim Entfernen der Abdeckung dann noch ein Kollateral-Schaden: der rote Streifen hat Harz abbekommen und benötigt nun ebenfalls einen neuen Anstrich. Damit wäre erreicht, dass sich der Arbeitsaufwand von Frau Rosa mal eben verdoppelt hat.

Doktor Blau bei der Arbeit

Doktor Blau bei der Arbeit

Das Brett ist auf die gesamte Länge morsch im oberen Bereich

Das Brett ist auf die gesamte Länge morsch im oberen Bereich

 

Reparatur mit Polyester-Harz

Reparatur mit Polyester-Harz

Vorgeschliffen

Vorgeschliffen

Wieder fein verspachtelt, aber der rote Streifen hat etwas abbekommen

Wieder fein verspachtelt, aber der rote Streifen hat etwas abbekommen

Dr. Blau will es nun wissen und nimmt jetzt noch an der Ecke eine Probebohrung vor. :cry:
Was uns ins Cockpit fällt, ist der reine Torf. Nur noch zusammengehalten vom Lack. Hier ist eine Wurzelbehandlung nötig. Und die anstehenden Lackerarbeiten haben sich soeben noch auf die Innenseite des Cockpits ausgeweitet. Nach zwei Zentimetern stößt Achim auf gutes Material. Der Kern vom Holz ist gut. Also soll auch hier ein Aufbau mit Polyester-Harz erfolgen.
Im Maler-Laden, die das Harz und Härter verkaufen, begrüßen sie Achim schon mit Handschlag.

Drei Zentimeter vermodertes Holz ergießen sich ins Cockpit

Drei Zentimeter vermodertes Holz ergießen sich ins Cockpit

Uns ist bewusst, dass dies eine Art Fusch-Behelfs-Reparatur ist und das Brett eigentlich ausgetauscht werden müsste. Aber vor Ort gibt es niemandem, dem wir so eine Arbeit zutrauen würden. Und die eigenen Tischler-Handwerklichen Fähigkeiten sind an Bord nicht so ausgeprägt.
Aber wir sind ebenfalls überzeugt, dass diese Reparatur bis Neuseeland halten wird.

So schlecht der Standort für diese Reparatur auch sein mag. Er hat auch ein Gutes: Es regnet nicht in Bahía (seit drei Monaten hatten wir zweimal etwas Nieselregen). Auf ein Dach und aufwendige Abdeckungen kann verzichtet werden. Und Polyesterharz ist extrem preiswert: Ein Liter gibt es für 5 USD. Da darf es schon mal ein Gebinde mehr sein, was Achim in die Löcher gießt. Also, nichts ist so schlecht als dass es nicht auch noch für irgendwas gut wäre.

Behörden-Kram

Mo.,10.Sep.18, Ecuador/Bahía de Caráquez, Tag 1563, 13.337 sm von HH

Wer in Ecuador einreist, bekommt zunächst eine Aufenthaltsgenehmigung für 90 Tage.
Achims Zeit ist am Sonntag abgelaufen. Am Wochenende hat die Immigration geschlossen. In deutscher Umsicht beschließen wir also nicht bis zum letzten Tag zu warten, sondern bereits am Donnertag zuvor eine Verlängerung für weitere 90 Tage zu besorgen. Blinder Eifer schadet nur…

Für die Verlängerung müssen wir in das 70 Kilometer entferne Portoviejo. Der Schnellbus der Luxus-Linie ‚Königin der Wege‘ schafft das in einer guten Stunde. Auch die Immigration ist schnell gefunden.
Die nette und sehr hübsche Beamtin schüttelt ihren Kopf:“No! No, es possible. Ihr müsst am Montag wieder kommen. Mein System lässt heute noch keine Verlängerung zu.“
Es hilft kein Betteln und kein Flehen. Gefrustet treten wir den Rückzug an. Der Bus der Linie ‚Milchkanne‘ benötigt zweieinhalb Stunden zurück nach Bahía. Außer Spesen nix gewesen. :roll:

Am Montag das gleiche Spiel: Schnellbus nach Portoviejo, fünfzehn Minuten Fußweg und unsere Immigration-Schönheit freut sich schon: „Vor der Verlängerung müsst ihr zur Bank Pacifico. Dort müsst ihr 128 USD bar einzahlen, dann kommt ihr wieder und bekommt ein Verlängerungsvisum.“
Taxi zur Bank, Geld eingezahlt, Taxi zurück zur Immigration und, voila, ein paar Kopien später darf Achim bis zum 08.Dezember in Ecuador bleiben.

Für mich sieht die Sache anders aus. Da ich in den ersten drei Monaten außer Land gewesen bin, verlängert mein Aufenthalt in Deutschland mein Ecuador-Visum um 21 Tage. Somit gibt es am 01.Oktober erneut eine Reise nach Portoviejo.

Wer lesen kann, ist klar im Vorteil

Di.,5.Sep.18, Ecuador/Bahía de Caráquez, Tag 1558, 13.337 sm von HH

Für alle andern wurden Piktogramme erfunden. Wer die ebenfalls nicht lesen kann, hat es schwer im Leben.
Und wer Piktogramme sieht, wo keine sind, befindet sich am Ende der Nahrungskette.
So wie der Blödmann, der in Hamburg auf dem Flughafen unser ‚Sikaflex‘ aus dem Koffer genommen hat.

Beim Öffnen meines Koffers flattert uns ein Zettel entgegen: „Folgende Gegenstände wurden entnommen: Fugenmasse!“ Daneben eine Menge Drohungen, die Geld-und Freiheitsstrafen in Aussicht stellen, da ich gegen das Luftverkehrsgesetz verstoßen haben soll.
Ohne Unterschrift und ohne Namen. Zumindest in der Hinsicht ist Blödmann clever gewesen.

Entnahme-Quittung

Entnahme-Quittung

Stein des Anstoßes sind sechs Kartuschen (sehen wie Silikon-Kartuschen aus) ‚Sikaflex‘ in meinem Koffer. Dreimal Fugenmasse, das hat Blödmann gut erkannt, und dreimal Dichtmasse. Dafür hat es bei ihm schon nicht mehr gereicht.
Weder Fugen- noch Dichtmasse stellen ein Gefahrstoffe dar, was man leicht an den fehlenden Piktogrammen erkennen kann. Wenn kein Ausrufezeichen oder Totenkopf, kein Feuersymbol oder Explosionsbild zu sehen ist, wird es wohl harmlos sein. Anmelden muss man solche Artikel ebenfalls nicht. Somit habe ich, ausnahmsweise, mal alles richtig gemacht.

Ein Fall für Sherlock Achim. Wenn einer Bock hat, Gefahrstoffblätter und Transportbedingungen zu suchen und einen Ansprechpartner zu finden, dann er. Zunächst bekommt der Flughafen eine Mail. Eine detaillierte Mail. In Ermangelung eines Ansprechpartners geht die Mail an info@blabla.de.
Die antworten prompt, dass sie nicht zuständig seien. Ein Tochterunternehmen würde das Gepäck kontrollieren, aber die könne man nur telefonisch erreichen. Aha. Da wittern wir doch Methode hinter.

Achim findet eine Mail-Adresse der Firma. Unsere Beschwerde geht an diesen Laden und gleichzeitig an das Kundenbüro vom Flughafen. Die Firma rührt sich nicht, aber das Kundenbüro meldet sich, dass es nicht zuständig sei. Aha. Wir sollen es bei der Fluggesellschaft versuchen.

KLM meldet sich prompt und freundlich. Sie bedauern das Missverständnis und erstatten selbstverständlich den entstandenen Schaden von knapp 93 Euro. Cool. Das ging ja mal wirklich flott und unkompliziert.

Verbleibt noch ein Problem: wir sind in Ecuador und hier ist kein Sika zu bekommen. Achim ist bloß froh, dass er in meiner Abwesenheit nicht schon die alte Fugenmasse herausgeschnitten hat und wir ohne Sika, dafür mit offenen Fugen im Teakdeck auf dem Kahn sitzen.
Was tun? Defender in den USA hat nicht das richtige Sika im Sortiment. Ob SVB nach Ecuador schickt, wissen wir noch nicht. Und muss eigentlich KLM für die zusätzlichen Transportkosten aufkommen oder nicht? Wer kann das beantworten?