Die Bombenbastlerin

Di.,4.Sep.18, Ecuador/Bahía de Caráquez, Tag 1557, 13.337 sm von HH

„Wir haben einen positiven Alarm“, sagt der junge Mann an der Sicherheitskontrolle zu mir, „warten Sie bitte hier, die Polizei wird gleich kommen“. Was positiver Alarm bedeutet, will er mir nicht näher erläutern. Ich warte. Dass mein Handgepäck unangenehm auffallen würde, damit habe ich gerechnet. Zwölf Kilo Metall im Rucksack (erlaubt) und weitere sechs Kilo in der Handtasche. :lol:
Gepäck-Optimierung nenne ich das. „Verrückt bist Du“, hat Achim mir gemailt, „mach das lieber nicht.“ Aber ich weiß es besser und möchte so viel wie möglich mit nach Ecuador mitnehmen.

Da soll der Alarm schon mal los gehen: Der Abzieher für die Welle, fünf Anoden (drei für den Propeller, zwei für das Bugstrahlruder), ein Bronzerohr (Wellenlager), Ankerkralle und ein extrem verdächtiges Rohr, was sich Wellendichtung nennt. Daneben fallen die Akkus für unsere Handys und einen Laptop gar nicht mehr auf. Auch die bombenförmige Batterie für unsere Epirb (Rettungsboje falls wir sinken) bleibt unentdeckt.

Vor allem das Rohr erregt Aufmerksamkeit

Vor allem das Rohr erregt Aufmerksamkeit

Die Frau Polizistin, die nach kurzer Warterei erscheint, nimmt mir als erstes meine Bordkarte ab. Nicht, dass ich noch abhaue.
Sie wünscht sich, dass ich Handtasche und Rucksack leere. Alles geht erneut durch die Durchleuchtung. Ein Sprengstoff-Abstrich wird vorgenommen. Ich kann eine Diskussion zwischen Security-Mann und Polizei über meine harmlosen Artikel beobachten. Und gebanntes Starren auf den Monitor. Frau Polizistin wirkt enttäuscht, gerne würde sie schon morgens um 4:00 Uhr eine Verhaftung vornehmen. Hat sie doch schon eine Bombenbastlerin in mir gesehen.
Aber ich bzw. meine Gegenstände sind ungefährlich. Ich bekomme meine Bordkarte zurück, darf alles wieder einpacken und gehen. Puh, Hürde Nummer eins erfolgreich abgearbeitet.

Meine beiden Koffer mit erlaubten 22 und 23 Kilo Inhalt sind bereits auf dem Weg zum Flugzeug.
Ich schleppe mich zum Gate. Den Rucksack bekomme ich nur auf den Rücken geschwungen, wenn er erhöht steht. Bloß nicht das Teil auf der Erde abstellen. Er reißt an den Schultern beim Schlange stehen zum Boarding. Die 18 Kilo habe ich massiv unterschätzt.

Zwischenlandung in Amsterdam. Schiphol ist riesig: von hier ab noch 18 Minuten bis zu meinem Gate. Ich werde verrückt mit dem Gewicht. Ich schwitze. Ein kleiner Karren ist meine Rettung. Leider muss ich den an der Passkontrolle stehen lassen. Dahinter lauert erneut eine Sicherheitskontrolle. Ich schwitze mehr. Aber die holländischen Kollegen sind tiefenentspannt. Ich muss zwar wieder den Rucksack öffnen, aber es folgt keine Staatsaffäre. Unbehelligt komme ich weiter. Hürde Nummero zwei.

Von hier ab noch zehn Minuten zum Gate. Der Schweiß läuft. Meine Schultern brennen. Wieder in der Schlange stehen zum Boarding. Völlig ausgepumpt sinke ich in meinen Platz. Mitte, Mitte. Ein schlechterer Sitzplatz war nicht zu kriegen. Obwohl ich wahrscheinlich der erste Fluggast war, der morgens eingecheckt hat. Schuld war der beknackte Onkel in Hamburg, der mich gezwungen hat, den Automaten zum ’self-check-in‘ zu benutzen. „Der funktioniert leider nicht“, mecker ich ihn an. „Kommen Sie, ich zeige Ihnen wie das geht“. Trottelgesicht.
Bei ihm geht es auch nicht. Auch nicht nach mehrmaligen Versuchen. Mein Pass wird nicht erkannt. Ich triumphiere.
„Haben Sie eine Flugbescheinigung“?
„Ach, Sie meinen das Stück Papier, was man eigentlich gar nicht mehr braucht beim Einchecken? Ja, das habe ich.“ Mit dem Buchungs-Code klappt es dann. Zumindest halbwegs. Er könne mich nur bis Quito durchchecken und mein Gepäck auch. Um meinen Anschlussflug müsse ich mich dann selber kümmern. Watt für ein Trottel. Er drückt mir meine Bordkarten in die Hand. Mit dem schlechten Sitzplatz. So ein Mist.

Rechts von mir sitzt ein freundlicher Asiate. Links bleibt alles frei. Ich frohlocke. Zu früh. Eine fünfköpfige Familie rollt auf meine Sitzreihe zu. Der jüngste Sohn ist zwei und hat einen trotzigen Zug um den Mund. Ich befürchte das schlimmste: ein Arschloch-Kind. Wir haben kurz Blickkontakt. Ich signalisiere dem Kleinen, wer heult, fliegt raus. Mit Erfolg. Die ganzen langen elf Stunden ist er super lieb und ruhig. Papa stellt sich schnell als das größere Problem heraus. Ihm läuft der Schweiß von der Stirn. Drei Kinder nebst halben Hausstand über den Flughafen zu bugsieren, haben ihm alles abverlangt. Dampfend nimmt er zwischen seinem Sohn und mir Platz. Sein Geruch wabbert zu mir rüber. Elf Stunden lang. Und er puhlt sich die gesamte Zeit in den Zähnen. Manchmal wünscht man sich ein quengelndes Kleinkind neben sich.

In Quito wartet der Zoll. Ich rolle todesmutig mit meinen zwei Koffern, dem brisanten Rucksack und meiner Handtasche an. Wieder ist es das Handgepäck, was Aufsehen erregt. Erneut muss ich den Rucksack auspacken. Wofür die Teile sind und was sie kosten, will der freundliche Zöllner wissen. Ich lüge ihm irgendwelche Mondpreise vor. 15 USD für die Anoden. 70 USD für die 300 Euro Wellendichtung. Er hat keinen Plan und offensichtlich Mitleid mit meinen stotterigen spanischen Erklärungen wofür man das mysteriöse Rohr verwendet. Ich kann gehen.
Allerdings wirft seine Kollegin einen Blick auf meinen letzten Proviant-Apfel. Wenn ich den nicht an Ort und Stelle esse, darf er nicht mit. :roll: Ich gebe ihr den Apfel. Und ziehe mit mehreren Mettwürsten, Speck und Schinken im Koffer von dannen. Die gefährlichste Hürde ist geschafft.

Dann ein letztes Mal Sicherheitskontrolle. Natürlich muss ich Handtasche und Rucksack auspacken. Fassungsloses Staunen und Kopfschütteln. „Nein, so geht das nicht“, verstehe ich, „der Rucksack muss aufgegeben werden“. Ich stelle mich doof und verstehe angeblich kein Wort. Das nützt mir nichts, der nette Security-Mann holt einen Kollegen mit Englisch-Kenntnissen.
Die Anoden dürfen nicht mit in die Kabine. Damit könnte ich jemanden erschlagen, demonstriert er indem er dem Kollegen andeutungsweise eine überzieht. Es hilft kein Betteln.
Ich darf in Ruhe alles Zerbrechliche aus dem Rucksack entnehmen und die Jungs sind so nett und begleiten mich durch die Katakomben zum Check-In-Schalter meiner Airline. Das Mädel hat mit einem dritten Gepäckstück ebenfalls kein Problem. Mein Rucksack verschwindet auf dem Laufband.

Total fix und alle sitze ich an meinem Gate und frage mich, ob ich es vielleicht doch übertrieben habe mit der Gepäck-Optimierung. „Säbinn Wälner, please“, höre ich da aus dem Lautsprecher. Huch, meinen die mich? Klingt ja wie mein Name. „Säbinn Wälner, please, come to the Security Desk.“
Dort wartet man schon auf mich. Die Security spricht englisch: „Wir haben ein Problem mit einem ihrer Gepäckstücke. Sie müssen mit mir kommen und wir öffnen gemeinsam ihr Gepäck.“ Ich kann es nicht glauben. Durch Hintertüren und Gänge geht es aufs Rollfeld zu den Gepäckwagen.

Schon von weitem kann ich ihn sehen. Anklagend steht mein ehemaliger Handgepäck-Rucksack auf einem Tisch. Natürlich steht er da. Die Kofferkontrolle kann ja nicht wissen, dass er schon beim Handgepäck durchleuchtet wurde. Zum x-ten Mal zeige ich das Rohr, die Anoden und sonstigen Metallkram vor. Alles okay, der Rucksack darf mit und ich werde zum Gate zurück geführt.
Die letzte Hürde ist geschafft.

In Manta holt mich Achim ab und drei Stunden später sind wir zu Hause. „Ich bin schon ganz gespannt, was Du alles in den Koffern hast“, freut er sich. „Ist schon der Hammer, wie du 63 Kilo hierher bringen konntest. Das war sicherlich nicht so einfach. Erzähl mal, wie ist es gelaufen.“ :mrgreen:

Atanga …. is there anybody out there

Mo.,27.Aug.18, Ecuador/Bahía de Caráquez, Tag 1549, 13.337 sm von HH

Ruhig ist es auf der unserer Seite, seitdem Bine in Deutschland weilt und sich den Annehmlichkeiten der Heimat hingibt. Mir sind Berichte von Grillgut und anderen Köstlichkeiten zu Ohren gekommen.

Das Leben an Bord kann da nicht ganz mithalten. Die Küche an Bord hat ihren absoluten Tiefpunkt erreicht. Zum Frühstück meist dieses superweiche, fast klebrige Toastbrot der Marke Bimbo, dass mit absoluter Sicherheit bei Dauerkonsum neben den normalen Mangelerscheinungen auch zu Zahnausfall führt. Als Aufschnitt dient, was sie hier Mortadella nennen. Ich habe es vermieden, tiefer zu recherchieren, um die wahren Ingredienzien zu ermitteln. Als Schluckhilfe dient ein Sandwichaufstrich auf Mayonnaisenbasis. Was für ein Start in den Tag.

Mittags gibt es meist Tortillas (entweder mit Rührei, Gemüse oder Käse). Das Rührei ist mittlerweile sogar essbar. Auf einer der letzten Überfahrten habe ich Bine mit einem Rührei verwöhnt, was heute noch für Gesprächsstoff sorgt. Das man Eier derart geschmacksneutral herstellen kann, war selbst Bine neu. Wie schon gesagt, dass ist besser geworden, auch wenn es mir jetzt schon zweimal passiert ist, dass ich die geschnittenen und bereitgestellten Zwiebeln erst wieder entdeckte, nachdem die Eier schon eine Weile in der Pfanne weilten.

Abends kommt dann der Klassiker: Spaghetti (mit Kinder-Tomatensauce). Problematisch ist nur, dass die meisten Packungen hier nur 400g Nudeln enthalten. Da bleibt dann gerade etwas für einen Snack am nächsten Tag übrig. Wo sind die alten 500gr Packungen.

Abgesehen von den oben beschriebenen lebenserhaltenen Maßnahmen gab es viel Arbeit auf dem Schiff.

Es macht mir nichts aus, den ganzen Tag mit „Kabeln zu spielen“.
Wenn es aber darum geht, mit Polyester Harz, Epoxy, Sika und Polyurethan Farbe zu arbeiten, dann bin ich raus. Es dauert maximal eine Minute, dann hab ich das Zeug bis zum Ellenbogen kleben. Selbst an den Fingern finden sich mehr als nur Spuren. Und das trotz Latexhandschuhen. Wer da meint, Tunneleffekte sind eher ein quantenmechanisches Problem, der irrt. Alle klebrigen Materialien finden den Weg durch die Handschuhe direkt auf meine Hände. Immer!

Aufbau

Das Projekt am Aufbau ist weitestgehend abgeschlossen. Die Hohlräume sind wieder mit Leben (Glasfasermatte und Harz) verfüllt. Dieser Job hat viel länger gedauert, als ich dachte. An keine Stelle kam man gut heran und immer wieder musste ich einen Großteil der Masse abschleifen, weil sich eine Blase gebildet hatte oder eine Verbindung nicht gut aussah. Final war dann aber alles verfüllt und gespachelt. Jetzt fehlt nur noch die Farbe ….

fertig zum Malen

fertig zum Malen

Funk

Als Gegengewicht für unsere Kurzwellenantenne haben wir unter der Wasserlinie Kupferfolie verlegt. Schon lange wollte ich diese laminieren und das Ganze dann nett weiß streichen. Aufgrund der nicht unerheblichen Geruchsbelästigung durch Harz und Polyurethanfarbe, war das allerdings etwas, was nur während längerer Abwesenheit von Bine möglich war. Auch hinter dieses Projekt kann ich nun endlich einen Haken setzen.

Malocher auf Atanga

Malocher auf Atanga

Undichtes Pütting

Auf der Fahrt von Mexiko nach Providencia hatten wir einen ganzen leichten Wassereinbruch an einem der Püttinge (das sind die Teile, an denen die Wanten festgetüddelt sind…). Für eine Reparatur musste also die alte Dichtmasse raus, um anschließend alles wieder neu mit Sika zu vergießen. Hab ich schon erwähnt, dass Sika problemlos durch Latexhandschuhe geht … was für ein Schweinkram. Jetzt drück ich mir die Daumen, dass es dicht ist, Test folgt – irgendwann.

Eine Woche bleibt mir jetzt noch, dass Schiff wieder aufzuklaren … wenn das mal klappt.

Surprise, surprise …

So.,12.Aug.18, Ecuador/Bahía de Caráquez, Tag 1534, 13.337 sm von HH

Ich hasse Überraschungen. Nun ja, nicht wirklich, wenn sie denn angenehm sind. An Bord sieht das anders aus. Noch nie fand ich größere Bündel Geld oder andere Schätze unter irgendwelchen Bodenbrettern, obwohl mir der Gedanke durchaus gefiele. An Bord bedeuten Überraschungen meist Arbeit und Frust.

Nachdem Bine mich an Bord zurück gelassen hat, begann ich mit einfachen Übungen, wie das Wechseln des Kühlwassers. Eigentlich kein großes Ding, wäre da nicht die Ablassschraube am Wärmetauscher, die schon sehr lange nicht mehr bewegt wurde und die aus „solidem“ Plastik gefertigt wurde. Gegen jede Erwartung brach sie nicht, obwohl es ein wenig „Gewalt“ brauchte, sie zu lösen. Um als Überraschung zu dienen reichte das jedoch nicht, dafür war es einfach zu unspektakulär.

Das sollte sich am nächsten Tag ändern. An unserem Aufbau machte seit einiger Zeit ein kleines Leck auf sich aufmerksam. Unter der Scheibe lief bei heftigen Regenschauern ein winzig kleines Rinnsal. Als positiv denkender Mensch hoffte ich auf eine defekte Dichtung. Das sollte sich sehr schnell als falsch herausstellen. Nachdem ich die Leisten, die die Scheiben in Position halten, entfernt hatte, bot sich mir ein Bild des Schreckens. Die Konstruktion auf der die Scheiben stehen, ist als Sandwich aufgebaut. Das bedeutet, dass die Außenbretter aus „richtigem“ Holz bestehen und in der Mitte Sperrholz oder irgendein anderes untaugliches Material verbaut wurde. Durch die Feuchtigkeit hat dieses Innenleben angefangen zu gammeln und hat sich dabei teilweise zu Holzmehl verwandelt.

Aufbau

Aufbau

Lochfraß

Lochfraß

Wie beim Zahnarzt muss dieses Zeug raus, bevor überhaupt daran gedacht werden kann, dass Sandwich wieder mit „Wurst“ zu füllen.

Ich war so schockiert, dass ich mir erst einmal frei genommen habe, um nachzudenken. Das geschieht hier meist durch intensives auf dem Rücken liegen, während man im Internet surft.

An eine professionelle Reparatur vor Ort ist nicht zu denken. Es gibt weder die Leute, noch die Materialien. Ich werde also mein Bestes geben, dem Aufbau eine anständige Plombe zu verpassen, sodass der Aufbau wieder dicht ist.

Die finalen Spachtel-, Schleif- und Lackierarbeiten müssen dann warten, bis Bine wieder da ist. Diese Arbeiten sind auf Atanga als eindeutig „rosa“ deklariert.

Sonne, wir haben ein Problem

Do.,2.Aug.18, Ecuador/Bahía de Caráquez, Tag 1524, 13.337 sm von HH

Und zwar ein Energie-Problem. Die Dauerwolke über der Küste bringt unser Energie-Konzept ins Stolpern. Vor unserer Rundreise haben wir gehofft, dass sich die Situation entschärfen würde. Aberjeden Tag das gleiche Bild: ein grau verhangener Himmel liegt über Atanga.
Was an Solar-Energie rein kommt, reicht für unseren Bedarf an den meisten Tagen nicht aus. Dabei läuft einer der größten Verbraucher, der Wassermacher, schon gar nicht. Den haben wir Aufgrund der geplanten Rundreisen gleich bei der Ankunft in Bahía stillgelegt. Wind-Energie kommt auch keine rein. Mehr als ein laues Lüftchen fegt nur selten über den Fluss. Somit strapazieren wir über Gebühr die Ladezyklen unserer nagelneuen Batterien. Das halten die so nicht bis Neuseeland aus.

So einen Engpass hatten wir noch gar nicht. Es muss eine Lösung her.

Auf den Nachbarbooten läuft schon regelmäßig der Motor. Das ist für uns keine Option. Die Ausbeute an Energie ist im Leerlauf nicht wirklich toll. Unsere Maschine hat mit 6300 Stunden schon überdurchschnittlich viele Stunden auf der Uhr. Hauptsächlich Stunden, die der Voreigner zur Energiegewinnung angesammelt hat. Alle hundert Stunden will unser Motor einen Ölwechsel. Das macht Arbeit und kostet ja auch Geld.
Und außerdem macht der Motor einen Höllenkrach unter Deck.

Für meine Zeit in Deutschland hat sich Achim eine umfangreiche Arbeitsliste zurecht gelegt. Es sind schon wieder Fugen vom Teakdeck fällig. Dafür braucht er den Mulitmaster, die Flex und den Schwingschleifer. Und Strom.
Bei der jetzigen Sonnen-Situation kann er das vergessen.

Da entdeckt Achim im Supermarkt einen Generator (2KW). Für einen guten Preis von 260 Euro. Wir überlegen ein paar Tage hin und her. Mitnehmen können wir ihn nicht, dafür haben wir keinen Platz. Aber vielleicht können wir ihn gebraucht verkaufen, wenn wir im Dezember Ecuador verlassen müssen? Der Kauf würde die Batterien schonen, die ja auch eine Menge Geld kosten und eine Ersatzbeschaffung wäre auf der Strecke die vor uns liegt sicherlich nicht ganz einfach.

Drei, zwei, eins…meins.

Generator

Generator

Jetzt steht das Teil an Deck. Bei Bedarf werfen wir ihn für eine Stunde an. Das reicht. Als Flüstermaschine darf man das Gerät allerdings nicht bezeichnen. Richtig gute Freunde macht man sich damit nicht auf dem Nachbarschiff. Herzliche Grüße an die Taitonga an dieser Stelle.
Die Alrisha, die Schweden und der Ami sind auf Landreise und die Franzosen sprechen sowieso nicht mit uns. Wer braucht schon Freunde? Wenn wir die Luken schließen, ist es unter Deck ganz gut zu ertragen. :mrgreen:

 

Ecuador – Rundreise Nord

Do.,26.Jul.18, Ecuador/Bahía de Caráquez, Tag 1516, 13.337 sm von HH

Achim hat Heimweh. Ich könnte noch ein paar Tage in den Bergen bleiben, freu mich aber auch auf die eigenen vier Wände. Der Heimweg über die West-Kordilleren der Anden gestaltet sich einfacher als erwartet. Wir müssen dreimal den Bus wechseln, was reibungslos klappt. Eine gut ausgebaute Straße führt über sensationelle Pässe hinunter in die Ebene. Hier ist – im vorbei fahren betrachtet -die Natur noch in Ordnung. Das erste Mal, dass wir die Anden so sehen, wie wir es erwartet haben: dünn besiedelt und ohne Ackerbau. Die flächendeckende Landwirtschaft in der ‚Avenida de los Volcanés‘ hat uns doch etwas erschreckt und überrascht.

Die Avenida de los Volcanes besteht nur aus Landwirtschaft

Die Avenida de los Volcanes besteht nur aus Landwirtschaft

Wir sind 1.300 km Bus gefahren für sensationell günstige 88 Euro für zwei Personen. Die Busse sind nicht so gut in Schuss wie in Kolumbien und lange nicht so komfortabel wie in Mexiko.
Es kommen auch ein paar Händler zu viel an Bord, um ihre fettigen Snacks zu verkaufen. Dafür wird weniger gerast als in Kolumbien. Da hatte ich auf einigen Strecken echt Angst.
Der Individual-Verkehr hält sich in Grenzen, die meisten Straßen sind gut, so dass man auch mit einem Leihwagen das Land erkunden könnte. Aber das ist teuer. Mit hundert Euro pro Tag muss man kalkulieren, kein Vergleich zu den Bussen.

Rundreise in Nord-Ecuador

Rundreise in Nord-Ecuador

Übernachtet haben wir in günstigen Hostals. Im Schnitt für 21 Euro. Dafür bekommt man ein Zimmer mit eigenem Bad, warmes Wasser, ein Frühstück (Eier nach Wahl, Brot, Saft, Kaffee oder Tee und manchmal Marmelade) und Handtücher. Die Zimmer waren alle gut bis okay. Mehr Geld auszugeben ‚lohnt‘ sich nicht, wie unsere Unterkunft in Riobamba gezeigt hat. Das Hotel hat 30 EUR pro Nacht gekostet und war weder besser gelegen, noch sauberer oder komfortabler.
In Zumbahua waren wir unzufrieden, was in erster Linie an den unfreundlichen Wirtsleuten lag. Gäste waren ihnen lästig. Das wurde durch extreme Freundlichkeit in den anderen Unterkünften wett gemacht. Gebucht haben wir über booking.com immer am Aufenthaltsort für das nächste Ziel. Reibungslose Abwicklung

Dort wo ‚Tourist‘ dran steht, wird es überdurchschnittlich teuer. Die Seilbahn in Quito kostet 15 Euro für zwei Personen, während man durch die gesamte Stadt für 25 Cent mit dem Bus fahren kann. Zur Toilette gehen (mit Papier) kostet so viel wie Bus fahren. Das Papier bekommt man abgezählt am Eingang in die Hand gedrückt. Ohne Papier-Nutzung darf man für 10 Cent zum Klo. Wobei das Papier immer in einen separaten Eimer landet, niemals in der Kanalisation.
Zur Toilette gehen kann zur Mutprobe werden, ist aber in den meisten Fällen eine akzeptable Angelegenheit.

Essen gehen ist extrem preiswert. Auf dem Land gibt es kleine Lokale, die im wesentlichen alle das selbe haben: Huhn mit Reis. ‚Pollo seco‘ genannt, wobei sich das seco -trocken- auf den Reis bezieht. Ein Hühnerbein oder auch Hühnerbrust an Bergen von Reis. Dazu gibt es eine Sauce mit oder ohne Bohnen. Das Ganze ist nicht schlecht. Aber naja, ich habe es dann an Tag drei auch über.
Mittags gibt es eine Suppe vorweg und einen Saft dazu. Oft Baumtomaten-Saft oder Tamarinde-Saft. Lecker. Kostenpunkt für ein Mittagsmenü zwei bis drei Euro.
In den größeren Städten ist die Auswahl größer, aber Helden am Herd haben wir keine gefunden. Selbst dann nicht, wenn man mehr Geld ausgibt und in ein richtiges Restaurant geht. Darüber hinaus findet man viele no-name-Fast-Food-Burger-Buden.

Ausnahmen bestätigen die Regel: wunderbar gegrillte Forelle. Merkwürdig aufgeklappt und absolut gretenfrei. Beilage: Seco und Bohnen-„pampe“. Die Forelle ist ein Gedicht gewesen.

Witzig aufgeklappte Forelle

Witzig aufgeklappte Forelle

Insgesamt ist Ecuador einfach und preiswert zu bereisen. Allerdings hilft es ein wenig Spanisch zu können. Auf Englisch trifft man kaum, mit Ausnahme von Quito. Die Ecuadorianer sind jedoch zu jeder Zeit bereit behilflich zu sein. Extrem liebenswürde, freundliche Menschen haben wir getroffen.

Ecuador-Kenner mögen sich wundern, warum wir nicht in Cuenca waren und den kompletten Süden ausgelassen haben? Warum wir nicht die Inka-Ruinen in Ecuador besucht haben?
Das holen wir im Herbst nach, in einer zweiten Runde. Wenn Achim kein Heimweh mehr hat.

Ein Kostenvergleich zu Mexiko und Kolumbien (ohne Inlandsflüge): Die Preise sind schon niedrig in Ecuador, trotz vergleichbar hohem USD-Kurs zur Zeit.
Mexiko: pro Tag 65 EUR/zwei Personen
Kolumbien: pro Tag 59 EUR /zwei Personen
Ecuador: pro Tag 50 EUR/zwei Personen