Testfahrt zum Schiffsfriedhof

Do., 21.Jan.16, São Vicente, Mindelo, Tag 600, 3.765 sm von HH

Unser neues Dinghi ist der Hammer! Ein hoch zufriedener Skipper bringt das Teil zum Gleiten. Kaum, dass man 1.500 EUR ausgibt, fangen die Augen an zu leuchten. Geht doch.
Schnell fallen die Worte: „Jetzt brauch nur noch ein paar PS mehr…“ :shock:

Jetzt bastelt Achim gerade eine Stütze aus einer Dachlatte, die im Vorschiff (ganz unten) auf ihren Einsatz gewartet hat.

Unsere Probefahrt führt uns zum Schiffsfriedhof in der Bucht von Mindelo.
Besonders cool ist das Teil, was einfach auf der Seite mitten im Ankerfeld liegt. Das soll erst vor ungefähr acht Wochen passiert sein. Der Bewuchs bestätigt diese Information. Wenn man sich die Aufbauten so anschaut, dann versteh man sofort, warum das Teil einfach umgekippt ist.

Ein Stück weiter stützen sich zwei Wracks gegenseitig. Von innen scheinen sie schon komplett ausgeschlachtet zu sein.
Nachtrag 1: AWN hat sich noch nicht geäußert zu ihrem Skandal-Schlauchboot

Nachtrag 2: Der Schwede ist abgesprungen und kauft das alte Dinghi nicht. :-(

Nachtrag3: Das Alte ist noch immer nicht 100%ig dicht. Ein klein wenig entweicht noch Luft.
Dies hat aber nichts mit Nachtrag 2 zu tun. Der Schwede war noch gestern Abend da und hat kalte Füße bekommen. Vielleicht will er auch in eine Kroko-Gegend. :mrgreen:

Gesucht und gefunden

Di., 19.Jan.16, São Vicente, Mindelo, Tag 598, 3.765 sm von HH

Mindelo ist alles andere als ein Shopping-Paradies. Supermärkte auf dem Land sehen so aus:


Hier ein Dinghi zu finden, erscheint uns aussichtslos.
Für unsere Weiterfahrt brauchen wir aber ein verlässliches Dinghi.
In Mindelo sind die Wege kurz, da macht es nichts, wenn wir ein wenig Luft verlieren. Es gibt aber auch Ankerplätze, da muss man schon mal zwei Kilometer bis zum Stand düsen.
In Französisch Guyana wird im Fluss geankert.
Von uns beiden hat keiner Lust im Dinghi zu sitzen und ein ‚pffft‘ zu hören als Signal für die Krokodile, sich schon mal die Lätzchen umzubinden. :mrgreen:

Ein gebrauchtes, unter Umständen geklautes, wollen wir nicht. Läuft man doch Gefahr dem ursprünglichen Besitzer des Dinghis in der Karibik zu begegnen. :shock:

Achim begibt sich trotz Milans (der TO-Mann vor Ort), wenig Hoffnung machender, Miene auf die Suche.
Und er wird fündig!
Im ersten und einzigen in Frage kommenden Geschäft. Unglaublich.

Das Dinghi hat einen Festboden aus Alu und passt, wie der berühmte Arsch auf den Eimer, ganz vorne aufs Vorschiff. Die Maße sind perfekt für uns.
Wenn die Luft raus ist, ganz elegant an den Dorade-Lüfter-Schutzbügeln vorbei und auf der Ankerwinsch abgestützt.
Man kann sogar noch bis ganz nach vorne laufen, ohne ins Dinghi treten zu müssen.

Ob wir es auf dem Kopf oder richtig rum verzurren, wird die Zukunft zeigen.

Die Schläuche sind nicht aus Hypalon, sondern aus normalem PVC. Normaler PVC soll sich in der Tropensonne schneller als ein Eiswürfel auflösen.
Dann nähen wir eben ein Cover für die Schläuche. Das ist zwar nicht so einfach, aber irgendwie werden wir das schon hingebastelt bekommen.

Das alte Dinghi hat Achim noch mal nachgeklebt und es macht den Anschein als sei es nun dicht (natürlich, jetzt wo wir ein neues Dinghi haben).
Wir haben das Vertrauen in das Teil verloren. Nicht so ein Schwede, der sich vorhin dafür interessiert hat. Wenn es Morgen früh noch Luft hat, dann kauft er uns das Dinghi ab.

Der Flur-Funk hier im Hafen klappt ausgezeichnet. Danke Milan. :-)

 

 

Da bist du platt

Fr.-So., 15.-17.Jan.16, São Vicente, Mindelo, Tag 594-6, 3.765 sm von HH

Karen und Reinhard liegen mit ihrer Findus in der Marina.
Daher haben wir unser Dinghi für die Zeit unseres Ausflugs umgedreht auf ihrem Vorschiff gelagert. Als wir nach drei Tagen zurück kommen, trauen wir unseren Augen nicht. Halbseitig ist unser Dinghi platt. Luft raus. Blöd. :shock:

So kommen wir ja noch nicht mal auf Atanga zurück.
Wir finden in Michael schnell einen Retter. Unser plattes Dingi und wir sind mit zwei Fahrten rüber gebracht.

Unser Dinghi ist nicht etwa 20 Jahre alt und die letzte Mähre. Nein, wir haben es im Jahr vor unserer Abreise neu gekauft. Seitdem ist es sechs, sieben Mal zum Einsatz gekommen. UV-Strahlung hat es nur in Las Palmas für vier Wochen gesehen.
Dass die Naht vom Übergang der harten Umrandung zur Gummiwulst auf 40 cm aufgegangen ist, ist ein starkes Stück!

Die Transporthülle fürs Dinghi fing bereits nach einem halben Jahr an sich aufzulösen. Da haben wir uns noch nichts dabei gedacht. Als beim dritten Einsatz des Dinhis das erste Bodenbrett, und kurz danach das zweite brach, schwante uns, dass wir es nicht mit High End Quality zu tun haben können.

Unser Dinghi stammt von AWN. Ein Schlauchboot aus Hypalon.
Hypalon soll 30 Jahre, auch karibischer, UV-Strahlung widerstehen können. Das gefiel uns.
Da wir das Ausstellungsstück von AWN gekauft haben, kostete es zudem, statt ca. 1.500 EUR „nur“ noch 700,00 EUR.

Dass es einen Rollboden hat, fanden wir nicht ganz so gut. Aber durch unser Baby-Stag auf dem Vorschiff sind unsere Lagermöglichkeiten für ein Dinghi eingeschränkt.
Die Packmaße überzeugten uns, wir kauften.

Nachdem Michael uns rüber gefahren hatte, waren wir jetzt gefangen auf unserem Schiff. Neulich schrieb ich noch von einer Nabelschnur. Wie wahr, wie wahr.

Achim hat gleich am Freitag die Naht geklebt. Versucht zu kleben, ist besser ausgedrückt.
Hätten wir einen Schnitt mit einem Messer in der Gummiwulst wäre das Unterfangen leichter. Pflaster drauf, fertig.
Durch die zwei unterschiedlichen Materialien mit unterschiedlicher Stärke und unterschiedlichem Reck-Verhalten, ist Achim misstrauisch, ob die Naht dicht sein wird.

Der Zwei-Komponenten-Kleber muss 48 Stunden trocknen, bevor das Dinghi wieder aufgepumpt und gewassert werden darf…also bis Sonntagmittag.
Erst am Sonntag konnten wir auf einen freien Liege-Platz im Fishing-Club.
Auf den wollten wir warten und vorher nicht für eine Nacht in die (doppelt so teure- nämlich 30 EUR) Marina fahren.

Das Problem ist, dass alle, wirklich alle sich für die eigene Weiterfahrt am Sonntag bereit machen. Also werden die Dinghis sauber gemacht und verstaut, so dass uns kaum jemand als Taxi übrig bleibt.

Ein ungewöhnliches Tief vor Florida hatte den Atlantik für 10 Tage mit Flaute beschert. Niemand wollte in der Zeit weiter fahren, so dass sich eine Art Stau gebildet hat.
Über 20 Yachten starteten am Sonntag zur Weiterfahrt in die Karibik.

Rechtzeitig zur Abfahrt unserer Freunde von der La Joya und Findus schaffen wir es im Fishing Club zu parken und auf die andere Seite der Bucht, zur würdigen Verabschiedung, zu sprinten. So schnell sehen wir uns alle nicht wieder. :cry:
Martinique und Guadeloupe heißen die Ziele der anderen. Aber im Mai, Juni wird es ein Wiedersehen geben, das ist gewiss.

Während wir den anderen nachwinken, entweicht langsam, aber sicher die Luft aus unserem Dinghi. Der erste Klebe-Versuch ging daneben. :evil:

Unterwegs mit dem Aluguer

Do., 14.Jan.16, Santo Antão, Tag 593, 3.765 sm von HH

In Kap Verde wird der Personentransport mit Aluguern abgewickelt.
Ein Aluguer ist ein Sammeltaxi und kann ein geschlossener Kleinbus oder ein Pick up mit Bänken auf der Ladefläche sein.
Es gibt feste „Linien“ und Abfahr-Punkte. Meistens wir aber erst losgefahren, wenn die Kisten rappel voll sind. Ein Aluguer hält auf Handzeichen an, wenn noch Platz vorhanden ist.
Es gibt auch Aluguer, die durch die Straßen fahren, um nach Kundschaft zu suchen.

Ein Aluguer kann auch als individuelles Taxi gebucht werden, dann kostet es ungefähr das 10fache vom Fahrpreis.

An unserem letzten Tag auf Santo Antão fahren wir mit einem bestellten Aluguer zu sechst ganz in den Norden von Santo Antão, nach Fontainhas.
Unser Gepäck bleibt in der Pension und soll von Jerry um 16:00 Uhr zur Fähre gebracht werden. Die umsichtige Katelijn nennt uns ein Hotel, wo wir unsere Taschen finden, sollten wir Jerry verpassen.

Zuversichtlich, dass dies klappen wird, machen wir uns auf den Weg.

Fontainhas liegt, mit Verlaub, am Arsch der Welt.
Warum Menschen sich überhaupt dort ansiedeln und Landwirtschaft betreiben, ist uns ein Rätsel. Eigentlich ist das an dieser Steilküste gar nicht möglich.

Ein paar wackere Kap Verdier belehren uns eines bessern. Aberwitzig auf eine steile Felsnase geklebt, stehen drei Dutzend Häuser und auf hunderten Mikro-Terrassen wird Ackerbau betrieben. Die Dorfjugend hat auf der Zufahrtstrasse einen kleinen Bolzplatz angelegt und es gibt sogar ein kleines Café.

Der Weg zurück nach Ponta do Sol, in die Zivilisation, ist einfach zu wandern. Umso bedauerlicher für Reinhard, der mit dem Aluguer zurück fährt und die großartigen Ausblicke verpasst.

Ponta do Sol dürfte den westlichsten Friedhof auf dem Afrikanischen Sockel haben. Es ist ein christlicher Friedhof, da 90% der Kap Verdier katholisch sind. Viele Kreuze auf den Gräbern sind mit der Hand beschriftet. Und die Kreuze stehen, anders als bei uns, am Fußende der Grabstätte.

 

 

In Ponta do Sol finden wir Reinhard schnell wieder. Gerade als wir im Schatten beraten, ob wir noch in dem Nest bleiben oder bereits nach Porto Novo zum Fähranleger fahren wollen, kommt Jerry um die Ecke gefahren.

Er setzt ein paar Gäste aus unserer Pension zum Mittagessen ab und kommt dann zu uns. Er hat keine Zeit uns zu fahren, versteht aber, dass wir lieber preiswert Aluguer als teures Taxi fahren wollen.

Kurzentschlossen lädt er uns in seinen Bus und fährt zu seinen Kumpels am Aluguer Sammelplatz. Ein, zwei Telefonate und ein wenig Palaver später, braust er mit uns los. Nach fünf Minuten stoßen wir auf einen Kleinbus, der am Wegesrand auf uns wartet. Telefonisch sind wir ihm als Gäste nach Porto Novo zur Fähre avisiert worden. Cool. Für uns vier sind noch Plätze frei, also rein mit uns. Tolles System und gut vernetzt, die Alguer-Jungs. Wir sind begeistert und freuen uns über diese unkomplizierte Art zu reisen und dass der Typ extra für uns angehalten hat.

Leider steigen nach 20 Minuten, einem Viertel der Strecke, alle anderen Passagiere in Ribeira Grande aus. Und nun versucht unser Aluguer-Fahrer uns doch ein wenig übers Ohr zu hauen: Entweder wir warten, bis der Bus wieder voll ist oder wir müssen den Taxi Tarif bezahlen. Warten wollen wir nicht, wer weiß, wann da mal Fahrgäste kommen, also einigen wir uns mit ihm auf den halben Preis, den er verlangt. Somit zahlen wir insgesamt 30 EUR, statt 18 EUR, die eine Sammelfahrt gekostet hätte. So ein Schlitzohr! ;-)

In Porto Novo gibt es ein verspätetes Mittagessen, eine kleine Dorfrunde und pünktlich um 16:00 Uhr erscheint Jerry mit unserem Gepäck. Schön, dass das so gut geklappt hat. Ein schöner Abschluß für unseren Dreitages-Ausflug.

Weniger schön ist, was Achim und ich in der Marina vorfinden.
Aber darüber werde ich erst Morgen berichten. ;-)

Ribeira do Paúl

Mi., 13.Jan.16, Santo Antão, Tag 592, 3.765 sm von

Beim Ribeira do Paúl handelt es sich um die grünste Schlucht auf Santo Antão.
Tief eingeschnitten zwischen zerklüfteten, spitzen Bergen, liegt eine sensationelle Landschaft.
So lieblich, so unbeschreiblich schön, dass das Herz ein wenig weh tut.

Wir werden von Jerry zum Startpunkt der Wanderung gefahren. Mit von der Partie ist Natascha, eine Niederländerin, so dass wir heute zu fünft unterwegs sind.
Der mit 3,5 Stunden angegebene Marsch beginnt sanft am Krater ‚Cova de Paúl‘.
Der Kraterboden liegt 50 Meter unter uns und wird intensiv landwirtschaftlich genutzt. Zwischen den Feldern grasen Esel, vereinzelt Kühe und ein paar Ziegen.

Auf der gegenüberliegenden Seite vom Krater beginnt unser Abstieg ins Ribeira do Paúl.


Steil liegt ein gepflasterter Weg vor uns, der sich in engen Serpentinen talwärts schlängelt. Der Weg ist von einer Steinmauer gesäumt.
Kunstvoll schmiegen sich Weg und Mauer an die steile Außenflanke des Kraters.
Die Serpentinen sind so eng, dass es zeitweise scheint, dass man seinem Vordermann auf den Kopf steigen könne.

 

Für Reinhard ist dieser Weg fast mehr als sein mutiges Teutonenherz schaffen kann.
Nach ein paar Kurven und einem Stück mit fehlender Mauer, hadert er kurz, denkt daran umzudrehen. Dann nimmt allen Mut zusammen und schafft final auch die schlimmsten Passagen.
Der Weg ist gut ausgebaut, aber trotzdem recht schwierig zu laufen. Teilweise ist er so steil, dass wir uns an der Felswand abstützen müssen. Endlos laufen die Serpentinen vor uns her…

Nach zwei Stunden Marsch nimmt die Landwirtschaft zu.
Kunstvoll angelegte Terrassen mit Mais, Kaffee, Bohnen und Zuckerrohr überziehen die Hänge. Das Zuckerrohr steht in voller Blüte und wogt wie ein Meer aus Federn über dem Grün.

Nach und nach wird auch die Besiedelung dichter.
Es gibt Behausungen in traditioneller Bauweise, neben halbfertigen Betonbauten und alten Kolonial-Häusern. Wer Geld übrig hat, der streicht sein Haus in Pastell und baut ein Obergeschoß.

 

Die Menschen, die rechts und links unseres Weges wohnen, haben zweifelsohne sehr, sehr wenig. Armut ist auf der ganzen Welt nicht schön. Hier wirkt die Armut friedlich.
Die Menschen scheinen mit ihrer Situation und ihrem Leben im Reinen.
Kein Streben nach Gütern, die man sich sowieso nicht leisten kann, scheint die Idylle zu stören.

Ruhig werden die kleinen Terrassen beackert, ruhig die Esel mit der Ernte die steilen Pfade entlang getrieben.
Ruhig sitzen die Frauen am Wegesrand, grüßen uns leise und bieten Beutel mit Äpfeln zum Kauf an.

Immer wieder werden wir gefragt, ob wir portugiesisch oder französisch sprechen. Leider nicht. Somit reicht es nur für den Austausch der Vornamen. Als Lohn dafür bekommen wir eine Handvoll Äpfel geschenkt. Wir werden beschenkt!

Aber vielleicht irre ich mich. Verklärt durch die Schönheit der Landschaft, habe ich eine romantisch verzerrte Wahrnehmung. Wer weiß.
Aber es fühlt sich alles richtig und gut an.

In einer kleinen Bar legen wir nach 3,5 Stunden einen Getränke-Stopp ein.
Ein Schild in der Kneipe weist darauf hin, dass den Kindern keine Bonbons oder Lollis zugesteckt werden sollen. Ein Lolli kostet 0,50 Cent für den Touristen. Er muss Zahnpasta für 1,50 EUR und eine Bürste für 3,00 EUR kaufen.

Mit schon etwas müden Beinen laufen wir weiter.
Die Orte werden größer und sind ab hier mit dem Auto zu erreichen. Nach einer weiteren Stunde Marsch kommen wir an die Öko-Lodge von zwei Österreichern.
Hier wird aus Zuckerrohr der angeblich beste Grogue der Insel gebrannt. Selbstgekochte Marmelade, eingelegte Kräuter, Käse aus eigener Herstellung und eine kleine Gastronomie machen das Öko-Paradies perfekt.

Im Garten steht halbmannshoher Basilikum und in Spiritus liegen die giftigen Tausendfüßler, die es auf Santo Antão gibt. Wir probieren vorsichtig den Grogue. Er schmeckt uns nicht wirklich. Das erspart uns etwas zu kaufen und auch noch eine Buddel mit herum schleppen zu müssen.

Nach 6,5 Stunden erreichen wir unsere Pension. Staubig, durstig, kaputt, aber glücklich.
Ribeira do Paùl ist für mich einer der top fünf schönsten Flecken dieser Erde. :-)