Do., Heiligabend 15, Atlantik, Tag 572, 3.338 sm von HH, etmal 155 sm Seit 48 Stunden donnern wir mit durchschnittlich mehr als 6 Knoten Richtung Sueden. Dadurch werden wir Heiligabend Vormittag mit der Halbzeit beschenkt. Zur Feier des Tages gibt es zum Fruehstueck bereits Ruehrei mit Speck und Zwiebeln. Ich betone das deswegen so albern, da die Duenung sich verndert hat. Aus Wacklern von 20 Grad nach rechts und links, sind 10 Grad geworden. Allerdings haut uns jede 10te Welle weiterhin 20 Grad auf die rechte Backe und jede 100te um 25 Grad und mehr. Mit den 10ern kann man gut umgehen. Das ist aus den Beinen abzufedern. Praktisch in der Pantry, weil beide Haende einsatzbereit bleiben. Ab 20 Grad muss ich mich festhalten, sonder duese ich quer durchs Schiff. Also schnell den Pfannenwender aus der Hand gelegt, um mich irgendwo festzukrallen. Den Pfannenwender haut es dabei dann von der Platte, obwohl alles mit Anti-Rutsch-Matten ausgelegt ist. Wer oder was nicht gesichert ist, fliegt. So ein Ruehrei zu backen kostet mehr Kalorien als ich hinterher einwerfen kann.
Wir sind trotz allem guter Dinge und bereiten uns aufs Fest vor. Den Nationen-Spalter „Last Christmas“ durfte ich beim Kochen auch schon dudeln und die Dekorationen sind abgeschlossen. Ein besinnliches Fest wnschen Sabine und Joachim.
Schon besser
Mi., 23.Dez.15, Atlantik, Tag 571, 3.197 sm von HH, etmal 141 sm Es laeuft schon besser. In der Pantry zieht wieder etwas Kultur ein. Mittags fruehstuecken wir gemeinsam. So richtig. Ich mache uns Schnittchen, sogar mit Paprika-Dekoration. Abends schaffe ich einen Tomaten-Salat mit Mozzarella. Bin dann aber doch froh, dass wir fuer heute Fertig-Pizza haben und ich nicht richtig koche muss. Die Gewoehnung an die schaukligen Bedingungen geht schneller als erwartet. Ich bin mit einer Reisetablette ausgekommen. Wir kommen flott voran, da wir ueber Stunden konstant sechs Windstaerken haben. Mehr Wind gleich hoehere Welle stoert hierbei nicht. Im Gegenteil, der Druck im Segel laesst uns eher ruhiger liegen. Trotzdem rollen wir noch kraeftig. Aber das ist jammern auf hohem Niveau. Wie es den Ruderern geht, von denen wir tatsaechlich eine Handvoll ueberholen, da mag ich gar nicht dran denken. Obwohl wir nur in drei Meilen Abstand an ihnen vorbei segeln, sind sie in den Wellen nicht zu entdecken. Selbst nachts sieht man keine Positionsleuchte funkeln. An ihren AIS Dreiecken auf dem Plotter koennen wir sie orten. Schoen zu sehen, wenn dort Ruderpause herrscht, dann steht das Dreieck im rechten Winkel zum vorherigen Kurs und die Geschwindigkeit sinkt von drei auf 0,9 Knoten. So wackeln wir friedlich vor uns hin. Ein kleiner Schreck beim Wachwechsel um, natuerlich, 2:00 Uhr morgens: unser Kuehlschrank hat einen kurzen Aussetzer. Das Aggregat ist heiss und geht nicht mehr aus. Zweimaliges Ausschalten und wieder hoch fahren hat eine Selbstreparatur zur Folge. Achims Vermutung, dass sich ein „Teilchen“ in einer Kapillare festgesetzt hat und durch die Schaukelei wieder los gejackelt ist. Nichts ist eben so schlecht, dass es nicht noch fuer etwas gut ist.
Versoehnliche Gruesse, Sabine
Auf dem Atlantik segeln
Di., 22.Dez.15, Atlantik, Tag 570, 3.079 sm von HH, etmal 118 sm
Die ersten 24 Stunden sind echt fuer die Tonne. Nach den Delphinen nur noch Kappes.
Gleich hinter der Abdeckung von La Gomera geht es los: Wir rollen. Wir rollen 20 Grad zur einen, 20 Grad zur anderen Seite.
Seit ich Reisetabletten vor dem Start nehme, kann ich mich von Anfang an unter Deck aufhalten und sogar lesen. Sie haben nur einen Nachteil, die Dinger, sie machen unglaublich muede. Somit ist die Wacheinteilung schnell geklaert, ich darf doesen bis 22:00 Uhr.
Schlafen ist bei dem Gerolle fast nicht moeglich.
Danach erfolgt ein Wechsel alle vier Stunden.
Vorgekochtes Chili steht auf dem Herd und jeder nimmt sich aus dem grossen Topf und macht es in einem kleineren Topf heiss. Es passiert, was ich nie wollte: es wird direkt aus dem Topf geloeffelt. Beide nehmen wir den gleichen Topf und den gleichen Loeffel.
Statt abzuwaschen kommt ein Deckel drauf, so kann man den Topf in der zweiten Runde wieder verwenden. ![]()
Zu mehr haben wir nicht die Energie. Dieses Gerolle erfordert zu viel Kraft und Aufmerksamkeit. Normale Handgriffe stellen einen vor eine unloesbare Aufgabe. Dazu kommt Muedigkeit.
Die langgezogene, angenehme Atlantik-Duenung. Wo ist sie?
Mit einer Wellenfrequenz von acht Sekunden?
Diese Atlantik-Duenung, die Poeten als das Atmen der See bezeichnen?
Unsere See atmet nicht, unsere See hechelt.
Im Sekunden-Takt wird gehechelt. Eine fiese, zwei Meter hohe Hack-See wird gehechelt.
Die drei grossen Lebensluegen: „ich liebe dich“, „der Scheck ist in der Post“ und „ich zieh‘ ihn raus, wenn ich komme“ muessen erweitert werden um „es gibt eine angenehme Atlantik-Duenung“.
Entnervte Gruesse, Sabine
La Gomera nach Mindelo – Tag 1
Gegen ein Uhr haben wir die Marina in San Sebastian verlassen. Es war recht windig und so ganz wohl war uns beim Ablegen nicht. Unser Schiff liebt die engen Gassen nicht wirklich. In einer kurzen Pause, die sich der Wind nahm, ging es dann aber los. Schon kurz nach der Hafenausfahrt wurden wir von einigen Delphinen begleitet. Nicht schlecht. Der Wind weht mit einer moderaten 4 und die Welle koennte schlimmer sein. Obwohl, jetzt wo wir aus der Abdeckung raus sind, rollen wir ganz schoen. Es wird einfach wieder etwas Zeit brauchen, sich daran zu gewoehnen. Im Moment segeln wir mit ausgebaumter Genua und machen ca. 5kn. Ahoi: Joachim
Weihnachten auf See
Mo., 21.Dez.15, Tag 569, La Gomera, 2.961 sm von HH
Gleich geht’s los.
Vor uns liegen knapp 800 sm (1.560 km) für die wir sechs bis sieben Tage benötigen.
Dies ist die längste Etappe, die wir je in einem Stück gesegelt sind.
Unseren ursprünglichen Plan bereits gestern zu starten, haben wir aufgegeben.
Auf den Azoren hat es einen mächtigen Sturm gegeben mit ungewöhnlich hohen Wellen von 11 Metern. Diese Wellen haben sich die letzten Tage abschwächend Richtung Kanaren ausgedehnt. Gestern betrug die Höhe noch vier bis fünf Meter, heute sollen es nur noch zwei bis drei sein. Grund genug für uns noch einen Tag zu warten.
Über Funk versuchen wir weiter zu bloggen damit Ihr wisst, wie es uns geht.
Sollte keine Meldung kommen, liegt wahrscheinlich
ein technischer Fehler vor.
Viel wahrscheinlicher in jedem Fall, als dass wir gesunken sind.
Wir wünschen Euch allen bezaubernde Feiertage, habt eine schöne Zeit.
Gute Laune, nette Menschen um Euch, passende Geschenke, einen geraden Baum und gelungenen Braten.
Bis bald, Joachim & Sabine
P.S. Ein vorweihnachtliches Geschenk habe ich schon bekommen:
Wir sind seit drei Wochen unter den Top 10.
Das Ziel zu erreichen hätte ich nicht erwartet…danke an die besten Leser der Welt ![]()

Merry Christmas

