Roter Teufel

Do., 27.Nov.14, Lagos/Portugal, Tag 180, 1.714 sm von HH

Gestern schien es noch als ob der rote Teufel weit genug an der Küste vorbei zöge, so dass wir in Lagos nur etwas kräftigen Wind abbekommen.

Aber das heutige Foto von der Wetterkarte deckt sich mit dem, was jetzt draußen um 20:00 Uhr utc abgeht. Es schüttet wie aus Eimern, der Wind heult jetzt schon in den Wanten, obwohl der Höhepunkt des Sturms erst für 23:00 Uhr vorhergesagt ist. Der Luftdruck beträgt im Augenblick nur 990 mbar… wir erwarten bis 40 kn Wind (Stärke 8), dies zum Glück aber nur 2 bis 3 Stunden.

So richtig gebeutelt wird Madeira, dort sind, für die Dauer von 48 Stunden, Winde von 30 kn bis zur Spitze von 50 kn vorhergesagt (von heute Nachmittag bis Samstagmittag). Das führt unweigerlich dazu, dass sich auf dem Atlantik eine Welle von bis zu 7 Metern aufbaut.

 

Wenn wir nun am Sonntag unser Wetterfenster haben -die Vorhersage steht- dann hat sich diese Welle leider noch nicht komplett wieder abgebaut. Meistens wird so etwas lapidar mit „draußen steht noch eine alte Dünung“ bezeichnet. Diese Dünung beträgt dann wahrscheinlich noch 3 bis 4 Meter. :shock:

Dass am Sonntag eher schwächerer Wind für unseren Start bereit steht, macht die Sache nicht besser. Denn bei schwächeren Winden haben wir wenig Fahrt im Schiff und werden leicht zum Spielball in dieser „Dünung“. Wenn wir mehr Speed machen, dann ist so ein Wellengang leichter zu ertragen. Einige Crew-Mitglieder plädieren somit heute schon, rein prophylaktisch, für eine Abfahrt erst am Montag.

Wir haben ja bereits seit drei Wochen dieses regnerische, unbeständige Wetter, aber bislang immer noch mit ganz angenehmen Temperaturen. Seit drei Tagen sind die nun allerdings im Keller, nachts um die 12 Grad und tagsüber kaum mehr 17 Grad. Wir haben (schon seit 14 Tagen) unsere Kuchenbude aufgebaut, dort kann man es am Tage gut aushalten, sobald auch nur einen Augenblick der Himmel etwas aufklart, schafft auch dünne Sonne es, unseren Zeltverschlag gut aufzuheizen. Abends, unter Deck, kommt ein Heizlüfter zum Einsatz. Kochen hilft auch ungemein und plötzlich wird um den Abwasch gestritten, wer darf heute die Hände in das heiße Wasser stecken. ;-)

Wetterfenster

Mi., 26.Nov.14, Lagos/Portugal, Tag 179, 1.714 sm von HH

Wetterfenster ist hier unter uns Seglern zum Unwort gewählt worden und wer es benutzt muss 5 EUR in eine Kasse zahlen.

Wetterfenster bedeutet, dass die Vorhersage eine gute Prognose für (meistens) die großen Schläge abgibt: Querung der Biskaya, vom Festland nach Madeira oder die Kanaren oder später, von den Kanaren in die neue Welt. Aber auch für kleine Touren von 24 bis 48 Stunden möchte man gerne so ein Wettrfenster haben, damit recht gewiss ist, dass einem der Wind nicht auf die Nase bläst, dass es überhaupt Wind gibt, aber bitte nicht zu viel davon.

Nun gab es diesen Sommer an der Atlantikküste nur wenige Wetterfenster, denn der Wind kam den gesamten Sommer überwiegend aus Süd. Diese Richtung ist nicht nur für alle Segler, die die Küste runter segeln die falsche, sie stimmt grundsätzlich nicht, denn üblicher Weise gibt es hier den „Norder“. Da dieser 2014 vielfach ausblieb, gab es viel Warterei auf das richtige und viele Gespräche über Wetterfenster. Wir hatten richtig Glück, denn unsere längeren Aufenthalte in La Coruna, Porto und Lissabon waren weitestgehend so geplant und nicht vom Wetter erzwungen. Allerdings sind wir auch schon verspätet in Lissabon losgekommen.

Hier an der Algarve kommt nun der Wind zwar häufig aus der korrekten Richtung, aber jetzt haut hier ein Sturmtief nach dem anderen auf die Küste rein. Uns ist wichtig, dass ein Wetterfenster welches keines ist, von uns erkannt und nicht genutzt wird, damit es uns nicht so ergeht  wie der armen Asha und Helge von der ‚Gegenwind‘.

Hier ein Auszug aus ihrem Blog an Tag 3 auf der Überfahrt von Lissabon nach Madeira (alle sind übrigens wohlbehalten angekommen :-) – viele Grüße an Euch zwei):

„Die dritte Nacht auf See ist überstanden: Sturm aus West, Windanzeiger stand max. auf 23 m/s. Wir lagen beigedreht mit dem drittem Reff und einem Zipfel der Genua. Zeitweise bargen wir das Groß ganz und liefen vor dem Wind ab. Erschöpfung macht sich breit, da wir bei dem Hexenkessel kein Auge zubekamen. Wellenhöhe geschätzt bis zu 7-8 m. Wir sind froh wenn wir einen Liegeplatz erreichen: noch 125 sm bis Porto Sano (Madeira).“

Für alle Nichtsegler, 23m/s Wind bedeutet Stärke 9!

Eigentlich wären wir auch gerne nach Madeira gesegelt, aber dieses Jahr scheint das keine gute Idee zu sein. Alle Tiefdruckwirbel, die wir beobachtet haben, zogen über Madeira hinweg und sorgen für Temperaturen unter 20 Grad und viel Regen. Das ist zwar nicht üblich in der Häufigkeit und Intensität, aber das hilft uns nicht weiter. Wenn dort dieses Jahr nun mal unüblich schlechtes Wetter herrscht, lassen wir Madeira aus und gehen direkt auf die Kanaren, zuerst nach La Graciosa bzw. Lanzarote.

Da so ein Tiefdruck-Wirbel auch mal südlicher ziehen kann als vorher gesagt, fahren wir erst dann los, wenn auf der Wetterkarte gar keiner von diesen roten Teufeln zu sehen ist. Der rote Bereich auf dem Bild zeigt Wind in der Stärke 8 bis 9. Im Augenblick scheint Sonntag unser Wetterfenster-Tag zu werden…

 

P.S. Dieser Eintrag kostet übrigens 40 EUR in diese ominöse Kasse. :mrgreen:

Geburtstagsfeier

So., 23. Nov.14, Lagos/Portugal, Tag 176, 1.714 sm von HH

Ursprünglich ist unser Plan, Achims Geburtstag als kleinen Spät-Schoppen am Steg zu feiern, aber leider fängt es pünktlich um 14:00 Uhr zu regnen an. Also alle rein ins Cockpit…

Raum ist in der kleinsten Hütte, so dass wir die Crews der Aquaria, Max, Hexe und Namastee „ganz locker“ unterbringen, sind ja nur 12 Erwachsene, denn die drei süßen Mädels von der Namastee wurden praktischer Weise auf der „Mal wieder“ an Steg E ausgelagert. Die drei Sonnenscheine bzw. Wirbelwinde (Hanna 7, Frieda 5 und Emma 3) kommen erst dazu als die ersten Erwachsenen schon wieder gegangen sind. Zum Glück gibt es auf einem französischem Boot noch einen Kindergeburtstag zu feiern… :mrgreen:

Wie auf jeder Feier so gibt es auch heute Gäste, die einfach nicht den Weg nach Hause finden können. :cool: Da wir Spaghetti und Hack in den Vorräten haben, laden wir Elke, Dorothea, Uwe und Thomas spontan zum Spaghetti-Bolognese-Event ein. Somit endet der Geburtstag in lustiger Runde mit vielen Segler-Geschichten und anderem Unfug.

Allen Gästen vielen Dank für die schönen Stunden und netten Mitbrings. :-)

Unsere geplante Weiterfahrt am Dienstag verschiebt sich auf mindestens Freitag, da sich das vemeintliche Wetterfenster schon wieder geschlossen hat.

 

Schietwetter

Fr. 21.Nov.14. Lagos/Portugal, Tag 174, 1.714 sm von HH

So richtiges Schietwetter herrscht hier zur Zeit in Lagos, nein, nicht nur in Lagos, sondern an der gesamten Atlantikküste, einschließlich Madeira und Kanaren. Es regnet wie aus Eimern! Seit Tagen! Jedes Vorhaben wird im Keim erstickt, weil es wieder schwarz über Land aufzieht und sintflutartig zu regnen anfängt.

Das (Fluss)Wasser hier im Hafen sieht aus wie der Amazonas. Am Ruder bilden sich schon Biberburgen (Thomas, vielen Dank für diese Beschreibung). Wir hoffen nur, dass die Kläranlage nicht wieder überläuft….

Dieses Schietwetter bestimmt total unser Tun und Handeln und am Steg wird kaum über etwas anderes gesprochen.  Nicht normal tönt es von allen Seiten, die es wissen können…

Auf Madeira und den Kanaren ist es das gleiche Bild. Ein Trans Ocean Stützpunktleiter von Lanzarote schrieb uns, dass aus „seinem“ Hafen kein Schiff rein, aber auch keins raus kommt, da so eine heftige Welle vor der Hafeneinfahrt steht.

Es gibt aber auch etwas Positives zu berichten: Es liegen hier mit uns total nette Mitsegler gefangen, die wir zum Teil schon aus La Coruna kennen oder die neu dazu gekommen sind. Das macht Spaß, denn in den unterschiedlichsten Konstellationen trifft man sich zum netten Plausch, Spaziergang oder auf ein Bier.

Und die Temperaturen sind mit tagsüber 20 Grad auch noch ganz erfreulich.  :-)

Für uns heißt es weiter warten bis das Wetter wieder auf  ’normal‘ dreht – da ist etwas für Dienstag in Sicht.

Brackwasser

Brackwasser

IC-718 TX Erweiterung

Die. 18.Nov.14, Lagos/Portugal, Tag 171, 1.714 sm von HH

Für die nicht Amateurfunker…. In der Regel können Amateurfunkgeräte nur auf den für den Amateurfunk zugelassenen Frequenzen senden. Um nun aber auf allen Frequenzen sendefähig zu sein (z.B., wenn das Schiff brennt und sinkt und ein Ansprechpartner gerade nicht auf einer der zugelassenen Frequenzen verfügbar ist), war es mein Wunsch, unser neues Funkgerät durchgängig sendefähig zu machen. Alles, was dazu notwendig ist, ist das Entfernen einer winzigen Diode aus dem Gerät. Das Teil ist keine 2mm groß und somit kostete es mich schon einiges an Überwindung, das Projekt anzugehen.

Zunächst musste mein alter Lötkolben, der eigentlich wohl eher für Tiffany Arbeiten gedacht war, auf das notwendige Maß gebracht werden. Die Spitze habe ich daher einfach abgefeilt und dann mit Hilfe des Akkuschraubers und einer Feile in Form gebracht.

alte Lötkolbenspitze

alte Lötkolbenspitze

sauber und spitz

sauber und spitz

Entsprechendes musste auch mit der Billig Pinzette geschehen, die ich einfach so spitz wie möglich runter geschliffen habe.

Öffnen des Geräts:

  • Boden und Deckel abschrauben
  • Seitlich sind dann auf jeder Seite 2 verzinkte Schrauben zu sehen. Die oberste entfernen und die untere lösen.
  • Dann lässt sich das Bedienpanel nach vorne klappen. Mir empfahl man, das geöffnete Gerät auf ein 5-6cm dickes Buch zu legen.
  • Die Diode (D54) vorsichtig mit der Pinzette greifen und leicht nach oben ziehen. Lötstelle kurz mit dem Lötkolben erhitzen und schon löst sie sich. Diese Arbeit habe ich zusammen mit meiner Funkfreundin DL1SWI (besser bekannt als Bine) gemacht. Sie hat die Pinzette gehalten wodurch ich zwei Hände für den Lötkolben hatte (…zur Verringerung der Amplitude an der Lötkolbenspitze….)
  • Lösen der zweiten Lötstelle entsprechend der ersten


Fazit Die Bauteile sind wirklich winzig, aber mit etwas Vorsicht und guter Vorbereitung gelingt es auch absoluten Lötanalphabeten, die Diode zu entfernen (…war zumindest bei uns so). D53 habe ich nicht entfernt, da nicht so recht klar ist, wofür das Teil ist und D55 (für die Frequenzerweiterung) durfte auch bleiben.

Ich habe eine Reihe von Internetseiten gesehen, bei denen die Entfernung aller drei Dioden beschrieben stand, aber D54 allein tut es auch. Ob mein IC-718 nun einem IC-78 entspricht ist nicht 100%ig geklärt. Wenn jemand etwas genaues dazu weiß, dann würde ich mich über einen Eintrag in den Kommentaren freuen.

…..ich übernehme natürlich keine Garantie, wenn jemand aufgrund meiner Beschreibung nicht das gewünschte Ergebnis erzielt.