Gibb River Road – wir kommen!

08.06.24,  Australien/WA/Broome, Tag 191 Roadtrip, 13.686 km total

Selbst  für Australische Verhältnisse gilt die Gibb River Road als schwierig. „Leben prägendes Abenteuer“ oder „kultigste Schotterpiste Australiens“ lauten die Hinweise. Die ‚Dirt Road‘ ist 660 Kilometer lang und war früher eine Route auf der Rinder getrieben wurden. Während der Regenzeit ist die Straße nicht passierbar und gesperrt. Ein später Regen vor zwei Wochen hat alles durcheinander gewürfelt. Ein paar Flüsse stehen noch 40 Zentimeter hoch auf dem Fahrweg. Trotzdem, die Gibb ist als machbar deklariert. Vierradantrieb ist Pflicht.

Die Abzweigungen der Road führen zu den Hauptattraktionen: Schluchten, Wasserfälle und Wildbäche mit Krokodilen. Nimmt man alle Nebenstrecken mit, so kann man die zu fahrenden Kilometer leicht mehr als verdoppeln. Es gibt einfache Campingplätze und drei, vier Stationen an denen wir Wasser und Diesel nachbunkern können. Vielleicht kann man dort auch ein Brot ergattern.
Wir haben zehn bis vierzehn Tage für die Gibb geplant. Das Auto ist bis unters Dach mit Essen für diese lange Zeit vollgestopft. Eine kleine Herausforderung. Wie einfach ist dagegen eine Atlantik-Überquerung zu organisieren? Unser Kühlschrank an Bord ist doppelt so groß und vom Stauraum brauchen wir gar nicht erst sprechen.
Morgen geht es los. Internet ist Mangelware unterwegs, so dass es sein kann, dass wir uns erst in zwei Wochen wieder melden können. Bleibt dran! :-)

Gibb River Road in blau. Der asphaltierte Highway Richtung Osten ist die rote Linie. foto credit: mounthart.com.au

 

In den letzten sieben Tagen konnten wir uns wieder eingewöhnen. Allerdings hat die Rückkehr nach Broome überraschende Veränderungen parat. Bei der Abfahrt mussten wir uns noch im Pool abkühlen und hatten vier Wasserflaschen am Start, die wir abwechselnd im Camp-Gefrierschrank durchfrieren lassen haben. Jetzt-ist-es-plötzlich-bitter-kalt. Gefühlte 9 Grad, berichtet ‚Broome Weather‘.

Die Matratze vom Dachzelt (luxuriöse 3 cm) liegt auf einer Metallplatte. Achim steckt als Mumie in seinem Schlafsack. Wolldecke zusätzlich oben drauf. Ich mag so eingesperrt nicht schlafen und benutze den Schlafsack nur als Decke. Dann kann ich ein jederzeit ein Bein raus strecken und etwas überschüssige Hitze ableiten.
Das geht jetzt nicht mehr – die Kälte von unten kriecht in die Knochen. Da wir jetzt zwei Wolldecken haben (vorausschauend eine aus DE mitgebracht), können wir die alte Decke großzügig als Unterlage verwenden. Dazu passt Ski-Unterwäsche statt dünnen Pyjama. Das reicht zunächst. Prima.  Wir brauchen unbedingt Schafsfelle, so die Idee. Der Winter hat ja noch nicht einmal begonnen. Aber wo bekommt man in einem Kontinent mit 125 Millionen lebend Schafen die Felle her? Bisher haben wir erst zweimal einen Shop gesehen, der welche verkauft.

Kleinstadt Broome – sehr touristisch, aber gemütlich und hübsch im Zentrum. Die Touris kommen massenweise eingeflogen.

Der Anfang vom Cable Beach – trotz gebuchten Campingplätzen ist es nahezu leer am Strand.

Tagsüber ist es noch immer sommerlich warm. Aber die Tage sind kurz und die Sonne steht tief. Der Winter ist nah.

Cable-Beach in Broome. der hat seinen Namen, weil von Broome aus das erste Telegrafenkabel von Nordwest Australien nach Indonesien (Java) verlegt wurde.

Broome und die nördlich liegende Halbinsel Dampier punkten mit Farb-Explosionen.

So sieht die Küste von oben aus. Abfotografiert in einem Shop im Zentrum foto credit: yanè.com.au

Spektakuläre Farben. Nicht die eigene Drohne, sondern nur Bilder in einem Shop. Macht nichts, Landschaft mit der Drohne fotografiert, hat man ja auch nie mit den eigenen Augen gesehen.

Die zweite Veränderung ist der gefüllte Campingplatz. Vor fünf Wochen war der nur ein Viertel belegt, jetzt heißt es ‚fully booked‘ – ausgebucht bis auf den letzten Platz. Die Hauptsaison im Norden hat begonnen. Achtzig Prozent sind die berühmten ‚grauen Nomaden‘. Rentner, die mir ihrem Wohnwagen um die Insel reisen. Dachzelte gibt es praktisch keine mehr zu sehen.
Mal schauen, wie sich das auf der Gibb River Road ändern wird. Dort mit dem Wohnwagen zu fahren, mag nicht jeder.

Broome Campground – fast komplett ausgebucht

Dieser kleine Laubfrosch wohnt auf dem Campingplatz im Abfluss von der Wäscherei. Zusammen mit seinen drei Freunden.

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Tolle Wochen in Deutschland – und eine Rückreise zum Abgewöhnen

03.06.24, Australien/WA/Broome, Tag 186 Roadtrip, 13.686 km total

Deutschland war großartig. Danke an Alle! Ihr ward großartig. Euch zu treffen war uns ein Vergnügen. Wir kommen wieder, versprochen.

Nur dreimal wurde daran gedacht ein Foto zu machen. Nächstes Mal muss das besser klappen.

Familie Willner

Bonus-Familie mit neuem Familienmitglied (Herzchen in den Augen)

Danke für den tollen Nachmittag

 

 

Mitgeholfen hat auch das Wetter – drei Tage Regen in vier Wochen. Frühsommerliche Temperaturen oben drauf. Für Hamburg nicht schlecht. Danke an die Wettergötter.

Unser 20 Quadratmeter Wohnklo (im Phnx Aparthotel im Herzen von Harburg) können wir unbedingt weiter empfehlen. Etwas laute Lage, dafür nur drei Minuten zu Fuß zum Supermarkt und zu einer nicht zählbaren Menge an Döner-Buden. Ebenfalls nur drei Minuten zur S-Bahn und Regionalbahn.

Hamburch – meine Perle!

 

 

Dankeschön auch ans Deutschland-Ticket. Von Uelzen bis Buxtehude, von Halstenbek bis Amelinghausen, plus Hafenfähre und unendliche Fahrten mit dem HVV. Alles für 49 Euro. Ein echter Schnapper. Verspätungen, ausgefallene Züge und Rauswurf aus der S-Bahn, weil Personen im Gleisbett gelaufen sind, inklusive. Alle Gerüchte über schlechten Service der Öffis können wir bestätigen, wir sind aber final überall angekommen.

Südsee-Feeling in Hamburg. Kein alter Moai von der Osterinsel, aber aus Original-Stein.

Alle wichtigen Dinge konnten wir abarbeiten: Artzbesuche, Impfungen auffrischen, eine neue Brille, neuer Pass und ganz wichtig – ein Rentenantrag. Mit einem jungen Mann bin ich nach Deutschland gereist, mit einem Rentner komme ich zurück. :mrgreen:

Auch das ist Hamburg. Ein Pony wie in Mexiko … ich glaube, die Dame hat das mit Absicht gemacht, der Rest ist nämlich gut. Statt schrägen, fransigen Pony zu schneiden, eine Seite einfach komplett abzuhacken. Ich hatte keine Lust auf ihr endloses Geplapper über DNA-Tests, die ihre Herkunft (60 Prozent Griechisch) ermittelt haben, einzugehen. :cry:

Und dann der Heimweg. :roll:
Es fing ganz gut an. Komfortable Abflugzeit am frühen Nachmittag. Es geht pünktlich los. Erträgliche Übergangszeit in Dubai. Ankunft am frühen Abend in Perth.
Der erste Holperstein: unser gebuchtes Hotel ist rottig. Okay, bei Ibis Budget erwartet man nicht viel, aber irgendeine Ablage im Zimmer wäre schon schön. Einfach, einfacher, Ibis. Statt Restaurant gibt es einen Automaten mit Chips und Schokoriegeln. Wir überleben, weil das Essen im Flugzeug gut und reichhaltig war. Nur drei Kilometer Entfernung zum Flughafen war das Buchungs-Argument.

Nach einem spartanischen Frühstück stehen wir um 8:00 Uhr in der Abflughalle für den letzten 2,5-Stunden-Flug nach Broome.
Eine junge Reporterin von 9News TV empfängt uns ganz aufgeregt und weiß zu berichten, dass die (eine?) Pumpe zum Auftanken der Flugzeuge ausgefallen sei. Wir verzichten darauf ins Fernsehen zu kommen, sondern gehen zum Schalter.

Die Anzeigetafeln lassen Schlimmes erwarten. Sogar ankommende Flugzeuge ✈️ werden umgeleitet. Ein Flug nach dem anderen wird gestrichen. Erste Rufe nach Kaffee-Gutscheinen werden laut. Aber die super freundlichen Angestellten von Quantas werden nicht müde zu erwähnen, dass der Fehler nicht bei der Airline liegt. Schuld sei der Flughafen. Reklamationen bitte an diese Adresse.

Im Internet steht, dass Perth Aurport darum bittet, dass keine Flugzeuge mehr mit Ziel Perth starten sollen.

Dann auch für uns Gewissheit – heute wird es kein Flug mehr nach Broome geben. Nach endlosen Stunden Wartezeit werden wir auf 6:30 Uhr nächsten Morgen umgebucht.
Was tun? Mindestens zwei Stunden vorher am Schalter sein und mit der Aussicht, dass wir auf Hotelkosten und Taxi (250 Dollar) hängen bleiben werden, entscheiden wir, dass sich das nicht lohnt. Wir bekämen ja noch nicht mal das Frühstück im Hotel.

Airport Perth zieht inzwischen richtig die Spendierhosen an: zwei kleine Flaschen Wasser und ein Schokoriegel pro Person werden verteilt.
Davon kann man nicht überleben.
Achim leiert einer Quantas-Mitarbeiterin drei Gutscheine á 15 Dollar aus der Tasche. Zwei Cafés in der Abflughalle bieten Mini-Wraps und Muffins zu absurden Preisen an. Die Gutscheine reichen für den holen Zahn.
Wir leeren einen Rucksack aus und ich stiefel los zum zwei Kilometer entfernten Supermarkt. Achim passt auf das Gepäck auf.
Mit Abendessen- und Frühstücksversorgung – Gabeln leihe ich in einem der Cafés – geht es uns somit ganz gut.
Ganz am Ende der Halle finden wir Sitzbänke ohne Armlehen, so dass wir liegen können.Die Decke, die wir für kalte Nächte im Australischen Winter aus Deutschland mitgebracht haben, kommt früher zum Einsatz als erwartet. Inzwischen ist die Halle geleert, so dass das kostenlose WiFi auch wieder funktioniert. Wir haben es passabel, schlafen aber trotzdem schlecht und nur häppchenweise.

Gute Nacht

Am nächsten Morgen geht es planmäßig los. In Broome bringt uns ein Taxi zu unserem Auto. Russel und Familie haben gut auf unseren Bundy aufgepasst. Sie sind übers Wochenende nicht da, der Wagen steht wie verabredet vor der Tür.

Aber er springt nicht an. Ja, darf das denn jetzt wahr sein? Ist das fair? Ich hab doch extra Karma-Punkte gesammelt durch das Verteilen von Snickers an Mitschläfer in der Abflughalle. :cry:

Dass die Batterie nicht mehr ganz neu war, wussten wir, aber nicht, dass nach vier Wochen der Saft zu Ende ist.
Wir haben 30 Grad im Schatten, lange Hosen an und viel zu warme Klamotten. Dazu Trombosekniestrümpfe in Turnschuhen. Die Strümpfe wird man verbrennen müssen. :lol:
Wir werden leicht nörgelig, aber jetzt bitte nicht durchdrehen!
Es ist Sonntag, 11:00 Uhr Vormittag. Wir klappern die Nachbargrundstücke ab, ob wir jemanden im Garten entdecken, der ein Starthilfekabel hat.
Achim wird fündig. Ein junges Paar springt sofort auf, um uns zu helfen. Sie muss extra zu Freunden fahren, um ein Kabel zu holen. Er bietet uns Wasser an. Zehn Minuten später sind die beiden Autos verkabelt. Aber unsere Batterie sagt keinen Mucks. Die ist mausetot.
Für unsere Helfer stellt das kein Problem dar. Natürlich fährt sie mit Achim zum Batterie-Höker (God bless Australia – für seine Sonntags-Öffnungszeiten). Eine Stunde und 140 Euro später läuft unsere Karre wieder. Danke lieber Jason und Anni.

Jetzt brauchen wir uns „nur“ noch etwas zu essen kaufen. Müde quälen wir uns durch die Regale. Bloß nichts vergessen, damit wir Morgen nicht wieder los müssen.
Den Campingplatz hatten wir informiert, dass wir einen Tag später kommen. Die waren so freundlich unsere reservierten Tage um einen Tag nach hinten zu verschieben. Eigentlich ganz unüblich in Australien. No show, no money back, heißt es häufig. Dankeschön.

Wir poppen das Zelt auf und räumen den Koffer leer. Mehr geht nicht. Uns fallen im Sitzen schon die Augen zu. 68 Stunden haben wir von Tür zu Tür gebraucht.
Ich schlafe fast zwölf Stunden. Sogar Kurzschläfer Achim bringt es auf neun. Jetzt sind wir wieder fit und freuen uns auf mehr Australien. Weitere 12 Monate dürfen wir bleiben durch unsere Ausreise. Da geht also noch was – auf zu neuen Abenteuern.

Ein paar graue Haare und Falten dazu … Danke Airport Perth.

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Atanga macht Pause

01.05.24, Australien/WA/Broome, Tag 152 Roadtrip, 13.686 km total, 380 Tages-km

Wir fliegen heute nach Deutschland (Broome=>Perth=>Dubai=>Hamburg==> 36 Stunden, wenn alles glatt läuft) und sagen für einen Monat ‚Tschüss‘ auf diesem Kanal.

Wo lassen wir einbruchsicher das Auto mit unserem gesamten Hauststand? Diese wichtige Frage schien sich bereits im Feburar zu klären.
Eine verrückte Geschichte.
Wir stehen in Norseman in der Camp-Küche zusammen mit einem Mann in unserem Alter und einer jungen Frau. Achim schnappt das Wort ‚Broome‘ in ihrer Unterhaltung auf und spricht die beiden an.
Russel und seine Tochter sind auf dem Weg von Broome nach Wagga Wagga. Das ist eine Strecke von 5000 Kilometern. Die junge Dame möchte dort studieren, aber auf ihr Pferd nicht verzichten. Das steht am hinteren Ende vom Zeltplatz (pet friendly camp ;-) ), grast friedlich vor sich hin und wird im Pferdeanhänger einmal quer über den Kontinent gezogen. Klar, macht man ja auch so. Für die Aussies ist das keine echte Entfernung.

Die beiden kennen Wagga Wagga nicht. Sind dort noch nie gewesen. Aber wir. Haben genau auf dem Showground übernachtet, wo das Pferd zunächst untergestellt werden soll. Wir können also mit vernünftigem Wissen über die Örtlichkeiten zum Gespräch beitragen.
Wir erzählen dann unsere Geschichte und Achim fragt Russel, ob er wüsste, wo man in Broome ein Auto für einen Monat unterstellen könnte. „Bei mir! Gar kein Problem!“, kommt wie aus der Pistole geschossen. Na, das wäre ja ein Ding. Wir tauschen unsere Handynummern und trennen uns in entgegen gesetzte Richtungen.

Einen Monat vor Broome rufen wir Russel an, ob er sich noch erinnert. „Klar! Alles läuft wie besprochen, meldet Euch eine Woche vorher noch einmal.“
Das machen wir. „Ich bin im Augenblick in Queensland. Aber meine Frau Kerri ist zu Hause. Sie weiß Bescheid. Kommt vorbei und besprecht mit ihr alle Details. Ach ja, und vergeßt nicht, einen Karton ‚Coopers Mild Beer‘ mitzubringen. Das ist Tradition in Australien.“
Ja, weiß Russel denn nicht, dass auch in Deutschland Bier echte harte Währung ist? :lol:

Es läuft dann alles wie geschnitten Brot. Wir treffen auf eine hilfsbereite Kerri, die sich sehr über das Bier freut. Und unser Bundy steht sicher auf Privatgrund mit Hund und Zaun. Zum Überfluss werden wir noch am Flughafen abgesetzt.
Wir sagen ein fettes Dankeschön an Kerri und Russel. Was für eine Hilfsbereitschaft ohne Not. Toll. Die Welt ist voll mit außergewöhnlichen Menschen.

Beruhigt können wir nun in den Flieger steigen.
Wie es weiter geht, wenn wir wieder kommen, ist noch nicht endgültig entschieden. Wir haben jetzt etwas Zeit, die fünf Monate Roadtrip sacken  zu lassen.
Tschüss, Ihr Lieben – bis Juni.

Broome Campground – Dieser Platz hat den bisher besten Swimming Pool. Viele Zeltplätze haben einen, aber meistens sind das rechteckige Löcher. Wenig einladend. Dieser ist anders: Palmen, Inseln und ein kleiner Wasserfall.
Wenn wir aus Deutschland zurück kommen, haben wir hier für uns einen Platz reserviert.

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Schlechte Plätze – gute Plätze

22.-24.04.24, Australien/WA/Port Hedland+80 Mile Beach, Tag 144-146 Roadtrip, 13.308 km total, 336+252 Tages-km

Der Weg raus aus Karijini führt uns an den Great Northern Highway (GNH). Kann man sonst auf den Straßen Australiens getrost einen langsamen Walzer tanzen, so herrscht auf dem GNH fast schon Staugefahr. Bedingt durch Massen von Road Trains. Jeweils vier Anhänger plus Zugmaschine. 53 Meter lang. 120 Tonnen. Zum Vergleich nochmal – deutsche LKW sind maximal 19 Meter lang und wiegen 40 Tonnen.
Diese Monster-Züge schaffen Erz für kleine Mienen, die sich eine eigene Schiene nicht leisten können zu den Verladehäfen. Dass diese Methode noch rentabel gegen die Züge ist, verblüfft uns.
Jedenfalls werden wir kräftig in die Mangel genommen. Ein Überholmanöver dauert gefühlt endlose Minuten. Unser Bundy ist kein Beschleunigungswunder. Bevor der mal schneller als der Road Train ist, kommt schon wieder Gegenverkehr. Leere Trucks, nicht weniger riesig, auf ihrem Weg zur Miene zurück.

Die Verkehrsdichte der Brummis ist enorm – jeder Truck 53 Meter lang.

Bei nochmal sieben Metern länger gibt es erstmals eine Warnung.

Alles im Grunde Schwertransporte …

Im Erz-Verladehafen Port Hedlend übernachten wir. Der Campingplatz ‚Black Rock South Hedland‘ gewinnt die Schrottplatz-Medaille am rostigen Band. Fünfzig Dollar für schmuddelige Duschen mit abgebrochenen Haken und kaputten Türschlössern. Zusätzlich kaltes Wasser aus der Dusche. Das Schild „Vorüber gehende Probleme mit der Heißwasseraufbereitung“ ist durch den Staub der letzten Jahre kaum noch lesbar. Mir fällt der Drehknopf an der Duscharmatur entgegen. Die Ekel-Krönung ist die ‚provisorische‘ Camp-Küche. In einem alten Bad stehen ein Kühlschrank, Toaster und Wasserkocher. Die Arbeitsfläche gegenüber wurde dirket über die alte Kloschüssel gestellt. Mein bestes Beschwerde-Englisch führt nur zu Schulterzucken beim Rezeptions-Kasper. Pfui.

Wer die Kloschüssel in einer provisorischen Küche nicht demontiert, der kann auch den Papierhalter hängen lassen. Konsequent.

Wir bleiben nur eine Nacht. Bis zur vorläufigen Endstation in Broome (unser Abflughafen für den Deutschlandbesuch) sind es noch über siebenhundert Kilometer. Ein Zwischenstopp am Eighty Mile Beach entschädigt für die vorherige Nacht. Ein wundervoller Campingplatz. Er liegt zehn Kilometer abseits auf einer Rinderfarm (keine Fliegen – das verstehe wer will), direkt hinter den Dünen. Schatten und gepflegte Rasenflächen, die abends von Wallabies kurz gehalten werden. 220 Kilometer ununterbrochener Sandstrand liegen hinter den Dünen. Muschelsammel-Freunde kommen auf ihre Kosten. Einfach herrlich.

Schöner Campingplatz. In der Mitte von Nirgendwo. Schattige Plätze mit viel Gras.

Ein großer Mob Wallabies grast am unbewohnten Ende vom Campingplatz.

Strandbeute

Viele Schmetterlinge im Camp. Besonders Nachtfalter. Aber keine Fliegen.

Nur baden kann man nicht. Es ist noch Seewespen-Saison. Diese Quallen tragen eins der stärksten Gifte in der Tierwelt in ihren drei Meter langen Tentakeln mit sich herum. Ein Gift, das einen Menschen innerhalb weniger Minuten töten könnte und kann, zumindest aber höllische Schmerzen bereitet. Hautverätzungen, Übelkeit und Muskellähmungen sind weitere Begleiterscheinungen.
An belebteren Stränden in Touristenorten gibt es Netze gegen die Quallen, so dass man ganzjährig baden kann. Am 80 Mile Beach ist Schwimmen erst ab Juni wieder gefahrlos möglich. Ja, wären da nicht die Salzwasserkrokodile, die hier schon gesichtet wurden.
Wir sind nun da angekommen, wofür der Kontinent berühmt-berüchtigt ist: „Herzlich begrüßt Sie der Norden Australiens. Hier möchte Sie alles töten“. :mrgreen:

Schilder, die es nur in Australien gibt.

Eighty Mile Beach bei Flut. Was für eine „Verschwendung“. Perfekte Wassertemperatur, perfekter Strand.

Eighty Mile Beach bei Ebbe. Der Tidenhub beträgt enorme acht Meter. Das Wasser zieht sich hunderte Meter zurück. Noch mehr Strand als sowieso schon zur Verfügung steht.

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Naturwunder Karijini

20.-21.04.24,  Australien/WA/Karijini, Tag 142-143 Roadtrip,  12.720 km total, 118 Tages-km

Der von Eisenerzminen umzingelte Nationalpark Karijini wird hoch gelobt: Schönster Park in West Australien! Auf einem Hochplateau haben Flüsse enge Schluchten in uraltes Gestein geschliffen. Die Halbwüste oberhalb der Wasserläufe ist staubig und wasserarm. In den tiefen Schluchten ist die Vegetation üppig und abwechslungsreich.

Nur der nördliche Teil vom Nationalpark ist erschlossen und selbst hier liegen die Hauptattraktionen fast 200 Kilometer auseinander. Daher bleibt Tom Price unser Basislager und als Tagesausflug fahren wir über staubige Schotterpisten zur Hamersley Gorge.
Die Schlucht ist schmal und besteht aus zwei Pools. Das obere Wasserbecken ist nur über eine glatt geschliffene Schräge zu erreichen. Eine rutschige Kletterpartie.

Abstieg in die Schlucht

Alles ist schräg und verwunden in der Hamersley Gorge

Der obere Pool in der Schlucht

Je nach Sonnenstand wechseln die Farben der Felsen

Wer mag darf schwimmen in den Pools – wir haben verzichtet

Am schönsten sind die aufgefalteten senkrechten Felswände. Aberwitze Gesteins-Windungen, wie Knetmasse von einem Riesen zusammengequetscht. Wir sind nicht die einzigen Besucher, viele gehen schwimmen, und somit bleibt uns die perfekte Spiegelung der verschiedenen Eisenschichten in den kleinen Teichen erspart. ;-)

Verrückte Verwerfungen

 

Zu unserem Bedauern ist der mittlere Teil von Karijini zur Zeit gesperrt. Sehr schade – hier kommen wir in unserem Leben sicherlich nie wieder her. Uns bleibt noch die attraktive Dales-Schlucht am östlichen Ende vom Park. Dort gibt es einen einfachen Campingplatz im Nationalpark, den wir für zwei Nächte buchen. Eine wunderbare Entscheidung, wie wir schon bei der Anfahrt feststellen.

Die Hochebene von Karijini ist flach – ein paar Hügel bilden die Ausnahme

Der Karijini Nationalpark wird touristisch durchaus vermarktet. Der Ranger im unbedeutenderen Millstream Park hat uns schon sein Leid geklagt: „Karijini bekommt das meiste Geld und ich nicht mal genug, um die abgebrannten Schilder wieder aufzubauen“.
Fast alle Zugangs-Straßen sind in Karijini asphaltiert. Eine komfortable Eisentreppe führt hinunter in die Schlucht zum Fortescue Wasserwall. 270 Stufen führen knapp einhundert Meter tiefer in die Schlucht.

Touristisch gut erschlossen – an der senkrechten Wand führt diese Treppe zum Boden der Schlucht

Karaijini NP bekommt viel Geld – perfekt angepasste Treppe an den Felsen

Klar, gibt es weitere Besucher, aber die verwunschene Kulisse ist noch nicht überfüllt. Die meisten Gäste sind Tagesbesucher,  bleiben am Wasserfall und am Fern Pool, um zu baden.
Wir erkunden den Weg, der am Bachlauf tiefer in die Schlucht hinein führt. Der erfordert etwas Kletterei über Felsen und auf Trittsteinen am Bach entlang.
Es ist wunderschön. Zauberhaft. Nicht von dieser Welt. Besser hätte man sich die Landschaft nicht ausdenken können.

Die Dales Gorge

mit dem Fortescue Wasserfall

Fern Pool Wasserfall – schwimmend ganz leicht zu erreichen. Ein Froschkönig-Prinzessin-Teich

Herrlich erfrischend – vielleicht 23 Grad. Wir müssen nicht in jeden Tümpel springen, aber hier kann man nicht widerstehen.

Knabberfische gibt es gratis dazu. Alle Hautschuppen werden weg gefressen. Perfektes Spa.

Natürliche Amphitheater aus glattem Gestein sehen wie gemauert aus. Mal erinnert die Art der Schichtung an Legosteine. An die schmalen Legoplatten, von denen man immer zu wenige hatte. Dann wieder sieht es aus wie ein Kalter Hund, dieser Keks-Schokolade-Schicht-Kuchen, der aus der Mode gekommen ist. Farbspielereien und Formvariationen verändern sich laufend. Und dazwischen der glasklare Bach, gesäumt von üppigem Grün. Silberne, blaue und rote Libellen tanzen im Sonnenlicht vor der roten Kulisse der Schlucht.
Wir vergeben elf von zehn Sternen für die drei Kilometer Wanderweg.

Ein natürliches Amphitheater – die glatten Steine sehen wir uralte Kirchenfussböden aus

Kalter Hund

Farben variieren

Blauer Asbest – der ist nur gesundheitsgefährdend, wenn man ihn einatmet. Hier in der Schlucht sollte er gebunden und ungefährlich sein.

Ein Weg ist geschlossen wegen solcher herabgefallener Felsen und weil zu viel Asbest in der Luft sein soll.

Schön in Ritzen greifen beim Klettern – keine Zeit, um auf Spinnen oder Schlangen zu achten. ;-)

Ende an dieser Stelle für Dolly Buster – ich pass noch durch.

 

 

 

Am Ende steht nicht so eine Luxus-Treppe. :mrgreen: Über an die Felswand geklatschte steile Stufen, geht es fast senkrecht zurück auf die Ebene. Der Weg zum Zeltplatz steht im krassen Kontrast. Trockene Steppe so weit das Auge reicht.
Tom Price und der Karijini befinden sich auf ungefähr 700 Höhenmetern. Tagsüber herrschen noch immer üppige 35 Grad. Unsere Lippen sind rau und rissig. Die Haut auf unseren Beinen sieht aus wie Pergamentpapier. Der Dank geht an 14 Prozent Luftfeuchtigkeit. Nachts fällt die Temperatur auf 12 Grad – morgens finden wir trotzdem keinen einzige Tropfen Tau auf dem Zelt.

Trockenes Plateau oberhalb der Schluchten

Unser Campingplatz in Karijini.

 

Es ist fast Vollmond. Die Steppe ist in silbernes Licht getaucht. Es scheint ungewöhnlich hell ohne Luftfeuchtigkeit. Dazu absolute Windstille. Geräusche werden weit getragen.
Als wir bereits im Zelt liegen, hören wir das erste Mal Dingos heulen. Wir haben noch nie Wölfe gehört (wir wohnen ja nicht in Deutschland :lol: ), aber so muss es klingen.
Mal ist das Heulen nah bei uns, mal entfernt. Verschiedene Töne kommen bei uns an. Kräftiges, männliches  Geheul wechselt sich mit gekicherten Tönen ab. Hin und wieder eine Art Mädchengeheul: hoch, etwas fiepsig und schüchtern.
Sicher thronen wir oben im Zelt – jetzt bloß keine Blasenschwäche zeigen – und starren ins Mondlicht hinaus. Leider ist nichts zu sehen, aber wir schlafen mit der Gewissheit ein, dass die zwei Tage unvergessen bleiben werden.

Warnung vor Dingos – es kommt nur äußerst selten zu Vorfällen zwischen Dingos und Menschen.

 

 

PS: Ich hatte gehofft, dieses Thema nicht wieder anschneiden zu müssen, da wir in Tom Price relativ unbehelligt waren: Kein Paradies ist ohne Quälgeister. Auch in Karijini nicht. Im Gegenteil – so viele Fliegen hatten wir noch nie.
Aber! wir haben bessere Strategien. Tagsüber essen wir nur noch Sachen ohne Messer und Gabel. Fürs erste Mittag haben wir Wraps aus Tom Price mitgebracht. Abends kochen wir nach Einbruch der Dunkelheit (das-bitte-keine-Käfer-im-Dunkeln-Gebet hat geholfen) ohne Belästigung. Außerdem schmieren wir uns gleich Frühstücksbrote für den nächsten Morgen. Hehe.
Mein Netz kommt jetzt unter den Hut. Die Kordeln von Hut und Netz ziehe ich stramm unters Kinn. Da verirrt sich kein Mistvieh mehr drunter und kriecht hinter die Brille (Das ist Schlimmste. Und in den Ohren. Und in die Nase … und …) .

Aber, man gewöhnt sich an alles.

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