Mayreau

Mo., 23.Mai 16, Mayreau/Saline Bay, Tag 723, 6.531 sm von HH

Zu den Tobago Cays gehört eine bewohnte Insel: Mayreau.
Diese wird allerdings nicht dem Nationalpark zugerechnet. Windiges Wetter hat uns einen Zwischenstopp hier einlegen lassen, da wir auf Mayreau noch ein wenig Abdeckung finden können.
Mittwoch soll der Wind nachlassen, dann geht’s in die Cays.

Auf der knapp drei mal zwei Kilometer großen Insel wohnen 250 Menschen.
Es gibt zwölf Autos, drei Mopeds und einen Supermarkt, der außer Mehl und Hülsenfrüchten nicht viel bietet.

Auf Mayreau liegt die wohl schönste Bucht der Kleinen Antillen.
Nur durch eine schmale Landzunge wird die Salt Whistle Bay vom offenen Atlantik getrennt. Die eine Seite wild und windig, liegt man zehn Meter weiter in glasklarem, ruhigen Türkis.

Wie es immer so ist, wo es schön ist, sind auch andere Menschen. Entsprechend voll ist die Bucht mit weißem Charter-Kunststoff.
Touristen hassen ja nichts mehr als andere Touristen. Somit sind wir froh auf der anderen Inselseite zu liegen.
Selbe Anzahl Yachten, allerdings zehnmal so viel Platz.

Manchmal kommen in diese Bucht Kreuzfahrtschiffe. Das mag man sich nicht vorstellen, wenn 1.000 Leute auf die kleine Bucht losgelassen werden.
Jetzt ist es ruhig und fast einsam hier. Die Saison geht zu Ende und die meisten Yachten sind schon viel weiter südlich.

Der namenlose Ort hat eine hübsche Kirche von deren Hinterhof man direkt die Cays überblicken kann. Der benachbarte Friedhof ist schlicht an den steilsten Hang des Ortes gelegt worden. Die Ziegen grasen zwischen den Gräbern, aber er ist nicht so vermüllt, wie bereits gesehen.

Am schwarzen Brett finden wir eine tolle Statistik der öffentlichen Bibliothek: Vielleser werden mit kleinen Preisen belohnt.
So hat eine Gewinnerin, Mutter Helen, ihrer Tochter 111 Büchern vorgelesen und erhält einen Gutschein über 25 EUR vom örtlichen Supermarkt.
Der dritte Gewinner fällt mit sechs Büchern deutlich hinter der Performance von Helen ab. Trotzdem herzlichen Glückwunsch auch von unserer Seite. ;-)

Tobago Cays

Sa., 21.Mai 16, Tobago Cays, Tag 721, 6.525 sm von HH

Gleich geht es weiter.
Zu einem der traumhaftesten Gebiete in der Karibik, so heißt es.
Es sind nur noch 5-6 sm zu den fünf unbewohnten Inseln der Tobago Cays.
Dafür lohnt es sich fast nicht die Segel auszurollen…

Für Euch und uns als Vorfreude ein Blick von oben auf das, was uns erwartet.

Tobago Cays

Tobago Cays

Gute Geschäfte in Charlestown

Fr., 20.Mai 16, Canouan, Tag 720, 6.525 sm von HH

Die Läden und Geschäfte auf den Mini-Inseln der Grenadinen sind schon eine Klasse für sich.
Es wäre mal wieder an der Zeit zum Friseur zu gehen, aber beim besten Willen, in den Laden traut sich keiner. Dass in dem dunklen Loch nebenbei auch noch Tattoos verabreicht werden, macht es nicht besser.

Die Wäscherei macht von außen keinen besseren Eindruck.
Jedoch, bekommen wir die Wäsche tiptop gewaschen und richtig trocken zurück. (12 EUR für 8 kg)


Dass ein Teil in der Wäscherei liegen bleibt, bemerken wir nicht beim Einräumen. Das Mädel aus der dem Laden aber schon.
Außer uns Yacht-Bewohnern gibt es im Ort keine Weißen, die ihre Wäsche dort waschen lassen. Somit ist ihr klar, dass sie zum Anlege-Steg gehen muss.
Sie wartet dort so lange bis jemand mit dem Dinghi angefahren kommt. Zufällig sind das Gabi und Petra. Den beiden gibt sie unser fehlendes Wäscheteil mit auf den Weg.
Gäbe es so etwas Großartiges in Deutschland? Ich behaupte nein!

Toll sind auch die Plakate im Supermarkt.
Neben der Kasse hängt eine abgegrabbelte Karte. Hier wird im Fall der Fälle die Zugbahn eines Hurrikans eingetragen. Das kann sicherlich lebensrettend sein.
Ob dann das Verbot für die Kassiererin aufgehoben wird, dass sie ihr Handy benutzen darf, haben wir nicht gefragt. Sie findet das Verbot in Ordnung, wie sie versichert, schließlich sei ja immer etwas zu tun. Trotz der harten Strafe von einer Woche Lohnabzug. Könnte ironisch gemeint sein, denn im Laden ist so wenig Kundschaft, dass alle Mädels gerne auf einem Haufen stehen und quatschen und giggeln. ;-)

Wenn man sich die Schlichtheit der Geschäfte so betrachtet, ist umso erstaunlicher, dass die gesamte Bucht mit einem kostenlosen Internet versorgt wird.
Dies funktioniert nicht immer gut, aber doch zumindest zu Zweidrittel des Tages. :-)

In den Kesseln, da faulte das Wasser

Do., 19.Mai 16, Charlestown/Canouan, Tag 719, 6.525 sm von HH

Wasser! Sowieso ist Wasser eines der höchsten Güter.
Mit zunehmender Ankerliegerei und das Vordringen auf Kleinst-Inseln ohne Marina, ohne Schlauch am Steg, wird Wasser immer wertvoller.

Viele Inseln der Grenadinen haben kein Grundwasser.
Neben jedem Haus steht ein Wassertank in dem Regenwasser eingefangen wird. Nur dass es zur Zeit nicht regnet. Zumindest nicht ergiebig.
Die Regenzeit in dieser Region beginnt erst im Juni. Wasserwagen versorgen somit die Häuser. Gestrüpp ist braun verbrannt, Pflanzen und Menschen warten auf Regen.

Wir Yachties können von kleinen Booten aus Wasser bunkern.
Das in Bequia angebotene Wasser war nicht nur teuer (0,15 EUR pro Liter :shock: ), sondern auch von schlechter Qualität.
Reinhard hat ein Messgerät mit dem er die Leitfähigkeit von Wasser messen kann. Die Leitfähigkeit gibt eine Indikation über enthaltene Salze und andere Mineralien.
Leitungswasser gemäß EU-Richtlinie darf 400 Punkte, in Krisengebieten gemäß WHO 750 Punkte vorweisen. Das Wasser aus Bequia zeigte einen Wert von 1.800 Punkten. :roll:

Die Tanks auf den Versorgungs-Booten stehen in den ganzen Tag in der prallen Sonne.
Sie sind zwar schwarz, damit sich die Algenbildung in Grenzen hält. Jedoch, ich möchte nicht wissen, wie es in den Tanks aussieht.

Für unsere Wassertanks gilt das gleiche. Eingebaut im Schiff sind die zwar beschattet, dafür aber auch schon fast 30 Jahre in Gebrauch. :shock:
Um es pseudo-Mikroben-frei zu bekommen schütten wir Silber-Ionen ins Wasser. Ob’s hilft, wissen die Götter.

Wir trinken das Wasser aus unseren Tanks nicht. Nur abgekocht für Kaffee und Tee. Und natürlich zum Zähneputzen und Waschen.
Wir hatten mal das Angebot, dass in einem Labor ein Bakterien-Abstrich von dem Wasser gemacht wird. Wir haben dankend abgelehnt: was ich nicht weiß, macht mich nicht krank.

Andere Schiffe gehen da durchaus anders mit um: da gibt es Vorfilter, Nachfilter und Wasserleitungen werden gereinigt. Wassertanks ebenso.
Wir machen und nutzen das nicht.
Den Schlauch, der auf dem Steg liegt, können wir schließlich auch nicht kontrollieren.
Auch zu Hause reißt keiner seine Wasserleitungen raus, um dort mal zu putzen.

Wir für uns, fahren gut damit. Keine Magen- und Darmprobleme und leuchten von den Silber-Ionen tun wir auch noch nicht. Die meisten Menschen auf der Welt dürften noch schlechteres Wasser jeden Tag zur Verfügung haben. Macht man sich das mal klar, relativiert sich alles wieder.

Unser täglicher Wasserverbrauch beträgt ca. 20 bis 25 Liter. Wir schauen zwar, nicht mit dem Wasser zu aasen, aber ultra sparsam sind wir nicht.
Je nach Sonne, machen wir täglich 15 bis 20 Liter neues Wasser mit dem Wassermacher.
Somit kommen wir 70 bis 90 Tage aus, ohne das Wasser von den Boat-Boys nehmen zu müssen. Bis dahin sind wir wieder in der Zivilisation. Mit altem, algigem Schlauch am Steg.

It’s only a dance

Mo., 17.Mai 16, Charlestown/Canouan, Tag 717, 6.525 sm von HH

„It’s only a dance“ beruhigt Demonick mich.
Für mich sieht es nach mehr aus, was der junge Bursche da mit seiner karibischen Kollegin treibt. Die zwei tanzen zu Soca.
Hauptelement beim Soca Tanzen ist, recht breitbeinig, in rasender Geschwindigkeit den Popo zu schwingen. Dabei wird der Oberkörper weit nach vorne gebeugt und das Gesäß deutlich ausgestellt. Schmiegt sich nun ein Junge von hinten an das Mädel, sieht es für mich eindeutig nach mehr als Tanzen aus. :mrgreen:

Demonick will mir zeigen wie das geht. :shock:
Ich kann ihn überzeugen, dass ich als weiße, ältliche Mitteleuropäerin weder in der Lage noch Willens bin, dies zu tun. Und das nicht nur, weil ich seine Mutter sein könnte.
Er sieht das ein, zieht ab und sucht sich ein neues ‚Opfer‘.

Wir befinden uns auf der Pfingstfeier mitten im Tagespunkt ‚beer drinking‘.
Dort treffen wir auf Olaf von der SY Renos, der als Einhandsegler schon vor Tagen Demonick und Ezra kennen gelernt hat.
Die zwei Jungs sind sympathisch und nehmen uns gerne in ihrem Kreis mit auf.

Schnell wird gefragt, ob Achim und ich verheiratet sind. Okay, alles klar. Fronten geklärt, sie lassen mich in Ruhe.
Ihre Distanzzone liegt allerdings deutlich unter den üblich deutschen 50 cm. Alle fünf Minuten bekommt man eine Ghetto-Faust hingehalten oder hat eine Pranke auf der Schulter.
Sie rücken nah ran, verhalten sich aber total korrekt.

Ezra hat eine Strandbar, die wegen der Feierlichkeiten im Ort den zweiten Tag in Folge geschlossen ist. Er stammt hier von der Insel, ist 27 und hat drei Kinder von drei verschiedenen Frauen.
Demonick stammt aus Guyana, hat dort studiert und was er macht, bleibt nebulös.

Die Feierlichkeiten beinhalten Kindergeburtstags-Spiele. Unter viel Gejohle und Applaus werden ‚die Reise nach Jerusalem‘ und Tauziehen gespielt.
Und über allem schallt der Soca.

Mit Bob Marley ist auch der Reggae gestorben.
Nur selten hören wir die, mit der Karibik zum Klischee verbackenen, Klänge.
Und Steelbands treten nur in Hotels auf, wo die Gruppen für Touristen spielen.
Die Einheimischen stehen auf Soca. Eine etwas eintönige Musik, die aus dem Calypso entstanden ist (Soul of Calypso).

Heute gemischt mit Rap oder indischen Elementen.
Häufig feuert der DJ mit Sprecheinlagen zu waves, wines und jumps an. Dann werden die Popo-Schwingungen noch abenteuerlicher.

Die Jungs sind Poser, lassen sich mit Wonne fotografieren. Den Oberkörper frei, das Shirt in die hintere Tasche von der Jeans gesteckt, stellen sie ihre Muskeln zur Schau.
Die Mädchen im Vergleich, fallen schwer ab. Häufig übergewichtig, finden sich nur selten karibische Schönheiten unter ihnen. Was waren die Frauen auf den Kap Verden für Augenweiden dagegen. Rausgeputzt, zurecht gemacht, durchgestylt.

Es wird Nacht, es wird dunkel. Die Feier geht friedlich weiter. Kinder hüpfen auf der Bühne.
Es wird gelacht, getanzt, geflirtet. Natürlich wird Bier getrunken, aber ohne sichtbare Ausfälle. Die Stimmung ist freundlich, wir fühlen uns weiterhin wohl.

Ezra tanzt nun ebenfalls Soca. Mit der Tanzpartnerin von Demonick.
Es ist Zeit, dass wir gehen. Der Tanz macht den Eindruck, ein weiteres Kind könnte heute Nacht gezeugt werden.
„It’s only a dance“, …ja, nee, is klar, und die Erde ist ’ne Scheibe. ;-)

Ankunft in Canouan

So., 16.Mai 16, Charlestown/Canouan, Tag 716, 6.525 sm von HH

Von Mustique nach Canouan sind es nur 14 sm. Und doch finden wir uns in einer anderen Welt wieder: Charlestown, mit weniger als 2.000 Einwohnern, kommt wieder karibisch daher. Das aufgeräumte, etwas sterile Ambiente von Mustique ist verschwunden.
Hier wohnen echte Menschen und diese echten Menschen feiern Pfingsten. Lautstark.

Bereits morgens um 9:00 Uhr wird die Bucht beschallt.

Ein Plakat weist auf die Höhepunkte der Feierlichkeiten hin. Die sind seit Jahren identisch und praktischerweise braucht nur die Jahreszahl überschrieben zu werden. Hat man in diesem Jahr leider vergessen… ;-)

Cool, dass ‚beer drinking‘ am Montag eine extra Erwähnung findet.

Die Leute schleppen Eiskisten, provisorische Tribünen, Bühnen, Grills und Bierstände sind aufgebaut.
Alle sind übermäßig freundlich, grüßen und grinsen uns an. Im Vorbeigehen gibt’s ‚high five‘ oder Händeschütteln.
Petra erzählen sie, dass sie nach dem Vorfall auf St. Vincent auf ‚ihre‘ Touris aufpassen. Uns soll nichts passieren.

Mustique ist schöner, aber es gefällt uns hier besser. Nicht, dass wir Müll und Schutt mögen, aber die Atmosphäre ist angenehmer.

Beim Rundgang durch Charlestown (Dauer eine knappe Stunde) finden wir drei Friedhöfe.
Es scheint, dass Baulücken dafür verwendet wurden und wenn voll, dann wird eben eine neue Baulücke gesucht.
Großer Totenkult wird in der Karibik wahrlich nicht betrieben. Die Friedhöfe sehen abgerissen und verwahrlost aus. Es liegt viel Schutt und Unrat zwischen den Gräbern.
So wie der eigene Vorgarten aussieht, so auch die Friedhöfe. Wie man zu Lebzeiten wohnt, so ruht man auch am Ende.

Die Menschen kümmern sich nicht sehr um ihre Umgebung. Müll wird überall hin gekippt. Schutt und Baustellen-„Abfälle“ bleiben ein Leben lang vor dem eigenen Haus-Eingang liegen. Mit viel Herzblut wird alles bunt angepinselt und dann, direkt daneben Müll.
Das ist nichts, was mein Herz erfreut und so mancher Anblick stimmt traurig.

 

Der örtliche Telefonanbieter versucht mit Plakaten dagegen zu steuern.
Hoffentlich trägt das bald Früchte und alle begreifen, dass sie ihr größtes Kapital zerstören. Es wäre sehr zu wünschen, wenn wenigstens Plastik-Müll vernünftig entsorgt würde.

Auf der anderen Seite sieht man zauberhafte Eigenwerbung vom örtlichen Laden: „Wir haben alles was Du brauchst, haben wir es nicht, können wir es besorgen, können wir es nicht besorgen, existiert es nicht“.

Mustique – schön, aber verboten

Do., 12.Mai 16, Mustique/Britannia Bay, Tag 712, 6.511 sm von HH

Mustique ist sauber. Überall wird gefegt und geharkt. Der Strand wird bis in die letzte Bucht zweimal täglich gesäubert.
Der kleine Ort an der Bucht mutet wie Disney-Land an. Quitsch-bunte Boutiquen, klimatisiert bis zur Schmerzgrenze. Es gibt lapprige Pumphosen für USD 100,00.
Und einer originellen Sand-Vermeidungs-Taktik. Das sollten wir bei uns am Dinghi auch einführen.
Dazu ein kleiner Fischmarkt und ein ganz gut sortierter Supermarkt.

Mehr darf Walter-Normalo nicht betreten.
Überall Schilder: Zutritt verboten, privat, no entry, du kommst hier net rein…


Nur Lovelly Village steht uns offen.
Das ist ein kleiner Ort mit Polizei, Postoffice und einer Bar. Hier wohnen die Angestellten der Luxus-Villen. Ganz nett und sicherlich besser als so manche Unterkünfte auf anderen Inseln. Allerding, der Inselgenerator überschallt den gesamten Ort. Elektrosmog inklusive.
Hier dürfen wir noch hin. Wo es nicht schön ist, dürfen wir uns frei bewegen.

Es arbeiten ungefähr 500 Menschen auf der Insel. Sie gehören alle zu den besser Verdienenden der Region. Die Arbeitslosenquote auf den Inseln rings herum beträgt bis zu 30%. Wer hier einmal Arbeit hat, möchte sie behalten.
Die Insel-Company sorgt für eine Schule und unterhält eine Fähre nach St. Vincent. Zur Versorgung und für Heimfahrten der Arbeiter. Verträge mit 7-Tage-Woche sind eher die Regel.

Die Hauptstraße ist bereits nach 300 Metern nur autorisierten Menschen erlaubt.
Es ist ja nicht so, dass wir auf Privatgrundstücken und unsere Nase am Küchenfenster von Mick Jagger platt drücken wollten, aber wenigstens die Hauptstraße sollte für einen kleinen Spaziergang frei sein.
Der Eindruck liegt nahe, dass man als Yachtie nicht sehr erwünscht ist. Maximal als Dekoration für die, sonst leere, Bucht dürfen wir dienen.
Okay, die Insel ist privat. Hausrecht für den Besitzer. Akzeptiert, ist aber nicht meins.

Der Weg zur anderen Seite der Bucht versöhnt.
Eine Bucht schöner als die andere. Beschattete Bänke und Grills laden ein. Uns leider nicht, denn diese sind etwas arg weit vom Liegeplatz entfernt.


Die einzige Sünde ist die Halde mit alten Schneckengehäusen direkt am Strand.
Alles Bio, aber trotzdem Müllhalde. Conch-Muscheln. Tausende und Abertausende von Conch-Muscheln. Die Schalen weg geworfen, nachdem sie leer gegessen wurden.
Diese gigantische Fechter-Schnecke kommt von Florida bis Brasilien und in der gesamten Karibik vor. Sie ist als Nahrungsmittel derart beliebt, dass ihre Bestände gefährdet sind.
Zu lange wurden ohne Rücksicht die Seegras-Wiesen abgesucht. Sogar die noch nicht geschlechtsreifen Jungtiere werden gesammelt.
Der WWF informiert die lokale Bevölkerung über den komplizierten, langjähren Entwicklungsprozess der Schnecken. Glauben doch noch viele, die Schnecken würden aus Gruben aus dem Meeresboden springen.

Die bis zu 30 cm großen Gehäuse werden wie Feldsteine verwendet. Aus ihnen werden Dämme gegen Wellenschlag gebaut oder als Beet-Einfassung genutzt. Das Aufschütten der Schneckenhäuser hat lange Tradition in der Karibik und ist auf den meisten Inseln anzutreffen. Besser kann nicht symbolisiert werden, dass Raubbau mit den Tieren betrieben wird.

Direkt hinter dem Strand gibt es eine Mangroven-Lagune mit Brackwasser.
Ein Naturwanderfahrt führt einmal um das Biotop herum. Einige Schilder geben Erklärungen und machen auf Besonderheiten aufmerksam. Ein netter Spaziergang mit Stolperfallen durch „Fuchsbau-große“ Löcher von Krebsen. Wer hier nicht reinfällt, muss die Fallstricke der Luftwurzeln der Mangroven überwinden.

Promi-Insel Mustique

Mi., 11.Mai 16, Mustique/Britannia Bay, Tag 711, 6.511 sm von HH

Mustique ist in Privatbesitz und normal Sterbliche, wie wir Yachties, dürfen nur drei Nächte vor Ort bleiben.
Gut ist, dass es Moorings für uns gibt, das schont die Seegras-Wiesen, die sonst von den Ankern ganz schön durchgepflügt werden.
Schlecht ist, dass es für drei Nächte fast 70 EUR kostet.

Knapp einhundert Villen und ein Hotel stehen auf der winzigen Insel. Viele der Häuser kann man mieten. Theoretisch zumindest.
Allein der Wochen-Preis von 17.000 EUR könnte ein Hindernisgrund sein.
Das Haus von David Bowie steht grade zum Verkauf. Schlappe 20 Millionen…

Kriminalität gleich Null.
Der schlimmste Fall ereignete sich vor drei Jahren. Da hat ein Typ aus der Nachbarvilla von der schwangeren Prinzessin Kate, ein Foto geschossen. Strafe: Lebenslanges Inselverbot!

Wo Promis sich wohlfühlen, kann es nicht ganz hässlich sein, also laufen wir nach nur 3,5 Stunden Überfahrt von Bequia in der Britanna Bucht ein.
Gleißend weiße Sandstrände zwingen schon aus der Ferne zum Griff zur Sonnenbrille.
Türkis schimmert davor die Bucht. Dezent in die Landschaft gesetzte Anwesen runden einen noblen Eindruck ab.
Allerdings fehlt das fröhlich Bunte von Bequia.

 

 

Der Marinero beim Kassieren der Gebühr verbreitet Enttäuschung: Die berühmte, in keinen Reiseführer unerwähnte, Basil’s Bar hat geschlossen.
Wegen Eignerwechsel vorübergehend kein Barbetrieb. Aus der Traum!

Hatten wir uns doch im Vorwege ausgemahlen, wie es sein könnte, sich in der schlichten Bretterbude, Schulter an Schulter, mit Jonny Depp mal so richtig einen auf die Lampe zu gießen.
Wahlweise wären auch DiCaprio oder Orlando Bloom in Frage gekommen. ;-)

In dieser Bar sollen schon David Bowie und Mick Jagger ein Ständchen gehalten haben und unwissende Touris hätten sich über den Krach beschwert.

Basil war ein Barkeeper im ersten Hotel der Insel.
Vom Besitzer, sowohl von Insel als auch Hotel, wurde er gefragt, ob er einen guten Cuba Libre mixen kann. Seine Antwort war: „Wenn Du mir sagst, wie Du ihn magst, sag ich Dir, ob ich es kann.“
Eine Legende war geboren. Eine Intuition geschaffen.
In dieser Bar sollen alle gleich sein: reich, arm, berühmt, Lieschen Müller und schwarz oder weiß.

Seit über 30 Jahren wurde diese Bar von Basil betrieben. Die Schließung kann noch nicht sehr lange her sein. Gründe sind keine zu finden. Die Musikinstrument einer Band stehen noch herum und die Klimaanlage in der Küche läuft noch…

Was nicht ist, soll nicht sein, somit treffen wir uns ohne Promis an dem Strand direkt neben Basil’s Bar. Michael bringt seine Petromax mit.
Eine tolle Lampe, die ein Lagerfeuer ersetzt. Auf dem Teil kann man Würstchen braten.
Nur der Krebs, der sein Loch direkt daneben hat, dem ist es deutlich zu warm, der bleibt im Dunklen und fächert sich kühle Luft zu.

Geburtstag am Strand

So., 08.Mai 16, Bequia/Port Elisabeth, Tag 708, 6.496 sm von HH

Was schenkt man sich untereinander, wenn Geburtstag ansteht?
Platz hat keiner von uns Langfahrtseglern und wirklich brauchen tun wir auch nichts.
Was jedoch immer geht sind Schnaps und Süßigkeiten ;-) .

Gabi ist ein Schleckermaul und somit beschließe ich einen Kuchen für sie zu backen. :shock: Backen ist nicht meine Kernkompetenz, der Backofen und die Springform somit jungfräulich unbebacken.
Rührteig kann ich aber. Er geht sogar so gut auf, dass ich den Kuchen aufschneiden kann.
Als Füllung kommt eine Joghurt-Mokka-Nougat-Creme hinein.
Wofür löslicher Kaffe und Nutella nicht alles so gut sind…

Worüber ich im Vorweg nicht nachgedacht habe, ist der Transport im wackeligen Dinghi von einem Schiff zum anderen. Ohne, dass sich der, sowieso schon gerissene Kuchendeckel, in den Fluten verabschiedet.
Das einzige was passt, ist unsere Pfanne.

Die Feier findet urig am Strand statt.
Eis zum Kühlen der Getränke, eine lustige Truppe, Kerzenlicht und keine Mücken.
Was braucht es mehr?

Danke, liebe Gabi, für die schöne Feier.

Unfallfrei in die Friendship-Bay

Sa., 07.Mai 16, Bequia/Port Elisabeth, Tag 707, 6.496 sm von HH

Gegenüber von Port Elisabeth liegt die Friendship-Bay.
Ein Traum in Hufeisenform, wie der Reiseführer verspricht.
Achim und mich begleiten Karen und Petra.
Reinhard, von der Findus, hat Hausarrest. Er hat zwei Eier einem Lüftungsschlitz versenkt und muss die Sauerei beseitigen.
Gabi und Michael haben noch immer mit den Nachwehen ihrer Erkältung zu kämpfen.
Also muss Achim mit drei Frauen los.

Wir steigen in einen der Mini-Busse, die unkompliziert um die Insel fahren. Im 15-Minuten-Takt kommt einer vorbei und hält überall auf Handzeichen.
Die Fahrt ist mit EC$ 1,50 (0,50 EUR) preiswert.
Und spannend.

Unbeeindruckt ob der engen Straßen und dem schlechten Zustand der Betonpiste, tritt der Fahrer aufs Pedal. Der Bus ist voll. Das Radio ist bis zum Anschlag aufgedreht.
Achim hat Phantasien, dass der Bus nach der nächsten Kurve auf dem Dach liegt, die Räder sich drehen und über allem die Musik schallt. :mrgreen:
Gängsta-Rap, wie er meint.

Nach 15 Minuten sind wir da. Nichts passiert, alle heil angekommen.

Die Friendship-Bay hält, was der Reiseführer verspricht.
Ein menschenleerer Strand, der nur von zwei Hunden bespielt wird. Die beiden sind total zutraulich und nett. Begleiten uns die gesamte Strecke.
Selbst als sie eine kleine Eidechse fangen und ungefressen liegen lassen, verlieren sie nicht an Sympathien.

Als wir den Strand verlassen, bleiben sie an unserer Seite. Das kleine, schwarze Weibchen kommt sogar mit zur Bustür. Dreht dann aber ab und bleibt bei ihrem Kumpel.

Der Ort ist nichts besonderes, besticht aber durch die bunten Häuser. Feigheit beim Anstrich kann man hier keinem Anwohner unterstellen. Frech wird ganz oben in die Farbkiste gegriffen.