Noch mal Hillsborough

Mo., 27. Jun.16, Carriacou/Tyrrel Bay, Tag 758, 6.552 sm von HH

Alle paar Tage fahr ich entweder alleine oder gemeinsam mit Achim nach Hillsborough.
Zum Nachbunkern von Leckerlies.

Es macht Spaß in diesen kleinen karibischen Orten einkaufen zu gehen.
Die Gemüse-Frauen sprechen einen mit ‚Sweetheart‘ oder ‚Darling‘ an und es gibt keine Touri-Preisaufschläge. Dafür eine philosophische Betrachtung, dass die Schwarzen nur grün-gelbe Tomaten kaufen und die Weißen nur die roten Tomaten wollen.

Im Ort gibt es immer was zu entdecken.

Wie in allen Ländern, die zum Commonwelth gehören, gibt es auch auf Carriacou Schuluniform. Ich finde in Deutschland müsste es auch mindestens bis zur 10. Klasse Schuluniform geben, aber doch bitte nicht so.
Die besonderen Verlierer sind die Mädchen: mausgraue Faltenröcke, die bis unter die Achseln reichen. Dazu weiße Kniestrümpfe und weißes Hemd. Unter dem Hemd muss ein ärmelloses Unterhemd getragen werden.
Besonders fies ist eine rot karierte Krawatte, die von Jungs und Mädchen getragen werden muss. Irgendwie geht das schöner.

Auf dem Bau wird Sicherheit ganz groß geschrieben: Sicherheits-FlipFlops beim Beton mischen.
Mit Adiletten wird auf dem Gerüst geturnt.
Natürlich hat das Gerüst weder Leiter, noch Geländer. Konsequenter Weise ist es dann aber auch nicht mit der Hauswand verbunden.
Einem versicherungs-närrischen West-Europäer dreht es dabei den Magen um.

 

Heute war leider unser letzter Besuch in Hillsborough.
Mittwoch ziehen wir weiter. Wir wollen zwei Nächte auf einer der vielen kleinen vorgelagerten Inseln von Carriacou verbringen und dann geht es ab nach Grenada.

Tyrrel Bay

Fr., 24. Jun.16, Carriacou/Tyrrel Bay, Tag 755, 6.552 sm von HH

Um so länger wir auf Carriacou verweilen, desto besser gefällt es uns hier.
Die Bucht ist nicht schwellig, es kommen keine Fallböen von irgendwelchen Bergen geschossen und im Ort bekommt man fürs tägliche Leben das Nötigste.
Ein tiefenentspannter Ort an dem einem die Kühe beim Strandspaziergang begleiten.

An der Nordseite der Bucht gibt es eine Mangroven-Lagune.
Im Revier-Führer steht, dass diese bei Hurrikan als Schlupf-Loch von Fischerbooten und Yachten genutzt werden kann.

Eine übliche Methode, um Sturm abzuwettern.
Dafür fährt man möglichst tief in die Mangroven-Verwurzelung hinein und vertäut sein Schiff mit Ankern und Landleinen so gut es geht. Alle losen Teile werden von Deck abgebaut oder so gesichert, dass der Sturm sie nicht losreißen kann.
Eine dringende Empfehlung lautet, unbedingt das Schiff zu verlassen und an Land den Sturm abzuwettern.

Mangroven verankern ihre Wurzeln im Salzwasser und bilden ein dichtes Geflecht, welches weltweit Tropen-Küsten wirksam vor Sturm-Schäden schützt. Nachweislich gibt es in Gegenden mit breitem Mangroven-Saum weniger Tote zu beklagen als in Regionen ohne Mangroven.

Als wir mit dem Dinghy durch die Lagune fahren, können wir sehen, dass nicht alle hier vertäuten Schiffe die letzten Stürme überlebt haben. Uns wäre sehr unbehaglich bei der Vorstellung Atanga in dem niedrigen Gestrüpp zurück lassen zu müssen. :shock:

Um einen gebrochenen Mast zu haben, ist allerdings kein Sturm nötig, wie uns unser englischer Nachbar zeigt.
Alle paar Tage geht er Anker auf, fährt wahrscheinlich zum Angeln, und kommt ein paar Stunden später wieder.

Am Mittwoch kommt er allerdings mit gebrochenem Mast zurück. :cry:
Er hat Glück und braucht sich nicht von Wanten, Segeln und Beschlägen trennen, sondern kann ohne Gefahr zu laufen, dass ihm der Mast sein Schiff zerschlägt, in die Bucht kommen.

Die Wind-Verhältnisse sind an dem Tag Passat-üblich normal: 17 bis 21 kn Wind, Windstärke 5. Eigentlich kein Wetter, dass einem den Mast herunter holt.
Vielleicht hat es ihn an einem der Kaps erwischt. Dort muss man mal mit zwei Windstärken mehr rechnen.
Armer Kerl. Sein kleines hübsches Schiff sieht jetzt total amputiert aus.

Auf St. Lucia haben wir mit Engländern gesprochen, die auf einem ähnlich großen Schiff ihr komplettes Rick verloren haben: Schaden 40.000 USD!

Karibik Feeling

Mo., 20. Jun.16, Carriacou/Tyrrel Bay, Tag 751, 6.552 sm von HH

Die Tage schmelzen dahin wie Eiswürfel im Rum-Punsch.
Entweder wir schwimmen und schnorcheln, erforschen die nähere Umgebung zu Fuß oder widmen uns dem täglichen Wahnsinn auf so einem Kahn.

Ehrlich, fast kein Tag an dem nicht irgendwas klemmt.
Meistens sind es nur Kleinigkeiten, die zu reparieren sind. Zum Glück.
Gastlandflagge nach nur drei Wochen Passat-Wind: kaputt
Lampe (nicht Birne) im Flur: kaputt
Lichtschalter im Salon: kaputt
diverse Tampen, Bänder, Schnüre, Fallen, Schoten: nicht kaputt, aber ausgefranst

Einen Tampenschneider haben wir nicht, also muss es der Lötkolben richten, die Enden zu verschmelzen. Ist ein ganz brauchbarer Ersatz.
Der Bunsenbrenner zum Karamellisieren von Zucker wird zu heiß, der fackelt den Tampen eher ab als dass er sie schmilzt.

Dann hauche ich unseren Frühstücksbrettern das Leben aus.
Unser Brot bewahren wir, in Geschirrhandtücher gewickelt, im Kühlschrank auf. Um sich ansammelnde Schimmel-Sporen zu vernichten, koche ich diese Tücher hin und wieder ab.
Im Schnellkochtopf. Der erreicht 120 Grad und die Tücher sind wieder ’steril‘.

Da fallen mir unsere Brettchen ins Auge. Bevor die wieder anfangen zu muffeln, denke ich, dass ihnen so ein Kochbad gut stehen könnte.
Falsch. Ihnen ist das Bad eindeutig zu warm. Kochendes Wasser vertragen sie, den Schnelldampfer nicht.
Ich bin ja nur froh, dass der Kunststoff nicht den ganzen Topf versaut. :shock:

Und dann, es war nur eine Frage der Zeit, musste es ja soweit kommen.
Unser manuelles Pumpklo pumpt nicht mehr. Wasser zum Spülen wird noch angesaugt, nur abpumpen geht nicht. :roll:

Da dies eindeutig eine hellblaue Arbeit ist, verschwindet der Skipper im Bad.
Wir haben einen Wartungssatz für unsere Jabsco-Pump-Toilette. Zuvor muss jedoch die alte Pumpe ab- und auseinander gebaut werden.
Ich höre unflätige Worte aus dem Bad: Mist, Dreck, Scheiss, Kack!

Inhaltlich ist das Gefluche so nicht korrekt! :mrgreen:
Das traue ich mich zur Aufheiterung aber nicht zu kommentieren.
Handelt es sich doch „lediglich“ um Urinstein, der in den Leitungen, Dichtungen und sonst wo zu einem Pump-Stopp geführt hat.

Bis hierhin alles nicht so schlimm, kann prima gewartet und repariert werden.

Bis zum Super-Gau. Unser Wassermacher macht kein Wasser mehr.
Das Problem hat Achim lokalisiert. Es ist die MCU, die dem hohen Druck von 60 bar nicht Stand gehalten hat, aus ihrem Gehäuse gedrückt wurde und nun für um sich spritzendes Wasser sorgt.
Diverse Reparatur-Versuche sind bereits gelaufen und Achim ist auf einem guten Weg.
Heute konnte er bereits wieder 50 bar Druck erzeugen.

Reparatur-Bericht von Achim folgt, sobald alles wieder heil ist. :-)

Hillsborough

Fr., 17. Jun.16, Carriacou/Tyrrel Bay, Tag 748, 6.552 sm von HH

Auf den ersten Blick fällt auf, dass Carriacou viel sauberer ist als St. Vincent und die Grenadinen. Die Häuser sind besser gebaut, weniger baufällige Bretterbuden, kaum Schutt vor der Haustür, weniger Müll. Sogar grüner ist es hier.

Das Hinterland, auf den anderen Inseln, häufig abgewohnt, sieht gepflegt und gut in Schuss aus. Die Menschen scheinen im Inselstaat Grenada ein erheblich besseres Auskommen zu haben.

Nach Hillsborough, der Hauptstadt ;-) von Carriacou, mit 600 Einwohnern, fahren wir mit dem Minibus.
Der Bus, der neben uns hält, fordert uns energisch auf einzusteigen: Ja, ja, alles richtig, es geht nach Hilsborough, obwohl er in die entgegengesetzte Richtung fährt.
Wir kommen also in den Genuss einer halben Inselrundfahrt. Da der Bus wenig Besorgnis erregende Geräusche macht und der Fahrer anständig fährt, können wir das genießen.

In diesen Minibussen ist der Kunde König.
Neben Passagieren werden auch Tüten aus Geschäften abgeholt und irgendwo in der Pampa an einem Haus ausgeliefert.
Eine Mutter mit zwei Kindern steigt an einer Apotheke aus und während der Fahrer Hillsborough auf der Suche nach weiterer Kundschaft abfährt, macht sie ihre Besorgungen. Die beiden Kinder bleiben im Bus.
Als Mutti zehn Minuten später auf dem Rückweg nicht vor der Apotheke wartet, geht der Fahrer rein, zum Nachschauen, wo sie bleibt. Was für ein Kundenservice.

Im Gegenzug kann es einem passieren, dass der Fahrer noch mal eben beim örtlichen Handy-Shop anhält, um für sich etwas zu besorgen. Niemand regt das auf, alle warten geduldig bis es weiter geht.

Hillsborough ist aufgeräumt und ganz niedlich. Es gibt einen kleinen Gemüse- und Fischmarkt und ein Dutzend Supermärkte mit dem üblichen Sortiment an Büchsen-Futter und Hähnchenfleisch.

Und wenn Du denkst, Tomate auf Brot schmeckt nicht mehr,
kommt von irgendwo Salami her. :mrgreen:

In diesem Fall kommt die Salami aus Patty’s Deli, einem kleinen Feinschmeckerladen.
Fast von uns unentdeckt geblieben beim Stöbern durch den Ort.
Die Salami ist nicht etwa eingeschweißt, sondern frisch im Anschnitt. Gekochter Schinken, geräucherte Putenbrust und ein paar Käsesorten liegen direkt daneben.
Pattys Preise sind extrem angenehm für die Region (Kilopreis bei 20 EUR). Das letzte Mal als wir solche Leckereien gesehen haben im Hotel auf Canouan, lagen die Preise bei 50 EUR/Kilo.


Der Fund des Tages ist ein Aushang im Supermarkt:
Von den üblichen 15% Mehrwertsteuer sind befreit: Grundnahrungsmittel, Solar-Panele und alle Gegenstände, die der Schadens-Minimierung bei Hurrikan dienen. Fensterläden, unabhängig ob geklappt und gerollt, mechanisch oder manuell. Alle Arten von Gurten und Riemen zum Festbinden von Teilen.

Schick essen gehen am Hochzeitstag

Mi., 15. Jun.16, Carriacou/Tyrrel Bay, Tag 746, 6.552 sm von HH

Ein scheinbar unmöglicher Wunsch, schaut man sich die Restaurants in der Tyrrel-Bucht so an. Kleine Bretterbuden, oft geschlossen, bieten lokale Kleinigkeiten zu essen.
Ganz nett, aber von schick weit entfernt.

Ein ‚Probe-Essen‘ letzte Woche im Iguana deutet an, dass es nicht einfach wird, diesen Wunsch umzusetzen. Im Iguana ist donnerstags Pizza-Tag.
Viel gepriesen, in Büchern, per Mail und über die morgendliche Funkrunde. Wir versuchen also unser Glück.

Der Pizzaboden ist noch das Beste an dem Teil, schön dünn, knusprig, alles gut.
Der Rest ist fad, ohne Salz. Es fehlen würzige Tomatensoße und Kräuter, den Käse habe ich als dieses fiese Vegi-Zeug in Verdacht. Schlechter kann eine Pizza kaum sein.

Erschwerend kommt die Gruppe, deutlich betagter, Amerikaner hinzu, die in der Pinte einen Auftritt wagen. Gesang mit Gitarre, Bass und Bongo-Spieler.
Oldies, but goldies.
Allerdings nach ein paar Songs reicht es dann auch. Als zwei Ladies die, nicht vorhandene, Tanzfläche entern, ist es Zeit zu gehen.
Wenn zwei Frauen miteinander tanzen, bist Du entweder in einer Striptease-Bar und solltest bleiben oder im Altersheim und solltest flüchten. :mrgreen:

Soviel ist klar, da brauchen wir am Verheiratungs-Tag nicht hin.

Dann hört Achim über die Nachbar-Kneipe, dem Slipway, dass die mittwochs Hamburger-Tag haben. Nun, schlechter als die Pizza, kann’s nicht werden. Wir gehen hin!

Burger gibt es nur mittags.
Die alternative Abendkarte steht auf einer Tafel am Tresen: gegrillter Schwertfisch, MahiMahi, Thunfisch oder Schweineschnitzel (wo haben die das Schwein denn her?).
Dazu kommen Kartoffeln und Gemüse. Vor meinen Augen tauchen olle Pommes, und als Gemüse, die üblichen Kochbananen auf.

Ich wähle den Thunfisch und schon lauert die erste Überraschung auf mich: die Wirtin fragt mich allen Ernstes, wie ich ihn gegrillt haben möchte. :shock:
Ich hätte ihn gern innen roh.

Am Tisch die nächste Überraschung: es gibt echte Stoffservietten. Nicht diese hauchdünnen Papierteile, die einem in Fetzten am Mund kleben bleiben, wenn sie feucht werden.

Zur Vorspeise, Salat mit cremigen Ziegenkäse (wusste ich doch, dass es sowas geben muss, schließlich laufen die Viecher überall rum), wird knuspriges Baguette (wo haben die das wieder her?) gereicht. Lecker.

Mein Thunfisch haut mich vom Hocker. In der Mitte noch roh, wie bestellt.
Dazu Wassermelone, angemacht mit Öl und, festhalten, frischem Basilikum (wo, verdammte Axt, haben die das her?). Eine köstliche Kombination, die zum Fisch vorzüglich passt.
So, Steffen Henssler, falls Du das liest, so muss Thunfisch. ;-)

Das Gemüse sind grüne Bohnen aus dem Wok (?) und die Kartoffeln sind knusprig gebraten. Achim ist mit seinem Schnitzel und den gleichen Beilagen ebenso happy.

Hier hätte ich einen tot gebratenen Lappen erwartet. Aber Fehlanzeige!
Es ist saftig und wird mit angedünsteten, getrockneten Tomaten gereicht.

Dass mein Thunfisch nur 4 EUR mehr kostet als die gruselige Pizza (13,00 EUR), kann ich fast nicht glauben. Ein Hoch auf das Slipway, können wir unbedingt empfehlen.

Mit dem am Nachmittag besorgten Eis, macht ein langes gehütetes Schätzchen den Abend perfekt. Da stört es auch keinen, dass wir eigentlich erst am 16. Juni Hochzeitstag haben. ;-)

Wir sind pleite

Mo., 13. Jun.16, Carriacou/Tyrrel Bay, Tag 744, 6.552 sm von HH

Pleite mit Käse, Wurst und Speck.
Die ganzen Köstlichkeiten, gebunkert in Martinique, gehören der Vergangenheit an.
Ade, Serano-Schinken, good bye luftgetrocknete Salami aus Spanien.
Kein Maasdamer mehr, kein Havati, null Camembert. Selbst Leberwurst in Gläsern, noch aus Las Palma, ist aufgebraucht. Das letzte Glas gar verschenkt.

Nur ein paar kümmerliche Schafskäsewürfel, eingelegt in Öl, haben noch überlebt.
Nachkaufen auf den Grenadinen? Kannst Du komplett vergessen.
Manchmal gibt es Emmentaler, ein 250g Stück kostet dann 12,50 EUR.
Ansonsten beschränkt sich das Angebot auf Cheddar. Als ob Cheddar nicht schon fragwürdig genug ist, haben sie dann noch das erfunden: analog Cheddar

Wir haben fast immer selbstgebackenes Misch-Grau-Brot zum Frühstück.
Mit Sonnenblumenkernen, Sesam oder Kürbiskernen (die kann man tatsächlich hier nachkaufen).
Und stehen beide nicht so sehr auf Süßes zum Frühstück. Mal Nutella (gibt’s hier auch nicht) oder Marmelade ist okay, aber nicht auf Dauer.

Herzhafte Alternativen müssen her.
Tomatenbrot, sehr gut.
Mit Humus (Kichererbsen-Mus) drunter, noch besser.
Guacamole zur Zeit nicht machbar, gibt grad keine Avocados.
Aus Sour Creme (das einzige Milchprodukt, außer Butter) hab ich schon eine Art Zaziki gemacht, geht ganz gut.
Thunfisch-Salat ist uns zum Frühstück etwas heftig….
Bananen-Brot als halbsüße Alternative gab’s auch schon.

Und gebratene Hähnchenbrust vom Vortag. Hähnchenbrust und Hack sind so ziemlich die einzigen Fleisch-Sorten, die man hier bekommt. Manchmal kleine Hähnchenkeulen (noch nicht getestet) und oft Packungen mit undefinierbarem Inhalt. Oder Hühnerfüsse.
Alles tiefgefroren, versteht sich.

Ich hab mal Hack versucht. Das hat eine Konsistenz von Fleischbrät, so oft wurde das durch den Wolf gehauen. Klopse kann man einigermaßen davon braten, aber richtig gut ist das nicht.

Leider gibt es  selten genug Fisch. Ab und an kommt ein Boat-Boy vorbei, nur nicht oft genug.
Fischmärkte scheinen einer Vergangenheit anzugehören.
Die meisten Inseln haben sowas nicht. Auf Carriacou haben wir noch gar keinen Fisch gesehen.

Zwei Gläser mit selbst eingekochtem Huhn und Hack haben wir noch, dann sind wir auch in dieser Hinsicht beet. Die Hoffnung liegt in Grenada.
Dort soll es Supermärkte geben, die haben fünf Sorten Philadelphia. :mrgreen:

Bis dahin kommen wir gut mit unseren Konserven und Trocken-Vorräten klar.
Eine gewisse Auswahl an Frischem ist ebenfalls verfügbar: Kohl, Möhren, Bananen, Mangos, Gurken, Salat. Die Basics, wie Zwiebeln, Knoblauch und Süßkartoffeln sowieso.

Uns somit gibt es auf einmal  Original Hamburger Labskaus an Bord.
Mit Gewürzgurken und Rote Bete. :shock:

Trotzdem, hat noch jemand gute Ideen, was es als herzhaften Brotaufstrich geben könnte? Lieben Dank für alle Vorschläge.

Fotoparade – Best of 1. Halbjahr 2016

So., 12. Jun.16, Carriacou/Tyrrel Bay, Tag 743, 6.552 sm von HH

Wie im letzten Jahr ruft Michael von erkunde-die-welt  zur Teilnahme an seiner Fotoparade auf. Alle Teilnehmer sollen ihre schönsten Bilder der ersten sechs Monate 2016 zeigen.
Folgende Kategorien hat er festgelegt:

bunt
schwarz-weiß
tierisch
Licht
Fahrzeug
Natur
Lieblingsfoto

In den letzten Monaten waren wir an so phantastischen Orten, dass Bilder reichlich zur Wahl stehen. Bei einigen Kategorien hatte ich sofort ein Foto im Kopf, welches zum Thema passt, bei anderen musste ich im Archiv wühlen. Herausgekommen ist diese Auswahl:

bunt

bunt

bunt

Dieses Foto ist auf Kap Verde, in Mindelo, entstanden.
In einer schmalen Seitengasse habe ich diesen Krämer entdeckt. Ein unglaubliches Sammelsurium an Unnötigem, Neuem und Altem, wird mit Kuriosem zum buntesten Krämer-Mix, den ich je gesehen habe.
Bunt im mehrfachen Sinn: bunte Auswahl, bunte Farben, ein buntes Leben für den Besitzer.

schwarz-weiß

schwarz-weiss

Ebenfalls ein Foto aus Mindelo.
In den vier Wochen vor Karneval treiben die Mandigas in Mindelo ihr Unwesen.
Sie reiben sich mit Altöl ein, um schwärzer als schwarz, stampfend und furchteinflößend singend durch die Straßen zu ziehen. Unheimlich nicht nur für uns Weiße anzusehen.
Der kleine Junge auf dem Bild ist beim Umzug mit den Großen dabei. Als die Bande immer wilder wird, bekommt er Angst vor seiner eigenen Courage.
Dabei ist das herrliche Bild entstanden, welches ich auch in die Kategorie Lieblingsbild legen könnte.

 

tierisch

tierisch

tierisch

Diese Spinne fanden wir in Französisch Guyana. Genauer gesagt auf den Teufelsinseln, auf der  Ile Saint-Joseph.
Hier steht das berühmte Gefängnis in dem der Schriftsteller Papillon in Einzelhaft gesessen hat. Vor vielen Zellen haben diese Spinnen, quasi als Türwächter, ihre Netze gesponnen.

 

Licht

Licht

Licht

Gleich an unserem ersten Abend in der Karibik gelingt diese wunderschöne Aufnahme von unserer Atanga. Ungeplant.
Wir werden von einem anderen Segelboot mit dem Beiboot abgeholt. Da entdecke ich den Heiligenschein hinter unserem Schiff.

 

Fahrzeug

Fahrzeug

Fahrzeug

In der Karibik gibt es in vielen Buchten großartige Boatboys.
Fische werden angeboten, Blockeis oder Eiswürfel geliefert, ein Wäsche-Dienst ist eingerichtet, ebenso wie morgendlicher Brot-Service und Gemüse-Jungs.
Auf St. Lucia tuckert Gregory mit seinem schwimmenden Ost-und Gemüse-Stand vorbei.
Sein Fahrzeug erinnert an die schlimmsten Kähne aus dem Film ‚Waterworld‘.

 

Natur

Natur

Natur

Noch ein Foto von den Teufelsinseln.
Den Begriff ‚Natur‘  verkörpert für mich am besten das gewählte Foto.
Sensationell, wie sich die Natur die Ruine des alten Gefängnisses auf den Teufelsinseln erobert. Ein Gebäude in dem die schlimmsten Gräueltaten stattgefunden haben, wird mystisch und wunderschön.
Vielleicht bringt diese wachsende Schönheit den gequälten Seelen ein wenig Frieden.

 

Lieblingsfoto

Lieblingsfoto

Lieblingsfoto

Unsere Atlantiküberquerung  war sicherlich das aufregendste Erlebnis des letzten Halbjahres. Daher habe ich ein Foto von der Mitte des Atlantiks gewählt.
Ein Selfie unter voller Besegelung sollte es sei.

Auf dem Foto ist nicht zu erkennen, welche Mühen so ein Selfie macht.
Alles wirkt ruhig und friedlich. Das Schiff schwangt jedoch mit 10 bis 15 Grad von einer Seite zur anderen. Nur angegurtet gehen wir nach vorne. Dabei kann von gehen nicht die Rede sein. Gebückt, sich überall festkrallend, kommt man nur langsam zum Bug.
Anstrengend wie ein Hundert-Meter-Lauf.

Vorher ist unsere kleine GoPro noch schaukel-sicher am Mast festzubinden. Ebenfalls keine leichte Aufgabe. Soll sie doch richtig zielen und nicht nur weiße Segel oder blauen Himmel knipsen.
Per burst-Funktion entstehen zig Fotos. Diese Aufnahme ist die letzte der Serie, bevor mein Mann Joachim sicher den Mast erreicht.
Fotografisch kein Meilenstein, aber ein emotionaler Schnapp-Schuss – nur wir zwei, allein auf dem riesigen Atlantik.

Carriacou

Do., 09. Jun.16, Carriacou/Tyrrl Bay, Tag 740, 6.552 sm von HH

Bereits seit gestern sind wir in Grenada, allerdings noch nicht auf Grenada.
Etwas nördlich liegt die kleine Insel Carriacou, die gehört zum Staat Grenada dazu. Obwohl sie geografisch näher an den Grenadinen liegt.

Nur zwölf Meilen sind es hier rüber gewesen.
Wieder dieses tolle Segeln in der Karibik. Verlässlicher Wind in Stärke fünf, kleine Welle und Sonnenschein.
Am Cap von Carriacou hat’s dann 30er Böen, die kurz für die sportliche Komponente sorgen. Und die Begründung liefern, warum wir alles verstaut und verzurrt haben.
Der Aufwand, alles seefest zu machen, ist für 1.200 Meilen fast der gleiche wie für 12 Meilen.

In Carriacou können wir einklarieren. Wie immer die Aufgabe des Skippers.
In dem kleinen Büro ist ein Mann für ‚Immigration‘ und einer für ‚Zoll‘ zuständig. Dem Immigrations-Mann ist vor Langerweile schon der Kopf auf den Tresen gefallen. Was für ein undankbarer Außenposten.

Die Zeiten mit den überzogen schönen Buchten neigen sich dem Ende.
Tyrrl Bay ist recht voll, obwohl der Ort nicht viel zu bieten hat.
Das Wasser lädt noch immer zum Schwimmen ein und ab und an steckt, niedlich, eine Schildkröte den Kopf aus dem Wasser.

Fund des Tages: Pfiffige Geschäftsidee. Auf den Überreste eines Trimaranes hat ein Alu- und Edelstahl-Schweißer seine Werkstatt gezimmert. Wer seine Dienste benötigt, geht längsseits und schon werden Sie geholfen. :-)

Regenzeit

Di., 07. Jun.16, Union Island/Clifton, Tag 738, 6.537 sm von HH

Im Juni beginnt nicht nur offiziell die Hurrikan Saison, sondern auch die Regenzeit.
Normaler Weise hält sich Wetter ja nicht an den Kalender. In diesem Fall schon.
Regenfälle häufen sich.

Natürlich ist eine Menge Wind mit dabei. Mehr als uns lieb ist. Das führt soweit, dass wir mitten in der Nacht im Cockpit sitzen und Ankerwache halten. Wie schon gesagt, die Ankersituation ist in Clifton nicht optimal.

Von oben kann man gut sehen, wie vertrackt hier die Lage ist. Winddreher aus Süd legen uns, gefühlt, nur drei Meter vor den klapprigen Zweimaster. Das braucht kein Mensch.

Wir waren vor ein paar Tagen auf dem Hausberg, um die sündige Aussicht zu genießen. Die Landepiste ist übrigens ein internationaler Flughafen. :mrgreen:
Schließlich kommen hier Maschinen aus Barbados und Grenada rein.
Bei der Landung rasieren sie den Dorfbewohnern fast einen Scheitel.

Der Regen, der uns eher lästig ist, wird von den Einheimischen sehnsüchtig erwartet.
Auf die Frage, ob es heute noch mal trocken wird, kommt ein besorgtes „Hoffentlich nicht“.
Die Regentonnen sind leer, alles Grüne braun verdorrt.

Der heftige Wind bringt Tonnen an Algen mit. Das niedliche Dinghy Dock in Clifton ist randvoll mit dem Zeug. Da bleibt fast die Schraube vom Außenborder stecken.

Im Nachbortort Ashton stehen Wasser-Fässer auf der Straße zur freien Verfügung.
Es gibt dort sogar einen öffentlichen Brunnen, der seit 200 Jahren rege für Brauchwasser genutzt wird.
Einen Deckel über dem Brunnenschacht sucht man übrigens vergeblich. Geht ja nur 8 Meter in die Tiefe…

Auf unserem Rückweg stoßen wir auf der Straße auf einen Trupp halbwüchsiger Jungs in Schul-Uniform. Die werfen mit Steinen nach einem Baum.
Hilfe, nein, nicht nach dem Baum, sondern nach einem Leguan.
Es ist so ein Großer, wie wir neulich auf den Tobago Cays gesehen haben.

Der soll im Kochtopf landen, soviel ist klar.
Ein zweiter hat bereits sein Leben ausgehaucht. Offensichtlich ist das Jagen von Leguanen verboten, denn als ein Auto vorbei kommt, wird das Werfen unterbrochen und das tote Tier wird verborgen.

Wir werden ignoriert und vor unseren Augen wird weiter geworfen.
Ein Depp steht unter dem Baum und muss aufpassen, dass er keinen Stein an den Kopf bekommt. Er soll das Tier fangen, wenn es fällt.
Wir gehen weiter und nur einen Augenblick später landen sie einen Treffer.
Dem Tier wird schnell und effizient der Schädel an einer Betonkante eingeschlagen. :shock:

Die armen Tiere.
Aber kann man den Jungs das verübeln? Das Angebot an Fleisch ist dünn auf den Inseln. Dazu noch teuer. Wenn wir angeln, ist das im Prinzip das Gleiche.
Guten Appetit. :cry:

Und noch das Fundstück des Tages: Wie auf einem Altar aufgebahrte Snickers.
Ein mannshoher Kühlschrank und komplett leer bis auf die paar Schokoriegel.
Die wissen in dem Laden, was sich gehört. :mrgreen:

Langfahrtsegler rüsten auf

So., 05. Jun.16, Union Island/Clifton, Tag 736, 6.537 sm von HH

Seit wir aus Europa weg sind, häufen sich die Gespräche über die Sicherheit an Bord am Anker. Dass im Februar auf St. Vincent ein Segler erschossen wurde, war gerade gnädig in den Erinnerungen versackt, da kommt es jetzt zu dem Überfall in den Tobago Cays.

Ein Englisches Paar wird von drei Männern überfallen.
Der Frau wird eine Pistole (wahrscheinlich Schreck-Schuss) an den Kopf gehalten, während der Mann die Wertsachen herausgeben soll. Im Verlauf der Überfalls wird er durch eine Taschenlampe am Kopf verletzt.

Die Emotionen kochen wieder hoch.
Den Engländern hat es keinen Sicherheitsgewinn gebracht im Pulk zu liegen.
Ihre Yacht lag 30 bis 100 Meter von mehreren anderen Schiffen entfernt.
Wir lagen 700 Meter weiter. Mutterseelen alleine, wären wir eigentlich das bessere Opfer gewesen.

Es ist hoffentlich so, dass man auf Hilfe hoffen darf, wenn Räuber aufs eigene Schiff einsteigen.
In diesem Fall jedoch, werden die Rufe der Engländerin für Feier-Lärm oder häuslichen Ärger gehalten. Der Schuss aus der Schreckschuss-Pistole für Party-Raketen.

Eine andere Crew beobachtet das Geschehen vom eigenen Cockpit aus.
Ob keine Hilfe erfolgt aus (berechtigter) Angst ums eigene Wohl, aus Fehlinterpretation der gesehenen Dinge, aus Phantasielosigkeit, was an Gegenmaßnahmen möglich wäre, aus Scham, einen Ehestreit zu stören oder schlicht aus Gleichgültigkeit, macht nur moralisch einen Unterschied.

In Diskussionen sind sich alle einig: Einbrecher suchen das Weite, wenn umliegende Yachten wach sind, die Szenerie erleuchten und durch Lärm auf sich aufmerksam machen.

Es ist schwierig in Sekundenschnelle eine unbekannte, heikle Situation zu überblicken, einzuschätzen und die richtigen Mittel zu finden.
Allerdings lieber einmal zu viel einen Ehestreit stören als einmal zu wenig einen Überfall vereiteln.

Folgende Maßnahmen wären denkbar, ohne sich selber zu gefährden :
– Zur betroffenen Yacht rüber brüllen und mit einer starken Lampe leuchten
– UKW-Funk immer auf Stand-by halten und die ‚Distress‘ Taste drücken. Auf allen umliegenden Yachten, die ebenfalls den Funk eingeschaltet haben, ginge Alarm los. Die Küstenwache würde automatisch informiert.
– Das Nebelhorn drücken oder tröten

Bei der Einbruch-Verhütung sind sich ebenfalls alle einig. Es muss den Eindringlingen so schwer wie möglich gemacht werden, überhaupt an Bord zu kommen. Sollte dies nicht zu verhindern sein, dann sollen sie wenigstens nicht auch noch unter Deck gelangen.

Die Maßnahmen sind vielfältig wie die Yachten:
– Bewegungsmelder am Heckkorb, der das Schiff in Flutlicht taucht
– Alarm-Trittmatten (sogenannte Katzenklingeln), die Alarm auslösen
– Drahtlose Alarmanlagen, die durch Bewegungsmelder ausgelöst werden
– Panikknopf am Bett, der eine Alarmanlage auslöst
– Stolperdrähte
– Niedergang von innen verriegeln
– Metall-Kreuze oder Drähte in den Luken, Luke kann zur Lüftung geöffnet bleiben
– alle Luken verschlossen halten

Zur Selbstverteidigung gegen die Einbrecher, wenn man sich gegenüber steht, sollen Tränengas, Teaser, Nico-Signale und sonstiges Stech- und Hauwerkzeug zum Einsatz kommen.
Ich glaube allerdings, dass diese Art der Verteidigung kaum umsetzbar sein wird.
Wenn zwei, drei entschlossene Kerle mit Pistolen (ob echt oder nicht, kann ich als Laie nicht unterscheiden) vor einem stehen, werde ich kaum, pfffft, die Pfefferspray-Flasche heben.

Die wichtigste Prävention bleibt somit, das Verscheuchen der Einbrecher.

Achim und ich fühlen uns mit unserem Mittel-Cockpit recht sicher.
Ist es doch für uns selber eine üble Kletterei von der Badeplattform aus über die Heckreling zu steigen. Danach kommen diverse Stolperfallen, weil unsere Regenabdeckung über den Achter-Luken spinnennetzartig verspannt ist.
Ein Tampen, der den Baum am Schlagen hindert, macht die Situation nicht leichter.

Seit neuestem hängen wir unsere Badeleiter nach hinten aus und sichern mit einem Fender, dass sie nicht ans Heck zurück geklappt werden kann. Viel Platz ist nun nicht mehr für einen Dieb.
Oder er müsste die Leiter abschneiden, was sicherlich nicht geräuschlos möglich ist.

Unsere Luken lassen wir offen stehen.
Mit geschlossenen Luken zu schlafen, trüge gesichert den Erstickungstod nach sich. Da ist das Risiko überfallen zu werden kleiner. :mrgreen:

Wir vertrauen drauf, dass die Regenabdeckung und die reißfesten Mückengaze ein Eindringen über die Luken verhindern. Zudem quietschen sie erbärmlich, wenn man sie ganz aufstellt, um Platz zum Einsteigen zu haben.
Ein lange bemängeltes Manko , erweist sich nun als positiv.

Unseren Niedergang schließen wir neuerdings ebenfalls ab.
Etwas was ich nie wollte und für unnötig erachtet habe.
Achim hat von innen einen Riegel angebaut, so dass man nur mit roher Gewalt und Lärm einsteigen kann.

Als dritte Maßnahme haben wir einen Bewegungsmelder im Salon installiert.
Der lag bislang unbeachtet und als Fehlinvestition bewertet in der Backs-Kiste.
Sobald sich jemand am Niedergang zu schaffen macht, geht ein grässlich piepender Alarm-Ton los.

Wir hätten es noch besser gefunden, diesen Bewegungsmelder im Cockpit zu haben, aber beim Schaukeln und Drehen am Anker, funktioniert das nicht zuverlässig.
Ein so entstandener Fehlalarm hat uns zu Tode erschreckt. Das war nichts. :shock:

Wir sitzen allabendlich aber nicht zitternd im Salon und kommen vor Furcht nicht in den Schlaf.
Das Risiko von einer Kokos-Nuss erschlagen zu werden, halten wir für ungleich höher.

Gefährliche Nüsse

Gefährliche Nüsse