Auf nach Puerto Morelos

Mi., 22.Mrz.17, Mexiko/Isla Mujeres, Tag 1025, 9.937 sm von HH

Morgen geht es weiter. Nicht weit. Nur 30 sm nach Puerto Morelos.
Bei Puerto Morelos handelt es sich um das „letzte“ Fischerdorf an der Riviera Maya.
Den Tourismus-Strategen in Mexiko waren auf der Suche nach einem Namen für die paradiesische Schönheit des vor uns liegenden Küstenabschnittes – Riviera Maya.
Derzeit gibt es über 250 Hotelanlagen und die Entwicklung der Fischerdörfer zu Mittelklasse-Urlaubs-Maschinerien verläuft rasant.
Angeblich soll es keine Hochhaus-Bettenburgen geben .wie in Cancún, Flächig gebaute Resorts sollen die Landschaft nicht verschandeln.

Wir sind gespannt, ob wir noch auf die vielgepriesene Pracht der Mexikanischen Küste stoßen werden. Die Topografie von Mexiko erleichtert die Suche nicht.
Die Strände sind vielfach ungeschützt. Seichte Buchten Fehlanzeige. Vorgelagerte Riffe sind flach und bieten bei Nordwind zu wenig Schutz.
Vor Puerto Morelos existiert ein Marine Park, somit ist Ankern verboten. Unser Ziel wird also erneut eine Marin sein.

Unsere neuen Nachbarn, die Balou, kommt mit.
Die alten Nachbarn bleiben hier. ;-)

Good bye

Good bye

Nachbarn

Nachbarn

Good bye Isla Mujeres

Good bye Isla Mujeres

 

Warte-Zeit gleich Wartungs-Zeit

So., 19.Mrz.17, Mexiko/Isla Mujeres, Tag 1022, 9.937 sm von HH

Wir wollen Richtung Süden weiter. Ins Herz von Quintana Roo. Den Bundesstaat in Mexico mit den besten Tauchgründen, den weißesten Stränden und dem türkisesten Wasser.

Vor die Weiter-Fahrt hat der liebe Gott die Geduld gesetzt.
Wir haben Nordwind oder gar keinen Wind. Nordwind wäre bei einem Südkurs grundsätzlich nicht verkehrt, allerdings sind dann die Ankerplätze ungeschützt. Dafür brauchen wir Ostwind. Der soll am Mittwoch wieder da sein. Also heißt es warten.

Ein Riss :shock: im Bimini ist bereits geflickt. Das gute Stück scheint tatsächlich morsch zu werden. Wie viele Stunden es der Sonne ausgesetzt war, können wir nicht sagen, da es vom Vorbesitzer stammt.
Die Risse über den Bügeln verheißen nichts Gutes. Ich ahne, dass dies eine Dauerbaustelle werden könnte.

 

Achim klettert in den Mast und kommt mit schlechten Nachrichten wieder runter.
Zwei Fallen (Bänder zum Hochziehen der Segel am Mast) haben üble Scheuerstellen.
Eine Reparatur ist möglich. Dafür muss das Fall um die beschädigte Stelle gekürzt und ein neues Auge in das Fall gespleißt werden.
Bei geflochtenem Tauwerk kein so leichter Job. Aber Achim hat es schon mal gemacht und es geht ihm gut von der Hand.


Das begleitende Gefluche hält sich in Grenzen. Der schwierigste Teil ist das Wieder-rüber-ziehen des Mantels über eine nun viel zu dicke Stelle.
Der Takling ist nicht zwingend erforderlich, deckt aber den wulstigen ‚Pfusch‘ an der dicksten Stelle etwas ab. ;-)

Fleisch ist ebenfalls eingekocht, doofe Schaps sind aufgeräumt und in den Ecken ist geputzt. Quintana Roo, wir sind bereit.

 

Beate

Do., 16.Mrz.17, Mexiko/Isla Mujeres, Tag 1019, 9.937 sm von HH

Beate ist Hebamme und Sozialpädagogin.
Sie ist witzig und hat eine dreckige Lache. Beate trinkt gerne Tequila und ist nett.
Beate liegt mit Rainer und ihrer Balou am Steg neben uns.
Beate ist noch vieles mehr, nur eins ist Beate nicht: Friseurin.

Aber aus der Nummer lass ich sie nicht raus. Irgendwas muss mit meinen Haaren passieren.

Beate hat Angst, aber ich verspreche ihr, sie weder zu beschimpfen noch im Hafen zu versenken.
Gemeinsam treiben wir drei Papierscheren in verschiedenen Größen auf. Und ein alter Kamm ist auch noch zu finden.

Ich habe keine Angst, schlimmer kann es nicht werden.
Einen Tequila zum Mut antrinken, lehnt Beate ab. Da bin ich dann doch ganz
froh drüber. :mrgreen:
Vorsichtig arbeitet sie sich nach vorne. Mutig, Millimeter für Millimeter. Kein Edgar mit den Scherenhänden, aber von Erfolg gekrönt.
Muss man sich auch erstmal trauen. :-)

 

 

 

Yacht-Reportage

Mi., 15.Mrz.17, Mexiko/Isla Mujeres, Tag 1018, 9.937 sm von HH

Ein wenig stolz bin ich ja schon…alles andere wäre gelogen.
In der ‚Yacht‘ (Europas größtes Segelmagazin – Eigenwerbung) Nr. 7 wird heute eine, von mir geschriebene, Reportage über unsere Teilnahme an der Nereid’s Rally erscheinen.
Zehn Seiten, eigene Bilder, großformatig, bunt, das volle Programm.

Was soll ich sagen? Wie es dazu gekommen ist?
Ich habe gefragt, ob sie am Thema ‚Nereid’s Rally‘ interessiert sind, und sie haben „ja“ gesagt. :-)

Interesse am Thema ja, verbindliche Zusage über eine Veröffentlichung, zunächst nein.
Erst abliefern, dann… „wir kennen Ihre Schreibe nicht, Frau Willner“.
Man gab mir ein paar Anweisungen mit auf den Weg, wie sich die Redaktion einen Artikel wünscht:
– 15.000 Zeichen inkl. Leerschritten
– 100 bis 150 hochauflösende Fotos sind mitzuliefern
– nicht chronologisch schreiben, nicht belehrend sein :shock: , Unwichtiges weg lassen, im Präsens schreiben, die ‚ich-Form‘ vermeiden und zig Schikanen mehr.

Puh, klare Ansagen, klare Herausforderung.

Also habe ich nach der Rally losgelegt und geschrieben und geschrieben.
Lieben Dank an meinen Kritiker und geduldigen Zuhörer, lieben Dank an Achim (ich weiß, am Schluss konntest Du die blöde Geschichte nicht mehr hören, hast aber immer noch geschafft auf inhaltliche oder sprachliche Fehler zu achten, danke! (Grammatik habe ich lieber selber gemacht ;-) ).

Nach zehn Tagen war alles geschrieben, die Bilder gefunden und beschriftet (mit Ortsangabe, wer und was zu sehen ist). Eine entsprechende Tabelle zu meinen 130 Fotos war fertigt und dann habe ich mich getraut. Getraut, mein Gesamtwerk zur Redaktion der Yacht zu senden.

„Ganz, ganz prima“, war dann die Wertung des verantwortlichen Redakteurs.
Kein „hervorragend, großartig, nie haben wir was besseres gelesen“, aber immerhin!
Besser als ‚ganz nett‘, den kleinen Bruder von ‚Scheiße‘ :mrgreen:

Nein, es muss ja gefallen haben, sonst hätten sie es nicht genommen.
Wer also über den Blog hinaus nicht genug von meinem Geschreibe bekommen kann: dann kaufe einfach die Yacht, erhältlich an jedem Kiosk.

Ein bisschen stolz bin ich ja schon…

Rundreise Mexiko – Nachlese

Mo., 13.Mrz.17, Mexiko/Isla Mujeres, Tag 1.017, 9.937 sm von HH

Mexiko ist ein erstaunliches Land.
Von weitem hält man das Land schlicht für eine Bananen-Republik. Die Berichte über die Drogenkriege und die traurigen Müll-Kinder im Moloch Mexiko-Stadt nähren diese Einschätzung.
Ein Blick in die Statistik sagt etwas anderes: Mexiko ist auf Platz 15 der größten Volkswirtschaften der Erde. Es belegt Platz 12 der größten Exporteure  und Platz 10 beim Import. Mexiko ist Mitglied der G20 und stellt seit 2012 sogar dessen Präsidenten.

Schaut man dann in die Straßen von Mexico glaubt man eher an die Bananen.
46% aller Mexikaner (55 Millionen Menschen) leben in Armut, knapp 10% sogar in extremer Armut. Sie alle haben keinen ungehinderten Zugang zu Bildung, Gesundheit und Unterkunft.

Kinderarbeit ist in den ländlichen Bereichen eine Selbstverständlichkeit. Drei Jahre Schule, mehr ist für die Landkinder nicht drin. Analphabeten vorprogrammiert.

Soziale Absicherung Fehlanzeige. Behinderte werden von den Familienangehörigen zum ‚Arbeiten‘ im Rollstuhl oder auf eine Decke auf die Straße gesetzt. Auch sie müssen ihren Teil zum Familieneinkommen ‚verdienen‘.
Alte, uralte Frauen und Männer sitzen vor den Kirchen und hoffen auf ein paar Almosen. Wir haben viel beobachtet, dass Mexikaner ihren Landsleuten Geld in die Hüte geworfen haben. Aktives Betteln gibt es kaum. Auch von Kindern nicht.

Die Städte sind ein Spiegelbild dieser unglaublichen Schere. Mérida zum Beispiel.
Die großen Einfallstraßen wirken modern und europäisch. Denkt man sich die Stromleitungen weg und ersetzt Palmen durch Ahorn, konnte man in Hamburg sein. Chromglitzernde Autohäuser, Banken, Shopping-Center.
Hinter dem ‚Mercado Municipal‘ sieht es aus wie in der dritten Welt. Luftlinie vielleicht drei Kilometer.

Viele Bemühungen kann man entdecken, den Umweltschutz nach vorne zu treiben: Mülleimer in Mérida mit Trennung von Öko-Müll zum Rest.
Ein Heerschar an Straßenfegern sind in Beschäftigung, um die Stadt sauber zu halten.
In den Supermärkten werden allerdings Plastikverpackungen und Tüten verbraucht als ob es kein Morgen gäbe.

Öffentliche Toiletten sind speziell.
Sie sind abgesichert mit riesigen Drehkreuzen aus Metall wie im Hochsicherheits-Trakt eines Gefängnisses.
Das Toilettenpapier gibt es entweder aus einem Automaten vor den Toiletten oder in schon in passende Bündel direkt von der Klo-Frau in die Hand gedrückt. Dafür gibt es dann aber auch eine Quittung über 3 Pesos (15 Cent). :mrgreen:
Das Abwassersystem muss im ganzen Land eine Katastrophe sein. Papier in die Toilette werfen, ist unerwünscht. Das ist für uns Segler nun das kleinste Problem.
Meistens sind die öffentlichen Toiletten sehr sauber. Mit Fußbetrieb zum Aufziehen und es ist immer Seife da.

Überall Schilder in den Restaurants, selbst in den letzten Mittags-Spelunken: Hände waschen vor dem Essen und nach der Toiletten-Nutzung.
Das Gesundheits-Ministerium scheint eine Verordnung erlassen zu haben, dass so ein Schild zur Pflicht geworden ist.

Wir hatten eine wunderbare Rundreise in einem abwechslungsreichen, mit Geschichte vollgestopften Land. Sie ist ganz einfach auf eigene Faust zu organisieren.
Spanisch hilft auf dem Land, zur Not geht es auch ohne.
Trotz aller Warnungen vor Trick- und Taschendieben hatten wir nie das Gefühl, dass es jemand auf unserer Hab und Gut abgesehen hätte.

Die Mexikaner sind sehr zurückhaltend, leise, fast schüchtern. Unglaublich freundlich, wenn man sie anspricht. Sie freuen sich dann über Versuche auf Spanisch und helfen sehr, dass man verstanden wird.
Das fröhliche, laute ‚Hey, man, was geht‘ von den Antillen wird man hier nicht erleben. Das hat den Vorteil, dass man nicht andauernd eine Hand schütteln oder die Ghetto-Faust anschlagen muss.
Im Grunde kommt dieses Verhalten uns trockenen Fischköppen doch näher als die Verrückten aus der Ost-Karibik. ;-)