Archiv der Kategorie: Gambier

Unsere Pläne 2019/2020

Sa., 27.Apr.19, Franz.Polyn./Gambier/Insel Mangareva/Rikitea, Tag 1791, 17.385 sm von HH

Eigentlich wollten wir bereits heute weiter. Aber schlechtes Wetter verzögert die Abfahrt. Dabei ist es eher das schlechte Wetter am Endziel als hier vor Ort. Auf den Toamotus bläst es laut Wetterkarte mit 23 Knoten Durchschnittswind. Zuviel für die heiklen Passeinfahrten in die Atolle. Heftige Strömung entstehen an den schmalen Durchgängen zum Atoll und machen eine Einfahrt (unter Umständen) unmöglich.

Ab 1. Mai ist offiziell die Zyklon-Saison beendet, dann kann man sich überall gefahrlos hinbewegen. Leider ist die Saison kurz und schon ab November sucht man sich besser einen zyklonsicheren Ankerplatz. Den findet man üblicherweise in Neuseeland oder Australien.
Wer dann noch eine zweite Südsee-Saison dranhängen möchte, muss sich aus Süd-Westen zurück quälen. Oder er verlässt sich auf einen der Plätze, der als Zyklon-Hole angepriesen wird. Das ist nichts für unsere Nerven. Viele dieser Löcher haben sich, sowohl in der Karibik als auch im Pazifik, als Falle erwiesen.

im Moment erscheinen uns sechs Monate Südsee definitiv als zu kurz. Also, was tun? Einige Segler fahren zurück auf die Marquesas ganz im Osten, die als zyklonsicher gelten. Wir haben uns die Australinseln und die Gambierinseln als Alternative überlegt. Gegen den Uhrzeigersinn würden wir eine Runde über die Tuamotus bis nach Tahiti segeln und dann ab November in den Süden stechen.
Die Atolle Austral und Gambier gelten als relativ sicher. Alle Jubeljahre gibt es einen Zyklon, der soweit südlich reicht. Wir halten das Risiko für kalkulierbar. Das Ganze hat nur einen Haken: kaum eine Crew macht das! :shock:
Warum nicht, ist uns noch nicht ganz klar. Der Wind soll in den Austral-Inseln unbeständig sein. Der Wind soll dort kräftig sein. Und die Temperaturen sollen im Süden deutlich kühler sein. Wobei Letzteres für mich eher als großer Vorteil erscheint. Am Ende der Runde (ca. 2.700 sm = 5.000 Kilometer) würden wir dann wieder hier in Rikitea landen.

Wenn sich andeutet, dass sich der kräftige Wind aus den Tuamotus verzieht, brechen wir auf. Auf unserem Weg sammeln wir weitere Berichte über unsere Idee. Und schauen uns an, ob die einsame Südsee für uns das Richtige ist und wir tatsächlich eine zweite Saison bleiben wollen.

geplante Route 2019/2020

geplante Route 2019/2020

Südsee-Alltag

Fr., 19.Apr.19, Franz.Polyn./Gambier/Insel Mangareva/Rikitea, Tag 1783, 17.385 sm von HH

Die Tage verrinnen. Der Insel-Alltag ist geruhsam, aber ausgefüllt. Manchmal regnet es – nein, es schüttet. Innerhalb von zwei Stunden sind unsere Wassertanks voll bis zum Überlaufen. Fünfhundert Liter gefangen mit ‚German Engeneering‘. Alle zehn Tage kommt eine Schlechtwetterfront von drei Tagen Dauer durch.
An solchen Tagen verschwatzen wir den Vormittag bei unseren netten Schweizer Nachbarn oder erledigen ein paar Reparaturen. Das Dinghy Cover brauchte ein paar Flicken und Achim hat endlich den Fehler beim Außenborder (the Bitch, wie er das Teil liebevoll nennt) gefunden. Der Vergaser macht seit der Osterinsel-Reparatur keine Probleme mehr, trotzdem lief die Kiste noch immer nicht richtig. Hier in Gambier ist dann der Not-Aus-Schalter kaputt gegangen. Im Grunde ein Glücksfall, weil Achim jetzt den Fehler für den stotterigen Lauf des Motors entdecken konnte: Der Schlüssel vom Notaus hat nicht sauber die Leitung getrennt. Dadurch wurde die Zündung immer mal wieder kurz geschlossen und ‚The Bitch‘ lief unrund.
Ein neuer Schalter muss her, damit man beim Ausschalten des Außenborders keine geflankt bekommt. Unmöglich hier zu bekommen. Also hat Achim einen Kippschalter aus seinem Fundus eingebaut. Der hat genau drei Tage gehalten bis Salzwasser an den Schalter kam und der Schalter unter Strom stand. Eine neue Idee musste her. In meinem Nähkästchen fand sich ein alter Jackenknopf, der jetzt erfolgreich unser neuer Notaus-Schalter geworden
ist. Aus dem Boden einer Plastik-Dose in der mal Nüsse waren, wird ein neues Schauglas für die Tankanzeige am Tankdeckel, der schon seit Monaten zu Staub zerbröselt war.
Alles Schrott, was produziert wird, unser Außenborder ist nicht mal drei Jahre alt. :cry:

Bei gutem Wetter gehen wir sammeln und jagen. Auf unseren Touren über die schöne Insel werden wir fündig: Chili-Schoten, Papaya, wilden Basilikum und sogar einen Kürbis können wir erlegen. Leider bereits im ersten Drittel der Strecke. „Ist nicht mein Lieblings-Gemüse. Wenn Du ihn willst, musst du ihn selber tragen“, lehnt Achim meinen Tragewunsch dankend ab. Dafür puckelt er mir zentnerweise Pampelmusen und Kokos-Nüsse an Bord.

Die anderen Inseln im Atoll müssen noch warten

Immer wieder schöne Aussichten

 

Und wir sind unter die Perlen-Sammler gegangen. Auf dem Festival konnte man für relativ wenig Geld Perlenschmuck kaufen. Leider alles im Oma-Style, Perlenketten halt, so gar nicht mein Geschmack. Dann gibt es hier noch eine Langzeit-Seglerin, die Perlenschmuck selber herstellt. Der ist moderner mit Lederbändern gefertigt, asymmetrisch aufgefädelt und ganz chic. Der Schmuck erscheint mir aber zu teuer zu sein.. 80 bis 190 USD soll dort ein Kettchen kosten. Wenn ich mir anschaue, wie inflationär bei der Dekoration für das Festival mit Perlen ‚um sich geschmissen‘ wird, können Perlen vor Ort nicht teuer sein. Hunderte von Perlen wurden mit der Heißklebepistole auf Muscheln und Stoff geklebt. Nun fällt diese Dekoration auseinander. Man braucht sich nur noch bücken und die Perlen einsammeln. :-) Diese sind natürlich nicht fehlerfrei, aber das sind die Perlen im Schmuck vom Fest und der Seglerin ebenfalls nicht. Jetzt muss Achim mir nur noch Löcher in die Perlen bohren.

schwarze Perlen sind grau, blau-grau oder anthrazit - unsere haben 1,2 cm Durchmesser und sind somit mittelgroß

schwarze Perlen sind grau, blau-grau oder anthrazit – unsere haben 1,2 cm Durchmesser und sind somit mittelgroß

Mit Heißkleber verklebte Perlen - im Hunderter Maßstab verarbeitet

Mit Heißkleber verklebte Perlen – im Hunderter Maßstab verarbeitet

Und es geschehen immer unerwartete Dinge: mal funktioniert das Internet für einige Tage nicht oder es kommt überraschend das angekündigte Versorgungs-Schiff einen Tag zu früh. Diesmal sind wir erfolgreicher beim Auffinden der angelieferten Waren und halten nachmittags echte Tomaten in den Händen. :mrgreen:
Dann wieder sieht Achim einen Menschenpulk an der Pier. Ein Muschelhorn erklingt. Was ist da los? Wir springen schnell ins Dinghy. Eine Karfreitags-Prozession läuft singend vom Hafen bis zur Kirche. Gefolgt vom Muschelbläser, der statt Kirchenglocke zum Appell ruft.

Wenn wir nicht nach Essen jagen, fahren wir bei gutem Wetter mit den Kajaks. An Deck nerven sie ja schon etwas, denn genau genommen sind zwei Stück doch etwas viel für unser kleines Schiff. Aber es war ein großartiger Kauf, erweitern sie doch unseren Radius unglaublich.
Wir wollten schon längst die unbewohnten Nachbarinseln im Atoll besucht haben, aber auf Mangareva gibt es einfach zu viel zu tun. Und schlechtes Wetter wird in einer einsamen Bucht auch nicht besser. Das ist mit ein wenig Unterhaltung besser zu ertragen.

Kajak-Ausflug

Kajak-Ausflug

Festival ‚Te Matapukurega‘

Mi., 10.Apr.19, Franz.Polyn./Gambier/Insel Mangareva/Rikitea, Tag 1774, 17.385 sm von HH

Langschläfer sind die Rikiteaner nicht. Bereits um 8:00 Uhr morgens läuft die Parade zum Festival auf. Wie bei den Olympischen Spielen tragen die teilnehmenden Gruppen die Namen ihrer Herkunfts-Insel auf Schildern vor sich her. Bunt gekleidet oder in traditionellen Kostümen. Und wieder Blumenkränze auf dem Kopf. Jetzt wird auch klar, warum die Truppe aus Hiva Oa mit kleinem Gepäck anreisen konnte. Sie haben sich heute Morgen ihre Klamotten frisch im Wald gepflückt. :mrgreen:

Parade von der Kirche zum Festplatz

Parade von der Kirche zum Festplatz

Frische Palmenwedel und Farn als erneuerbare Klamotten

Frische Palmenwedel und Farn als erneuerbare Klamotten


Ein Gesicht im Zug kommt uns bekannt vor. Das Schild gibt Aufklärung: eine kleine Delegation von Tänzern ist auch aus Rapa Nui, der Osterinsel, angereist.
Unter lauter Trommel-Begleitung zieht der Tross Richtung Festplatz. Der besteht aus einer Fußballfeld großen Fläche, abgestreut mit feinsten Korallensand. Unter kleinen Holzverschlägen wird Kunsthandwerk der teilnehmenden Atolle angeboten: Perlenschmuck, Flechtwerk und bedruckte Stoffe. Unter Zeltplanen wird schon am Aufbau des Buffets gearbeitet.

Zuschauer im Tross

Zuschauer im Tross

 

Die Reden vom Bürgermeister, vom Dorf-Sheriff und anderen wichtigen Persönlichkeiten ziehen sich. Geduldig warten die Gruppen auf ihre persönliche Vorstellung. Noch mehr Reden werden gesprochen. Merci und Maururu, ‚danke‘ auf tahitianisch, fällt häufig.

Die Rede vom Bürgermeister zieht sich, da kann man schon mal einschlafen

Die Rede vom Bürgermeister zieht sich, da kann man schon mal einschlafen

Die Atolle sprechen eine ähnliche Sprache, verstehen einander, nur die Repräsentantin der Osterinsel muss übersetzt werden. Das Ganze hat gewisse Längen, da einiges auch noch auf Französisch wiederholt wird.
Jedes Atoll gibt schon mal eine kleine Kostprobe seines Könnens und dann folgt auch schon das Essen.

Die wilden Kerle und Mädchen aus Hiva Oa

Die wilden Kerle und Mädchen aus Hiva Oa

Die dazugehörigen Trommler

Die dazugehörigen Trommler

Das halbe Dorf ist dabei mit seinen Kokosnuss-Tellern.
Mehrfach werden wir aufgefordert, uns ebenfalls zu bedienen. Ich mach es kurz: es ist besser als es aussieht. :-) Die schleimigen Breie sind Mango- und Banane-„Chutneys“. Die lila Würfel bestehen ebenfalls aus Banane. Dazu gibt es Maniok und Yucca mit Kokosmilch. Oder wahlweise Brotfrucht mit Kokosmilch. Oder Muschelsalat mit Kokosmilch. Es fehlt an allem: an Salz, an Schärfe und Gewürzen. Essbar, aber schon arg fad.

Skepsis am Buffet

Skepsis am Buffet

Abends geht es dann zur Sache. Jedes Atoll bringt seinen eigenen Stil mit. Brav im Chor gesungene ‚Aloha-Südseeklänge‘, wie man es sich vorstellt, stammen aus Tubuai. Lieblich und sanft. Die Damen der Austral-Inseln treten in züchtigen Baumwollkleidern auf.

Sängerinnen aus Tubuai

Sängerinnen aus Tubuai

Die Mädchen aus Hao dagegen, lassen die Hüften kreisen. Die Baströcke wippen, die Blicke versprechen alles und nichts. Achim versteht nicht, warum es nur auf der ‚Bounty‘ zur Meuterei kam. Er ist der Meinung, beim Anblick der Mädchen hätte eigentlich jeder Matrose seinen verwanzten Kahn verlassen müssen.

Hüfttanz im Baströckchen

Hüfttanz im Baströckchen

Nymphe beim Hüftschwung

Nymphe beim Hüftschwung

Die wilde Gang aus Hiva Oa lässt keinen Zweifel aufkommen, dass man früher in der Südsee auch im Kochtopf landen konnte. Mit Fackeln, viel Geschrei und Geheule liefern sie einen starken Auftritt. Das wilde Gebaren mit den angemalten Gesichtern und den rollenden Augen kommt auch beim heimischen Publikum großartig an. Hiva Oa kassiert den kräftigsten Applaus.

Gänsehaut-Auftritt mit Fackeln

Gänsehaut-Auftritt mit Fackeln

Drei Abende werden wir aufs köstlichste unterhalten. Während der gesungen Tänze oder dem getanzten Gesang werden auch immer wieder Geschichten erzählt: eine Liebesgeschichte, ein Mädchenraub, ein Überfall mit erfolgreicher Verteidigung des bösen Gegners. Die Geschichten berichten von der Vergangenheit der abgeschiedenen Inseln.

Immer werden Geschichten bei den Tänzen erzählt

Immer werden Geschichten bei den Tänzen erzählt

Das Fest ‚Te Matapukarega‘ auf Mangareva dient dem Flechten und Erhalten von Beziehungen über die weiten Entfernungen der Atolle hinaus, dem Erhalt der Bruderschaft der Polynesier. Erst das zweite Mal ist das kleine Gambier Atoll Gastgeber für solch eine Veranstaltung, die dieses Mal unter dem Motto ‚Te Tutakiraga‘ – ‚die Zusammenkunft‘ läuft. ‚Te Tutakiraga‘ ist ein heiliges Wort in der polynesischen Geschichte, das die Aussage bestätigt: Du bist ein Polynesier, egal wo du geboren wurdest, welchen Tanz du tanzt oder welchen Dialekt du spricht. Das Motto scheint gelungen, wenn man sich am letzten Vormittag die Darsteller anschaut. Alle zusammen tanzen begeistert den Tanz von Mangareva.

 

Ein Dorf steht Kopf

Mo., 08.Apr.19, Franz.Polyn./Gambier/Insel Mangareva/Rikitea, Tag 1772, 17.385 sm von HH

Schon seit zwei Wochen wissen wir, dass ab Mittwoch eine Feier auf Mangareva ansteht. In der Mehrzweckhalle haben wir die Englischlehrerin getroffen, die uns davon berichtete: „Es gibt Musik, Tanz und Gesang. Und jeden Tag gibt es Essen für Alle. For free!“, erzählt sie uns begeistert. Sie half den Dorf-Kinder dabei, die Teller für die Feierlichkeit zu präparieren. Der Bürgermeister möchte kein Plastikgeschirr, also werden halbe Kokosnüsse geschliffen und poliert. „Ihr müsst unbedingt kommen. Es werden Tänzer aus den anderen Atollen erwartet – Marquesas, Tuamotus und den Austral-Inseln.“

Herstellung des Essgeschirrs

Herstellung des Essgeschirrs für die Feier

 

Jetzt ist es nicht mehr zu übersehen, dass etwas Großes auf uns zu kommt. Das sowieso schon schnieke Dorf wird jetzt richtig auf Vordermann gebracht. Mit dem liebsten Gerät der Dorfgemeinde, dem Motor-Rasentrimmer im XXL-Format, wird jeder Halm, der vorwitzig hervor lugt, nieder gemäht. Es wird geharkt, geschnitten und aufgeräumt. Die Betonstraße ist auch rechtzeitig fertig geworden, nur auf dem Festplatz wird noch gearbeitet. Der kleine Fähranleger, alle Laternenpfähle und das Rathaus sind mit Palmen, Farnen und Blüten geschmückt.
Als ich morgens zum Einkaufen gehe :lol: , hält mich ein Opa an. Schnell kramt er ein paar Brocken Englisch aus: „Am Mittwoch. Um 12:00 Uhr. Essen! Umsonst! Unbedingt hingehen!“

Am Nachmittag fängt es am Fähranleger zu trommeln an. Zufällig bin ich vor Ort, weil ich auf dem Weg zum Internet bin. Südseeschönheiten warten mit Blumengirlanden auf die Gäste aus den Nachbaratollen. Sie selber haben kunstvoll geflochtene Kränze auf dem Kopf.

Südseemädchen mit wunderschönen Kränzen

Südseemädchen mit wunderschönen Kränzen

 

Spalier für die Gäste - im Hintergrund dröhnen die Trommeln

Spalier für die Gäste – im Hintergrund dröhnen die Trommeln


Für heute ist ein Sonder-Flugzeug eingesetzt worden. Normalerweise gibt es nur dienstags und samstags eine kleine Maschine aus Tahiti. Die Trommler trommeln. Die Mädchen lächeln. Und es duftet nach Minze. Wo kommt denn bloß dieser Duft her?

Kunstvolle Kränze

Kunstvolle Kränze


Als sich die kleine Fähre sich von der Flughafeninsel her nähert, werden die Trommeln lauter. Die Mädchen schwingen die Hüften. Es wird gelacht und gerufen. Die Stimmung ist großartig. Ich habe Gänsehaut und die Nackenhaare stellen sich auf. Die Gruppen aus Hiva Oa und Hao werden wie eine Mischung aus Rockstars und lang vermisster Familienmitglieder begrüßt. Blumenkränze werden umgelegt. Küsschen verteilt. Die Blumenkränze haben unterschiedliche Qualitäten. Dünne Girlanden, üppige Blütenranken und für den Chef der Hiva Oa Truppe gibt es dicke Bänder aus Minze (aha!) mit eingeflochtenem Hibiskus.

Voluminöser Minzkranz

Voluminöser Minzkranz

Die Jungs von den Marquesas sind wilde Kerle mit Schweine-Hauern als Kette um den Hals.
Außer mir und Hank, unserem holländischen Nachbarn, sind keine anderen Ausländer dabei. Ich werde freundlich in die Mitte genommen. Darf Fotos machen und man posiert ausgesprochen gerne für mich.

Der jonny Depp der Südsee ist auch dabei

Der Jonny Depp der Südsee ist auch dabei

 

Die angekommenen Gäste bedanken sich für den Empfang mit einer Art Sprechgesang. Einer spricht-singt vor, die anderen fallen ein. Lieblich ist der Gesang nicht, es wird eher geschrien. Grob, mit rauer Stimme. Es fällt viel das Wort ‚Rikitea‘, der Rest bleibt mir verborgen. Aber die Botschaft wird klar. Die kehligen Worte gehen unter die Haut. Wieder die aufgestellten Nackenhaare.
Wenn schon die Begrüßung ein Fest der Sinne ist, wie mag dann die eigentliche Feierlichkeit werden?

Junge und alte Blumenmädchen

Junge und alte Blumenmädchen

Jonny

Jonny

Sonntag gleich Kirchentag

So., 07.Apr.19, Franz.Polyn./Gambier/Insel Mangareva/Rikitea, Tag 1771, 17.385 sm von HH

Ziemlich schnell nachdem die ersten Europäer, wie James Cook, Käpt’n Bligh und spanische Konquistadoren, ihre Füße auf Südseeinseln setzten, kamen die Missionare.
Ein gutes Beispiel für das Unheil, was die christliche Kirche anrichten kann, ist das Gambier Atoll. Unter der Knechtschaft eines verrückten Priesters kamen vor 150 Jahren über viertausend Menschen um.
1834 wanderte der französische Priester Honoré Laval auf Mangareva ein. Zuerst bekehrte er den letzen König von Gambier zum Christentum, um ihn anschließend brutal zu unterdrücken.
Laval war besessen von einer Bauwut. In 37 Jahren seiner Unterdrückung, entstand in Rikitea die größte Kirche Polynesiens, die heute die Kathedrale der Südsee genannt wird. Unzählige Kapellen, neun weitere Kirchen, zwei Gefängnisse und Klöster gehen auf seine Kappe. Mit drastischen Maßnahmen zwang er die Bevölkerung seine merkwürdigen Bauwünsche umzusetzen.
Während dieser Zeit starben 90 Prozent der Bevölkerung. Nur knapp 500 Menschen überlebten.
Am Ende seiner Schreckensherrschaft wurde Laval in Tahiti des Mordes angeklagt, aber für geisteskrank erklärt.

Noch heute findet man überall Überreste seiner Bauwut. Kleine Kapellen, Torbögen, Türmchen und ein, zur Ruine verfallenes, Kloster.

Wildromantische Überreste vom Kloster

Wildromantische Überreste vom Kloster

Alles ist dem Verfall preisgegeben

Alles ist dem Verfall preisgegeben

Die Südsee-Kathedrale ist renoviert und sonntags wird zum Gottesdienst geläutet. Aufgerüscht und nett zu recht gemacht, findet sich das halbe Dorf zur Messe ein. Der Küster winkt uns trotz unserer Wanderschuhe freundlich herein und weißt uns einen Platz in der letzten Reihe zu. Auf dem Altar, verziert mit Perlmutt, soll sich eine große, schwarze Perle befunden haben, die sich heute im Vatikan befinden soll.

Die größte Kirche Polynesiens

Die größte Kirche Polynesiens

 

Gesungen (hübsch und mit Inbrunst) wird in Landessprache – in Reo Mangareva. Die Predigt erfolgt im Mix -auf Französisch und Reo. Nach kurzer Zeit verkrümeln wir uns wieder. Kein Problem. Der Küster nickt uns erneut freundlich zu. Die Kirchentür steht die ganze Zeit offen und die Locals kommen und gehen ebenfalls, wann sie Lust haben.