Archiv der Kategorie: Nereid’s Rally

Ausflug nach Bartica

Di., 13.Sep.16, Guyana-Hurakabra, Tag 836, 7.092 sm von HH

Davide, unser Rally-Organisator nimmt Heike und Herwig von der Worddancer II und uns mit nach Bartica. Er muss sich dort noch um die Einklarierung der Crews kümmern. Ursprünglich war geplant, dass ein Officer von der Immigration nach Hurakabra kommt, einen Stempel mit Bundes-Adler mitbringt und wir offiziell eingereist sind.
Trotz Minister-Präsenz von gestern und vielen Telefonaten von Kid und Davide klappt diese smarte Idee leider nicht. Immerhin darf Davide mit allen Pässen und Papieren für uns Yachties eine Sammel-Einklarierung vornehmen. Für uns Crews bequem, für den armen Davide viel Papier-Krieg

Auf diesem Weg begleiten wir ihn und haben gute Gelegenheit einen Bummel durch die Western-Stadt zu unternehmen. Geprägt von Goldgräber-Stimmung der nahen Minen, muten die Häuser an wie aus Cowboy- und Indianerfilmen.

Alles wird über Wasserwege transportiert. Straßen spielen in diesem Land eine untergeordnete Rolle.
Der Wasserbahnhof ist ein wuseliger Ort.
Menschen reisen an. Zig Personen fallen aus dem Großraum-Wasser-Taxi. Sie werden neben Schläuchen, Generatoren und sonstigen Gütern auf kleine Boote um geschleust.
Für uns nicht zu durchschauen, weiß jeder wohin er muss.
Andere warten geduldig auf ihre Abfahrt.


Fast Einhundert Kilometer flussaufwärts, tief im Dschungel, ticken die Uhren langsamer.
Die Kassiererin im Supermarkt trägt jeden Artikel handschriftlich in einen Quittungs-Block ein. Der zu zahlende Betrag wird mit Taschenrechner ermittelt. Der Junge, der die Waren in Tüten verpackt, steht geduldig daneben.

Einer der täglichen Regengüsse zwingt uns eine Pause auf, bevor wir mit dem Dinghy zurück fahren können. Das gibt uns die Gelegenheit den Mittags-Snack der Einheimischen zu probieren: Reis mit Bohnen und undefinierbarem Fleisch. Huhn soll es sein, ist die allgemeine Hoffnung.
Sehr lecker gewürzt, pikant und mit einem Hauch Zimt.
Für 2,25 EUR eine gut sättigende Portion.

Nereid’s Rally ist die Presse-Sensation in Guyana

Mo., 12.Sep.16, Guyana-Hurakabra, Tag 835, 7.092 sm von HH

Zwei Fernsehteams, mehrere Zeitungsreporter, der Vorsitzende des Tourismus-Verbandes und der Wirtschaftsminister von Guyana geben sich die Ehre, uns dreizehn Yachten in Hurakabra zu begrüßen.

Es scheint wenig Großereignisse im Land zu geben, dass wir so ein Interesse erzeugen.

Eingeladen zu diesem Event hat Kid, der Betreiber vom Hurakabra Resort.
Bevor er das Resort aufgebaut hat, war der rührige, ältere Herr im PR-Bereich einer der Goldminen des Landes tätig.

Nun möchte er mit allen PR-Tricks sein Resort bekannt und Guyana für Yachten attraktiv machen.
Seine früheren Kontakte scheinen es ihm zu ermöglichen, dass er Minister und Verbände zum Kommen bewegen kann.

Der Minister erscheint hemdsärmelig und nur mit kleinem Hofstaat.
Wir werden ihm alle persönlich vorgestellt. Hierbei nimmt sich das Bemühen von Kid etwas albern aus. Bereits am Vorabend wurden wir eingenordet, ja pünktlich um 10:00 Uhr in der Bar zu erscheinen und in einer festgelegten Folge haben wir uns in Reihe aufzustellen.

Minister und Tourismus-Vorsitz zeigen sich interessiert an den Geschichten und Reise-Motiven der Rally-Teilnehmer. Auch Fernsehen und Zeitung führen eifrig Interviews mit uns.

Es werden Reden geschwungen. Gute und etwas Langweiligere.
Der Tenor ist der Gleiche: Guyana ist sehr bemüht darum den Tourismus weiter auszubauen.
Man möchte ein attraktives Urlaubsland werden, dass mit unberührter Natur und großartigen Wasserfällen die Touristen lockt.
In uns Yachties sieht man ein hohes Potential an Verbreitung von Informationen über Guyana.
Sei es über Blogs oder dass am Ankerplatz erzählt wir, wie toll es sei, dieses kleine unerschlossene Land zu besuchen.
Neben dem offiziellen Part gibt es für alle ein Mittagessen als Buffet. Typische lokale Spezialitäten werden geboten. Untermalt von einem DJ, der die aufgelegten Platten mit seiner Steel-Drum begleitet.

Der optische Höhepunkt des Nachmittags sind die Anwärterinnen für den Titel ‚Miss Guyana 2016‘.
In Stöckelschuhen und Bikini posen die Mädels für einen Fotografen bis die Linsen glühen.
Die männlichen Teile der Crews lungern in der Nähe des Schauplatzes herum.
Kontinuierlich wird den Schönheiten näher auf die Pelle gerückt.

 

Neben dem Shooting im Bambus soll noch eins auf der größten Segel-Yacht stattfinden.
Die jungen Damen hüpfen also alle in eines der Schnellboote. Sie sind schon ein gutes Stück auf ihrem Weg als der anwesenden Polizei-Präsenz auffällt, dass dies ohne Schwimmwesten nicht erlaubt ist.
Einige der Mädchen können nicht schwimmen, wie sich bei der Entladung des Bootes heraus stellt. Wie unpraktisch in einem Land, dessen Eigenname Guyana ‚Land der vielen Wasser‘ bedeutet. :mrgreen:

Genug Schwimmwesten sind jedoch nicht aufzutreiben.
Jetzt schlägt die Stunde der Skipper: in PS-schwachen Dinghies ist es offensichtlich erlaubt die Mädchen zur Yacht zu transportieren. So schnell kann man gar nicht gucken, wie einige Herren sich eine Fuhre von zwei, drei Mädchen ins Dinghy Laden.
Einmal mit Miss-Wahlen-Anwärterinnen in einem Boot sitzen. ;-)

Ein netter Tag mit ein wenig Slap-Stick und Muppet-Show dabei.
Mehrfach werden wir nachdrücklich aufgefordert unsere Schiffe über die Toppen zu schmücken.
Immerhin bleiben die Menschen von so einem Dress-Code verschont.

Das ganze tut aber nicht weh und immerhin werden die Interviews noch am gleichen Tag in den Nachrichten gezeigt. Auch die Titelseite vom Guyana-„Express“ berichtet über das größte touristische Ereignis, was in Guyana stattfindet.

Dschungel Walk in Hurakabra

So., 11.Sep.16, Atlantik, Tag 834, 7.092 sm von HH

Unser „Gastgeber“ für die 10 Tage Aufenthalt in Guyana ist das Resort Hurakabra.
Kid und seine Frau Gem haben vor 10 Jahren Urwald bewohnbar gemacht und betreiben seit sieben Jahren das Hotel.

Gut gebucht ist das zur Zeit nicht. Genau genommen gibt es gar keine Gäste.
Wir Rally-Teilnehmer sind in der Bar, zahlungswillig,  willkommen, dürfen Billard und Tischtennis nutzen und können Touren buchen, die üblicher Weise für Resort-Gäste organisiert werden.

Unser erster Ausflug soll ein drei-Stunden-Fußmarsch durch den Dschungel sein.
Kid stimmt uns vielversprechend ein: Lange Hosen und feste Schuhe seien wegen Giftschlangen Pflicht. Es ist möglich, dass wir Affen sehen und es gibt Jaguare gleich in der Nachbarschaft.
Er habe morgens schon die entsprechenden Fußstapfen am Strand gesehen.

Unser einheimischer Guide Mike, unterstreicht durch sein Outfit die potentielle Existenz solcher Wildkatzen: Mit Machete und Pump-Gun ausgerüstet, führt er den Tross an.

Natürlich sehen wir nichts. Da hilft auch der frühe Start um 6.00 Uhr morgens nicht.
Bei einer Horde von über zwanzig schnatternden Seglern war das auch nicht zu erwarten.

Spaß macht der Walk trotzdem.
Allein die Geräusch-Kulisse ist beeindruckend. Zikaden so laut wie ein Rasenmäher, hämmernde Spechte, krächzende Papageien, unbekanntes Vogel-Gezwitscher und -Geraschel begleiten uns.

Tag 6 – Ankunft in Hurakabra

Sa., 10.Sep.16, Atlantik, Tag 833, 7.092 sm von HH

Mein erster Griff gilt dem Fernglas als wir auf der anderen Fluss-Seite Masten von Yachten erblicken. Ich zähle durch…unfassbar, wir sind nicht die Letzten auf der ersten Etappe der Nereid’s Rally. :-)
Den wirklich guten, vorletzten Platz konnten wir uns sichern.

Über Funk erfahren, wir, dass wir nicht nach Bartica zum Einklarieren müssen. Das ist zwar nur ein paar Meinen flussaufwärts, aber so ist es viel einfacher.
Wir dürfen alle bis Dienstag ‚inoffiziell‘ an Land gehen und Davide erledigt die Formalitäten für uns.

Um 15:00 Uhr gibt es ein erstes Crew-Treffen. Neben großem ‚Hallo‘ mit bereits bekannten Gesichtern und ’nice to meet‘ you mit neuen Crews, kommt die Ernüchterung: Eine Yacht ist noch in Bartica wegen eines Segel-Schadens. Die seien allerdings bereits am Vormittag dort gewesen. Vor uns.
Nun, was soll’s. Dann sind wir eben doch die Letzten. :shock: :sad:
Die Öko-Bilanz sieht miserabel aus. Fast die Hälfte der Meilen mussten wir motoren. Dabei ist uns nicht der Vorwurf zu machen, es nicht segelnd versucht zu haben. Unsere tapfersten vier Stunden zeigen eine Strecke von grade mal 10 sm auf. Jede Oma hätte uns da überholt.

Die erste Etappe der Rally hat nicht den Zweck erfüllt unsere Feuer-Probe zu sein, auf lange Distanz mal hoch am Wind segeln zu müssen. Wind und Welle waren einfach zu schwach, um ein Bild davon zu geben, wie gut wir das aushalten können.
Ohne die Squalls und das Gewitter, wäre es eine reine Kaffe-Fahrt gewesen.
Allerdings haben wir mehr Segelmanöver in den sechs Tagen vornehmen müssen als gesamt im letzten Jahr. Und Squalls hatten wir bislang ebenfalls noch nicht kennen gelernt.

Die letzten 40 Meilen auf dem Essequibo waren spannend.
So ein Urwald-Fluß unterliegt einem ständigen Wandel, unsere Navionic-Karte hat ein paar Monde auf dem Puckel und Seezeichen sucht man im Gewirr der Inseln und Kanälen vergebens.
Navigiert haben wir nur an Hand von Wegpunkten, deren Autor und Herkunft unbekannt ist. Diese werden von Segler zu Segler weiter gegeben.
Schön sind die Stellen im Fluss an denen der Tiefenmesser mehr anzeigt als die Karte.

 

 

 

 

 

Tag 5 – Anker-Stopp im Essequibo-Delta

Fr., 9.Sep.16, Atlantik, Tag 832, 7.049 sm von HH Das Unwetter, was uns gestern die Hucke vollgehauen hat, verzieht sich dann doch irgendwann. Zurueck bleibt Flaute. Kein einziger Windhauch treibt uns voran. Saemtlicher Wind ist von dieser Unwetter-Zelle weggesogen worden. Wir schmeissen den Motor an und hoffen auf Besserung. Wenigstens das Angel-Glueck wohnt an Bord und beschert uns einen Caripe, auch Tuny Fish genannt. Das Fleisch ist dem Thun sehr aehnlich und wird zu Fisch-Curry verarbeitet. Yummi! Das reicht in jedem Fall wieder fuer zwei Tage. Leider haelt die Flaute bis heute Mittag an. Das bedeutet, 24 Stunden am Stueck droehnt der Motor. Wenn ich etwas noch ’schlimmer‘ als segeln finde, dann ist es motoren. ;-) 452 sm liegen nun hinter uns als wir vormittags den Essequibo erreichen. Am Essequibo, einem der groessten Fluesse Guyanas, liegt 45 sm flussaufwaerts unser erstes Rally-Etappen-Ziel: Bartica. Wir kommen drei, vier Stunden zu spaet im riesigen Fluss-Delta an, um noch heute Bartica zu erreichen. Im Dunkeln wollen wir auf keinen Fall im Wirrwarr dieses Flusses verloren gehen. Zudem steht die Stroemung nachmittags gegen uns. Also verholen wir uns ein paar Meilen den Essequibo hoch bis die ersten Flussinseln beginnen. Der Essequibo ist ein wahres Labyrinth aus Kanaelen, Inseln, Inselchen und Untiefen. Je weiter man vordringt, desto enger und verschlungener wird der Weg. Jetzt liegen wir an einem der abgefahrensten Ankerplaetze, die wir je hatten. Vor einer Fluss-Insel, Tiger-Island, mit offenem Blick aufs schlammige Fluss-Delta und einem Traum-Strand, wie selten gesehen. Nach wie vor geht kein Windhauch und es ist totenstill. Nur ein paar Vogelrufe dringen aus den Palmen- und Buschwerk zu uns rueber. Libellen umkreisen uns. Eine perfekte Idylle. An Land duerfen wir nicht, da wir noch nicht in Guyana einklariert haben. Es wird im Revierfuehrer dringend abgeraten dagegen zu handeln. Somit geniessen wir den Blick und die himmlische Ruhe nach dem ganzen Motor-Krach. Morgen mit dem ersten Niedrigwasser geht es um 5:00 Uhr weiter. Dann werden wir mit der Stroemung wohl am Nachmittag Bartica erreichen. Unsere Mitstreiter, die Worlddancer, haben wir aus den Augen verloren. In der Nacht hatte sie knapp 20 sm Vorsprung vor uns und ist dann von der AIS-Anzeige verschwunden. Auch ein verabredeter Funkkontakt konnte nicht hergestellt werden. Bislang ist hinter uns ist kein weiterer Teilnehmer der Rally aufgetaucht. Wir vermuten grad ganz verzweifelt, dass wir das Schlusslicht dieser Regatta sind. :sad: