Heiva auf Hao

Fr., 28.Jun.19, Franz.Polyn./Tuamotu/Insel Hao/d’Otepa, Tag 1853, 17.889 sm von HH

Seit vier Wochen beobachten wir, dass auf dem Platz zwischen Versorgungs-Schiff-Anleger und Rathaus Wellblechhütten zusammen gezimmert werden. Unansehnliche Buden – der Platz gleicht schnell einer Geisterstadt. Aber plötzlich werden tonnenweise Palmenwedel angeschleppt. Tagelang sitzen die Frauen beieinander und flechten wunderschöne Verkleidungen für die Hütten.

vorher

nachher

Heiva bedeutet ‚Zusammenkunft auf einem öffentlichen Platz‘ und findet im Juli auf fast allen polynesischen Inseln statt. Berühmt ist das Heiva auf Tahiti. Perfekte Tanzshows mit perfekten Kostümen an perfekten Körpern werden dort vor zahlungskräftigem Publikum gezeigt.
Auf Hao dient das Heiva zur Unterhaltung der Einheimischen und gleicht einer Kirmes aus den 70er Jahren. Es fehlt nur das Kinderkarussell. Der Bürgermeister spricht ein paar Eröffnungsworte mit Blumenkranz um den Hals. In den Buden stehen Fußballkicker, Billardtische und ein Basketballkorb, der elektronisch die Treffer zählt. Die Teenager-Jungs sind begeistert. Jeder, der sich traut, wird von einer Traube Schaulustiger umzingelt.
Der „Schießstand“ zum Luftgewehr schießen ist herrlich. Im Wind wackeln die Zielscheiben, die mit Wäscheklammern vor Palmenkulisse aufgehängt wurden. Fünf Schuss kosten 2 USD – Treffer unmöglich. :lol: Die Kinder, die den ganzen Tag mit Schnur und Angelhacken an der Mole stehen können, versuchen sich beim fröhlichen Entenangeln. Zu gewinnen gibt es, wie überall auf der Welt, billigen Plastik-Schrott.

Billard statt Autoscooter

 

Entenangeln

 

Schießstand in Polynesien

Einige der Hütten wurden zu Restaurants eingerichtet, aber am Eröffnungsabend sind alle Tische reserviert. Allerdings sitzt kaum jemand an den Tischen. Das System erklärt sich uns nicht. Dort wo es Pizza geben soll, liegen vertrocknete Stücke in einer Vitrine. Wenig verlockend, vielleicht sind die vom Probebacken am Nachmittag übrig geblieben. Auf Nachfragen wird eifrig genickt: Jawohl, es gibt Pizza. Typischer Pizzaduft fehlt allerdings und wir sehen niemanden Pizza essen oder nach Hause schleppen. Etwas frustriert geben wir auf. Hier bekommen wir heute nichts zu essen.

Nette Restaurants – innen mit Tüchern dekoriert

ohne Kunden

 

Alkohol wird übrigens auch nicht verkauft und der Konsum im Heiva Dorf ist strikt verboten. Auf Mangareva wurde während des Festivals sogar der Alkohol-Verkauf im Supermarkt untersagt. Dort waren alle Flaschen in der Zeit weggeräumt.

Neben dem Rummelplatz werden Wettkämpfe in traditionellen und modernen Disziplinen ausgetragen: Singen, Volleyball, Blumen flechten und Biathlon (Fahrradfahrern und Laufen statt irgendwas mit Schnee). Vier Wochen dauert die ‚Heiva‘ auf Hao. Jeden Tag gibt es nur einen kleinen Happen zu sehen. Die Attraktionen, wie Tanzen, leider erst ganz zum Schluss. Solange wollen wir dann doch nicht mehr bleiben. Warum man die Veranstaltung so in die Länge zieht, ist uns unklar. Der Rummelplatz und die Restaurants sollen jeden Tag geöffnet haben. Der Gesangswettbewerb am zweiten Abend findet bereits vor leeren Stühlen satt. Nicht ganz zu unrecht. :mrgreen: Es singe, wem Gesang gegeben.

Der Gesangswettbewerb stößt auf wenig Interesse

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