Ankunft auf Raroia

Fr., 19.Jul.19, Franz.Polyn./Tuamotu/Raroia/Ngarumaoa, Tag 1874, 18.073 sm von HH
Der Pass von Hao hat die erwartete ausgehende Strömung, als wir um 12:00 Uhr dort ankommen. Perfekt. So langsam glaube ich, dass unsere Berechnungen Kopf und Hut haben. Mit milden zwei Knoten Strömung und harmlosen Kabbelwasser spuckt uns die Lagune aus. Wir haben jetzt 27 Stunden Zeit noch bei vernünftigem Tageslicht in Raroia anzukommen. Bei 160 Seemeilen wird das eng. Und richtig, in der Nacht lässt der Wind nach, der anfängliche Schnitt von sechs Knoten geht runter auf fünf. Schnell ist klar, das bedeutet eine zweite Nacht auf See.
Die Bedingungen sind nicht schlecht; Wind schräg von hinten, nicht zu viel Schwell; könnte schlimmer sein. Um Mitternacht in Nacht zwei erreichen wir bereits Raroia. Im Windschatten- bzw. Schwellschatten des Atolls machen wir es uns gemütlich und liegen bei. Unsere Lieblingsmethode seit Pitcairn, um Zeit zu schinden. Fast bewegungslos treiben wir bis zum Morgengrauen vor dem Passeingang. Dann heißt es rein in den Pass, Hebel auf den Tisch, Augen zu und durch. Das nächste Stillwasser soll erst um 13:00 Uhr sein, so lange wollen wir nicht warten. Fünf Knoten blasen uns entgegen. Das Wasser sieht schauerlich aus: Handballfeld große Flächen sind spiegelglatt gezogen; daneben kocht und brodelt wie im Zaubertrank-Topf. Dazwischen gibt es Strudel, die aussehen als wollten sie uns in die Tiefe ziehen. Wasser wirbelt durcheinander, wir erreichen den Bereich der stehenden Wellen. Atanga müht sich langsam vorwärts. Ich gebe mehr Schub, sonst fahren wir rückwärts. Quälend langsam kommen wir voran und dann, zack, wie abgeschnitten, reißt die Strömung ab. Wir sind im Atoll.

Alien-Wasser im Pass

Wir tuckern gemütlich vor den Ort, keine fünf Meilen weiter. Es ist noch früh, nicht mal 8:00 Uhr. Der Weg dorthin ist gut betonnt. Der Anker fällt auf zwölf Meter. Tiefe Plätze sind die Regel auf den Tuamotu, nicht die Ausnahme. Hier wollen wir bleiben bis der Wind etwas nachgelassen hat und die Sonne höher steht. Dann wollen auf die unbewohnte Seite des Atolls.
Aber der Mensch plant und Gott sitz auf seiner Wolke und haut sich vor Lachen die Hände auf die Schenkel: bereits um 9:00 Uhr steht fest, wir brechen auf, direkter Weg Tahiti. Ankunft in vier Tagen. Warum? Was ist passiert? Die Geschichte gibt es Morgen. ;-)

4 Gedanken zu „Ankunft auf Raroia

  1. michael

    Danke für eure Berichte von unterwegs. Für die, die noch nicht los können zwar manchmal nicht einfach aber immer ein Ansporn. Und sehr nett geschrieben.

    Handbreit
    Michael

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  2. Ulrich von Ruedorffer

    Seit über fünf Jahre folge ich diesem Blog und genieße es. Ohne würde mir wirklich was fehlen. Ich staune immer wieder, wie es nach dieser Zeit immer noch interessant, lustig und spannend sein kann. Einfach gut geschrieben und sehr lesenswert. Nun bedienen sich die Autoren auch noch das Stilmittels „Cliffhanger“! Das ist überhaupt nicht nötig und ich benötige dringend die Auflösung, was da mit Raroia war!!!! Macht‘s gut und schreibt! Uli

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    1. AKKA

      Scheint ja zu funktionieren, die Cliffhanger-Technik. Sauber!

      Ansonsten: AKKA wartet… auf Auflösung. Was Technisches, sagt mir das Smiley am Ende…
      Der Herd – wie bei uns – zusammengebrochen. Was zum Teufel geht am Ankerplatz kaputt, so dass man nach einer Stunde die Weiterfahrt beschließt? Die EHE?!

      Gruß
      Andrea

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