Wofür ist so eine Langfahrt gut?

Fr., 09.Aug.19, Franz.Polyn./Tahiti/Phaeton, Tag 1895, 18.355 sm von HH

In erster Linie, um die eigene Frustrations-Grenze zu testen! :mrgreen:
Achim hat mir gebeichtet, dass er heute Morgen im Dinghy gesessen hat und erst mal aufs Meer hinaus schreien musste. Dass ich sowas mache … aber er … , da muss es schon knüppeldick kommen. Schuld an diesem Ausbruch ist unser Wassermacher.
Frohgelaunt sitzen wir auf dem blitzsauberen Kahn, freuen uns des Lebens und schmieden Pläne. Und der liebe Gott lacht sich schon wieder einen ins Fäustchen.

Der Wassermacher, der vor dem Landstand noch einwandfrei funktionierte, macht plötzlich keinen Liter Wasser mehr. Die Hochdruckpumpe läuft, baut aber keinen Druck mehr auf. Es ist nicht das erste Mal, dass wir mit dem Wassermacher Probleme haben. Die besagte Pumpe ist bereits schon einmal getauscht worden. Und die Vorpumpe bereits zweimal.
Kontakt zum Hersteller ist aufgenommen. Achim möchte seinen Rat, bevor er die Hochdruckpumpe auseinander nimmt. In Polynesien ohne Wassermacher zu sitzen, ist ein schlecht gewählter Ort. Wir haben noch 50 Liter Trinkwasser in Flaschen. Unsere Reserve auf See, falls mal ‚etwas sein sollte‘. Die wird schnell aufgebraucht sein. Und neues Trinkwasser steht noch im Supermarkt und der ist für kiloschwere Transporte unangenehm weit entfernt.
Brauchwasser ist nicht so das Problem; es regnet häufig genug, da können wir Wasser auffangen. Aber bei dem Lauf, den wir haben, vermuten wir, dass es nie wieder regnen wird. Da wir seit über drei Wochen nichts mehr gefangen haben, besteht unser Wasservorrat noch aus ungefähr 250 Litern. Das ist in 14 Tagen weg, wenn wir weiter so herum aasen.

Das Wasser in der Werft ist ungeeignet, zu viel Sand in der Leitung. Dann erinnern wir uns bei unserer Ankunft von einer Zapfstelle für Trinkwasser am anderen Ende der Bucht gehört zu haben. Also macht Achim sich mit Kanistern im Dinghy auf den Weg. Am nördlichen Ende wird die Bucht schlammig und flach. Viel zu flach für den Außenborder. Achim steigt aus und zieht das Dinghy hinter sich her, schwer durch den Schlick stapfend. An Land läuft er am schmutzigen Ufer entlang, sucht nach dem beschriebenen Wasserhahn.
Ein paar Häuser stehen am Ufer, ein Gartenschlauch liegt auf dem Rasen. Soll das die Zapfstelle sein? Wohl eher nicht. Zu dem Gartenschlauch gehört ein zähnefletschender Hund, der sich vor Achim aufbaut und ihm unmissverständlich zu verstehen gibt, wer der Chef im Garten ist. Achim greift eine Kokosnuss, der Köter versteht und haut ab. Hunde reagieren seit Südamerika mit eingeklemmten Schwanz darauf, wenn man sich nach einem Stein bückt. Die Tiere sind Kummer gewöhnt.
Achim stapft noch eine Weile weiter am Ufer entlang auf der Suche nach dem Wasserhahn und gibt schließlich auf. Auf dem Rückweg zum Schiff schreit er dann den unschuldigen Ozean an.

Die Wasserhahnsuche

Wie es jetzt weiter geht, wissen wir noch nicht. Wir haben ja noch andere Baustellen.
Morgen haben wir ein Auto gemietet und fahren nach Papeete. Dort haben wir neue Wanten bestellt (Da war doch was – in Gambier festgestellt – ihr erinnert euch? Das zweite gebrochene Want – in Hao entdeckt – habe ich gar nicht mehr erwähnt).

Die Bestellung der Wanten ist auch so eine Geschichte: Mat von ‚Mat Rigging Services‘ will Vorkasse! Akzeptiert aber keine Kreditkarten. Nur Überweisung oder Bargeld. Eine Überweisung auf sein Konto scheitert, weil unser Banking-Programm keine ‚Cours de Franc Pacific‘ überweisen kann. :roll:
Also cash. Aber wie kommt das Geld nach Papeete? Und das noch diese Woche, weil Mat in den Urlaun geht? Wir sind auf dem Yard noch mit dem Schiff beschäftigt und nach Papeete und zurück fahren, da ist mehr als ein halber Tag verpufft.
Wir haben Vertrauen in unseren französischen Nachbarn Gilbert, der sein Schiff an Land gerade blau spritzt und in Papeete wohnt. Wir drücken ihm 700 Dollar in die Hand mit der Bitte, diese bei Mat Rigging abzugeben. Kann man ja mal machen, man hat dem Mann ja bereits dreimal geholfen seinen Kompressor ins Auto zu heben und dreimal ein kleines Schwätzchen gehalten. Das muss reichen, um jemanden gut genug kennen zu lernen.
„Mach ich gerne für euch“, sagt Gilbert und nimmt das Geld. Am nächsten Tag kommt eine Quittung per Mail von Gilbert – mit Foto: ‚Geld erhalten‘ bestätigt Mat.

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