Schlimmer geht nicht

So., 11.Aug.19, Franz.Polyn./Tahiti/Phaeton, Tag 1897, 18.355 sm von HH

Wenn du denkst, schlimmer kann es nicht kommen, dann liegt irgendwo ein Schild ‚Coiffeur‘ herum. „Haarschnitt – Erwachsene 10 USD, Kinder 5 USD“. Das Schild gehört zu Ava, die sich auf dem kleinen maritimen Flohmarkt in der Marina etwas dazu verdienen möchte:
Sie ist jung, Amerikanerin und eigentlich ganz nett. Ich zeige auf ihr Schild und sie nickt: „Kann sofort los gehen“.
Wir leihen uns einen Stuhl, ich mache meine Haare im Waschbecken in der berühmten Männerdusche nass und wir verziehen uns in eine Ecke.
„Du kannst aber Haare schneiden ?“, vergewissere ich mich. Ich berichte ihr von meinem schlimmen Erlebnis in Mexiko und dem schiefen Pony in Kolumbien.
Sie lacht und nickt erneut und macht einen kompetenten Eindruck: „Wenn das Haar zu schwer ist, sitzt es nicht. Es muss leichter werden. Ich dünne es etwas aus.“ Für diesen Zweck hat sie sogar ein Rasiermesser dabei. Vertrauensvoll lasse ich mir einen Umhang umlegen und nehme Platz. Ohne Spiegel fehlt mir eine optische Kontrolle, aber es fühlt sich alles richtig an.
Ava fängt nach Friseur-Art das plaudern an. Wo sie herkommt und dass sie eigentlich Web-Designerin ist. „Ich bin kreativ im Netz und beim Haareschneiden“ Ich werde nicht misstrauisch, sondern unterhalte mich weiterhin nett mit ihr. Dabei höre ich das Messer kratzen und die Schere klappern. „Leicht muss es ein! Leicht!“ Das Messer kratzt, die Haare fliegen.

Der halbblinde Spiegel in der Dusche gaukelt mir ein ‚okay‘ vor. Achim sagt nichts zu meiner Frisur, sondern zuppelt nur an einzelnen Strähnen herum. An Bord werde ich dann das Ausmaß der Katastrophe gewahr. Schlimmer geht es nicht. Der Pony ist an den Seiten kürzer als in der Mitte. Stellenweise ist das Haar so ‚leicht‘, dass ganze Partien fehlen. Hinter den Ohren zum Beispiel. Und an einer Pony-Seite. Und auch vor den Ohren … Die dünnen Haare stehen wie Antennen vom Kopf ab. Nicht zu bändigen. Und ich dachte, schlimmer als in Mexiko kann es nicht werden.

Achim sagt jetzt doch etwas zu meiner Frisur als er Fotos machen soll: „Es sieht wirklich scheiße aus!“ :mrgreen: Es geht doch nichts über einen liebenden Ehemann. „Du kannst dir ja eine Pudelmütze aufsetzen“. Und viele gute Ratschläge mehr.
Ich glaube, ich gehe jetzt etwas das Meer anschreien.

große Katastrophe

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10 Gedanken zu „Schlimmer geht nicht

  1. Elisabeth schmidt

    Das nenn ich mal kreativ.
    Warum auch immer dieser Konformschnitt???
    Es könnte dir sogar richtig gut stehen, aber das sieht man so nicht.

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    1. Sabine

      Von hinten sehe ich aus wie Oma Duck … oder wie Gustav Gans. Es steht mir nicht. Mein sowieso langes Pferdegesicht ist jetzt noch länger.

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  2. Karin Biener

    Ich lese hier gerne mit und freue mich über jedes Lebenszeichen von Ihnen, hatte aber noch nie das Bedürfnis, einen Kommentar abzugeben. Bis auf jetzt, da ich gesehen habe, was ein sadistischer Friseur so alles anrichten kann.
    Mein herzliches Beileid. Da hilft nur die Flucht nach vorne mit einem Schnaps und einem Häkelmützchen. Ich weiß gar nicht, ob ich mehr lache oder weine. „Es wächst ja wieder“ ist auch kein Trost.
    Mitfühlende Grüße von Karin

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    1. Sabine

      Häckelmützchen klingt gut. Hab schon den Tipp bekommen ein Tuch einzuarbeiten, damit sehe ich aus wie Witwe Bolte. Danke fürs Mitgefühl!

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  3. Ralph

    Bei den bisherigen Erfolgen solltet ihr mal mit dem Gedanken spielen dass Achim die Schere übernimmt. Dann bleiben wenigstens die 10 $ in der Familie.

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