Zurück, zurück, wir sind zurück auf Tahiti

Sa., 26.Okt.19, Franz.Polyn./Moorea/Cook’s Bay, Tag 1974, 19.020 sm von HH

Dabei fängt alles ausgezeichnet an. Der Wind weht in der vorhergesagten Stärke aus der vorhergesagten Richtung. Als wir die drei Meilen um die Ecke von Moorea herum sind, können wir Segel setzten. Hui, mit sechs Knoten sausen wir an Moorea vorbei. Kurs Süd mit halben Wind. Großartig. Es folgen fünf Knoten. Vier. Drei. Zwei. Ein Knoten – wir stehen. Das heißt, wir treiben. Nach Westen. Eine Strömung von einem Knoten treibt uns in die falsche Richtung. Es ist später Vormittag, wir sitzen auf unserem Kahn und überlegen. Vielleicht wirft Tahiti noch zu viel Windschatten auf uns? Wir werfen den Motor an und tuckern noch eine Stunde südwärts. Ohne Erfolg, kein Wind in Sicht. Maschine aus, Segel runter und treiben lassen auf spiegelglatter See.
Und nun? Vor uns liegen 350 Meilen. Wir können unmöglich die gesamte Strecke motoren. Wir diskutieren unsere Optionen. Zurück nach Tahiti, zurück nach Moorea oder treiben lassen. Die Dünung meint es ganz gut mit uns, wir schaukeln nicht mehr als an einem schlechten Ankerplatz. Die Nerven fangen trotzdem an blank zu liegen. Wir einigen uns auf den nächsten Wetterbericht zu warten. Um 16:00 Uhr können wir endlich die Daten abrufen. Diese Vorhersage widerspricht komplett der von gestern: Kein Wind die nächsten Tage.

Achim will umdrehen. Ich will das aussitzen. Vielleicht stimmt der Wetterbericht von heute ja genauso wenig wie der von gestern? Nach einer lebhaften Diskussion drehen wir um. Womit jetzt endgültig geklärt sein dürfte, wer bei uns an Bord die Hosen an hat. :mrgreen: „Ich bin vielleicht der Kapitän, aber der Admiral ist sie“, solche Sprüche sind nun vorbei.
Wo können wir jetzt noch hin? Einen Ankerplatz vor Einbruch der Dunkelheit zu erreichen, dafür ist es jetzt zu spät. Es bleibt nur Papeete, da können wir auch im Dunkeln reinfahren. Der schlechteste Platz im gesamten Universum, wie ich finde.“ Lass uns die Nacht auf Wind warten“, starte ich einen letzten Versuch. Ich werde überstimmt.
Die blöde Marina. Teuer, wenn man einzelne Tage bucht (45 USD); staubig, laut, keine Duschen, keine Toilette, keine Waschmaschine; aber den vollen Preis verlangen. Ich bin gepestet. Vom Wetterbericht. Vom Umdrehen. Von Achim.
Um 19:30 Uhr erreichen wir Papeete und werden von Brigitte von der Alrisha begrüßt. Na, wenigstens etwas. Das Anlergerbier schmeckt und mein (erneut) wichtig vorgekochtes Essen schmeckt auch in der Marina. „Was soll’s. Gräm dich nicht“, versucht Achim mich zu trösten. Er hat ja Recht und in Sichtweite von zwei Inseln zu treiben, ist auch nicht das Wahre fürs Nervenkostüm.

Heute Morgen dann Wasser auf Achims Mühle: Der Wetterbericht bestätigt den von gestern. Kein Wind in Sicht für die nächsten Tage.
Aber warum sehe ich dann am Nachbarschiff die Wäsche flattern? Waagerecht? Es fliegt einem die Perücke vom Kopf.
Zu gerne würde ich erfahren, ob draußen auch Wind weht.

Segeln und treiben vor schöner Kulisse

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