Mara’amu Warnung

Sa., 06.Jul.19, Franz.Polyn./Tuamotu/Insel Hao/d’Otepa, Tag 1861, 17.889 sm von HH

Mara’amu wird stürmischer Wind aus Süd-Ost genannt, der zwei Stunden, zwei Tage oder zwei Wochen anhalten kann. Wir haben gerade einen Acht-Tage-Mara’amu hinter uns. Mit Böen von über 40 Knoten, das ist Windstärke 9.
Die Lagune hat sich in einen Hexenkessel verwandelt. Der Wind hat kann Anlauf von über 50 Kilometer nehmen und mischt die schützende Lagune ordentlich auf. Die Wellen brechen sich an der Hafenmauer und steigen zum Teil sogar über. Im Prinzip liegen wir in unserem Hafenbecken gut geschützt und brauchen uns keine großen Sorgen machen.
Wäre da nicht das Volllaufen der Lagune.
Über die Riffkante schaufeln von außen vier Meter hohe Wellen die Lagune voll. Der schmale Pass im Norden ist hoffnungslos überfordert, das Wasser fließt nicht schnell genug wieder ab. Der Pegel steigt. Innerhalb von Stunden liegen wir bereits einen Meter höher an unserer rauen Betonwand. Zum Glück werden wir von der Pier weg gedrückt.

Wir liegen sicher hinter der Mauer

Nach drei Tagen beginnt die Lagune zu atmen. Das Wasser steigt und sinkt – alle dreißig Minuten um zwanzig Zentimeter. Man kann dabei zuschauen, wie die Kaimauer verschwindet und wieder auftaucht. Total gruselig. Wir machen uns ernsthafte Sorgen. Wie hoch steigt das Wasser noch? Wir haben keine Ahnung. Die Einheimischen geben Entwarnung: es sei noch nie vorgekommen, dass der Wasserstand höher als die Pier gestiegen ist. Allerdings sei das heftige Ansteigen und Fallen des Wassers ungewöhnlich.

Nach ein paar Tagen dreht der Mara’amu und drückt nun uns jetzt gegen die Betonmauer. Betonmauer-Stummel ist besser. Ein großer Teil der Wand liegt ja bereits unter Wasser. Unsere Fender schwimmen auf und drohen wirkungslos zu werden, wenn der Pegel weiter steigt. Wir brauchen etwas, was nicht schwimmt und Atanga trotzdem vor der Mauer schützt. Achim findet zwei Autoreifen. Besser schwarze Streifen auf weißem Schiff als hässliche Schrammen. Not kennt kein Gebot.
Dann bringen wir noch den Zweitanker aus. Mittschiffs und im rechten Winkel zu Atanga soll er uns von der Mauer fernhalten. Das funktioniert ganz gut. Die letzte Nacht mit Mara’amu überstehen wir ebenfalls unbeschadet.

Die vier schlimmsten Nächte haben wir schlecht geschlafen, aber jetzt ist alles überstanden. Der Wind hat sich abgeschwächt, der Regen ist vorbei. Die Einheimischen sind ebenfalls betroffen. Die Wellen sind auf Höhe der Grundschüle über die komplette Insel gerollt. Die Schule steht unter Wasser, die Straße ist gesperrt. Palmenwedel liegen auf den Wegen, Äste sind abgebrochen, lose Wellbleche klappern. Und Internet gab es auch kein.
Besonders übel trifft es die Kinder aus dem College. Die Ferien haben begonnen und die Internatsschüler sollten bereits Donnerstag abgeholt werden, um auf ihre Atolle gebracht zu werden. Aber der Katamaran ist wieder umgedreht und nach Tahiti zurück gefahren. Keine Ferien zu Hause für die Kinder. Die wurden auf Familien auf Hao verteilt und hoffen nun, dass ihr Schulbus bald kommt und sie nach Hause bringt. Ein zwei-Stunden-Mara’amu wäre allen lieber gewesen.

Wilde Tage liegen hinter uns

 

 

Heiva auf Hao

Fr., 28.Jun.19, Franz.Polyn./Tuamotu/Insel Hao/d’Otepa, Tag 1853, 17.889 sm von HH

Seit vier Wochen beobachten wir, dass auf dem Platz zwischen Versorgungs-Schiff-Anleger und Rathaus Wellblechhütten zusammen gezimmert werden. Unansehnliche Buden – der Platz gleicht schnell einer Geisterstadt. Aber plötzlich werden tonnenweise Palmenwedel angeschleppt. Tagelang sitzen die Frauen beieinander und flechten wunderschöne Verkleidungen für die Hütten.

vorher

nachher

Heiva bedeutet ‚Zusammenkunft auf einem öffentlichen Platz‘ und findet im Juli auf fast allen polynesischen Inseln statt. Berühmt ist das Heiva auf Tahiti. Perfekte Tanzshows mit perfekten Kostümen an perfekten Körpern werden dort vor zahlungskräftigem Publikum gezeigt.
Auf Hao dient das Heiva zur Unterhaltung der Einheimischen und gleicht einer Kirmes aus den 70er Jahren. Es fehlt nur das Kinderkarussell. Der Bürgermeister spricht ein paar Eröffnungsworte mit Blumenkranz um den Hals. In den Buden stehen Fußballkicker, Billardtische und ein Basketballkorb, der elektronisch die Treffer zählt. Die Teenager-Jungs sind begeistert. Jeder, der sich traut, wird von einer Traube Schaulustiger umzingelt.
Der „Schießstand“ zum Luftgewehr schießen ist herrlich. Im Wind wackeln die Zielscheiben, die mit Wäscheklammern vor Palmenkulisse aufgehängt wurden. Fünf Schuss kosten 2 USD – Treffer unmöglich. :lol: Die Kinder, die den ganzen Tag mit Schnur und Angelhacken an der Mole stehen können, versuchen sich beim fröhlichen Entenangeln. Zu gewinnen gibt es, wie überall auf der Welt, billigen Plastik-Schrott.

Billard statt Autoscooter

 

Entenangeln

 

Schießstand in Polynesien

Einige der Hütten wurden zu Restaurants eingerichtet, aber am Eröffnungsabend sind alle Tische reserviert. Allerdings sitzt kaum jemand an den Tischen. Das System erklärt sich uns nicht. Dort wo es Pizza geben soll, liegen vertrocknete Stücke in einer Vitrine. Wenig verlockend, vielleicht sind die vom Probebacken am Nachmittag übrig geblieben. Auf Nachfragen wird eifrig genickt: Jawohl, es gibt Pizza. Typischer Pizzaduft fehlt allerdings und wir sehen niemanden Pizza essen oder nach Hause schleppen. Etwas frustriert geben wir auf. Hier bekommen wir heute nichts zu essen.

Nette Restaurants – innen mit Tüchern dekoriert

ohne Kunden

 

Alkohol wird übrigens auch nicht verkauft und der Konsum im Heiva Dorf ist strikt verboten. Auf Mangareva wurde während des Festivals sogar der Alkohol-Verkauf im Supermarkt untersagt. Dort waren alle Flaschen in der Zeit weggeräumt.

Neben dem Rummelplatz werden Wettkämpfe in traditionellen und modernen Disziplinen ausgetragen: Singen, Volleyball, Blumen flechten und Biathlon (Fahrradfahrern und Laufen statt irgendwas mit Schnee). Vier Wochen dauert die ‚Heiva‘ auf Hao. Jeden Tag gibt es nur einen kleinen Happen zu sehen. Die Attraktionen, wie Tanzen, leider erst ganz zum Schluss. Solange wollen wir dann doch nicht mehr bleiben. Warum man die Veranstaltung so in die Länge zieht, ist uns unklar. Der Rummelplatz und die Restaurants sollen jeden Tag geöffnet haben. Der Gesangswettbewerb am zweiten Abend findet bereits vor leeren Stühlen satt. Nicht ganz zu unrecht. :mrgreen: Es singe, wem Gesang gegeben.

Der Gesangswettbewerb stößt auf wenig Interesse

Leben auf Hao

Mi., 26.Jun.19, Franz.Polyn./Tuamotu/Insel Hao/d’Otepa, Tag 1851, 17.889 sm von HH

Das Wetter ist weniger ‚Südsee‘ als erwartet. Häufig haben wir Starkwindtage mit dicker Wolkendecke. Allerdings ist selten Regen dabei. Das Wasser schimmert grau und ins Nicht-Türkis zum Duschen zu springen kostet einiges an Überwindung bei einer Wassertemperatur, die auf unter 25 Grad gesunken ist. Der Wind-Chill ist nicht ohne. Er kommt vorwiegend aus Süd-Ost, direkt aus der Antarktis. Winter in der Südsee.
Dazwischen gibt es liebliche Abschnitte. Die nutzen wir zum Tauchen oder fahren mit dem Rad in den Süden der Insel. Kilometerlang führt eine Straße den 200 Meter breiten Inselschlauch entlang. Mal haben wir den Blick auf die Lagune, mal auf den offenen Pazifik.
Viele Häuser Richtung Süden stehen leer, die Menschen wollen im Dorfkern wohnen oder in Tahiti. Die Einwohnerzahlen schrumpfen auf fast allen Inseln in Französisch Polynesien.
Die Straße wird zum Feldweg, der Feldweg zur Huppelstrecke. Bis zum Ende der Insel schaffen wir es nicht, der Weg hört irgendwann auf. Die Perlenfarm am Ende von Hao wurde aufgegeben und Kokosnüsse für die Kopra-Produktion werden hier ebenfalls nicht mehr geerntet.

Mein eigener Nuss-Erntehelfer ist immer dabei

An einem andern Tag gibt es ein Grillfest für die Segler-Gemeinschaft und unsere einheimischen Nachbarn. Organisiert von Franzosen, die die notwendige Geheimsprache beherrschen. Es gibt zwei Vorurteile über segelnde Franzosen: 1. Sie rotten sich gerne untereinander zusammen und unternehmen ungern etwas mit anderen Nationen und 2. sie sind die schlechtesten Ankerer der Welt (wobei es sich bei Punkt zwei nicht um ein Vorurteil handelt :mrgreen: ).
„Unsere“ Franzosen sind anders. Sie organisieren einen Grill, halbe Hähnchen und tonnenweise Würstchen. Die Polynesier bringen einen Tisch und Bänke mit. Sie schleppen in großen Schüsseln ‚Poisson Cru‘ an – das Nationalgericht in Polynesien: roher Fisch mit Zitronensaft gebeizt und Kokosmilch übergossen. Je nach Verfügbarkeit kommen Tomaten, Gurken, Zwiebeln und Paprika dazu. Die Crews bringen Kuchen und Salate mit. Ein bunter Mix aus Essen und Sprache. Es wird Boile gespielt, die Kinder plantschen im Wasser, die Hunde bekommen die Knochen und zur Dämmerung wird Ukulele gespielt. Wir Segler bekommen den Text der Lieder beigebracht und unter viel Gelächter wird gemeinsam (falsch) gesungen. Wer mag, darf sich an der Ukulele versuchen, während eine andere Gruppe in vier Sprachen Schimpfwörter übt. Ein wunderbarer Nachmittag.

Ana, unsere Nachbarin auf Zeit

 

Das Leben ist schön

Die Tage mit schlechtem Wetter nutzen wir für den alltäglichen Wahnsinn auf einem Segelschiff. Die Nähmaschine wird raus geholt, sich leerende Schränke müssen umorganisiert werden und die großen Winschen brauchen eine Reinigung.

1000 Teile Puzzle- jetzt nur wieder richtig zusammenbauen

Und abends? Was macht man abends? Nichts. Es gibt keine Restaurants, keine Kneipe und mangels Touristen nicht mal eine öde Hotelbar. Abends schauen wir einen Film oder, noch lieber, zwei Folgen einer Serie: Desperate Housewives, Dr. House und Jack Bauer besuchen uns am Abend und bereits um neun Uhr fallen uns die Augen zu. Noch ein paar Zeilen lesen und dann ein aufregender Tag zu Ende. Zur gottlosen Zeit um 5:00 Uhr morgens erwacht das Schiff zum Leben und Achim holt uns frisches Baguette zum Frühstück. Wer um 6:00 Uhr beim Becker erscheint, schaut häufig in leere Körbe.
Leben auf Hao.

Verstimmung im Paradies

Fr., 21.Jun.19, Franz.Polyn./Tuamotu/Insel Hao/d’Otepa, Tag 1846, 17.889 sm von HH

„Sie haben ihn gegessen“, Gerald spricht es als erster aus. Gerald ist unser französischer Nachbar der ersten Stunde auf Hao. Er hat noch immer das Gaumen-Problem und spricht nur ein paar Brocken Englisch, ist aber ansonsten sehr nett und hat vor allem viel Kontakt zu den Einheimischen. Gerald macht eine Essbewegung, um seine Annahme zu unterstreichen.

Die Rede ist von Halbohr. Den Namen haben wir dem kleinen Mischlings-Hund gegeben, der den ganzen Tag auf der Mole umher ströpert. Ein richtiges Zuhause scheint Halbohr nicht zu haben, da er auch nachts bei den Booten bleibt. Abwechselnd schläft er bei Gerald oder bei uns vor der Tür. Diese Treue ist durch ein paar Knochen- oder Reisreste schnell erkauft.

R.I.P Halbohr

Halbohr fehlt die Hälfte eines seiner übergroßen Fledermausohren. Ein sauberer Schnitt durch ein Messer oder eine Machete. Wir vermuten eine Teil-Amputation nach einem Unfall.
Die Einheimischen mögen ihn nicht. Er heißt bei ihnen Crétin – Idiot. Und die Kinder werfen schon mal einen Knüppel nach ihm, wenn sie zum Angeln auf die Mole kommen. Sie bringen ihre eigenen Hunde mit und wollen ihn nicht dabei haben.
Wir mögen Halbohr. Ein unaufdringlicher Kerl, der sich über jede freundliche Geste freut. Er ist noch sehr jung und hat gerade angefangen ‚Stöckchen holen‘ zu lernen. Und nun ist Halbohr verschwunden. Von einem Tag auf den anderen. Spurlos.

Hundefleisch-Verzehr ist durchaus (noch) verbreitet: In vielen asiatischen Ländern, Mexiko, in zwei Kantonen in der Schweiz und eben auch in Polynesien. Auf Hawaii gab es die Zucht des ‚Hawaiian Poi Dog‘ ausschließlich zum Verzehr.
Mitte des 19. Jahrhunderts galt in Deutschland Hundefleisch als Delikatesse zu bestimmten Anlässen und Wilhelm Busch verarbeite das Schlachten eines Hundes literarisch. Im 20. Jahrhundert unterlag Hundefleisch der gesetzlichen Fleischbeschau und ein Verbot von Hund zur Fleischgewinnung erfolgte erst 1986.

Im Internet finden sich Rezepte für Hundegulasch und geräucherten Hund. Wobei Kenner eindrücklich darauf hinweisen, nur junge Tiere zu schlachten, da Hundefleisch im Alter zäh werden soll. In Deutschland gibt es die ‚Bürgerinitiative pro Hundefleisch‘, deren Argumente zum Verzehr von Hund ‚Schutz vor Vogelgrippe‘ und das Fehlen vor Gammelfleisch-Skandalen sind. :shock:
Solche Befürworter sind eher die Ausnahme, gesellschaftlich verbreitet sich weltweit ein Trend zum Hundefleisch-Tabu.
Allerdings müssen sich europäische Tierschützer, die den Verzehr von Hund in Asien anprangern, den Vorwurf des Snobismus und Rassismus gefallen lassen: wer seid ihr, dass ihr uns vorschreibt, was wir essen dürfen.

Unser Halbohr ist nun weg und wir sind traurig. Die einzig logische Erklärung für sein Verschwinden ist tatsächlich, dass er zum Braten wurde. Wir hoffen, dass er sein Ohr nicht als Geschmacksprobe hergeben musste.

Bleiben oder weiterfahren?

Mi., 19.Jun. 19, Franz.Polyn./Tuamotu/Insel Hao/d’Otepa, Tag 1844, 17.889 sm von HH

Bevor wir in den Tuamotus angekommen sind, hatte ich heimlich die Befürchtungen, dass es auf diesen kleinen Inselchen etwas langweilig werden könnte.
Was für ein Irrtum. Wir sind jetzt seit über fünf Wochen hier und haben es bisher nicht mal geschafft in den Süden von Hao zu radeln. Es gibt jeden Tag was zu tun.
Zum einen hält uns der Französisch-Unterricht auf Trapp. Über die Lernkurve schweige ich mich diskret aus, aber wir wirken zumindest geschäftig.

Zum anderen liegt auf der anderen Seite der Pier unser Hausriff. Ein paar Schritte und wir haben einen einfachen Tauchplatz vor der Maske, der ohne Guide betauchbar ist. Genau das richtige, um die Ausrüstung zu checken und uns warm zu tauchen. Ungeduldig warten wir auf Alexi, dass er uns zum Tauchen am Pass mitnimmt. Alexi betreibt einen Tauch-„Verein“ auf Hao und nach seiner Auskunft warten am Pass zehntausende Fische und so viele Haie, dass einem das Adrenalin aus den Ohren läuft.
Als das Wetter noch ruhig war, ist Alexi auf Tahiti gewesen und jetzt verlässt er bald die Insel, da die Lehrer- auslaufen werden. Ein paar Tage bleiben noch, wir hoffen weiterhin.

Oktopus am Hausriff – kein Unterwasserfoto

 

 

Die Lagune bei ruhigem Wetter – leider seit 14 Tagen vorbei

Außerdem ist schon wieder ein Fest in Vorbereitungen. An der Hauptpier, wo das Versorgungsschiff fest macht, werden seit drei Wochen Hütten aufgebaut. Dort soll es etwas zu essen geben und angeblich werden Billiard-Tische aufgebaut.
Allabendlich hört man Trommeln schlagen. Direkt in unserer kleinen Marina trifft sich eine Tanzgruppe und übt ihre Choreografie ein. Zunächst wurde mit Musik vom Band trainiert, aber jetzt rücken kurz vor Sonnenuntergang auch die Trommler und Ukulelen-Spieler an.
Unter den knappen Anweisungen einer strengen Tanzlehrerin wird fleißig geübt bis es dunkel ist.

 

Tanz-Training vor der Haustür

Die Kombo kommt auch jeden Abend zum Üben

 

Das sieht schon alles ganz vielversprechend aus

Die Tage zerrinnen wie Sand in den Händen. Verpassen wir andere Inseln, wenn wir zu lange auf Hao bleiben? Sollen wir bleiben oder sollen wir fahren? Wir hören von anderen Atollen: „so beautyful – amazing – such a lovely place – breath taking – ein-musst-du gesehen-haben-Ort“.
Wir diskutieren, wir wiegen ab und – wir bleiben. :-) Es gefällt uns auf Hao. Wir haben unser Paradies gefunden. Eine atemraubende Schönheit ist es nicht, aber wir genießen es, jederzeit an Land zu können. Erwin ist weg und die schlimmsten Sünder im Hafen ebenfalls oder sie haben umgeparkt. Wir fahren bis zu dreimal täglich mit dem Rad in den Ort. Wir kennen unsere einheimischen Nachbarn. Halten mit Dorothea und ihrem Bruder ein Schwätzchen in einem Drei-Sprachen-Kauderwelsch und die Oma des Hauses wäscht unsere Wäsche.
Und man kennt uns. Kinder, die am Hafen mit uns ihre Englisch-Kenntnisse ausprobiert haben, rufen meinen Namen, wenn ich an ihnen vorbei fahre. Und über Achim, den langen Kerl auf seinem knallroten Mini-Velo, lachen sie sich kaputt.
Und ein wenig hoffen wir das Gleiche, wie Tanja Blixen in ‚Jenseits von Afrika‘: „[…] zittert die Luft über der Steppe jemals in einer Farbe, die ich an mir hatte, spielen die Kinder ein Spiel, in dem mein Name vorkommt, wirft der Vollmond einen Schatten, der dem meinen gleicht […]?“
Wir hatten keine Farm in Afrika, aber wir hatten ein Boot auf Hao.
Wird der Vollmond einen Schatten werfen, der dem langen Lulatsch auf seinem Fahrrad gleicht? :lol: