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Weiterfahrt auf die Las Perlas

Fr., 13.Apr.2018, Las Perlas/Contadora, Tag 1413, 12.486 sm von HH

Die drei Meilen zum Ankerplatz ‚La Playita‘ noch am Kanaleingang sind schnell abgearbeitet. Die neuen Instrumente sind gewöhnungsbedürftig. Das Auge muss die richtige Stelle für Wassertiefe und Geschwindigkeit noch suchen. Da fällt mein Blick auf die Anzeige „22,3“. Was ist das denn für ein Wert? Ach du heiliger Strohsack, das kann doch unmöglich sein! Es ist die Wassertemperatur!
Wir können es nicht glauben und schicken den Tauchcomputer mit integriertem Thermometer auf Tauchstation. Er kommt mit dem gleichen Ergebnis an die Oberfläche.
Selbst wenn das Wasser am Ankerplatz sauber wäre, hiermit haben sich dann sämtliche Badefreuden erledigt. In der Shelter Bay und im Gatun See hatten wir noch brave 28 Grad.

Für das Wohnklima ist der große Eisschrank in dem wir schwimmen von Vorteil. Der Holzboden ist kühl, nachts fällt die Temperatur im Schiff auf 22 Grad. Achim braucht tatsächlich eine Decke.
Nach 48 Stunden ist sogar das Wasser in unseren Wassertanks deutlich kühler.

Am Ankerplatz treffen wir die ‚Alrisha‘ (unsere Not-Kühlschrank-Verleiher) wieder, die hier seit zwei Monaten krankheitsbedingt gefangen sind. Kein sehr schöner Platz für so einen langen Aufenthalt. Sie sind so nett und nehmen uns mit an Land. Gemeinsam gehen wir Pizza essen, dann trennen sich schon wieder unsere Wege.

Am Freitag entscheiden wir, nicht länger auf Wind zu warten. Die große Bucht von Panama City gilt als windarmes Loch. Da kann man warten bis man schwarz wird. Wir möchten jetzt endlich schöne Strände und klares Wasser.
Und es kommt, wie erwartet, wir müssen die 37 Meilen bis zu den Las Perlas motoren.

Unterwegs glauben wir schon wieder an eine Fehlfunktion der Instrumente. Nach nur wenigen Meilen Fahrt steigt die Wassertemperatur auf die tropen-normalen 28 Grad.
Wo kommt an der Küste nur dieses kalte Wasser her? Die einzige Erklärung, die wir haben, klingt unglaubwürdig: Ein schmaler Arm, sehr schmal, vom kalten Humboldtstrom muss von Ecuador direkt an der Küste bis nach Panama kriechen. Kalte Quellen wird es wohl kaum geben.

Kurz vor Erreichen der Inseln müssen wir uns im Zick-Zack einen Weg durch eine Flotte an Fischern bahnen. Mehr als fünfzig Boote können wir zählen. Fiese Meeresboden zerstörende Schleppnetzte grasen jeden Millimeter vom Grund ab.
Pelikane, Tölpel und Fregattvögel kämpfen ebenfalls um einen guten Brocken. Sogar eine große Schule Delphine ist dabei. Willkommen im fischreichen Pazifik. Wir hatten natürlich keinen an der Angel.

Fischer-Flotte vor den Las Perlas Islands

Fischer-Flotte vor den Las Perlas Islands

mit brutalen Schleppnetzen

mit brutalen Schleppnetzen

Dann fällt der Anker auf neun Meter. Nach drei Jahren haben wir das erste Mal wieder mit nennenswerter Tide zu tun. Bis zu sechs Meter beträgt der Unterschied, im Mittel sind es drei bis vier. Wer bei Hochwasser auf fünf Meter ankert, der sitzt auf. In La Playitas trafen wir Franzosen beschäftigt mit der Beseitigung des Schadens nach so einem Fehler.

Quickstart an Neujahr

Mo., 01.01.2018, Panama/Kanlildup, Tag 1311, 12.312 sm von HH

Schluss mit Inselhopping. Unser Inseltraum nimmt ein abruptes Ende. Eben feiern wir Silvester noch mit Lagerfeuer, Vollmond und einer Gruppe bekannter und unbekannter Crews am Strand und erfreuen uns an der Romantik. Ein unvorsichtiger Blick auf das Wetter mahnt uns gleich heute Richtung Colon zurück zu fahren, wollen wir nicht die gesamte Strecke Gegenwind haben. Der verlässliche Passat soll einbrechen.
Im Dunkeln durch die Riff gespickten San Blas zu fahren, ist eine schlechte Idee. Aber in Puerto Lindo können wir im Dunkeln rein. Dort haben wir unseren alten Track und kennen die Begebenheiten. Also fahren wir am Nachmittag los und sind bei Sonnenuntergang aus dem Inselgewirr raus. Das passt.
In Puerto Lindo parken wir bis Freitag zwischen. Ab 5. Januar haben wir einen Platz in der Shelter Bay Marina reserviert. Von dort können schon mal einen Blick auf die großen Tore der Schleusen werfen. Bevor sie sich für uns Mitte Januar öffnen werden.

Dup – Dup – Dup

Fr., 22.Dez.17, Panama/Olosicuidup, Tag 1301, 12.285 sm von HH

Dup ist Kuna und bedeutet Insel.
Wir sind weiter gezogen: Nuinudup, Olosicuidup und Guariadup.
Wer mag, hat jeden Tag eine andere Insel. Die Entfernungen sind kurz. Fünfzehn Meilen, fünf Meilen, eine Meile oder nur dreihundert Meter.
Für zwei Meilen lohnt es sich nicht die Segel hoch zu ziehen. Zumal es im Zick-Zack um die Inseln geht. Die Navigation ist heikel: Zwischen den Inseln liegen tückische Riffe und langgestreckte Lagunen. Durch schmale Kanäle tasten wir uns vorwärts. Links, keine hundert Meter neben uns, schäumt die Brandung warnend am Riff auf. Rechts wechselt tiefes Blau mit gefährlichem Türkis.

Riffe stellen sich in den Weg

Riffe stellen sich in den Weg

Zum Glück gibt es den ‚Bauhaus‘. Erik Bauhaus ist Deutscher und der Autor der ‚Panama-Bibel‘. „Halte dich religiös an seine Wegpunkte, dann kann nichts passieren“, wird uns empfohlen. Ein großartiger Revier-Führer, der die Navigation in den San Blas Inseln ‚einfach‘ macht. Trotzdem ist es schön, die Sonne im Rücken zu haben, dann können wir Untiefen selber gut erkennen.
Die Inseln liegen in kleinen Gruppen, den sogenannten Cays, auf einem Haufen. Sobald man eine Gruppe verlassen hat, tauchen am Horizont schon die nächsten Inseln auf. Wie flach rasierte Bubi-Köpfe stehen sie struppig in der Kimm.

Unterwegs kommen wir an unendlichen Inseln vorbei

Unterwegs kommen wir an unendlichen Inseln vorbei

Versprengte Trauminseln

Versprengte Trauminseln

Fünfzehn Meilen sind es heute zu den Coco Bandera Cays gewesen. Der Nord-Ost-Passat macht was er soll, er kommt stabil aus Nord-Ost. Wir segeln hoch am Wind, aber wenig Welle und vier bis fünf Windstärken machen den Trip zum Segel-Traum.
Die Coco Bandera Cays ist eine Gruppe aus sechs winzigen Inseln. „Diese Cays sind von Atem raubender Schönheit“, sagt Bauhaus. Und Recht hat er. Das Farbenspiel ist an Liebreiz nicht zu übertreffen. Es ist fast zu schön, um von dieser Welt zu sein.
„So viel Schönheit lockt bestimmt die Yachten in Scharen an, ob wir überhaupt einen Platz finden werden?“, waren unsere Befürchtungen. Wir finden nur einen Katamaran am Ankerplatz vor. Wir sind überrascht, haben sich an den anderen Plätze doch durchaus zwei Dutzend Yachten eingefunden.
Vielleicht ist es vielen zu abgelegen hier, um Weihnachten zu verbringen. Wir haben ganz schwach Internet, für eine What’s app ohne Bilder reicht es grade eben. Für viele scheinbar zu wenig Kontakt zur Außenwelt.

Olosicuidup ist bewohnt von einer Kuna Familie. Papa Kuna kommt mit seinem Einbaum längsseits: „Wollt ihr Langusten?“ Wir schauen uns an. „Geht auch in zwei Tagen, an Heiligabend?“ Papa Kuna nickt.“ Okay, wir nehmen zwei“. :-)

Tag 3 – Auf nach Panama

Mo., 27.Nov.17, Panama, Porto Lindo, Tag 1276, 12.217 sm von HH
Ein Satz mit x – das war wohl nix. :mrgreen: Tag 3 verbuchen wir mal unter Wetterfenster-wie-es-nicht-sein-soll. Der Tag beginnt trübe. Tonnenschweren Wolken hängen bleigrau am Himmel. Das Meer sieht aus wie die Nordsee an ihren schlimmsten Tagen. Mordsee.
Mittags beginnt es zu nieseln. Dann zucken erste Blitze. Das Gewitter steht genau über uns. Ein Blitz kommt vor unserem Bug runter, der Donner folgt unmittelbar. So nah waren wir einem Gewitter noch nie. Achim guck grad woanders hin, hört den Blitz summen. :shock:
Handy, IPad und Funkgerät schlummern im Backofen in der Hoffnung, dass ihnen im Fall eines Einschlags dort nichts passiert.
In meinem Kopf kreisen nur zwei Gedanken: „Verdammte Axt, weit und breit sind wir der einzige Mast.“ Und die Ermahnung von Achim nicht den Relingsdraht anzufassen. Der sei mit dem Mast verbunden. „Dann siehst du aus wie ein Grillhähnchen.“
Zum Glück ist der Spuk schnell vorbei. Was folgt, ist stundenlange Windstille. Der Motor läuft. Um Mitternacht kommt der Wind zurück. Genau auf die Nase. Aus Süd-Westen. Aus dieser Richtung darf er gar nicht kommen. Es ist zum ver-rückt werden. Wir motoren tapfer weiter. Nur noch 30 Meilen. Aber es zieht sich. Gegenwind und Strömung bremsen uns runter auf zwei Knoten Geschwindigkeit.
Mittags, ziemlich genau nach drei Tagen Überfahrt, fällt der Anker in Puerto Lindo. Eine hübsche Bucht (wie der Name schon sagt ;-) ).
In der Einfahrt wechseln sich von Gischt umtoste Felsen mit grünen Mini-Inseln ab. Die sind mit Palmen bewachsen bis zur Wasserkante. An einem Strand baden Menschen, ein idyllischer Mini-Ort steht karibisch bunt direkt am Ufer.
So soll es sein, so kann es bleiben.

Tag 1 und 2 – Auf nach Panama

Sa./So., 25./26.Nov.17, Karibisches Meer, Tag 1274/5, 12.007 sm von HH
Jetzt haben wir so lange auf unser Wetterfenster gewartet und werden belohnt. Eine Briese zwischen 12 und 18 Knoten (Windstärke 4 bis 5 – so wie es jeder Segler am liebsten hat) bringt uns die ersten 30 Stunden nach Westen. Direkt auf Kurs gehen, dürfen wir am Anfang nicht, dann geraten wir in ein Windloch, wie es gerne vor der Küste von Panama entsteht. Wir kommen gut voran. Kaum Welle, kein Geschüttel im Schiff. Nichts klappert und ich kann bereits am ersten Abend kochen.
Ich glaube, wir sind während unserer langen Liegezeit weich geworden: Segeln ist schön. :lol: Zur Nacht – an Tag zwei – ändern wir den Kurs auf 240 Grad. Der Wind kommt jetzt genau von achtern. Unsere große Genua ist ausgebaumt und zieht uns mit sechs Knoten vorwärts. Jetzt rollt es etwas, aber absolut gut auszuhalten.
Kleine Regenschauer verderben den Spaß. Die haben zum Glück nicht viel Wind oder gar Winddreher als Geschenk dabei.
Noch 120 Seemeilen to go. So soll es sein, so kann es bleiben.