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Segelrevier Vanuatu: Insel-Hopping vom Feinsten

18.07. – 29.07.2026; Vanuatu, Ambrym: Ranon + Malekula: Sandwich Bay, Port Stanley, Norsup; Tag 4.431 – 42; 30.047 sm total

Dieses Inselhüpfen in Vanuatu gefällt uns: 29 Meilen, 37 Meilen, 5 Meilen. Morgens los, nachmittags da. Der Wind kommt verlässlich aus Südost. Passat vom Feinsten. Stärke vier bis fünf, in Böen auch mal sechs.
Allerdings sorgen Kap-Effekte und ‚Wind-folgt-dem-Land‘-Regeln für Wirbel und Ablenkungen. Das ist anspruchsvolles Segeln, da sich alle paar Meilen Windstärke und Richtung ändern. Der große Ozeanschwell rollt ebenfalls aus Südosten an. Die vielen Inseln bringen den durcheinander. Abgelenkt durch Landmasse, weiß das Wasser nicht, was es machen soll. Steile Hacksee steht gegen die lange Dünung. Strömungen und stehende Wellen bilden sich an den Küstenlinien. Noch nie haben wir so viele Warnhinweise für Wellen in der Seekarte gesehen wie hier in Vanuatu.

Vor bis zu vier Knoten Strömung wird gewarnt. Stehende Wellen können entstehen.

Meistens stehe ich die gesamten Strecken am Ruder. Das macht Spaß. Abwechslungsreich und teilweise sogar mit echter Ruderarbeit verbunden. Nur die geraden, langweiligen Abschnitte übergebe ich der Windsteueranlage.

Überfahrt nach Stanley – Spaß am Ruder.

Von Ambrym zurück nach Malekula. Die Insel ist so groß, dass sie gut für drei Ankerplätze ist.

Genauso abwechslungsreich sind die Inseln. Pechschwarzer grober Strand wechselt zu rotbraunem Sand. Oder wir ankern vor Mangroven. Seit heute Morgen ankern wir vor einer weißen Sandbank. Türkise Träume mit kristallklarem Wasser sind noch Mangelware. Das Wasser ist meistens leicht trüb. An vielen Plätzen fühlen sich Dugongs wohl. Und neugierigen Bullenhaien mag das auch gefallen.

Schwarzer Stein-Strand auf Ambrym. Diese Steine werden von Frauen und Kindern in alte Säcke gepackt und nach Port Vila in die Hauptstadt geschifft.

Atanga vor rotbraunem Strand mit gleichfarbiger Kuh.

Südsee-Kulisse ohne Türkis in der Sandwich Bay. Total geschützte Bucht. Hier liegen wir ruhig.

Ankern in der Mausefalle in Port Stanley. Nach hinten haben wir drei Schiffslängen, 40 Meter. Der Ankerplatz hat uns bei 25 Knoten Böen etwas nervös gemacht. Das Riff fällt bei Ebbe trocken.

Die Menschen sind zurückhaltend, aber durchaus neugierig, wenn etwas ihre Aufmerksamkeit erweckt. Als wir auf Ambrym am letzten Tag zum Dinghy zurückkommen, finden wir eine Sauerei vor. Der Benzinschlauch vom Motor hat aus nicht festzustellenden Gründen kontinuierlich über Stunden ins Boot getropft. Mit Wasser vermengt, schwappt ein Liter ölige Zweitakt-Brühe im Dinghy umher.
Und nun? Wohin damit? An den Strand zu kippen, gibt immer so schlechte Presse.
Achim opfert sein Ösfass, einen abgeschnittenen Wasserkanister, und schubst aus dem Lenzloch mit einem Holzstück die Benzinmischung in den Kanister. Längst werden wir beobachtet. Auch eine Horde Kinder ist schon angelaufen gekommen.
Während ich unter dem Baum im Rucksack nach Taschentüchern  zum Wischen suche, sprechen mich drei Männer an: „Was ist passiert?“ Ich erkläre kurz die Situation und bringe Achim die Tücher.
Zum Glück habe ich reichlich. Mit vereinten Kräften, Sand und Salzwasser bekommen wir das Dinghy wieder sauber. Die drei Männer wollen es nun genau wissen. Achim zeigt ihnen den Kanister. „Ich weiß nicht, was ich damit machen soll. Gibt es einen Platz, wo ich das entsorgen kann?“ Eine kollektive Beratung in lokaler Sprache bricht los. „Gib her, wir kümmern uns drum.“ Wie dieses Kümmern aussieht, werden wir wohl nie erfahren …

Achim und seine neugierige Zuschauer-Schar.

Sofort hat Achim die Kinder um sich herum. Wenn ich ihm bei der Arbeit zuschaue, werde ich weggeschickt: „Schau mir nicht auf die Finger.“ Er kann das so gar nicht leiden. Hier nun gleich fünf Augenpaare auf ihn gerichtet. Ich musste aus der Ferne so sehr lachen. :lol:

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Kava und Kult in Fanla

16.07.2026; Vanuatu, Ambrym, Ranon; Tag 4.430; 29.976 sm total

 Der jährliche Höhepunkt an Magie und Maskentanz findet auf Ambrym in Fanla statt. Ein Dorf im Inneren der Insel. Dass es so etwas heute noch gibt: Keines der gängigen Navigationssysteme wie MapsMe kennt den Weg dorthin. Google Earth zeigt nur dichtes Grün.
Wir fragen in Ranon, wo wir vor Anker liegen, ein paar Einheimische nach der Richtung. „An der Küste geradeaus, dann rechts dem 4×4-Pfad folgen. An der Gabelung links. Oder die Abkürzung vor der Abzweigung nehmen. Spart zwanzig Minuten Lauferei.“ :shock: Das klingt stark nach Verlaufen.

Fanla. Versteckt im Wald.

Seit zwei Tagen treffen wegen des Festivals immer mehr Segelboote ein. Am Ende sind wir dreizehn. So viele Boote haben wir in Vanuatu auf einem Haufen noch nicht gezählt. Ein Crew-Treffen wird organisiert. Infos ausgetauscht: Ein Guide wird uns begleiten und nach Fanla führen. Wer die knappe Stunde die Berge hinauf nicht laufen will, kann im Truck mitfahren. Treffen: Morgen früh um 7:30 Uhr. John wird uns erwarten.

Organisation ist das halbe Leben. Typisch deutsche Tugend? Von wegen!

Unterwegs gibt es ein paar Anekdoten über die Insel von John. 13 Boote, ungefähr 25 Touristen auf dem Festival.

Quer durch den Wald nach Fanla.

 

In Fanla gibt es zur Begrüßung Trinknüsse und Verhaltensregeln. Im Dorf dürfen wir uns frei bewegen, aber sobald wir uns auf dem Festplatz befinden, gelten Tabus. Gäste dürfen nicht einfach aufstehen und sich den Tänzern nähern. Wer sich falsch benimmt, muss mit einer Geldstrafe rechnen. Fotos sind jederzeit erlaubt.

Nach relativ langer Wartezeit – Inselzeit, wie die Ni-Vanuatu ihre eigene Unpünktlichkeit auf die Schippe nehmen – ertönt verhaltenes Trommeln. Wir werden zum Festplatz geführt. Die Tanzgruppe steht schon bereit. Bei den Männern handelt es sich nicht um Show-Tänzer, sondern um Hüter uralter Geheimnisse. Magier und Würdenträger.
Die ranghohen Chiefs tragen Ketten aus kreisrunden Schweinestoßzähnen und eine rote Blume im Haar. Sie leiten das Dorf, bewahren das geheime Wissen und überwachen die Rituale.

Die Chiefs von Fanla.

Die Tänze beginnen. Guide John nennt uns ihre verschiedenen Namen und Bedeutungen. Auf europäische Augen wirken sie ähnlich. Meistens stehen die Männer im Kreis, die Gesichter zueinander geneigt. Sie singen und stampfen rhythmisch mit den Füßen. Umringen einen Trommler mit Bambus-Trommel. Oder sie versammeln sich um die beiden großen Tam-Tams in der Mitte des Platzes. Der Gesang hat wenig Höhen oder Tiefen, um das Wort ‚monoton‘ zu vermeiden. Ihre Sprache scheint überwiegend aus Vokalen zu bestehen.

Die Schlichtheit der Vorführung hat ihren Reiz. Alle Zuschauer sind vollkommen still, die Weißen wie die Locals. Eine andächtige Stimmung kommt auf. Besonders nachdem John das Applaudieren der westlichen Zuschauer unterbindet.

Der Tanz – überwiegend im Kreis stehend.

Gewagte Kleidung: Nambas werden diese Penisköcher genannt. Die sind je nach Status klein und unauffällig oder aus gefärbten Pandanuss-Fasern.

Nach den Tänzen erfolgt die berüchtigte schwarze Magie von Ambrym. Einige der Chiefs in Fanla gelten als mächtige Zauberer. Ihnen wird nachgesagt, dass sie das Wetter beeinflussen oder mit den Geistern des nahen Vulkans kommunizieren können.
Beeindruckend ist die Zauberei um das magische Bett. Auf eine Reihe lose ausgelegter Blätter legt sich ein etwa zehnjähriger Junge . Die Magier heben die Unterlage samt Jungen an und tragen ihn fort. Die Blätter reißen nicht, die Konstruktion fällt nicht auseinander. Physikalisch nicht zu erklären. Auf Ambrym gilt dies als sichtbarer Beweis, dass die Ahnengeister am Ort präsent sind.

Black Magic – die relativ kleinen Blätter liegen lose übereinander. Es wurde ein paar Mal kräftig drauf gespuckt. Ist das die Lösung?

 

Im Eintrittspreis – nur für Weiße, die Einheimischen zahlen nichts – ist ein Mittagessen enthalten. Ein kaltes Buffet und ein Traum für Veganer: Kürbis und Süßkartoffel mit und ohne Kokos. Yams, Kochbanane und Pak-Choi als gedünstetes Gemüse. Die Yams- und Maniokstücke sind etwas fade, der Rest schmeckt gut.

Buffet auf Vanuatisch.

Einweg-Geschirr – alles, was Farbe hat, schmeckt gut.

Am Nachmittag werden die beiden Tam Tams betrommelt. Und uns die typische Sandmalerei Vanuatus gezeigt. Sowohl Trommel als auch Sandbilder dienten früher zur Verständigung mit anderen Dörfern. Die Bilder wurden als Hinweise hinterlassen.

Tam Tam: Eine Schlitztrommel aus einem einzigen Baumstamm geschnitzt.

Sie gelten heute als das inoffizielle Nationalsymbol von Vanuatu

Eigentlich sollen die Bilder ohne Absetzen gemalt werden. Bei dieser Zeichnung (Vogel) gab es ein paar magische Fehler.

Sandmalerei im Museum gesehen.

Der Abschluss des ersten Tages ist eine Kava-Verkostung. „Abwaschwasser, fürchterliche Brühe, Brechreiz erregend“, finden Fremde. „Gib uns unser täglich Kava“, sagen die Vanuatu-Männer. Frauen ist das Trinken untersagt.

Jedes Volk hat seine Drogen, im Westpazifik ist es der Pfefferstrauch. Kava wirkt entspannend, angstlösend und lässt die Muskeln weich werden. Der Geist bleibt dabei glasklar, aber der Körper möchte einfach nur noch irgendwo gemütlich sitzen und ins Leere schauen. Man nennt es in Vanuatu das „Kava-High“.

Auf manchen Inseln wird die Kava-Wurzel traditionell nicht zerrieben oder püriert, sondern von jungen Männern oder Kindern so lange gekaut, bis ein Brei entsteht, der dann mit Wasser durch Kokosfasern gedrückt wird. Als Tourist überlegt man vielleicht zweimal, bevor man die Schale austrinkt!

Kava – bei Touristen auch für Frauen erlaubt.
Eine echte Brühe! Die Darreichung aus Putzeimern passt perfekt zum Geschmack.

Mit leicht tauben Lippen und Zunge von der Verkostung trödeln wir entspannt unseren Heimweg durch den Wald zurück zum Schiff.
Wir freuen uns auf Tag zwei. Was wir noch nicht ahnen,  dass uns da härterer Tobak geboten wird …
Fortsetzung folgt!

Typische Toilette im Dorf. Diese ist schon sehr kaputt, deswegen konnte ich das Foto machen. Die Toilette, die wir Touristen benutzen durften, war in gutem Zustand. Komplett geruchlos.

Dies ist das Dorf Emyotugan auf Ambrym. Beim Suchen nach dem Weg nach Fanla habe ich das gefunden. Ein Witzbold hat alle Toiletten des Dorfes in MapsMe eingetragen. ;-)
In ländlichen Dörfern Vanuatus teilen sich in der Regel 1 bis 3 Haushalte (oft erweiterte Familienstrukturen) eine Toilette, daher diese enorme Anzahl an öffentlichen Toiletten.

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Meerjungfrauen

09.07. – 12.07.2026; Vanuatu, Malekula, Gaspard Bay; Tag 4.422 – 26; 29.954 sm total

 Das Schöne an Vanuatu: In Tagestrips kann man Inseln und Ankerplätze wechseln und der Wind kommt verlässlich aus Südost. Super planbar, wenn wir weiterwollen.
Wir verstecken uns eine Insel weiter in den Mangroven. Der scheußliche Schwell aus dem Süden sollte hier nicht ankommen.

Vor diesem Schwell sind wir von Epi geflohen:

 

Die Strecken sind zudem auch noch abwechslungsreich mit Blick auf Vulkane. Allerdings sorgen die vielen Inseln für ein konfuses Wellenbild.

Erstmalig ist die Anfahrt etwas tricky. Bislang haben wir Buchen in Vanuatu einfach angesteuert – achte auf Korallen rechts und links – keine Untiefen oder Blöcke versperrten die Einfahrt. Diesmal müssen wir im Zickzack um Riffe navigieren. Navionics ist recht genau, zusätzlich läuft ein Satellitenbild-Overlay auf dem Laptop mit. Und die Sonne im Rücken.

Ein paar Paddelminuten entfernt, erreichen wir einen Bach, der in unsere Bucht mündet.

Mangrovenfluss

Schoten in den Mangroven: über einen Meter lang und Kilo schwer.

 

Wir liegen herrlich ruhig. Und dann sind sie da, die Meerjungfrauen. Ein halbes Dutzend Dugongs ploppt neben Atanga an der Wasseroberfläche auf. Wohl kaum ein Tier wurde von der menschlichen Phantasie so verdreht wie der Dugong. Die alten Seefahrer machten aus der gemütlichen Seekuh die sagenumwobenen Meerjungfrauen.

Wie kann man ein plumpes, rüsselnasiges Tier mit einer grazilen Nixe verwechseln?
Vielleicht weil Dugong-Mütter  ihre Milchdrüsen im Brustbereich (unter den Flipper-Flossen) haben. Wenn sie ihr Kalb säugen, halten sie es oft mit einer Flosse umschlungen, während sie vertikal im Wasser treiben und den Kopf an der Oberfläche haben. Aus der Ferne könnte das für einsame Matrosen verblüffend menschlich ausgesehen haben.

Wir bekommen das nicht zu sehen.

Suchbild mit Dugong. Nahe ans Boot kommen sie leider nicht. Als wir mit dem Kajak unterwegs waren, haben sie sich gar nicht gezeigt. Sich mit Außenborder nähern, ist in Vanuatu verboten.

Im Gegensatz zu Manatis (die eine runde Flosse haben) besitzen Dugongs eine gegabelte Schwanzflosse – exakt so, wie wir uns den Schwanz von Arielle der Meerjungfrau vorstellen.

Bei uns besteht auch Verwechslungsgefahr: Dies könnte noch alles mögliche sein. :lol:

Da taucht sie, ab die Meerjungfrau.

Die berühmteste Seemanns-Illusion geht auf Kolumbus zurück. 1493 schrieb er in sein Logbuch, er habe vor der Küste der Dominikanischen Republik drei Meerjungfrauen gesehen. Er notierte enttäuscht, dass sie „nicht annähernd so schön seien, wie man sie auf Gemälden malt“ und dass ihre Gesichter „einige männliche Züge“ aufwiesen.

Für uns ist es ein riesiger Spaß, die Tiere zu beobachten. Dabei darf man allerdings nicht einschlafen. Das Auftauchen geht blitzschnell: Sie strecken nur kurz die Nasenlöcher aus dem Wasser, atmen innerhalb weniger Sekunden ein und aus, und tauchen wieder ab.

Wäsche waschen mit Aussicht auf Meerjungfrauen. Bester Arbeitsplatz der Welt.

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Geschäfte auf Epi

04.07. – 08.07.2026; Vanuatu, Epi, Foreland und Lamen Bay; Tag 4.417 – 21; 29.931 sm total

Bis zur nächsten Insel sind es gute fünfzig Meilen. Sollte uns unterwegs der Wind einschlafen, kommen wir im Dunkeln an. Die Tage sind noch kurz – nicht mal zwölf Stunden Licht. Wir gehen also Anker auf um 6:00 Uhr morgens. Es dämmert noch. Eine unnötige Aktion, sich so früh aus dem Bett zu schälen. Wir sind sensationell schnell, schaffen einen Schnitt von sechs Knoten und erreichen Epi bereits am Nachmittag. Wir legen einen Übernachtungs-Stopp in Foreland ein, motoren dann aber die sechs Meilen in den größeren Ort im Norden von Epi. Diese Bucht erscheint uns geschützter. So kann man sich irren.

Rauschefahrt – teilweise mit acht Knoten.

Hinter uns tauchen diese Segel auf. 3.500 qm auf einem 81 Meter langen Alu-Segler. Die 2020 gebaute Sea Eagle ist uns auf den Fersen.

Als wir zum Ankerplatz fahren, läuft die Sea Eagle hinter uns durch. Man kann das Schiff chartern: 600.000 Euro die Woche (!). Allerdings nur für zwölf Personen. Also, wer gerade seinen runden Geburtstag plant, diesmal im kleinen Kreis, hier mal die etwas andere Idee.

Lamen Bay ist ein aufgeräumter, sympathischer Ort. Geschäftig fahren Boote in die Buchten weiter im Süden oder auf die vorgelagerte Insel. Es mögen tausend Leute hier wohnen.
Ein junges Mädchen, vielleicht zehn Jahre alt, kommt auf uns zugerannt. Im Arm zwei riesige Pampelmusen. Sie strahlt uns an. Ich habe aus der stummen Verhandlung vom letzten Mal dazu gelernt. Ich frage sie gar nicht erst, wie viel sie dafür haben möchte, sondern biete ihr ein T-Shirt an, was ich für solche Situationen im Rucksack habe. Gebrauchte Kleidung ist neben Lesebrillen und Angelhaken ein begehrtes Tauschmittel.
Das Shirt ist mädchenhaft mit kleinen Blümchen bedruckt und dürfte ihr gut passen. Sie schaut glücklich zu mir hoch und nickt. Der Deal ist perfekt.

Wir schlendern weiter. Eine einzige Frau sitzt unter einer Überdachung und verkauft Gurken. Es muss unser Glückstag sein. Nicht nur wegen der Gurken, auch der Handel verläuft einfach. Geradezu europäisch. „Was kosten die Gurken?“ „100 Vatu das Stück.“ Wir nehmen zwei, die Dinger sind riesig.

Marktfrau auf Epi. Dass ich ein Foto möchte, ist ihr scheinbar noch nicht passiert. Sie kichert wie ein junges Fräulein und zieht das Kleid zurecht.

In der Dorfmitte treffen wir auf die anderen drei Crews, die in der Bucht vor Anker liegen. Alle samt Neuseeländer. „Wollt ihr mit auf einen Kaffee und Kuchen in Sadas Café?“ Es ist nicht weit zu laufen. Das hübsche Haus mit geflochtenen Wänden war uns schon aufgefallen. Es gibt Schokoladenkuchen und einen ausgezeichneten Cappuccino. Sensationell günstig. Eine nette Runde. Die Eudora hat sogar eine ähnliche Strecke für die nächste Zeit geplant wie wir.

Zusammen spazieren wir zum anderen Ende des Dorfes. Hier betreibt eine ältere Dame, Benny, ein mini-kleines Restaurant. Essen gibt es nur auf Vorbestellung. „Ich mache das, was es bei mir immer gibt: Gemüse und Chicken. Dazu Bananen-Pie und Früchte zum Nachtisch“. Das Huhn könnte zäh sein, warnt sie vorsorglich. :mrgreen:  Zwei Crews melden sich trotzdem zum Abendessen an. Wir verzichten, aber Benny ist geschäftstüchtig. Achim und mir verspricht sie Tomaten, wenn wir am nächsten Tag wiederkommen.

Bennys Restaurant. Winzig und hübsch mit Muschelketten verziert.

Palmenstamm vor Bennys Tür. Der tote Stamm malt ein tolles Muster.

Die zweite Nacht in der Lamen Bay ist arg. Plötzlich läuft Schwell in die Bucht. Wir schaukeln mit den anderen Booten um die Wette. Die hauen alle genervt am nächsten Morgen ab. Wir harren aus. Die Tomaten sind verlockend. Und das kleine Geschäft soll heute Eier haben.

Im einzigen Geschäft des Ortes gibt es ein paar Kosmetikartikel, Cracker und Konserven. War allerdings das Versorgungsschiff da, haben sie auch Eier und Zwiebel.

In dem Laden kann man auch Strom kaufen, um seine Geräte aufzuladen. 50 Vatu sind ungefähr 40 Cent.

Nur ein kleines Stück Straße ist betoniert. Es gibt keine zentrale Stromversorgung in Lamen. Wasser kommt aus zentralen Brunnen oder Fässern, die von den Häuserdächern gefüllt werden.

Wir paddeln noch einmal an Land. Bekommen von Benny die Tomaten, zwei Pampelmusen und eine Papaya. Als Geschäftsfrau kann man sie fragen, was sie dafür möchte, und bekommt eine klare europäische Antwort. Sehr schön.
Nur ein paar Minuten später werden wir erneut vom Vanuatu-Stil überrumpelt.
Ein Auto hält neben uns an. Eine Hand streckt uns eine Kokosnuss entgegen. Das Grüne ist bereits ab. Mühsam ist die harte Nuss entmantelt worden. Wir zögern. Eigentlich möchten wir keine Nuss. Die Hand wird ungeduldig. Wackelt mit der Nuss vor unserer Nase. „Die ist für euch. Willkommen in Vanuatu.“ Sprach‘s und gibt Gas.

Man muss dieses Land und seine Verhandlungen einfach mögen.
Den Schwell, der in die Bucht läuft, allerdings nicht. Wir sind recht hartgesotten, was Wackelei am Anker betrifft. Zwei Monate Osterinsel sind eine harte Schule. Aber das ist lange her und wir sind wahrscheinlich weich im Alter geworden. Die dritte Nacht ist nicht auszuhalten. Es ist die Frequenz der nur 30 Zentimeter hohen Wellen. Alle 1,5 Sekunden kippt der Kahn zur Seite, schaukelt sich auf, tanzt wie ein Rodeo-Bulle und beruhigt sich wieder. Nur, um eine neue Attacke zu starten.
Wir haben nach drei Nächten ebenfalls die Nase voll. Dabei wären wir noch gerne in der Lamen Bay geblieben.

Ehemaliger Anleger von Lamen. Zyklon Pam soll ihn vor elf Jahren zerstört haben.

Einzige Beschriftung auf der Pier-Ruine.

 

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Stummes Feilschen

30.06. – 03.07.2026; Vanuatu, Moso, Embas Beach; Tag 4.413 – 16; 29.872 sm total

Wir bleiben noch ein paar Tage vor dem schönen Embas Beach. Das klare Wasser bietet sich zum Rumpfputzen an. Propeller und Welle sind schon ordentlich bewachsen. Der Rumpf hat einen Rasenüberzug plus „Korallen“-Bäumchen. Nur wenig Pocken und anderes hartes Zeug. Nach zwei Tagen ist Achim zufrieden.

Mit dem Kajak unterwegs.

Das Wasser ist toll zum Schnorcheln, allerdings nur vertikal glasklar.

Der Strand besteht nur aus Korallenbruch und zermahlenen Korallen. Was für hübsche Muster dabei entstehen.

Fertig zum Tauchgang. Mit dem Tauchkompressor macht man sich Freunde am Ankerplatz. ;-)  Der ist bei uns an Bord nur zu ertragen mit Ohrschützern. Zwanzig Minuten dauert eine Flaschenfüllung.

Ich widme mich dem Edelstahl. Der Yasur hatte durch seine sauren Auspuffabgase hässliche Flecken hinterlassen. Und dann ist da der Schandfleck am Heck: der Geräteträger. Mit dem verhält es sich so wie mit Giersch in der hintersten Gartenecke. Das will man auch immer bei der nächsten Gartenrunde abarbeiten und dann kommt (leider, leider :mrgreen: ) wieder was dazwischen.

Vorher. Seit vielen Putzrunden geflissentlich ausgelassen. Ich bin zu klein und komme schlecht ran, die Kabel sind im Weg. Noch mehr Ausreden …

Geht doch!

Wir gehen noch einmal zur anderen Inselseite. Diesmal ins große Dorf hinter dem Hotel. Freundliche Menschen grüßen uns. Hier und da müssen wir ein Schnäckchen halten. „Heute Abend hat die Kava-Bar geöffnet. Kommt gerne vorbei.“

Von weitem sehen wir noch einmal die Blue Gold. Die Segel machen einen Höllenrabatz.

Schon vorbei am Hotel. Der Weg zum Dorf.

Mama Laundry zeigt uns den Weg ins Dorf. Sie kommt vom Fluss und Wäschewaschen. Mit Blume hinterm Ohr.
Wann immer wir fragen, die Leute lassen sich furchtbar gerne fotografieren.

Ein älterer Mann winkt schon von weitem: „Wollt ihr Papaya?“ Gerne. „Und Kochbananen?“ Ich zögere kurz. Die habe ich noch nicht selbst zubereitet, aber schon gegessen. Ich stimme zu, wird schon was draus werden.
Unser Kumpel verschwindet hinter seinem Haus. Er kommt mit einer großen Tüte wieder. Ungefragt hat er noch zwei Süßkartoffeln dazu gelegt.

Die Ware

„Was möchtest du dafür haben?“, frage ich ihn. Er zuckt mit den Schultern. „Möchtest du Geld oder etwas mit uns tauschen?“ „Money“, kommt wie aus der Pistole geschossen. „Wie viel möchtest du?“ Wieder zuckt er die Schultern.
Oh, ich stöhne innerlich auf. Wie viel ist genug? Was ist eine Beleidigung? Als gute Mitteleuropäerin habe ich es am liebsten, wenn Preise ausgezeichnet sind. Auf dem Markt in Port Vila stehen die Preise mit Edding geschrieben auf den Bananenschalen. Das gefällt mir. Klare Ansage. Man kauft oder geht weiter. Handeln ist in Vanuatu traditionell nicht üblich. Ja, es soll sogar beleidigend sein.

Ich habe nur 500 Vatu, ungefähr vier Euro, Kleingeld in der Hosentasche. Die gebe ich ihm. Auf Grund der Erfahrung in Port Vila erscheint mir das angemessen, vielleicht etwas zu wenig. Wenn das reicht, umso besser.
„Ist das okay?“ Er sagt nichts, kein einziges Wort. Nicht mal ein Kopfschütteln bekomme ich als Reaktion. Aber sein Blick ist traurig. Achim sieht ebenfalls das Unglück in seinem Gesicht und kramt nach Kleingeld. Weitere 200 Vatu wechseln den Besitzer. Unser Freund strahlt und nickt zufrieden. Weitere 100 Vatu, die Achim noch in der Hand hält, möchte er nicht.

Eine echte Südsee-Falle, in die wir da getappt sind. Wir versuchen, das stumme Handeln zu entschlüsseln. Seinem Nachbarn gegenüber würde unser Freund seine Enttäuschung nicht zeigen, weil diese Situation untereinander nicht entstehen würde. Wenn er seinem Nachbarn die Tüte bringt, sagt der Nachbar einfach „Danke“ und nimmt das Geschenk. Es gibt keine „500 Vatu“, die zu wenig sein könnten. Er weiß, dass der Nachbar ihm dafür irgendwann beim Dachdecken aushelfen wird.

Bei uns fehlt das soziale Gefüge. Da wir weitersegeln, bricht das System zusammen. Unser Freund „muss“ einen Preis verlangen, um den Wert auszugleichen. Und weil er den Preis nicht aussprechen darf (das verbietet die Höflichkeit), muss die Mimik herhalten.

Eine Vanuatu-Lernkurve für uns. Absolutes Neuland. Französisch Polynesien und Fiji ticken da anders. Unser Freund ist jedenfalls zufrieden abgezogen und wir stehen vor einem Berg Früchte. Jetzt müssen nur noch die Kochbananen einen Weg in die Pfanne finden.

Zweimal frittierte Kochbananen: Patacones.
Bananen in Scheiben schneiden und in Öl anbraten, bis sie leicht gelb werden. Dann aus dem Öl nehmen und mit einem Becher platt drücken. Im gleichen Öl noch einmal braten, bis sie gold-braun werden. Noch Salz drauf wie bei Pommes Frites.

Sie schmecken wie etwas süßliche Kartoffeln. Außen sensationell knusprig, wie gute Pommes, innen noch weich. Sehr lecker für mich, Achim vergibt eine 4+.

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