Archiv der Kategorie: Tuamotus

Hafen, der – Substantiv, maskulin

Mi., 28.Aug.19, Franz.Polyn./Insel Makatea/Westseite, Tag 1914, 18.515 sm von HH

Der ‚Duden‘ meint zu Hafen, dass „dies ein Liegeplatz für Schiffe sei, mit der Einrichtung zum Abfertigen von Passagieren und Fracht“. Wenn das so ist, dann verdient der Hafen von Makatea die Bezeichnung ‚Hafen‘ nicht.
Durch die Wellen vor der Einfahrt mit unseren Kajaks zu paddeln, stellt sich im Nachgang als großer Spaß heraus. Obwohl es aufregend ausschaut, wenn man vor sich die brechenden Wellen sieht und auf den richtigen Moment lauert zur Ein- oder Ausfahrt. Unsere Plastikwannen lassen sich erstaunlich trocken durch die Brecher lenken. Aber in dem ‚Hafen‘-Becken brodelt es. Aussteigen schwierig. Die anrollenden Wellen reflektieren an den Betonwänden. Nachfolgendes Wasser weiß nicht, wo es hin soll. Das Hafenbecken läuft voll – der Wasserstand zeigt. Es kabbelt. Es wackelt. Ein Steg existiert nicht. Aus dem Dinghy und Kajak kann man nur an einer rauen Betonwand aussteigen an der zwei überdimensionale Poller befestigt sind. Der Wasserstand steigt, das Kajak gerät unter den Poller, schaukelt hin und her: eine beinbrecherische Aufgabe.

Die ersten zwei Tage war das noch einigermaßen harmlos, aber am dritten Morgen ist alles anders. Der Lärm im Cockpit hat zugenommen. Brausend rollen die Wellen heran, brechen sich am Riff. Das schäumende türkise Wasser erreicht jetzt schon fast Atanga. Mit Sicherheit ist dies der abgefahrendste Ankerplatz, den wir je hatten. Etwas mulmig beobachten wir das Getöse.

So harmlos sah es bei unserer Ankunft aus und das war schon schlimm

Atanga an der Mooring

Atanga an der Mooring

was muten wir unserem Schiff und unseren Nerven zu

Aber wir wollen noch einmal an Land. Geduldig lauern wir vor der Einfahrt auf den richtigen Moment und kommen unbeschadet in den Hafen. Hinter der Ecke dann die Überraschung: die Einheimischen haben die Poller hochgezogen. Das ist ein schlechtes Zeichen, das machen die ja nicht aus Spaß. Ich riskiere den Ausstieg an einem Einschnitt in der Betonwand. „Ich kann’s nicht mit ansehen, ich kann’s nicht mit ansehen“, höre ich aus Achims Kajak. Geschafft! Den rostigen Haken, der zehn Zentimeter hervor steht, sehe ich zum Glück erst später. Ich lasse für Achim den schweren Poller ins Wasser.
Nanu? Die Fischer haben ja ihr Boot aus dem Hafen genommen. Hundert Meter oberhalb des Hafenbeckens haben sie es in Sicherheit gebracht. Na, wenn das kein weiteres Zeichen ist, dass höhere Wellen erwartet werden.

Makatea wird umrundet von einer Korallenplatte

Wir stromern am Ufer entlang. Strand gibt es auf Makatea nur wenig. Was von weitem hell leuchtet, ist eine flache glattgeriebene Korallenplatte. Den Hafen von Makatea hat man damals aus dieser Platte herausgesprengt. „Mir kommt es vor, als würden die Wellen minütlich höher werden“, findet Achim. Ich nicke. „Komm, lass uns verschwinden, bevor wir hier nicht wieder weg kommen.“

Die Einfahrt wird immer wilder

Brechende Wellen im Hafenbecken

Wir kommen trocken und ohne Blessuren aus dem Hafen zu Atanga zurück. Aber uns ist das Ganze unheimlich. Hier wollen wir nicht bleiben, die Zeichen sollten wir nicht übersehen. In zwei Tagen ist westlicher Wind vorhergesagt, dann müssen wir sowieso hier weg. Wir machen das Schiff segelfertig und hauen mittags ab. Abends beim Wetterbericht lesen wir dann von der ‚Schwell-Warnung‘ für die Tuamotu.

Atanga vor dem Riff

Luftaufnahme Makatea Hafen (Photo im Rathaus)

Inseltour auf Makatea

Mo., 26.Aug.19, Franz.Polyn./Insel Makatea/Westseite, Tag 1912, 18.515 sm von HH

Makatea ist in den Tuamotu als einzige Insel ein ‚gehobenes‘ Atoll. Die ursprüngliche Lagune wird hierbei durch das Aufleben vulkanischer oder tektonischer Aktivität über den Meeresspiegel angehoben. Im Fall von Makatea auf 60 bis 100 Meter. Nach der Hebung des Atolls ist die ehemalige Lagune trocken gefallen und Pflanzen haben sich angesiedelt.
Wie viele gehobene Atolle weist auch Makatea ein hohes Phosphat-Aufkommen auf.
Dieses Phosphat wurde von 1906 bis 1966 auf der Insel abgebaut. Zurück geblieben sind ein alter Hafen, tausende von Löchern und eine Menge Altmetall im Dschungel.

Die Steilküste von Makatea lag mal auf dem Meeresgrund

Tapu holt uns um 9:00 Uhr zur Besichtigung seiner Insel ab. Bereits seit Großvater lebte auf Makatea und war im Phosphat-Geschäft beteiligt. Heute wohnen noch 60 Menschen auf der Insel. Mit von der Partie sind Kim und David, das amerikanische Pärchen, was gestern das Rennen auf die letzte Mooring gewonnen hat. Die beiden entpuppen sich allerdings von Angesicht als ausgesprochen nett. ;-)

Eine Verladebrücken, die damals über den Hafen als beeindruckende Konstruktion errichtet war, hat man aus Sicherheitsgründen in die Luft gesprengt. Heute stehen nur noch die Stützpfeiler der Brücke auf der Riffkante. Das Eisen der Brücke rostet am Meeresgrund. Im Hafen liegen noch verstreut Deichseln, alte Loren und dutzende Eisenräder herum. Makatea ist die einzige Insel in Polynesien, die Schienen hat. Die Lokomotive, die Generatoren, Werkzeuge, die überdimensionalen Bohrer und Drehbänke wurden erst kürzlich von Tapu und seinen Kumpels vom Dschungel freigelegt.

Dampflok im Dschungel von Makatea

Hafen von Makatea – Verladestation für Phosphat

Dutzende Loren-Räder

 

Der Generator damals

Im Rathaus von Makatea gibt es eine kleine Ausstellung mit alten Fotos aus der Zeit der Phosphat-Gewinnung. Tapu ist gerade dabei noch weitere Fotos aufzutreiben. Überhaupt ist der junge Mann sehr umtriebig. Er möchte mehr Besucher auf die Insel holen. Als passionierter Kletterer macht er Werbung für Free-Climbing-Touren an den Klippen.

Die Buddelei nach dem Phosphat hat die Inseloberfläche komplett verändert. Loch an Loch an Loch. Soweit das Auge reicht, sieht Makatea wie ein Schweizer Käse aus. Mit der Schaufel haben Arbeiter aus China, Japan, Frankreich und Polynesien das weiche Phosphat aus dem harten Gestein gebuddelt. Zwischen drei und sechszehn Meter tief sind die Löcher. Auf wackeligen Brettern, die man über die Löcher legte, wurde mit Schubkarren das Phosphat zu Sammelstellen gekarrt. Eine unvorstellbare Knüppelarbeit. Bis zu zweitausend Menschen haben an der Umgestaltung der Insel mitgearbeitet.

Die Oberfläche von Makatea


Arbeiter buddeln abertausende Löcher in die Insel

Es gibt eine australische Firma, die die Phosphat-Gewinnung wieder aufleben lassen will. Weltweit gehen die Vorräte von Phosphat, was nicht mit Schwermetallen verunreinigt ist, dem Ende entgegen. Im Augenblick scheitern diese Pläne an einer Idee, wie man die Insel für schweres Gerät befahrbar machen könnte. Zur Zeit existiert nur eine Auto-Piste, für die man mühsam die Löcher mit Sand und Korallenschütt befüllte. Für Landwirtschaft ist die Insel ebenfalls ungeeignet, trotz guter Wüchsigkeit der Pflanzen. „Phosphor haben wir ja genug“, witzelt Tapu, „hier wächst alles. Aber es existieren keine Pläne und noch weniger Geld, um die Insel zu planieren.“

Ankunft auf Raroia

Fr., 19.Jul.19, Franz.Polyn./Tuamotu/Raroia/Ngarumaoa, Tag 1874, 18.073 sm von HH
Der Pass von Hao hat die erwartete ausgehende Strömung, als wir um 12:00 Uhr dort ankommen. Perfekt. So langsam glaube ich, dass unsere Berechnungen Kopf und Hut haben. Mit milden zwei Knoten Strömung und harmlosen Kabbelwasser spuckt uns die Lagune aus. Wir haben jetzt 27 Stunden Zeit noch bei vernünftigem Tageslicht in Raroia anzukommen. Bei 160 Seemeilen wird das eng. Und richtig, in der Nacht lässt der Wind nach, der anfängliche Schnitt von sechs Knoten geht runter auf fünf. Schnell ist klar, das bedeutet eine zweite Nacht auf See.
Die Bedingungen sind nicht schlecht; Wind schräg von hinten, nicht zu viel Schwell; könnte schlimmer sein. Um Mitternacht in Nacht zwei erreichen wir bereits Raroia. Im Windschatten- bzw. Schwellschatten des Atolls machen wir es uns gemütlich und liegen bei. Unsere Lieblingsmethode seit Pitcairn, um Zeit zu schinden. Fast bewegungslos treiben wir bis zum Morgengrauen vor dem Passeingang. Dann heißt es rein in den Pass, Hebel auf den Tisch, Augen zu und durch. Das nächste Stillwasser soll erst um 13:00 Uhr sein, so lange wollen wir nicht warten. Fünf Knoten blasen uns entgegen. Das Wasser sieht schauerlich aus: Handballfeld große Flächen sind spiegelglatt gezogen; daneben kocht und brodelt wie im Zaubertrank-Topf. Dazwischen gibt es Strudel, die aussehen als wollten sie uns in die Tiefe ziehen. Wasser wirbelt durcheinander, wir erreichen den Bereich der stehenden Wellen. Atanga müht sich langsam vorwärts. Ich gebe mehr Schub, sonst fahren wir rückwärts. Quälend langsam kommen wir voran und dann, zack, wie abgeschnitten, reißt die Strömung ab. Wir sind im Atoll.

Alien-Wasser im Pass

Wir tuckern gemütlich vor den Ort, keine fünf Meilen weiter. Es ist noch früh, nicht mal 8:00 Uhr. Der Weg dorthin ist gut betonnt. Der Anker fällt auf zwölf Meter. Tiefe Plätze sind die Regel auf den Tuamotu, nicht die Ausnahme. Hier wollen wir bleiben bis der Wind etwas nachgelassen hat und die Sonne höher steht. Dann wollen auf die unbewohnte Seite des Atolls.
Aber der Mensch plant und Gott sitz auf seiner Wolke und haut sich vor Lachen die Hände auf die Schenkel: bereits um 9:00 Uhr steht fest, wir brechen auf, direkter Weg Tahiti. Ankunft in vier Tagen. Warum? Was ist passiert? Die Geschichte gibt es Morgen. ;-)

Abschied von Hao

Mo., 15.Jul.19, Franz.Polyn./Tuamotu/Insel Hao/d’Otepa, Tag 1870, 17.889 sm von HH

Es geht weiter. Am Mittwoch brechen wir nach Raroia auf, ein kleineres Atoll, nur 150 sm entfernt. Das ist eine schlecht zu kalkulierende Distanz. Je nach Wind kann das einen oder zwei Tage dauern. Wir brechen am Nachmittag auf, zum vermeintlichen Stillwasser. Die Lagune ist im Augenblick recht leer, der Wasserstand niedrig. Der Wind weht seit Tagen schwach, so dass wir wenig Strömung am Passausgang erwarten.

Nach dem Sturm wurden wir noch mit zwei Tagen Dauerregen belohnt. Unbeachtet davon geht das Heiva-Festival auch schlechtem Wetter weiter. Der Wettbewerb ‚tanzende Mütter‘ wird einfach unter die Überdachung des Rathauses verlegt. Dort ist es etwas eng für die properen Damen, aber die Tanzfreude ist ungebrochen. Südsee-Hüftschwung vom Feinsten. Die Frauen führen beim Tanz ihre Fingerspitzen an den Mund, an die Augen und dann in die Ferne. In diesen Tänzen liegen alle Versprechen dieser Welt.
Es ist „lausig kalt“ – die Zuschauer erscheinen mit fellbesetzen Kapuzen auf dem Kopf. Der einzige Moderator von Hao, wir nennen ihn Günther Jauch, der beim Kirchenfest, im College und jetzt beim Haiva den Ton angibt, trägt Socken in seinen üblen Altherren-Schlappen zu kurzer Hose. Günther ist ein echter Pausenclown und hält das Publikum mit schlüpfrigen Anmerkungen bei Laune. Über die Schlüpfrigkeit ist jeder Zweifel ausgeschlossen – seine Gesten sind eindeutig und das Publikum hält sich die Hand vor den Mund beim Lachen.

Exotik und Erotik

Schöne Frauen wollen Miss Heiva werden

Schöne Frauen, schöne Kostüme

Das Heiva ist ein bunter Mix aus Kirmes, Bundesjugendspielen, Bastel-Wettbewerben mit Muscheln oder Blüten und Sport-Wettkämpfen: Schwimmen, Fahrradfahren oder Kokosnuss-Weitwurf . Oder es muss mit einem Speer eine Kokosnuss in zehn Meter Höhe getroffen werden. Statt mit Bananen, wie auf der Osterinsel, werden auf Hao mit zehn Kilo (Damen) oder dreißig Kilo (Herren) Kokosnüssen auf der Schulter Staffelläufe abgehalten. Außerdem gibt es die Wahl zu Miss Haiva und Mister Haiva – moderiert von Günther.

Ein Treffer von fünfzig Speeren – als Feind ist man sicher auf Hao

 

Immer gute Laune die Polynesier

Mit dem Speer eine Kokosnuss treffen – Wettkampf der Frauen

 

Speere einsammeln für die nächste Runde

Ein besonderes Spektakel für uns ist das Kokosnuss-Wettschlachten. Die Herren knacken 50 Nüsse in knapp zwanzig Minuten. Wer so reinhaut, dem steht der Schweiß auf der Stirn. Das, bei Achim übliche, Abpellen der zähen Bastschicht von der inneren Nuss entfällt. Mit einer Axt werden die Nüsse mit einem Schlag gespalten. Eine sehr effektive Methode, die auch auf Atanga Einzug erhalten wird. Die Kopra wird mit einem gebogenem Messer aus den Nusshälften gebrochen. Die Zuschauer werden mit Flatterband davon abgehalten in den Gefahrenbereich der Äxte zu laufen, während die Nussknacker sogar auf Sicherheits-Flip-Flops verzichten. Da mag man gar nicht hinschauen.

Mit der Axt wird barfuss auf die Nüsse eingedroschen

Kokosnuss-Wett-Knacken

Nussknacker

 

Der Sieger am Ende

Das Schul-Boot hat inzwischen die College-Kinder angeholt, mit bitteren fünf Tagen Verspätung. Der Transport wäre genau das Richtige für deutsche Helikopter-Eltern :mrgreen: . Der klapprige Katamaran hat den Sturm auf See abgewettert und ist nicht nach Tahiti umgedreht. In den acht Meter (Angaben der Crew) hohen Wellen ist ihnen eines ihrer Rettungsboot abgerissen. Das konnten sie zwar retten, aber es ist unbrauchbar. Als die Kinder endlich an Bord sind, nachfünf Monaten geht es endlich nach Hause, streikt eine der Maschinen vom Katamaran. Bei geringer Fahrt fährt der Kat im Kreis und kommt nicht aus dem kleinen Hafen. Wir Segler geben mit den Dinghies Schlepphilfe (an diese Stelle gehört der Affe, der sich die Augen zuhält). Hat der Kahn mal Fahrt im Schiff, so kann er auch geradeaus fahren. Goodbye, liebe Kinder… kommt heil an.

Der Schulkatamaran braucht Schlepphilfe

 

Die Oma, die bislang unsere Wäsche gewaschen hat, kommt mit einer schlechten Nachricht vorbei: die Trommel ihrer Maschine dreht nicht mehr. Sie steht mit einem bedauernden Gesicht und unseren Säcken Dreckwäsche vor dem Schiff. Bislang konnte ich mich gut vor großer Handwäsche drücken. Irgendwo gab es immer eine Wäscherei oder einen Waschsalon. Und wenn ich durch die halbe Stadt mit dem Rad fahren musste.
Aber jetzt bin ich fällig. Zum Glück sind letzte Woche Bettwäsche und Handtücher in dem Gerät gelaufen. Die Wassertanks sind vom Regen prall gefüllt, so dass der Skipper nicht jeden Liter Wasser skeptisch beäugt. Aber zwei Maschinen Dreckwäsche machen einen krummen Rücken und Hände einer Wasserleiche. Am Ende habe ich kaum Kraft mehr zum Wringen. Zehn Dollar kostet eine Maschinenladung bei Oma, das ist guuuut angelegtes Geld, wie ich finde.

Am 14. Juli feiert Hao die Befreiung der Bastille. Wir sind halt in Frankreich. Die wichtigen Dorfgrößen, die frischgekürten Miss and Mister Heiva und Vertreter des öffentlichen Dienstes treten zum Apell an. Bei der französischen Hymne singt das Publikum verhalten mit, bei der polynesischen sind alle textsicher und schmettern mit.

Die bunte Welt der frisch gekrönten Häupter

 

Und so ist jeden Tag etwas los auf Hao. Das Haiva wird noch zwei Wochen weiter gehen, ohne uns. Wir müssen weiter, wollen wir noch weitere Inseln in den Tuamotu sehen. Spätestens Anfang September möchten wir auf Tahiti sein. Dort wartet Arbeit am Schiff auf uns und einige Ersatzteile sind zu besorgen.
Maururu, Hoa, es war toll mit dir.

Unser abendlicher Blick von der Terrasse

Dieses verflixte Französisch

Mi., 10.Jul.19, Franz.Polyn./Tuamotu/Insel Hao/d’Otepa, Tag 1865, 17.889 sm von HH

Die Französisch-Stunden sind beendet. Vanessa muss nach Tahiti zurück.
Es ist unglaublich, wie viel Mühe sie sich mit uns gemacht hat. Zum Abschluss gab es sogar einen Test. Schriftlich und mündlich. :shock: Individuell auf uns zugeschnitten.
Natürlich hat Achim mit 85 Punkten um 10 Punkte besser abgeschnitten als ich. Erstens ist er ein elender Streber und zweitens wittere ich Schiebung bei der Bewertung des mündlichen Teils. Zwischen Achim und Vanessa passt kein Blatt Papier. Wir hatten die beste Lehrerin, die wir uns wünschen konnten und haben eine Freundin gewonnen. Wir freuen uns schon auf ein Wiedersehen in Tahiti.
Übrigens würde sie auch anderen Seglern Unterricht geben. Wer Interesse hat, seine Französisch während einen Aufenthalts auf Tahiti aufzupolieren, soll sich bei uns melden und wir stellen dann den Kontakt her.

Und haben wir auch was gelernt? Ja, schon. Es hilft beim Lesen von Aushängen und dem ausführlichen Wetterbericht. Wir erkennen jetzt ein Verb und verstehen die lustigen Liaisons, die geschrieben verwirrend aussehen. Aber im Prinzip ist die Sprache unlernbar. Einen vernünftigen Satz raus zu bringen, fällt uns beiden schwer. Zu viele nicht gesprochene Buchstaben, zu viele Ausnahmen, zu viele Nasal-Laute.

Die Einheimischen haben ebenso ihr Probleme: „Ich hasse Französisch“, kommt ja nicht von ungefähr. Ihre Aussprache und Grammatik sei recht fehlerhaft, erzählt uns Vanessa.
Die Franzosen in ihrer Selbstverliebtheit in die eigene Sprache, haben den Polynesiern Französisch als einzige Amtssprache aufs Auge gedrückt. Mit der Folge, dass einige der Polynesischen Sprachen vom Aussterben bedroht sind. Alles zielt darauf ab, die Frankophonie zu fördern. 70 % der über 15-jährigen sprechen zu Hause Französisch.
Auf Hao dreht sich die Welt noch etwas langsamer. Hier hört man die Einheimischen untereinander nur Tahitianisch sprechen.

Französisch, eine Sprache, die altmodisch und gestelzt rüber kommt. Selbst der Wetterbericht malt Blumenbilder, statt mit Fakten aufzuwarten: „Der Himmel zeigt sich grau in grau, wie ein Gemälde im ‚Grisaille‘-Stil“. „Zwischen den Wolken blitzen, schelmisch gar, einige Sonnenstrahlen hervor“. Da kann man schon mal mit den Augen rollen. Und doch würden wir sie gerne sprechen können.

Eine Sprache, die keine Wörter für 70, 80 und 90 kennt. Stattdessen sagt man 60 plus 10; 4 mal 20; und ganz schlimm, 4 mal 20 plus 10. Die Belgier und französischen Schweizer machen diesen Blödsinn nicht mit und haben Wörter für diese Zahlen erfunden. Praktisch!

„Eine Sprache, die so schwer ist, dass für andere Sprachen die Gehirnkapazität nicht mehr ausreicht“, um einen Schweizer zu zitieren.

Wir haben eine Menge gelernt, aber am Ende bleibt das Fazit: In Französisch sind wir gut, nur mit der Sprache hapert es. :mrgreen: