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Auf, auf, Richtung San Blas Inseln

Sa., 16.Dez.17, Panama, Puerto Lindo, Tag 1295, 12.217 sm von HH

Unser neues Dinghy liegt an Deck. Es ist ein wenig anders geformt und will sich nicht ganz so geschmeidig in das Dreieck im Bug einfügen. Damit es passt, hat Achim kurzerhand die Dorade-Lüfter samt Bügel abmontiert. Metallplatten, um die Lüfter-Öffnungen zu verschließen, hatten wir an Bord. Als Dichtung hat er einen alten Fender genommen, den er auf der Werft gefunden hat.
Die Bügel sind lästig zu verstauen, also schraubt Achim sie einfach über die Dorade-Lüfter mittschiffs.

Versetzte Bügel über den Dorade Lüftern

Versetzte Bügel über den Dorade Lüftern – jetzt mittschiffs

 

Das alte Dinghy haben wir Guido da gelassen. Guido erledigt Schweißarbeiten, übernimmt Reparaturen jeder Art und verkauft in einem kleinen Laden allerlei Schiffs-Kram auf Kommission. Beim Verkauf unseres Schlaubootes bekommt er 20 Prozent Provision.
Ich vermute, wir sehen da nie einen Euro, Achim glaubt an das Gute im Menschen.

Mit einer Woche Verzögerung hauen wir nun heute Abend wirklich ab aus Puerto Lindo.
Unsere frischen Vorräte, die wir aus Kolumbien mitgebracht haben, sind fast verbraucht. Ein letztes Stück Käse und ein paar Salami-Scheiben verlieren sich im Kühlschrank.

Die Versorgung mit Nachschub in Portobelo ist gescheitert.
Die fünf „Mini-Super“, wie die, von Chinesen geführten, Läden genannt werden, haben nur Dosen, getrocknete Bohnen und schlappriges Toastbrot. Mit Glück ergattert man die vier letzten Tomaten neben einer überreifen Ananas.
In Gefriertruhen, groß wie ein Kleinwagen, liegen ein paar Tüten mit undefinierbar zusammen geklumpten Fleisch. Nein, danke!

Von einem frischen Huhn bekomme ich die Brust, mehr ist in Portobelo nicht zu kriegen.
Auf dem Rückweg stoße ich auf den Gemüse-Truck. Somit haben wir für einige Tage Grünzeug und ein paar Bananen. Die bedenkliche Völlerei an Weihnachten ist nicht zu befürchten.
(Übrigens kommt die Fledermaus nur an Bord, wenn Bananen auf dem Dampfer sind – alles andere wird verschmäht. Wir decken die Bananen jetzt mit einem Geschirrtuch zu, dann flattert sie dreimal traurig durch den Salon und verschwindet in der dunklen Nacht.)

Die San Blas Inseln sind eine zweihundert Kilometer lange Kette von winzigen Inseln und Inselchen.
365 Inseln, die nah der Küste Panamas vorgelagert sind.
Fisch, Langusten und Kokosnüsse kann man dort kaufen, mehr wohl nicht.

Auf die San Blas Inseln werden Handy- und Internet-Junkies zum Ausnüchtern geschickt.
Empfang mit der örtlichen Sim-Karte ist nur auf wenigen Touristen-Inseln möglich.
Wir können natürlich wie immer über Kurzwelle unsere Berichte posten.

Am 5. Januar ‚müssen‘ wir in Colon am Kanal-Eingang sein.
Dort haben wir einen Termin mit einem Vermesser der Kanal-Gesellschaft. Der kommt an Bord, um die exakte Länge von Atanga zu ermitteln.
Wozu? Keiner weiß es so genau. Die Länge steht in den Schiffspapieren und auf zehn Zentimeter wird es wohl nicht ankommen. Zumal bis 50 Feet Schiffslänge ein Einheitspreis für den Kanal verlangt wird. Der Vermesser ist allerdings nur die Spitze des Eisberges, der ‚Panama-Kanal‘ heißt.

Caribe – L8

Di./Mi., 12./13.Dez.17, Panama, Puerto Lindo, Tag 1292/3, 12.217 sm von HH

So heißt unser Weihnachtsgeschenk.
Die Nachricht, dass der Kreditkarten-Leser von Käpt’n Jack wieder funktioniert, überrascht uns beim Polieren. Kurzentschlossen machen wir den Nachmittag frei, setzten wir uns ins Taxi und fahren bis Portobelo.
Der ominöse Jack entpuppt sich als älterer Amerikaner und Chef über ein hübsches Restaurant mit Hotel.

Rodrigo ist pünktlich. Im Auto liegt unser Dinghy. Zu erkennen ist nichts. Im Grunde kaufen wir einen Plastik-Kokon für 3.000 USD.

Die Schlauch-Katze im Sack

Die Schlauch-Katze im Sack

Auf diesen fixen Preis – inklusive Lieferung und Gebühren (für Jack) – haben wir uns mit ihm im Vorwege geeinigt. Rodrigo startet noch einen Versuch drei Prozent Kreditkartengebühr aufzuschlagen. Ein Blick in Achims Gesicht lässt ihn verstummen. Fixpreis ist Fixpreis – Deal ist Deal, Nachverhandeln ausgeschlossen.

Der Kokon entblättert unseren neuen Schmetterling: unser erstes Marken-Schlauchboot. Von No-Name haben wir die Nase voll. Das erste (ein AWN Hyperlon) war uns auf den Kap Verden geplatzt. Dort hatten wir keine Wahl und mussten nehmen, was es gab. Keine zwei Jahre ist das her, schon ärgerlich.
Wer billig kauft, kauft zweimal.

Das neue Dinghy ist etwas kürzer, hat aber breitere Schläuche. Irgendwie ein schwimmender Quadratmeter. Und es hat ebenfalls einen festen Boden, GFK diesmal, statt Alu.

Danke, lieber Weihnachtsmann, dich können wir echt weiter empfehlen.
Und Rodrigo von SukiMotor/Panama bekommt ebenfalls den Daumen hoch. Seine Preise, Zuverlässigkeit und Kreativität sind absolut in Ordnung.
Als letzter bekommt Achim von mir das Prädikat ‚besonders wertvoll‘. Alle Verhandlungen, Verabredungen und Vereinbarungen mit Rodrigo liefen auf Spanisch. Über what’s app, mal geschrieben, mal als what’s app-Telefonie. Bestimmt hundert Messages liefen hin- und her.
Großartig gemacht, Skipper. :-)

Das richtige Logo kommt zum Vorschein

Das richtige Logo kommt zum Vorschein

 

Am nächsten Tag beenden wir unsere Arbeiten und werden ebenso umsichtig ins Wasser zurück getragen, wie vor ein paar Tagen raus.
Das Wetter war auf unserer Seite, es hat nur nachts und beim Dinghy Transport geregnet. Atanga sieht phantastisch aus. Wir sind happy und versöhnt mit dem üblen Empfang, den Panama uns bereitet hat.

Schickes Schiff, schickes Schlauchboot

Schickes Schiff, schickes Schlauchboot

 

Wenn das Boot an Land steht

So., 10.Dez.17, Panama, Puerto Lindo, Tag 1290, 12.217 sm von HH

Wenn das Boot an Land steht, ist Segeln richtig scheiße. :lol:

Bei so einer Aktion gibt es immer einen Verlierer:

Schiff abkratzen ist mein Job.
Unser Unterwasserschiff sieht ganz passabel aus. Achim hat in Santa Marta gute Arbeit geleistet. Nur wenig harter Bewuchs kommt zum Vorschein.
Der grün-schwarze Schleim verschwindet durch den Hochdruckreiniger.
Die unendlichen Stempel-Abdrücke der Seepocken und Muscheln bleiben haften. Die kleinen Füße, die stehen bleiben, müssen mit dem Spachtel abgekratzt werden.
Die wenigsten lassen freiwillig los.

Farbe rühren ist mein Job.
Das neue Zeug stinkt zum Himmel. Ich habe die Wahl zwischen ohnmächtig werden oder ertrinken in meiner Gasmaske. Ich wähle die Maske, der Gestank ist zu arg. Heiß ist es unter der Maske. Der Schweiß fließt.
Ich brauche fast eine Stunde, bis ich 20 Liter Farbe zu einer homogenen Masse gerührt habe. Oben steht das Dünne und unten hat sich eine unfügsame Schicht Dickes abgelagert. Schwer und zäh wie Teer.

 

Wir haben immer Selbst-Polierendes Antifouling. Das bedeutet, dass sich beim Segeln eine mikrodünne Schicht abfährt, vorhandenen Bewuchs mit in die Tiefe reißt und sich eine neue, aktive Antifouling-Schicht bildet. Das funktioniert gut und wir sind zufrieden.

Allerdings trägt sich an immer gleichen Stellen die Farbschicht schneller ab. Gut zu erkennen an den grünen Flecken. Dort schimmert bereits das Gel-Shield durch.
Außerdem hält das Antifouling schlecht auf unserem Wasserpass, den wir vor zwei Jahren einfach über gepinselt haben.

Diesmal haben wir uns Primer besorgt und tragen ihn an den kritischen Stellen auf.
Der Primer soll für besser Haftung vom Antifouling sorgen. Man darf gespannt sein.

In den anderen Jahren haben wir immer nur 10 Liter Farbe verbraucht. Dieses Jahr verpinseln wir den ganzen Pott Antifouling. „Viel hilft viel“, hat Oma immer gesagt.
Hoffentlich stimmt das. Im schlimmsten Fall müssen wir trotzdem in 12 Monaten wieder aus dem Wasser und hätten die Hälfte der Farbe verbrannt (250 EUR).
Dafür brauchen wir nicht den halbleeren riesigen Eimer Farbe mit uns herum schippern.

Und wir sind wieder zu schwarzem Antifouling zurück gekehrt, was uns final besser gefällt.
Das fühlt sich nach der Trocknung wie Latex-Farbe an, leicht gummi-artig. Hempl Markenware.
Hoffentlich weiß die Farbe das auch.

Bei so einer Aktion gibt es auch immer einen Gewinner: Klebeband abreißen, ist Achims Job. :mrgreen:

Der Klebeband-Abreißer

Der Klebeband-Abreißer

Kran-Tag

Sa., 09.Dez.17, Panama, Puerto Lindo, Tag 1288, 12.217 sm von HH

Beinahe hätte es wieder nicht geklappt mit unserem Termin.
Der viele Regen hat ein großes Loch in den Boots-Stellplatz gespült und der Weg zu unserem geplanten Standplatz ist unpassierbar.
Achim spricht mit Engelszungen auf den Werft-Chef ein. Der lässt sein Herz erweichen und zirkelt mit dem Maßband aus, ob er uns noch auf der anderen Werft-Seite dazwischen quetschen kann.
Der Travel-Lift ist für Katamarane dimensioniert und hat bestimmt eine Breite von zwölf Metern. Da kann er nicht einfach überall dazwischen fahren.

Atanga ist schon fast etwas zu klein für die Gurte und sieht etwas verloren in dem Gestell aus.

Der Chef macht an der Fernbedienung eine gute Figur. Im ‚Crocodile-Dundee-Style‘ manövriert er ruhig und souverän seinen Travel-Lift an die vorgesehene Stelle. Zum Nachbarschiff passt noch eine Handbreit dazwischen.

 

da staunt der Kollege Nachbar schon mal

da staunt der Kollege Nachbar schon mal

Die Werft ist noch sehr neu, das Gelände ist gepflegt und aufgeräumt.
Die sanitären Einrichtungen befinden sich in einem Container, sind aber blitzsauber. Kein einziger Schimmel-Belag ist zu finden.
Es wird gerade an einem festen Gebäude gebaut. Das hier wird mal eine schicke Marina und Werft.

Bei so einer Kran-Aktion gibt es immer einen Verlierer. :mrgreen:
Heute trifft es unseren Fender, der unbeabsichtigt vom Gurt eingequetscht wird.

Wenn die Industrie es schafft, Gegenstände herzustellen, die das aushalten, obwohl sie bereits acht Jahre alt sind und dauerhaft dem UV-Licht ausgesetzt sind, warum kann das dann nicht für alles gelten?

Die San Blas Inseln müssen warten

Do., 07.Dez.17, Panama, Puerto Lindo, Tag 1286, 12.217 sm von HH

Zumindest noch für ein paar Tage.
Unerwartet haben wir einen Termin zum Kranen am Samstag angeboten gekommen. Den krallen wir uns. Es ist unangenehm dieses leidige Thema ‚Antifouling-streichen‘ vor sich her zu schieben.

Im Nachgang können wir uns freuen, dass es letzte Woche nicht geklappt hat, bei dem vielen Regen hätten wir sowieso nicht arbeiten können. Auf dem Trockenen zu stehen kostet über 20 USD/Tag. Das Geld haben wir prima gespart.

Seit gestern hat sich das Wetter beruhigt. Noch einen Tropen-Schauer am Nachmittag, die restliche Zeit ist es trocken. Mit der Sonne hebt sich nicht nur die Stimmung, nein, insgesamt läuft es besser: Eine neue Option unser Wunsch-Dinghy zu bezahlen, bietet sich gerade an.
In der Marina scheint uns jemand behilflich sein zu können.

Die Laune ist so gut, dass die positiven Dinge plötzlich auffallen:
Es gibt keine Mücken. Das ist kaum zu glauben. Gleich hinter Puerto Lindo liegt ‚Jurassic Park‘. Das Gebrüll und Heulen der Brüll-Affen schallt lauthals über die Bucht. Jeden Augenblick erwartet man einen Dino zu sehen. Papageien fliegen über den Ankerplatz. Im Dorf flattert ein urweltlicher Tukan an uns vorbei.
Aber es gibt keine Mücken. :-)

Mit dem Dinghy düsen wir in die Mangroven. Die Attraktion ist ein schmaler Kanal, der zwei Buchten miteinander verbindet. Das Blätterdach ist so dicht, dass ein Tunnel entstanden ist.
Wildromantisch. Das ist normalerweise ein Garant für Mücken-Attacken. Nichts, ohne einen einzigen Stich kommen wir von unserer Fahrt zurück.

Perfekte Spiegelung im Tunnel

Perfekte Spiegelung im Tunnel

Für Aufregung sorgt am Morgen ein Segelboot auf Drift. Eben lag die Yacht noch hinter uns, auf einmal ist sie ‚verschwunden‘. Die Eigner hatten wir grade an Land fahren sehen.
Mit unserem Nachbarn Roy eilt Achim dem entschwindenden Boot zur Hilfe. Ein weiteres Dinghy eilt heran.
Zu dritt versuchen die Männer, den slippenden Anker zu heben. Die elektrische Fernbedienung für die Winsch ist nicht zu finden. Muskelkraft ist gefragt.
Die Maschine kann nicht gestartet werden, da sich die Zündung unter Deck befindet und alle Luken geschlossen sind. Dass Boot driftet weiter. Die Felsen kommen näher.

Zum Glück ist gerade die Küstenwache mit einem starken Außenborder durch das Ankerfeld gefahren. Die werden angehalten und zum driftenden Boot gejagt. Für die Jungs und ihre vielen PS ist es ein Leichtes, die Yacht auf Abwegen wieder in das das Ankerfeld zurück zu schleppen.
Mit Schlauchbooten die Yacht zu ziehen, wäre sicher eine größere Aufgabe geworden und wir hätten noch ein paar Dingies zusammentrommeln müssen.

Achim, Roy und der unbekannte Helfer lassen den Anker wieder fallen, einfahren können ihn nicht, geben aber sechzig Meter Kette. Dass reicht bis die Besitzer am Abend wieder zurück kommen.

Rettung vor den Felsen mit Hilfe der Küstenwache

Rettung vor den Felsen mit Hilfe der Küstenwache