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San Andrés in Tierradentro

Fr./Sa., 06./07.Okt.17, Kolumbien/San Andrés, Tag 1224/5, 11.850 sm von HH

In San Andrés wohnen die wohl fröhlichsten und nettesten Menschen der Welt: „Hallo. Wie geht’s? Einen glücklichen Tag für euch.“, schallt es uns entgegen. Das Lächeln ist ehrlich und die Kinder strahlen.
Untereinander wird gescherzt und gelacht. Man neckt sich. Jeder hat für den anderen ein Lächeln.

Die freundlichsten Kinder der Welt gibt es in San Andrés

Die freundlichsten Kinder der Welt gibt es in San Andrés

 

Es sind die ‚Nasa‘, die im Tierradentro wohnen.
Als die Spanier 1539 in ihr Land kamen rief der Häuptling Juanchemo: „Tierradentro gehört den Nasa. Die Nasa, die ihr Blut niemals mit anderen mischen.“

So scheint es bis heute zu sein. Sehr hübsche, kleinwüchsige Menschen sind die Nasa. Nicht so zart, wie die Kogi und nicht so blass. Die Höhenluft malt rote Wangen.
Und ihre Freundlichkeit sucht ihres gleichen.

Das Tal in San Andrés beherbergt das Weltnaturerbe Tierradentro: In das Tuffstein geschlagene Grabkammern in fünf bis acht Meter Tiefe. Die Kammern sind unterschiedlich ausgeschmückt, die Prächtigsten haben zwei Säulen, um das Gewölbe zu tragen.
Es handelt sich um Sammelgräber, die bis zu vierzig Urnen aufnahmen.

Über die Urheber dieser Grabkammern ist wenig bekannt. Die verloschene Kultur von Tierradentro pflegte ihren Begräbniskult in zwei aufeinanderfolgenden Bestattungen. Der Verstorbene wurde zunächst in geringer Tiefe begraben. Wenn nur noch das Skelett übrig war, wurde die Leiche exhumiert und in einer Urne in einer der Kammern beigesetzt.

Das Alter der Skelette wurde auf 870 vor Chr. bis 600 n.Chr. datiert.
Die Grabkammern sind einmalig in gesamt Amerika. Über einhundert Gräber hat man bislang in Tierradentro gefunden.

Die Nasa lehnen es kategorisch ab, die Nachfahren der geheimnisvollen Baumeister der Grabkammern zu sein. Eine mögliche Erklärung ist, dass die Nasa mit den Erbauern verfeindet waren und sie vertrieben haben.

Neben den Gräbern ist es vor allem die beeindruckende Landschaft weswegen man nach Tierradentro reist. Aber das machen nur wenige. Die erschwerte Anreise und der schlechte Ruf der Region, einst den Guerillas Unterschlupf gewährt zu haben, schreckt Touristen ab.

Die Anden - in der Ferne noch über 5000 Meter

Die Anden – in der Ferne noch über 5000 Meter

 

 

 

Wir kommen in einem tollen Posada (=Pension) unter. Großzügiges, sauberes Zimmer mit heißem Wasser, sagt die Eigenwerbung. Das ist wichtig, wir sind auf 1750 Meter und nachts fällt die Temperatur auf 10 Grad.

Tagsüber bei unseren Wanderungen zu den Gräbern und in das benachbarte Tal, ist es angenehm. Nicht zu heiß, um steile 500 Höhenmeter zu erklimmen.
Unser Reiseführer ist ein Miesepeter: „Um diese Jahreszeit wird der Regen gelegentlich von Nieselregen abgelöst.“
Gar nicht wahr, wir haben nur Sonnenschein. :-)

Die Hänge der Anden sind landwirtschaftlich genutzt von Klein-Bauern, die mühselig Kaffee, Bananen und Zuckerrohr anbauen. In den steilen Hängen muss die Ernte ein Knochen-Job sein.
Nur die Höfe nahe an den Dörfern haben Strom. Auf den Luxus von heißem Wasser müssen wohl die meisten verzichten.

Unsere Wanderwege sind ihre Arbeitswege, um von den bescheidenen Hütten zu den Feldern zu gelangen. Dazwischen Zäune mit Vieh-Türen, die Kühe und Ziegen von den Feldern fernhalten sollen.

Dörfer, Wege und Häuser wirken wie poliert. Nirgends liegt Müll herum, alles ist aufgeräumt und sortiert. Die Hütten sind in alter Bauweise mit Bambus (der hier meterhoch in den Himmel wächst) gebaut. Zwischen dem Bambus werden schlichte Ziegel gemauert.

Brücken, Zäune, überall wird der Bambus verwertet, der schon mit zehn Zentimeter Durchmesser aus der Erde schießt. Unglaublich, diese Sprösslinge.

Selten habe ich mich spontan so wohl gefühlt in einem Ort, wie in San Andrés.
Zauberhaft ist es hier.
Nicht zuletzt wegen Maya, die uns zwei Tage auf unseren Wanderungen begleitet. Wir gabeln die Hündin unserer Vermieter beim Frühstück auf und sie beschließt uns zu begleiten.

Treu bleibt Maya beide Tage an unserer (nun ja, an Achims Seite), bergauf, bergab, wartet vor den Gräbern, kommt mit zum Friedhof und liegt vor unserem Zimmer bis es zum Abendessen geht.

Maya - treuer Leihhund für zwei Tage

Maya – treuer Leihhund für zwei Tage

Ein Hund zum Verlieben. Eine Landschaft zum Verlieben. Ein Dorf zum Verlieben mit schönen Menschen zum Verlieben.
Ich bin ernsthaft überzeugt, hier ist die Welt noch in Ordnung. Kälber säugen auf der Weide, Ziegen strolchen umher und Hühner picken im Gras (nur die Schweine haben ein härteres Los zu tragen). Soviel Fröhlichkeit kann nur an einem Ort einstehen, an dem alle zufrieden sind.

Schweine werden etwas fies am weglaufen gehindert

Schweine werden etwas fies am weglaufen gehindert

Santa Marta

Do., 13.Jul.17, Kolumbien/Santa Marta, Tag 1139, 11.850 sm von HH

Santa Marta ist wohl der quirligste Ort an dem wir bislang waren.

Die meisten Geschäfte werden auf der Straße gemacht.
Die Fußwege vor offiziellen Geschäften sind voll geparkt mit Fliegenden Händlern, Saftbuden oder Fress-Ständen.
Dadurch ist der Fußweg kaum mehr begehbar, was die Menschen auf die Straße zwingt.
Dadurch ist die Straße kaum mehr befahrbar, was die Autos zum Hupen zwingt.

Wer es eilig hat, umgeht besser die Einkaufsstraßen.

Touristen laufen fast gar keine umher. Der gemeine Touristen-Segler hasst ja auch nichts mehr als andere Touristen. :mrgreen:
Ein paar Backpacker, die in den angrenzenden Bergen wandern wollen. Das war’s.

Santa Marta gilt als die älteste Stadt Südamerikas. Gegründet 1525.
Schnell jedoch läuft Cartagena der Stadt den Rang ab. Santa Marta verliert an Bedeutung und an Glanz. Den holt sich der große Bruder Cartagena.

Heute ist nicht mehr viel aus der Kolonial-Zeit erhalten, nur ein paar Straßenzüge sind Zeitzeuge, dass vor 500 Jahren die Spanier hier landeten.

Kathedrale von Santa Marta

Kathedrale von Santa Marta

 

Ein zweihundert Jahre alter Friedhof liegt mitten im Altstadt-Centrum. Aufwendige Mausoleen mit Putten, Engeln und Inschriften wechseln mit Gräbern neueren Datums.
Hier wir in zwei Klassen beerdigt. In der ersten Reihe die Nobel-Gräber, dahinter, kaum zu erreichen und verdeckt, die ‚Favelas‘ unter den Gräbern. Grob gebaute Nischen für Urnen.

Die Preisliste steht gleich am Eingang: Vier Jahre ein „Gewölbe“ mieten, kostet 500 Euro.
Ein kleines „Beinhaus“ ist für den gleichen Zeitraum für 160 Euro zu haben.
Der Friedhof ist ein Treffpunkt für Jung und Alt, fröhlich schwatzend wird durch die Gänge flaniert oder die älteren Herrschaften hocken im Schatten der Bäume.

Die Versorgungslage in Santa Marta ist her-vor-ragend.
Es gibt Alles und alles für kleines Geld. Außer Milchprodukte und Schokolade, damit tun sich die Geschäfte schwer.
Obst und Gemüse ist von ausgezeichneter Qualität. Nie waren die Ananas saftiger, süßer und preiswerter. Weniger als ein Euro kostet eine große Frucht.
Auf dem offiziellen ‚Schwarzmarkt‘, mitten im Zentrum gibt es Zigaretten aus China (China Duty not paid :oops: ) und Rum aus Venezuela. Das Rauerherz freut sich, die Stange ist für 13 Euro zu haben.

Schwarzmarkt-Kunde incognito

Schwarzmarkt-Kunde incognito

Mittags können wir für 2,50 EUR pro Person essen gehen. Vorsuppe, Hauptgericht und köstlichen, verdünnten Fruchtsaft, soviel man möchte.
Abends kostet es ein wenig mehr…da muss man schon 4,00 EUR für ein Essen berappen. ;-)
Das Essen ist bodenständige Hausmanns-Kost. Die Suppe ein Reste-Mix, sämig aufgekocht mit Kartoffeln oder Bohnen. Herzhaft lecker.
Das Hauptgericht ist gegrillter Fisch oder Fleisch mit Salat, Reis und Kochbananen-Taler. Manchmal auch Pommes. Keine kulinarischen Höhenflüge, aber grundsolide.

Dafür kann man nicht selber kochen.
Was uns gut in den Kram passt, da die fortschreitenden Lackier-Arbeiten in der Pantry angekommen sind. Sperrzone.

Oder es gibt BBQ auf dem Marina-Gelände.
Organisiert von der kleinen Gemeinde der Langfahrtsegler (Finnen, Amerikaner, Engländer und ein paar Deutsche), die wir uns hier eingefunden haben.
Rinderfilet vom Markt kostet grad 11,00 EUR das Kilo. Da freut sich der Skipper, wenn sich die Grillstangen verbiegen. Fleisch satt.

Idyllisches Providencia

Mo., 12.Jun.17, Kolumbien/Providencia, Tag 1108, 11.213 sm von HH

Providencia muss man lieben. Bis auf das Essen.

Wir stoppen an einer zauberhaften kleinen Garküche.
Die Chefin rattert runter, was heute im Angebot ist. Und sie deutet in den Hintergarten. Dort steht ein Topf auf dem Holzfeuer und dampft vor sich hin.
„Was ist drin?“, fragt Achim. Ich höre ‚Fisch, muy bien, und Cocos‘ raus, die anderen Zutaten gehen in genuscheltem Spanisch unter.
Klingt doch gut, nehme ich. Achim setzt auf altbewährtes Huhn.

Der Hausherr scheint begeistert, ob meiner Wahl, ruft mich in den Garten und gewährt mir einen Blick in den Topf. Ich will nicht unhöflich sein und bleibe bei meiner Entscheidung, obwohl der Anblick keine Gelüste weckt.

Als mein Teller kommt, fällt sofort der zitternde Schweine-Schwanz ins Auge. Er erinnert stark an 50 Jahre Portugal. Der kommt als erstes an den Tellerrand.
Der Rest ist nicht gut. Warum sieht alles gleich blass aus? Die Soße ist fade und ungewürzt.War nicht von Cocos die Rede?

Was zum Teufel habe ich auf meinem Teller? Den Fisch (trocken und geschmacklos) erkenne ich und Maniok ebenfalls. Die beiden einzig essbaren Teile.
Der Restkommt zum Schweine-Schwanz.
Auf der anderen Tischseite wird lecker Huhn mit Kochbanane und Reis gefüttert. Gute Wahl.

Der Rest unserer Insel-Tour ist zauberhaft. Die besichtigt man am besten per Moto.
Für 13 EUR inklusive Sprit mietet man ein ausgelutschtes Teil.
Führerschein? Keiner fragt nach.

Ich lass mich kutschieren und spring bei Achim hinten drauf.
Trotz geringer PS-Zahl und Fliehkupplung, kommt sofort ‚Easy Rider Feeling‘ auf.
Man darf auf Providencia ohne Helm fahren.
Kein Mensch fährt mit Helm, außer der Polizei. Cool.

Dafür trägt die Lady, die als lebende Baustellen-Ampel den Verkehr regelt einen Bau-Helm. Das hat Sinn.

Providencia ist untouristisch. Nur ein paar blasse Kolumbianer machen hier Urlaub.
Kleine Hütten werden am Traumstrand im Süd-Westen vermietet. Der Rest der Insel ist Felsenküste.

Auf der ganzen Insel findet man liebevoll zurecht gezimmerte Mini-Pinten, Pensionen und Häuschen für die Kinder, die auf den Schulbus warten.
Kein Müll fliegt umher, die Mongo-Bäume brechen unter der Last der kommenden Ernte zusammen, die Menschen haben Freude an Blumen-Ampeln und pflegen ihren Garten.
Überall wird sich viel Mühe gemacht, dass diese Insel nett und gepflegt wirkt.

Als einziges will der Friedhof nicht dazu passen. Trostloser geht nicht.
Eine ungepflegte Wiese mit einer Mauer. Grau und ungeschmückt.
Die meisten Toten bekommen ihren Namen in den frischen Beton geritzt. Geburts-Tag und Todes-Tag dazu, fertig. Nur wenige Gräber sind verziert.
Entweder mit einem aufwendigen Relief aus Zinn oder mit einem bunten ‚Werbeplakat‘ der schlechtesten Machart.
Wahrlich, die Menschen investieren hier weder Zeit noch Mühe in einen Totenkult.

Am Ende unserer Tour stoßen wir auf eine überfahrene Schlange. :shock:
Ein Würger wahrscheinlich, so unsere Einschätzung.
Hätten wir die vorher gesehen, hätten wir uns wohl nicht so auf der Wiese herum gewälzt.

:mrgreen:

Weiterfahrt nach Mérida

Sa., 04.Mrz.17, Mexiko/Palenque, Tag 1.008, 9.937sm von HH

Palenque ist ein typisch Latein-Amerikanisches Kaff. Als Schachbrett angelegt, schmucklose Betonbauten, ein- bis zweistöckig. Indiginas in ihren Trachten sind nur noch selten zu sehen. Das Hinterland ist Richtung Guatemala mit dichtem Hochland-Urwald überzogen. Dörfer ziehen sich nach Osten in die Ebene.
Dieser Ort dient Touristen nur als Basis zur Ruinen-Besichtigung.

Das nennenswerteste ;-) ist: der Friedhof.
Es herrscht wieder das chaotische Durcheinander wie auf Isla Mujeres.
Allerdings sind die Gruften einmalig: wie gekachelte Schlafzimmer. Inklusive Fenster und Schlafzimmer-Gardinen. Der Mann bekommt einen hellblauen, die Frau den rosa Kasten. Unglaublich.

Per Nachtbus geht es für uns weiter nach Mérida.
Den richtigen Bus zu finden ist ultra einfach in Mexiko. Wir besorgen uns meistens zwei, drei Tage vor der Abfahrt bereits eine neue Fahrkarte. Dafür braucht man nur zum Busbahnhof, die immer recht zentrumsnah gelegen sind. Oder man findet einen Ticket-Verkauf-Schalter in der Stadt.
Dort sagt man einer der netten Damen an den Schaltern wohin man möchte und an welchem Tag. Auf einem Monitor sind alle in Frage kommenden Busse gelistet. Sobald die Dame auf den gewünschten Bus klickt, werden die noch freien Sitzplätze angezeigt. :-)

Man bekommt ein Ticket mit fester Sitzplatz-Reservierung. Das kostet 45 Cent Aufschlag.
Keinen Sitzplatz ganz hinten nehmen, dort sind die Toiletten.
Erstens schaukelt es hinten am stärksten und das Klappen der Toilettentür macht einen wohl bekloppt.
Auch ganz vorne meiden. Dort bekommt man zu hautnah jede Kurve mit.

Wir wählen den 21:00 Uhr Bus nach Mérida.
Wie immer geht es auf die Minute pünktlich los. Die Fahrt soll acht Stunden dauern für 533 km. Wir rechnen wieder mit erheblicher Verspätung.

Zehn Minuten zu früh erreichen wir Mérida. :shock:

Der Bus spuckt uns um 5:00 Uhr morgens in die menschenleere Stadt. Obwohl alle Straßen gut beleuchtet sind, ist es etwas unheimlich. Kaum ein Auto ist unterwegs.
Da uns nichts besseres einfällt, was wir machen könnten, wackeln wir zum Hotel.

Die Straßen in Mérida (Schachbrett) haben keine Namen. Die Ost/West Straßen haben grade Nummern, die Nord/Süd Straßen tragen die ungeraden. Die Straßennummern stehen gut lesbar an jeder Kreuzung. Verirren unmöglich.
Trotzdem laufen wir dreimal an unserem „Hotel“ vorbei.
Der Eingang ist unscheinbar, verstaubt, hier hat doch seit Jahren kein Gast mehr übernachtet. Unmöglich.
Die Hotel-„Werbung“ besteht aus einem zerrissenen Plastik-Streifen, vom Straßenstaub bedeckt, kaum lesbar.

Da wir keine Wahl haben, hocken wir uns auf den nächstgelegenen Fenstersims und warten. Plötzlich geht hinter uns das Fenster auf. Ein Wortschwall prasselt auf uns nieder.
Ich denke zunächst, dass wir Mecker kriegen, weil wir uns zu laut direkt an einem Schlafzimmer unterhalten haben.
Und hurra, es ist in der Tat ein Schlafzimmer. Das unseres Herberg-Vaters. Er öffnet uns die „Hotel-Tür“.

Großer Zauber. Ein großer Empfangsraum, eine Art Rezeption, alles hotel-mäßig liegt vor uns. Dahinter öffnet sich ein kleiner Innenhof. Einfache Plastiktische und die Gemeinschaftsküche. Wir bekommen ein unwiderstehliches Angebot: Für den halben Preis (10 EUR) dürfen wir das Zimmer sofort beziehen und ein Frühstück gibt es außerdem. Gekauft!

Wenn das der Papst wüsste

So. 26.Feb.17, Mexiko/San Christobal, Tag 1.002 9.937 sm von HH

In Mexico sind noch 10% der Einwohner, damit ca. 12 Millionen, indiginer Abstammung. Ebenfalls 10% sind Weiße, der Rest Mischlinge zwischen Indiginas und Weißen.
Im Hinterland von San Christobal hat eine Integration der Indiginas, überwiegend Maya Nachkömmlinge, nicht stattgefunden.
Viele sprechen nicht einmal Spanisch.
Sie unterwerfen sich nicht der Autorität der Regierung Mexikos, sondern halten vielfach an ihren eigenen Gesetzen fest.

Als die Spanier in Mexiko einfielen, gaben sie den Mayas zwei Optionen an die Hand: entweder ihr werdet Katholiken oder wir bringen euch um. Somit sind heute alle Maya-Nachkommen katholisch.
Zumindest auf dem Papier.

In der Kirche von Chamula würde sich der Papst die Händen vors Gesicht schlagen.
Es gibt keine Bänke, keinen Altar, Kanzel oder Orgel.
Rund um die Wände stehen katholisch typische ‚Schaukästen‘ aus Holz mit Figuren aller möglichen Heiligen. Dicht an dicht. Jede Lücke zwischen den Schaukästen ist mit Blumen geschmückt, nur weiße Blüten. Zum Teil reicht der Blumenschmuck meterhoch über die Heiligen-Kästen.
Davor, ebenfalls lückenlos, stehen alte Wohnzimmertische und Tischlein. Ein buntes Sammelsurium ausgedienter Möbel. Auf diesen Tischen brennen hunderte und aberhunderte von Kerzen. Meistens in kleinen Glasgefäßen.

Die restliche Fläche der Kirche ist komplett leer und mit Pinien-Nadeln abgestreut. Auf dem glatten Steinboden eine schlitterige Rutschpartie. Die ganze Kirche duftet harzig.

Die Einwohner von Chamula gehen in ihre Kirche, um Heilung für Kranke zu erbeten.
Sowohl für Verwandte als auch für sich selber. Je kranker man ist, desto mehr Kerzen müssen aufgebaut werden.
Dafür wird ein Stück des Bodens von den Pinien-Nadeln befreit und auf die Fließen dünne Kerzen mit Wachs aufgeklebt. Zwei, drei Dutzend Kerzen werden in kleinen Gruppen aufgebaut. Und dann angezündet. :shock:
Wie war das noch? Keine echten Kerzen auf Advent-Gestecken? Zu gefährlich? Feuergefahr?

In der Kirche von Chamula will man davon nichts hören. Zum Teil stehen die Kerzen so dicht, dass sie sich gegenseitig entzünden.

Vor den Kerzen sitzt man auf dem Boden und betet. Häufig sitzt ein Heiler (Schamane ist verpönt, die Heiler halten sich für Ärzte) daneben, der durch Puls drücken und fühlen, die Krankheit beseitigt.
Wenn das noch nicht reicht, wird auch schon mal ein Huhn geopfert. Ganz modern bedient man sich mit Coca Cola. Der Heiler muss rülpsen und den ’schlechten‘ Atem auf das Huhn übertragen. Wie ginge das besser als mit Cola?
Ist das Huhn voll mit schlechtem Atem, wird ihm der Hals umgedreht. In der Kirche. :lol:

Es ist verboten in der Kirche zu fotografieren. Dass soll so weit gehen, wird man erwischt, dass die SD-Karte entnommen und man sogar für einen Tag ins Gefängnis gesteckt wird. :mrgreen:

Dieses Foto stammt aus einer anderen Kirche, aber so ähnlich muss man sich die Möblierung und Dekoration vorstellen. Im Internet gibt es ein paar Bilder von mutigeren Besuchern eingestellt: Stichwort, Kirche Chamula

Nicht ganz zufällig sind wir zum ‚Karneval‘ vor Ort. Ich hatte gelesen, dass dann spezielle Rituale abgehalten werden an den fünf tollen Tagen.
Mit Karneval hat die Veranstaltung nichts zu tun. Wie im Gottes-Glauben mixen die Indiginas auch hier alles zusammen. Bedienen sich der Rituale, die ihnen gefallen und verweben sie mit ihren eigenen.

Im Maya Kalender gibt es fünf ‚böse‘ Tage. Der Kalender war zwar exakter als es der alte Gregorianische vor der Reform war, aber man musste sich eines Tricks bedienen. Einen Monat mit nur fünf Tagen einfügen.
An diesen Tagen galt es böse Geister zu vertreiben und weil es so gut passte, hat man die in die Karnevalszeit gepackt.

Im Glauben der Maya hat Gott drei Versuche gebraucht, um den Menschen zu formen. Der erste Versuch war aus Lehm und daraus sind Affen entstanden.
Der zweite war aus Holz und ebenfalls ein Flop.
Beim dritten mal formte er den Menschen aus Mais und sah, dass es gut war. Am Karnevalswochenende kommen die Affen aus den Bergen in die Dörfer zurück und das wird gefeiert.

Mit sehr viel Alkohol. Alkohol gilt als Medizin gegen alles und wird bereits morgens konsumiert. Alkoholismus ist ein riesiges Problem in den indiginen Dörfern.

Neben Chamula steht noch Zinacantan, ein zweites Dorf, auf dem Programm. Wir reisen heute mit einer organisierten Tour. Normalerweise mögen wir das nicht so gerne, weil das oft den Charakter von Kaffeefahrt hat. Hier macht es Sinn, damit man nicht unangenehm auffällt.

Im Internet findet man Hinweise, dass die Indiginas es nicht mögen fotografiert zu werden. Unser Guide, Alonso, widerspricht dem. Die Indiginas, die es sich leisten können, haben ein Smartphone und ein facebook account. Sie glauben nicht mehr dran, dass ihnen die Seele durchs Fotografieren genommen wird.

Wir Weiße sind nicht willkommen in den Indigina Dörfer. Zuviel Leid und Unterdrückung mussten sie in den letzten 500 Jahren erdulden. Wir werden nicht angefeindet, aber komplett ignoriert. Durch die Begleitung von Alonso bekommen wir gesagt, was erlaubt und was unerwünscht ist.

Mir kommt es so vor, als hätte man Chamula und Zinacantan, weitere Dörfer kann man nur schwierig erreichen, ‚geopfert‘, damit die anderen unbehelligt von Touristen leben können.

Die Frauen kleiden sich noch immer in ihre alten Trachten.
Durch industriell gefärbtes Garn heute bunt und leuchtend.


Jedes Dorf hat seine eigenen Trachten. Die Männer sind da nicht mehr so konservativ.
In Zanacantan ist grade lila ‚in‘. Eine Farbe hält sich fünf, sechs Jahre. Kommt eine Frau auf die Idee alles in blau zu sticken, dann werden die anderen folgen.

Ein faszinierender Ausflug, der aber den Beigeschmack eines Menschen-Zoos behält.