Mo.,31. Mai 2021, Franz.Polynesien,Pazifik, Tag 2556, 21.659 sm von HH
Der versprochene Suedwind existiert tatsaechlich. Er kommt so suedlich, dass wir 90 Grad segeln koennen. Wir halten etwas vor (eigentlich liegt Fakarava in 70 Grad), denn jede Meile nach Osten bringt uns zum Ziel in einen besseren Winkel. Somit schaffen wir die ersten 24 Stunden schon fuenf Grad rauszufahren. Das klingt wenig, verhindert aber vielleicht am Ende doch noch.
Kreuzschlaege machen zu muessen. Leider bedeutet das hoch am Wind zu segeln. Na, was soll’s, wir haben nichts anderes erwartet. Der Wind blaest zwischen 12 und 22 Knoten, nichts verlaessliches, aber wir fressen uns vorwaerts. Eine Gegenstroemung versucht das erfolglos zu verhindern. Das Wetter ist super, keine Wolke am Himmel. Ein seltener Anblick, zeigen sich doch sonst immer verlaesslich Passatwolken am Himmel. Der Garant fuer schoenes Wetter. Die Tage sind kurz, es geht auf Winter zu bei uns. Bereits um 17:30 Uhr geht jetzt die Sonne unter.
Ein guter erster Tag, aber das Gehacke von Atanga gegen die Wellen ermuedet. Wir machen nur das Noetigste und das mit schweren Armen und Beinen. Noch 130 Meilen zu segeln, wenn es so weiter laeuft. Ahoi.
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Von Moorea nach Huahine – ein Video!
Mi.,12. Mai 2021, Franz.Polynesien/Tahiti/Papeete, Tag 2537, 21.559 sm von HH
Zeit für einen Rückblick: Von Moorea sind wir zwischen Weihnachten und Neujahr nach Huahine gesegelt. Diese Insel ist beim Wettlauf ‚die schönsten Insel in Französisch Polynesien‘ ganz weit vorne. Vielleicht ist sie nicht die schönste, aber das Gesamtpaket macht sie für uns total attraktiv.
Die Überfahrt in Moorea war eine Nachtfahrt – nur ein kurzer Hüpfer. Allerdings sind wir einen Tag zu früh gestartet und hatten noch eine alte Dünung draußen stehen.
Viel Spaß mit der Überfahrt und einer Moped-Runde um Huahine.
Mit dem Moped auf Insel-Tour
Reisepläne 2021 – die Entscheidung der großen Distanzen
Do.,22. Apr. 2021, Franz.Polynesien/Tahiti/Papeete, Tag 2517, 21.559 sm von HH
Wir segeln nach Neuseeland! Zumindest höchstwahrscheinlich. In diesen unplanbaren Zeiten weiß man ja nie … aber was sicher ist, wir haben eine Einreisegenehmigung für Neuseeland erhalten. Hipp hipp hurra. Bislang darf nur Atanga einreisen, allerdings sind unsere Visa-Anträge in Bearbeitung. Genauer gesagt, ist der Antrag in Bearbeitung, ob wir beide als „notwendige Crew-Mitglieder“ für die Überführung des Schiffes gelten. Wir haben eine Besatzung kennen gelernt, da hätte nur der angestellte Skipper (Neuseeländer) und die beiden Elternteile ein Bleiberecht erhalten. Die (minderjährigen) Kinder wurden als nicht notwendige Crew eingestuft und hätten Neuseeland mit dem ersten Flieger verlassen müssen. Neuseeland … ![]()
Wird unserer beider Notwendigkeit anerkannt, folgt der eigentliche Visum-Antrag. Die Visa sollten wir problemlos erhalten ohne eine aktenkundige Bankräuber-Karriere. Diesmal haben wir alle Gesuche ohne Agenten-Hilfe eingereicht. Achim hat die undankbare Arbeit übernommen. Begleitet von viel Gemecker über den Formalismus des Antrages, aber der erste Schritt hat schon mal geklappt.
Ich weiß, ich habe schon einmal geschrieben, dass Neuseeland uns den Buckel runter rutschen kann. Frau Ardern liest ja hoffentlich nicht mit – wir finden Neuseeland noch immer ganz schön unanständig. Auch ein Jahr später erhält nur ein Schiff, was mindestens 50.000 NZ Dollar ausgeben will, eine Einreisegenehmigung. Money makes the world go round.
Nach vielen Überlegungen haben wir uns entschieden Geld wie Heu auszugeben. Wir haben keine Wahl – unser Deck braucht eine Komplettsanierung. Hinten fängt es schon wieder an zu tropfen. Der einzige Ort an dem wir diese Arbeiten machen können und der (für uns) erreichbar ist, heißt Neuseeland.
Da wir erst nach den neuseeländischen Frühjahrs-Stürmen im November segeln wollen, bleibt uns noch ein halbes Jahr in Französisch Polynesien.
Im Mai verlassen wir Tahiti und segeln mit einem guten Wetterfenster in die Tuamotu. Ein letztes Mal Richtung Osten zurück. Tauchen mit Haien und endlich mal (!) in türkis Wasser schwimmen, lautet unsere Idee. Wenn es irgendwie ohne große Probleme möglich sein sollte, würde ich gerne im August/September nach Deutschland fliegen. Aber nach dem schwarzen Gesetz-Erlass von heute zweifle ich stark daran, dass das klappen wird. Im Oktober bereiten wir dann den langen Ritt nach Neuseeland vor. Fahrradreifen und Wanderschuhe müssen klinisch rein sein. Alles, was nicht nach Neuseeland darf, muss vernichtet werden. Lorbeerblätter und getrocknete Linsen, um nur zwei Beispiele zu nennen. Zeit, aus den Ritzen der Bodenbretter versteckte Saatkörner der halben Welt zu saugen.
Wir kennen einige Crews, die ebenfalls erfolgreich einen Antrag gestellt haben. Einige Schiffe wollen allerdings nicht direkt segeln, sondern in Fiji einen Zwischenstopp einlegen und bereits im Mai los segeln. Fiji ist der einzige Inselstaat auf der Strecke, der seine Grenzen geöffnet hat. Wir haben uns dagegen entschieden. Trotz Impfung benötigt man einen negativen Test vor der Abfahrt in Tahiti, in Fiji wird der Test wiederholt und ein Agent schaltet sich ein, alles zusammengerechnet, kommen da weit über tausend Dollar zusammen für, … tja, für nichts. Und an Fiji kommen wir auch noch nach Neuseeland vorbei – können vorbei kommen, wenn wir wollen. Somit liegt vor uns die längste Strecke der Reise. Wir dachten, dass wir mit Ecuador-Osterinsel das hinter uns hätten, aber auch das war ein Irrtum.
Direkte Strecke nach Neuseeland wären es nur ungefähr 2200 Seemeilen. Das ist aber nicht segelbar. Je nach Wind und Wetter kann es passieren, dass wir bis auf die Länge von Fiji segeln müssen, um dann nach Süden abzufallen. Somit kann die Strecke 2800 bis 3000 Meilen lang werden.
Die Entscheidung mit Neuseeland ist gefallen. Etwas traurig stimmt uns, dass wir Traumziele wie die Cook-Insel, Samoa und Tonga ungesehen passieren müssen. Die einmal im Leben Chance. [„Es sein denn, wir kommen zurück“, wirft Achim ein, als ich ihm den Text vorlese. Scherzkeks! Aber die Zeiten sind so verrückt, dass alles möglich scheint
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Im Farbenrausch auf Bora Bora
Di.,16. Mrz. 2021, Franz.Polynesien/Bora Bora/Piti Aau, Tag 2480, 21.377 sm von HH
Bora Bora hat nur einen Passeingang ins Atoll – im Westen gelegen. Anders als in Tahaa ist es für uns unmöglich mit zwei Meter Tiefgang die Insel zu umrunden. Im Süden ist es einfach zu flach. Ein tiefblauer Kanal führt über Norden in den schönen Osten von Bora Boras Lagune.
Zunächst ist es bequeme fünfundzwanzig Meter tief. Die Sonne steht hoch als wir uns auf den Weg machen. Dann kommt ein Engpass. Also der Engpass, vielfach beschrieben in Büchern und von anderen Seglern. Ich stehe am Ruder und schwitze. Achim steht vorne am Bug mit dem Funkgerät in der Hand für Anweisungen an mich. Ich weiß nicht, welcher Job schweißtreibender ist. Der, der einen Bommy übersieht oder der, der dagegen brummt? Es gibt eine gute Anzahl an Seezeichen, die uns im Slalom den richtigen Weg weisen. Gelb-schwarze Gefahren-Tonnen, deren Toppzeichen anzeigen an welcher Himmelsrichtung man an ihnen vorbei fahren muss. Und außerdem grüne und rote Fahrwassertonnen. Aber Achtung! Eine Falle lauert auf Segler. Sind die roten Tonnen beim der Einfahrt ins Atoll noch links, so müssen die roten Tonnen nun rechts vom Schiff sein. Rechts. Man kann es sich gar nicht oft genug sagen.
Bei so viel Tonnen sollte man denken, kann ja nicht so schwierig sein. Einfach das befolgen, was die Tonnen anzeigen. Fertig. In der Praxis macht die Enge dann doch nervös. Das Wasser ist glasklar, jeder Korallenhaufen ist klar zu erkennen. Wer vom Weg abkommt, der rummst auf. Gleich neben der ‚erdachten‘ Fahrbahn wird es sofort flach.
Aber wir kommen gut durch. Ein Katamaran, der uns entgegen kommt, wartet am Ende der Slalom-Strecke darauf, bis wir durch sind. Ein Charter-Kat. Also ein Profi am Ruder. Der junge Mann lacht als ich ihm ‚first time for me‘ zurufe und imaginären Schweiß von der Stirn wische.
Wir lachen dann auch. Vor uns liegt ein kleines Wunder: die Lagune von Bora Bora! Wir sind türkis ja doch etwas gewöhnt, aber so etwas haben wir noch nicht gesehen. Weder in der Karibik in den Tobago Cays, noch in Belize. Tiefe Bereiche von fünfzehn Metern gehen in flache Bereiche von vier Meter über, dann weiter runter auf einen Meter fünfzig. Die Farbkanten sind wie mit dem Messer abgeschnitten. Dunkelblau wechselt zu blau – himmelblau zu fast weiß. Gleißend liegt dieser Zauberkasten an Farben vor uns. Tiefere Bereiche zeichnen grünblaue Bänder ins helle Türkis. Pfauenblau – Porzellanblau – Wolkenblau., 89 Namen für Blau habe ich gefunden. Sie dürften alle vor uns liegen. Zumindest aber RAL 5000 bis RAL 5029. ![]()
Wir suchen uns eine leere Mooring. Atanga schwebt im glasklaren Wasser wie losgelöst. Alles an Deck schimmert grünlich, die Segel, der Mast, ja, selbst die Seeschwalben, die vorbei fliegen, sind von unten türkis.
Wir springen ins Wasser. Neunundzwanzig Grad bieten keine Abkühlung aber pures Vergnügen. Nur hundert Meter hinter uns wird es flach, dort können wir stehen. Der endlose Sandboden, der für diese zauberhaften Farben sorgt, wird nur von ein paar versprengten Korallenflecken unterbrochen. Manchmal schwimmt so ein Korallenfleck auch davon, dann ist es ein Stachelrochen. Und hinter all dem baut sich der ansehnliche Krater von Bora Bora auf. Grün vor blauem Himmel. Waldgrün vor Himmelblau.

Am Ufer vom nächsten Motu (Inselchen) wird die Lagune fast weiß

Die Lagune – mal blau

Mal türkis. Immer wieder in einer anderen Farbe
Tsunami-Warnung
Do.,04. Mrz. 2021, Franz.Polynesien/Bora Bora/Yachtclub, Tag 2492, 21.369 sm von HH
Nach unser Vanille-Tour bleiben wir noch ein paar Tage an der Mooring von Noah hängen. Weitere Gäste für die Tour melden sich nicht an – wegen der geschlossenen Grenzen. Wir würden gerne eine Gebühr bezahlen, aber Noah winkt freundlich ab. So lange er keine Gäste hat, dürfen wir bleiben.
Also umrunden wir die Bucht zu Fuß. Die südliche Flanke endet in einer Sackgasse, entsprechend dünn ist sie besiedelt. Große Grundstücke mit parkähnlichen Gärten, so wie der von Noahs Familie.

Park ähnliches Grundstück der Vanille-Tour Familie

Die Open Air Küche ist ein Traum
Auf der anderen Seite der Bucht stehen die Häuser der einheimischen Fischer. Jedes Haus hat seinen eigenen Steg, der bis zur Riffkante führt, damit man mit dem Fischerboot überhaupt anlanden kann. Mit cleveren Konstruktionen können die Boote bei Nichtgebrauch aus dem Wasser gehoben werden. Hotels gibt es hier keine, das normale polynesische Leben läuft gemütlich ab. Die Locals sind freundlich und schenken uns Sternfrüchte aus ihrem Garten. Der Supermarkt ist dünn sortiert, wir sind auf Gambier-Auswahl angekommen. Es gefällt uns – bei absoluter Flaute – in der idyllischen Bucht.

Obst und Gemüse gibt es von Straßenständen – im Supermarkt nur Konserven
Unter der kleinen Hütte links im Bild liegt Oma begraben. Einen Zentralfriedhof gibt es weder auf Huhaine noch hier auf Tahaa. Beerdigt wird im eigenen Vorgarten.
Aber Bora Bora wartet schon um die Ecke – nur einen Halbtages-Törn entfernt. Wir wollen die Gastfreundschaft von Noah nicht überstrapazieren und beschließen nach Bora Bora zu motoren. Wind ist für die nächsten Tage nicht in Sicht.
Die Inseln liegen so nah beieinander, dass wir unterwegs sogar auf See Internet haben. Unser Vertrag ist von ‚Vini‘ und war eine wirklich gute Entscheidung. Ein Handymast in Reichweite reicht uns und wir schon sind online. Beide lesen wir unterwegs von dem nächtlichen Erdbeben in Neuseeland. Und denken uns nichts dabei. Tsunami-Warnung aufgehoben, heißt es in den News.
Bora Bora hat nur einen Pass, die Einfahrt ist unspektakulär. Da Ankern in der Lagune von Bora Bora verboten ist, steuern wir ein Mooringfeld an, was vor dem örtlichen Yachtclub eingerichtet wurde. Grad als wir fest gemacht haben, kommt eine Warnung vom ‚Haut Commissaire‘ aufs Handy rein: „Tsunami-Warnung in Französisch Polynesien *** am frühen Nachmittag *** bis 1,60 Meter hohe Welle wird erwartet“. Die automatische Übersetzung ins Deutsche lässt uns zunächst rätseln, ob wir auf Bora Bora auch betroffen sind. Achim kramt altes Wissen hervor: Tsunami bedeutet ‚große Welle im Hafen‘! Na toll, grad haben wir festgemacht. Sicherer als auf offener See sind wir nirgends, lautet unsere Diagnose.
Während wir noch überlegen, ob das Riff um Bora Bora ausreicht, einen Tsunami aufzuhalten und ob wir wieder raus fahren sollten, purzeln die Meldungen im Minutentakt rein. Dann die Entwarnung für uns. In potentieller Gefahr befinden sich nur Moorea und Tahiti. Dort soll man sich vom Strand fernhalten; die Kinder in den Schulen werden von Bussen in Sicherheit gebracht. Eltern sollen nicht kommen, um die Kinder zu holen. Auf Tahiti werden im Norden der Insel (ohne schützende Riffe vor der Küste) die Straßen gesperrt. Einzelne Bezirke werden evakuiert. Man meint das wirklich ernst! Wir äugen misstrauisch, ob wir Aktivitäten am Ufer entdecken können. Nein, keine Fischer zu sehen, die ihre Boote aus den Gestellen hektisch in Sicherheit bringen. Wir entspannen uns und vertrauen auf die Meldungen von Leuten mit Erfahrung. Wir bleiben, wo wir sind.
Am späten Nachmittag kommt dann die Entwarnung – der Tsunami hat sich auf der Strecke von Neuseeland tot gelaufen und kam auf Tahiti nur noch als ein kleines Wellchen von zehn bis zwanzig Zentimetern an. Glück gehabt!










